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Pedalboard Anleitung HOWTO Teaser Teil 1

 ·  Quelle: Rob Scallon / Youtube

Du möchtest dir dein erstes Effektboard zusammenbauen, weißt aber nicht, womit du anfangen sollst oder welche Effekte du brauchst? Dann möchten wir dir eine kleine (unverbindliche) Anleitung an die Hand geben – so baust du dir nicht nur dein erstes Pedalboard sinnvoll auf, sondern es bleibt mit unseren Tipps auch verhältnismäßig günstig.

Vorgeschichte

Mein Weg war steinig – ich habe zu einer Zeit angefangen E-Gitarre zu spielen, als das Internet noch vergleichsweise echtes Neuland war und ISDN der neue heiße Shice war. (Ich fühle mich gerade alt.) Dementsprechend hoch war die Informationsdichte über Effektgeräte und wie man sie einsetzt. Der Musikladen um die Ecke war neben anderen Musikern die einzige Informationsquelle und gleichzeitig Pilgerort Nummer 1. Neues Equipment konnte man nur über Kataloge ansehen – und nicht mal schnell im Netz eine Demo anhören oder Reviews lesen.

Heute läuft das alles etwas anders – zum Glück. So kannst du nicht nur eine Menge Nerven und Geld sparen, sondern kannst auch schon im Vorfeld ungefähr erahnen, wie es klingen kann. Wobei natürlich Gitarre und Amp auch einen bedeutenden Einfluss auf den Gesamtsound haben. Vor allem gab es Entwicklungen wie Stompenberg nicht – ein Service von Thomann, mit dem du ausgewählte Effektpedale einfach über den Browser mit deiner Gitarre testen kannst. Wie hier mit der ProCo Rat 2, einem eher günstigen und beliebten Verzerrer. Aber der Reihe nach.

Stompenberg Thomann Effekt Stream

Preis-Leistung

Am Anfang sieht man vor dem massiven Angebot gar nicht die Möglichkeiten. Es ist wie überall anders mit massivem Überangebot mit mal mehr mal weniger identischen Kopien, ermöglicht es auf der anderen Seite uns Musiker und Musikerinnen, günstig an Pedale zu kommen, die vor vielen Jahren quasi unerschwinglich oder alternativlos waren. Das heißt: Du kannst mit wenig Geld viele hochwertige Sounds erreichen. Entweder probierst du dich mit Multieffektgeräten wie dem wirklich gut klingendem Harley Benton DNAfx GiT aus oder widmest dich den Einzeleffekten. Je nach Wahl deines Bestecks wird es wie bei Gitarren und Amps preiswert oder teuer.

Am Ende ist es eine Sache deiner Einstellung. Einzeleffekte sind meist analog, kosten entsprechend auch mehr, aber sie sind schneller eingestellt und ich finde, es sieht auch schöner aus und lässt sich leichter mit dem Fuß einzeln zuschalten. Hier geht es also um Einzeleffekte. Und ich versuche, dir verschiedene Effekte am unteren Ende der finanziellen Mittel zu zeigen, dann kosten deine ersten Schritte nicht so viel und es klingt trotzdem.

Jetzt geht‘s aber erstmal ums Zubehör.

Grundlagen: Board + Zubehör

Es geht natürlich auch ohne, aber ein FX-Board ist kein Board ohne das namensgebende Brett unter den Effekten. Du kannst eine DIY-Lösung aus einem alten Holzbrett oder Blech (oder sogar Stück Maschendrahtzaun) machen oder dir eins von der Stange besorgen, das auf die Sorgen und Nöte von Gitarristen angepasst ist. Je nach Größe, Umfang, Material, Innovation und Herstellername kannst du hier viel oder wenig Geld lassen.

Nur Effekte is nicht: Du braucht noch mehr zum Glück

Der Vorteil eines Boards: Alle Effekte haben ihren festen Platz, sind fertig verkabelt und es müssen in der Regel nur drei Kabel angeschlossen werden: Strom, Gitarrenkabel, Amp-Kabel. Fertig. Schneller kannst du dein Setup fast nicht aufbauen.

Außer dem Board und den Effekten (dazu weiter unten mehr) brauchst du noch Patchkabel, um deine Effektpedale miteinander zu verbinden und eine Stromversorgung.

Pedalboards

Wenn du irgendwo alte Bretter rumliegen hast oder organisieren kannst: Vielleicht ist das schon deine (erste) Lösung oder ein Versuch. Preiswerter wird es nicht. Manche Bands setzen auf ein altes Stück Maschendrahtzaun. Hier müssen Effekte nicht festgeschraubt oder geklettet werden, sondern können mit Kabelbindern fixiert werden. Wirklich praktisch ist das aber nicht, da Zaun eher labberig ist. Aber auch ein Küchenbrett oder altes Plastikregalbrett reichen. Mir allerdings nach diversen Versuchen nicht. Ich brauche eins speziell für Gitarristen, da ich da die Kabel besser führen kann und so mehr Platz habe.

Bei Pedalboards von der Stange ist meist Klettband oder eine Art Teppich vorgeklebt und ein, zwei Streifen für deine Pedale im Lieferumfang. Das müsstest du dir für ein Holzbrett selbst besorgen, eine Seite mit Haken*, die andere Seite mit „Flausch“*. So eine Rolle hält bei „normaler Pedalfluktuation“ mehrere Jahre. Velcro ist nur ein (rennomierter) Hersteller, wenngleich einer der bekanntesten, aber auch teureren.

Für den Start reicht ein kleines Pedalboard wie beispielsweise das Palmer MI Pedalbay 50s* oder das Pedaltrain Nano+*, das auch mein Hauptboard ist.

Wenn es etwas größer werden soll und du mehr Effekte nutzen möchtest oder dir Pedale mit größerem Gehäusen ausgesucht hast, sollte dein Board auch mitwachsen. Das geht beim Harley Benton SpaceShip 40* los, geht über das Pedaltrain Novo24 TC* bis hin zu riesigen Versionen wie das Pedaltrain Terra 42 mit Case* oder Allround-Profilösungen mit Netzteil im Lieferumfang wie dem Friedman Tour Pro 1530 Platinum*.

Du siehst, es geht quasi kostenlos oder für richtig viel Schotter. Du entscheidest, was du brauchst. Ich empfehle dir, klein anzufangen. Am Anfang ist es eh noch nicht so richtig klar, wie viele Effekte du dir am Ende zum vollen Glück kaufen wirst. Wenn ein Effekt wie ein Wahwah dabei ist, dann brauchst du eh nochmal eine Speziallösung.

Wenn du unter 50 Euro bleibst, bist du dennoch gut beraten und wenn du am Ende nur 4-5 Pedale hast, dann reicht auch so eins ein Leben lang. Gerade bei Modellen aus Metall würde ich sagen, dass du kein anderes brauchst, weil es kaputt geht, sondern weil du mehr Effekte hast. ;)

Patchkabel

10-15 cm sollten deine Patchkabel lang sein, möglichst schmale Stecker haben, damit du nicht Platz mit unnötig breiten Steckern verschwendest (es passen mehr Pedale auf dein Board!). 5 cm sind meiner Erfahrung nach etwas knapp und nur zu gebrauchen, wenn du dein Board richtig durchgeplant hast.

Goldene Stecker bringen keinen echten Zugewinn. Wenn du selbst löten kannst, dann ist der Selbstbau eine preiswerte und individuelle Option. Andernfalls kann ich dir von der Stange die Roackboard Flat Patch Cable* empfehlen (die du im Zweifel aber nicht reparieren kannst) oder sehr hochwertige Modelle wie die Sommer Cable Spirit XS mit HiCon-Steckern* (die habe ich selbst gelötet und bin extrem zufrieden).

Tu dir einen Gefallen und nimm nicht die billigen, bunten Kabel. Die sehen zwar „total fetzig“ aus, haben mir aber extrem viele Höhen geraubt und sind oft schlecht geschirmt.

Strom

Die nötige Stromversorgung kann ein spezielles Netzteil für Pedalboards sein, etwa das sehr günstige Harley Benton PowerPlant Junior*, das sehr gute PowerPlant ISO-5 Pro*, das umfangreiche Truetone 1 Spot Pro CS6* oder das T-Rex Fuel Tank Classic*. Jedes hat Vor- und Nachteile.

Für den Start würde ich das PowerPlant ISO empfehlen, das ist nicht zu knapp dimensioniert und kann auch später dank der isolierten, gefilterten und kurzschlussgesicherten Ausgänge problemlos weiterverwendet werden. Außerdem bringt es genug Stromstärke für bedürftige Effektpedale mit und hat neben der wichtigsten 9 V Ausgänge noch optional 12 V und 18 V (für spezielle Pedale) am Start. Zu dem Preis bietet das kein anderer Hersteller.

Eine andere Möglichkeit heißt Daisy Chain. Im Endeffekt ist das nicht mehr als ein Verteilerkabel für Strom. Du kannst so (wie ich bei meinem kleinen Board) auf ein Netzteil (aka. Wandwarze) wie das Truetone 1 Spot* setzen und den Rest über das Verteilerkabel wie das Palmer MI PWC 6* an die Effekte schicken. Es ist nicht nur platzsparend, sondern gleichzeitig auch die für mich zuverlässigste Budget-Lösung.

Ich empfehle dir, nicht auf Batterien zu setzen. Die sind nicht nur kostspielig und schlecht für die Umwelt, sondern auch bei den meisten Effekten im Gehäuse verbaut und du musst im Zweifel immer das Pedal vom Board entkabeln, aufschrauben und eine Ersatzbatterie dabei haben. Mitten im Song ist das doof. Klangliche Vorteile sind zumeist ein Urban Myth (oder sprechen für schlechte entwickelte Schaltkreise und du solltest eh einen Bogen um die Effekte machen).

Effekte – später mehr

Jetzt hast du schon einmal eine gute Basis an Wissen für dein künftiges Setup. Natürlich fehlt noch das Essentielle: die Effekte.

Um den Rahmen nicht zu sprengen (im Ernst: Wer liest heute noch lange Texte, dazu noch im Netz?), haben wir Teil 2 mit den eigentlichen Effekten in ein separates #HOWTO gepackt, das später online gehen wird. Schau also immer mal wieder rein. Da beide Teile ineinander greifen, empfehle ich dir, erst nach dem nächsten Artikel mit dem Kauf zu starten. Bis dahin kannst du ja schon mal schauen, welche Sounds dir so gefallen und wohin deine Reise geht. Außerdem immer gut: FX-Boards der Bands per Suchmaschine finden, die du selbst klanglich gut findest.

Wir verlinken es auch an dieser Stelle, wenn es online geht.

Wenn dir etwas auffällt, du Tipps, Infos oder Kritik hast: ab damit in die Kommentare!

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