Paul Stretch GUI Teaser

Extremgymnastik für Audiodaten  ·  Quelle: Gearnews / Claudius

Time Stretching ist eine Wissenschaft für sich und jeder DAW-Arbeiter hat seinen Lieblingsweg und -Algorithmus, den er bei Bedarf verwendet, um Audiodaten zu verlangsamen oder beschleunigen. Was aber, wenn es anfängt, die Möglichkeiten des Alltäglichen zu überschreiten? Klare Sache: Paul Stretch.

Einmal richtig langsam, bitte.

Ihr habt euch nicht verlesen, Paul Stretch bzw. Paul Extreme Sound Stretch ist ein Programm, das Audiodateien extrem verlangsamen kann. 50x langsamer sind kein Problem, das geht über verschiedene Algorithmen sogar „hoch“ bis zu einer Trillion, einer 1 mit 18 Nullen. Aber Achtung: Das Stück geht dann halt unter Umständen ein paar Jahre, so Größenordnung Billion.

Der Clou dabei: Es hört sich danach nicht fehlerhaft an, wie man es vermuten würde oder kennt. Es bröckelt nix, die Töne werden nicht tiefer und es klingt wie so von einem Pad-Synthesizer eingespielt. In DAWs oder anderen Tools kommt man schnell zu digitalen Fehlern.

Nun, wie hört sich ein Tonschnipsel so richtig langsam an? Ich verlinke einfach mal ganz unten ein paar Beispiele. Einmal „Take on me“ von AHA, 800x langsamer als das Original und einmal den Dial Up Klang eines analogen Modems, 700x langsamer. Je nach Quelle klingt es extrem düster (Dark Ambient Fans werden hiermit ihre Freude haben) bis zu Meditationsmusik, vielleicht auch ein wenig noisig. Je nach Einstellungen und angewendeten, zusätzlichen Filtern.

Leider ist das Programm nicht wirklich hübsch und sieht fies altbacken aus. Es hat eben bisher noch niemand eine hübschere Oberfläche gebastelt. Aber nach einer gewissen Einarbeitungszeit sieht man die 2000er Optik gar nicht mehr.

Mögliche Formate + Betriebssystem

Ihr könnt Paul Stretch mit den üblichen Audiodateien füttern: WAV, OGG Vorbis und MP3. Damit sollte jeder etwas anfangen können.

Das Programm ist Open Source und die letzte Version ist von 2011, es wurde also lange nicht mehr weiter entwickelt. Grundlegend gibt es das Programm für Linux, es gibt dank Open Source Lizenz, aber auch Versionen für Windows und OSX.

Preis

Es ist komplett kostenlos. Heißt: Ihr könnt es direkt von GitHub herunterladen oder für Linux auch aus manchen Repos laden. Ich verlinke auch die Versionen für Windows und OSX – ohne Gewähr auf Funktionalität. Bei mir geht es.

Mehr Infos

Videos

  • Pe Bo

    Oh super! Höre gerade das neue Slowdive Album. Da geht ja einiges mit dem Tool! ;)

  • Elias Sinclair

    Ja cooles Progrämmchen. Probiere es heute Abends mal aus.

  • gripsdips

    Ist eine 64bit Version vorhanden?

    • gearnews

      Ja, gibt es.

  • Der Rest

    Kann man das nicht in eine DAW einbauen please ?

    • gearnews

      Das wäre top, aber das ist aufgrund der Komplexität der Berechnung eh nicht in Echtzeit machbar. Von daher müsste man es eh extern öffnen/bearbeiten.