von  Lasse Eilers  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 8 Min
Synthesizer-Etikettenschwindel

Synthesizer-Etikettenschwindel: Ist Oberheim drin, wo Oberheim draufsteht?  ·  Quelle: Rhodes

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Auch bei Synthesizern kann der Schein trügen und es ist nicht immer das drin, was man denkt. Hier sind fünf kuriose Fälle von Synthesizer-Etikettenschwindel!

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Im Allgemeinen geht man ja davon aus, dass ein Synthesizer von dem Hersteller entwickelt wurde, dessen Name auf dem Gehäuse steht. Wenn ich zum Beispiel ein Instrument von Sequential kaufe, dann käme mir nicht in den Sinn, dass jemand anders als das Team von Sequential die Schaltungen im Inneren entwickelt haben könnte – auch wenn Dave Smith dies ja leider nicht mehr selbst übernehmen kann.

Normalerweise ist das auch so – aber nicht immer. Es gibt viele Beispiele für Synthesizer-Etikettenschwindel, wobei „Schwindel“ hier natürlich ausdrücklich augenzwinkernd gemeint ist. Mal gehörte ein Markenname zwischenzeitlich einem anderen Unternehmen, mal wechselten Projekte zusammen mit der Konkursmasse einer Firma den Besitzer, mal haben sich Hersteller einfach untereinander ausgetauscht und zusammengearbeitet. Und so kommt es, dass manche Synthesizer nur am Rande etwas mit dem Hersteller zu tun haben, unter dessen Namen sie erschienen sind.

Fünf dieser „Schummler“ haben wir hier zusammengetragen. Gleich vorweg: Dass sie ihre wahre Herkunft verheimlichen, bedeutet natürlich nicht, dass es „schlechte“ oder „unechte“ Synthesizer sind. Im Gegenteil: Einige dieser Instrumente wurden von legendären Synthesizer-Pionieren entwickelt – allerdings nicht von denen, die außen draufstehen.

 

Synthesizer-Etikettenschwindel: Crumar Spirit

Crumar Spirit Synthesizer
Crumar Spirit · Quelle: Crumar

Eines der bekanntesten Beispiele für Synthesizer-Etikettenschwindel ist der Crumar Spirit. Der 1983 erschienene Analogsynthesizer aus Italien hatte das Pech, etwa zeitgleich mit dem Yamaha DX7 auf den Markt zu kommen. Deshalb war er von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dass seine Klangerzeugung mit zwei getrennten Signalwegen und zwei verschiedenen Filtern für einen monophonen Analogen äußerst interessant aufgebaut war, half dem Spirit nicht: Schätzungen zufolge wurden nur etwa 100 Stück verkauft und er geriet bald in Vergessenheit.

Das ist mehr als schade, denn eigentlich ist der Crumar Spirit ein waschechter Moog. Entwickelt wurde er nicht bei Crumar in Italien, sondern in den USA von Bob Moog höchstpersönlich, zusammen mit dem langjährigen Moog-Ingenieur Jim Scott, der auch am Minimoog beteiligt gewesen war, und Tom Rhea, der ebenfalls lange Zeit für Moog gearbeitet hatte. Ein bisschen wirkt es so, als hätten die drei Designer-Legenden einfach eine Menge Spaß gehabt und sich in ihrer Kreativität nicht von Standards und Konventionen einengen lassen. So weist der Spirit Features auf, die man bei keinem anderen Moog findet. Gerade das macht ihn so spannend.

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Zum Glück endet die Geschichte des Crumar Spirit jedoch nicht mit der gescheiterten Markteinführung im Jahr 1983. 2023 brachte der inzwischen wiederbelebte italienische Hersteller eine limitierte Neuauflage heraus. Und inzwischen kannst du dir den Spirit dank einer Kooperation von Crumar und Cherry Audio auch als Plugin* auf den Rechner holen.

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Cherry Audio Crumar Spirit Download Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Synthesizer-Etikettenschwindel: Oberheim OB-Mx

Wenn Oberheim draufsteht, war auch Tom Oberheim an der Entwicklung beteiligt? Nicht unbedingt! Der Oberheim OB-Mx hat mit Tom nur den Nachnamen gemeinsam. Stattdessen war ein anderer Synthesizer-Pionier involviert, den man vielleicht nicht unbedingt mit der Marke in Verbindung bringt: Don Buchla.

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Nachdem Oberheim im Jahr 1985 zum ersten Mal Insolvenz angemeldet hatte – auch hier liegt man sicher nicht ganz falsch, wenn man den DX7 als Schuldigen ausmacht –, wurde die berühmte Marke etwas herumgereicht, bis sie schließlich bei Gibson landete. Tom selbst verblieb noch einige Jahre im Unternehmen, wandte sich dann aber seiner neuen Firma Marion Systems zu. Unter der Regie eines gewissen Keith McMillen, dessen Name heute eher mit ungewöhnlichen MIDI- und MPE-Controllern in Verbindung gebracht wird, entstand im Gibson-Konzern der Oberheim OB-Mx.

Für die Entwicklung holte Gibson neben Don Buchla auch D.N. „Lynx“ Crowe ins Boot, der zuvor die Firmware für die Buchla-Systeme 400 und 700 programmiert hatte. Gewissermaßen ist der OB-Mx also eher ein Buchla als ein Oberheim.

Der analoge Synthesizer im klassischen SEM-Beige und im damals hochmodernen Rackformat ließ sich auf bis zu 12 Stimmen erweitern und bot neben dem bei Oberheim unverzichtbaren SEM-Filter auch ein Ladder-Filter im Moog-Stil. Pro Stimme gab es darüber hinaus ganze vier Hüllkurvengeneratoren. Auch Layer- und Split-Sounds sind möglich. Das „O“ in Oberheim stand eben schon immer für „Opulenz“.

Dennoch wird der OB-Mx heute nicht zu den großen Oberheim-Klassikern gezählt – wohl auch, weil er klanglich etwas von eben dieser Opulenz vermissen ließ. Ganz konnte Gibson diesen Synthesizer-Etikettenschwindel also nicht vertuschen. Drew Schlesinger, der einige Presets für das Instrument beigesteuert hatte, drückt es auf Instagram so aus: „Er hatte einige großartige Features wie erweiterbare Voice-Cards, aber er hatte nicht wirklich diesen Oberheim-Sound.“

Die Marke Oberheim machte übrigens in den Folgejahren noch weiter die Runde – zwischenzeitlich versuchte auch Behringer, sich den Namen zu sichern –, bis sie 2021 schließlich wieder bei Tom landete. Deshalb haben wir heute wieder echte Oberheim-Synthesizer wie den OB-X8* und TEO-5*.

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Oberheim OB-X8
Oberheim OB-X8
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Oberheim OB-X8 Desktop
Oberheim OB-X8 Desktop
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Oberheim TEO-5
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Oberheim TEO-5 Desktop Module
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Synthesizer-Etikettenschwindel: Rhodes Chroma

Rhodes Chroma
Rhodes Chroma · Quelle: Rhodes

Der Niedergang von ARP ist eine lange, leidensvolle Geschichte, die sich dennoch mit nur einem Wort zusammenfassen lässt: Avatar. Die aus dem Ruder gelaufenen Entwicklungskosten für den kommerziell gescheiterten Gitarrensynthesizer brachen der Firma letztlich das Genick. ARP meldete Insolvenz an und wurde zerschlagen. Das ambitionierteste Projekt, das zu dem Zeitpunkt in Arbeit war, landete bei CBS und deren Marke Rhodes. Und so wurde der Chroma zu einem der erfolgreicheren Fälle von Synthesizer-Etikettenschwindel.

Der von Philip Dodds, Paul DeRocco und Tony Williams entwickelte 16-stimmige Analogsynthesizer war seiner Zeit auf mehreren Ebenen weit voraus. Der Chroma war softwaregesteuert, hatte eine interne, semimodulare Patch-Struktur und ließ sich über eine spezielle Interface-Karte mit einem Apple IIe verbinden. Außerdem setzte er schon vor dem DX7 den Trend zu den stylischen Folientastern, die das Synthesizerdesign der 1980er prägen sollten. Auch eine Expander-Version ohne Tastatur war erhältlich.

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Wie fast alle polyphonen Analogsynthesizer jener Zeit war der Rhodes Chroma ziemlich teuer, was für Größen wie Herbie Hancock und Joe Zawinul aber natürlich kein Problem darstellte. Heute kannst du dir seinen Sound glücklicherweise deutlich günstiger in die DAW holen: mit dem entsprechenden Plugin* von Cherry Audio.

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Cherry Audio Rhodes Chroma by Cherry Audio Download
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Synthesizer-Etikettenschwindel: AKAI Miniak

Synthesizer-Etikettenschwindel: AKAI Miniak
AKAI Miniak · Quelle: AKAI Professional

Dass Alesis mal zu den klangvollen Namen im Synthesizer-Business gehörte, ist heute fast in Vergessenheit geraten. In den Nullerjahren war der Hersteller aber nicht nur mit dem bis heute beeindruckenden, von Axel Hartmann designten Analogflaggschiff Andromeda A6 im Geschäft, sondern sprang 2003 mit dem Ion auch auf den virtuell-analogen Zug auf. Der Ion war sozusagen als digitale Alternative zum Andromeda konzipiert. Wenig später erschien mit dem Micron eine abgespeckte Kompaktvariante. Der Micron hatte zwar fast alle Bedienelemente seines großen Bruders eingebüßt, wies jedoch auch einige Features auf, die der Ion nicht hatte, darunter einen Sequencer und Effekte.

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Und warum ist das jetzt Synthesizer-Etikettenschwindel? Das kommt jetzt. Schon zu jener Zeit gehörten Alesis und AKAI Professional zur inMusic-Firmengruppe rund um Numark. Als Alesis’ Stern am Synthesizerhimmel im Jahr 2009 langsam verblasste, wurde daher kurzerhand entschieden, die Ion-Klangerzeugung unter der Marke AKAI neu herauszubringen. Der Miniak sieht zwar etwas anders aus, hat aber genau die gleiche Synthesearchitektur wie der Micron. Außerdem wurde ihm ein zeitgemäßes Schwanenhalsmikrofon verpasst – schließlich hatte der Siegeszug des microKORG längst begonnen. Anders als dieser, der bis heute in seiner Urform erhältlich ist*, ist der Miniak aber inzwischen Geschichte.

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Korg microKORG
Korg microKORG
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Synthesizer-Etikettenschwindel: Sequential Circuits Split-Eight

Ja, auch in der Geschichte von Sequential gibt es einen Fall von Synthesizer-Etikettenschwindel. Und dafür kann der Hersteller noch nicht einmal etwas.

Synthesizer-Etikettenschwindel: Sequential Circuits Pro-8
Sequential Circuits Pro-8 · Quelle: Adam Douglas

Mitte der 1980er-Jahre war es nicht ungewöhnlich, dass US-amerikanische Synthesizerhersteller ihre Instrumente in Japan in Lizenz bauen ließen, um den boomenden dortigen Markt zu bedienen und von den geringeren Fertigungskosten zu profitieren. Zum Beispiel arbeitete Sequential Circuits mit einer Firma namens Moridaira im japanischen Matsumoto zusammen. Und diese legte die Vereinbarung offenbar etwas großzügiger, aus als von Dave Smith und seinen Leuten vorgesehen. Jedenfalls stellte Moridaira nicht nur wie vereinbart die Modelle Prophet 600, DrumTraks und Six-Trak her, sondern entwickelte kurzerhand auf Basis des Letzteren einen neuen Synthesizer – wohlgemerkt, ohne dass Sequential Circuits zu dem Zeitpunkt davon wusste.

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Der Pro-8 war ein polyphoner, bitimbraler Analogsynthesizer auf Basis des Curtis CEM3394 – des sogenannten „Synth on a chip“. Da er ursprünglich nur für den japanischen Markt vorgesehen war, wirken einige Designelemente ziemlich ungewöhnlich und vor allem untypisch für Sequential, wie etwa die Matrix-Bedienung. Am kuriosesten ist jedoch die in das Bedienfeld eingelassene Tafel, auf der man sich mit einem Fettstift Notizen machen konnte – und das, obwohl der Synthesizer über Speicherplätze verfügte.

Sequential fiel dem Vernehmen nach völlig aus den Wolken, als Moridaira vorschlug, dass man den Synthesizer doch auch auf der anderen Seite des Pazifiks vertreiben könnte. Nach ein paar Designänderungen und der Umbenennung in Split-Eight kam er 1986 in den USA auf den Markt. Tatsächlich sollte es der vorerst letzte Analogsynthesizer werden, auf dem der Name Sequential Circuits prangte.

Wie auch Tom Oberheim verlor Dave Smith wenig später die Namensrechte an seiner Firma, bevor er sie 2015 von Yamaha zurückerhielt. Seitdem gibt es wieder echte Sequential-Instrumente* – völlig ohne Synthesizer-Etikettenschwindel.

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Sequential
Sequential

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