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Mooer GE300

 ·  Quelle: Mooer

Das Mooer GE300 wurde bereits im Januar als Prototyp gesichtet, nun steht das lang erwartete Gerät in den Läden. Und kostet wohl einiges mehr, als die potentielle Kundschaft erwartet hätte.

Mooer

Bislang war ich bezüglich Mooer im Zwiespalt. Eine Produktpalette irgendwo zwischen Spielzeug und Profi-Tools, dabei leider auch schon mal offensichtlich von anderen Herstellern kopiert. In jedem Fall aber günstig! Das GE300 scheint der Versuch, sich im hochpreisigen Markt zwischen Helix LT* und Axe FX FM3 zu etablieren. Ob sich die Firma trotz ihren Rufs als Billighersteller behaupten kann?

Mooer GE300

Der erste Eindruck stimmt schon mal. Denn grundsätzlich hat das GE300 alles, was heutzutage zu einem Mult-FX im Wert von mehreren hundert Euro gehört: kein Plastik, sondern ein Gehäuse aus poliertem Aluminium, wertig wirkende Regler, 10 frei programmierbare Fußtaster, ein großes, farbiges LC-Display, umfangreiche Anschlüsse, darunter 2x Exp, Kopfhörer & AUX Input.

Das Modeling umfasst 108 Preamps (soweit ich das gesehen habe kein einziger Bassamp), 164 Effekte und 43 Cabs. Letztere können für das Spielgefühl sowie den Sound einen himmelweiten Unterschied machen. Daher bin ich froh zu sehen, dass zusätzlich das Laden eigener Impulse Responses möglich ist.

Mooer vs. BOSS, Line6, Axe FX & Kemper

Das ist alles schön und gut, aber wie will sich Mooer von seiner Konkurrenz abheben? Nun, zum einen natürlich durch den Preis. Andererseits gibt es tatsächlich einige eingeständige Funktionen.

Tone Capture

Bekannt aus dem Mooer Preamp Live: Tone Capture. Nun nicht nur für Preamps, sondern Amp, Cab, FX Pedale und sogar Gitarren. Ihr könnt quasi euer gesamtes analoges Setup profilen und anschließend zu Hause lassen. Ich bin sehr auf die hoffentlich bald erscheinenden Beispiele gespannt!

SYNTH ENGINE

Die Synth Engine ist wirklich umfangreich. Ganz ohne MIDI-Pickup stehen euch 3 Oszillatoren mit je 5 Schwingungsformen, arpeggierbarem Pitch, Filter (Lowpass, Highpass, Bandpass und Peak, modulierbar durch Hüllkurve und LFO) parat. Hier muss sich über die implementierten Sounds zeigen, ob es sich um ein Spielzeug oder ein ernstzunehmendes Tool handelt. Viele Gitarristen kennen sich zu wenig mit den Grundlagen der Synthese aus. Erinnert ihr euch an die hilflosen Demos zum BOSS SY-300?

Looper

Seit Jahren ärgere ich mich, dass BOSS die Loop-Funktion in ihren Multieffekten verkrüppelt, um weiterhin die externen Looper verkaufen zu können. Während das GT-1000 lächerliche 38 Sekunden Loop-Zeit zur Verfügung stellt, liefert das GE300 mit 30 Minuten definitiv ab! So richtig mit allen Tricks wie Reverse, 1/2 Speed etc. statt nur Start und Stopp. Das Beste: Die Looper-Sessions können sogar gespeichert / importiert / exportiert werden!

Abgerundet wird das Ganze durch MIDI-I/O und die Möglichkeit, das GE300 als Audiointerface via USB zu nutzen.

Preis

Jetzt bin ich sehr auf eure Meinung gespannt! Das Mooer GE300 kostet 749,- Euro. Im Netz habe ich sofort Beschwerden gelesen, dass dies zu teuer sei. Wie seht ihr das: Würdet ihr lieber gleich zum Helix LT oder FM3 greifen oder dem GE300 eine Chance geben?

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Videos

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19 Antworten zu “Mooer GE300: Eierlegendes Wollmilchschnäppchen oder zu teuer?”

  1. thet sagt:

    Helix LT, ausser das GT300 bietet wesentlich mehr, bessere Sounds und einfachere Bedienung.

    • stephan sagt:

      Hej Thet, danke für deinen Input! Die Bedienung wirkt in den wenigen Videos recht übersichtlich. Vor allen Dingen durch die vielen kleinen Taster, mit denen man direkt die Effekte anwählen kann. Am Ende hängt natürlich alles von der Umsetzung des Modelling ab. Ich habe nur ein Helix FX und überlege, ob sich ein Wechsel auf Stomp oder FM3 lohnen könnte.

      • thet sagt:

        Ich hab Line6 M9 und M5, mit denen ich soweit sehr zufrieden bin außer dass die Zuweisung von Expression Pedalen frickelig ist und man nicht zwei Expression Pedale am selben Effekt zuweisen kann.
        Das sollte mit dem Helix LT besser gehen, u.a. kann man Ad-Hoc jeden Parameter Live via Expression Pedal ändern.

        • stephan sagt:

          Die beiden Geräte habe auch ich einst besessen. Eigentlich fand ich die immer dufte, abgesehen von den Zerren. Für mich als Tieftöner haben diese mangels Blendfunktion nicht getaugt. Aber wie das immer so ist: Dann kommt etwas Neues auf den Markt und das G.A.S. schlägt zu. ;o)

  2. Thomas sagt:

    Ich habe mir das headrush gigboard zugelegt und bin sehr zufrieden. Als Alternative wäre für mich das helix in Frage gekommen. Ich finde die Bedienung beim headrush allerdings besser. Soundmäßig tut sich da für meine Einsatzzwecke nicht so viel

  3. Svensonite sagt:

    Klingt alles gut. Der Preis ist allerdings kritisch zu sehen. Schließlich möchte man bei so viel Asche doch mit Updates, Editor etc. möglichst lang und solide versorgt werden. Das hat Mooer bisher doch eher schleifen lassen. Beim GE-200 ginge das ja noch klar, aber hier liefern die Platzhirsche doch deutlich vertrauenswürdiger ab.

    • stephan sagt:

      Das ist ein guter Punkt, den ich bei Mooer nicht beurteilen kann. Line6 und Kemper haben auf jeden Fall eine exzellente Update-Politik. Trotzdem würde ich mich vor dem Kauf nie auf solche Kriterien verlassen. Lieber nach dem aktuellen Stand der Dinge entscheiden, statt darauf hoffen, dass das Gerät der Begierde in der Zukunft noch besser wird.

  4. Dave sagt:

    Fragen an die Nutzer dieser Multiboards:
    Nutzt die jemand von Euch live?

    Was ist, wenn die live den Geist aufgeben? Habt ihr dann ein 2tes im Gepäck?

    Ich scheue mich vor diesen Boards. Ich habe live auf meinem Pedalboard: Phaser, Chorus, Delay, 2-3 Zerrer und nen Big Muff und (wichtig) 2 Netzteile.

    D.h. wenn das Netzteil aufgibt (schon passiert) habe ich Ersatz. Wenn einen Zerrer nicht geht – egal habe ja noch welche. Phaser oder Chorus hin – egal weiterspielen. Beim Delay ist es tatsächlich doof. Da würde ich bei einer weiteren Band nachfragen. Man spielt ja oft nicht alleine. Sollte mir mal ein TC Flashback für den Notfall anlegen ;)

    • Jörn sagt:

      Ja das mit dem Ersatz ist so ne Sache . Habe von Line6 das Helix LT und hatte bisher noch keinen Ausfall. Aber ein Backup in Form eines Boss GT-1 habe ich immer dabei. Auf diesem habe ich aber nur ein paar Backup Presets gespeichert. Ohne viel Effekte. Einfach um irgendwie beim Gig über die Runden zu kommen ;-)
      Ist im Allgemeinen aber ne tolle Sache mit den Multiboards live. Bei der aktuellen Generation höre ich keinen Unterschied zum Ampsound und die Flexibilität und einfache Verkabelung ist unschlagbar.

      • stephan sagt:

        Ich glaube auch, dass der größte Unterschied inzwischen im Spielgefühl liegen dürfte. Selbst wenn die Amps sich leicht unterscheiden, so ist das im Mix oder auf einer PA kaum auszumachen. Nehmt ihr eigentlich noch Boxen mit, oder spielt ihr alle nur noch mit In Ear?

        • Dave sagt:

          Moin Stephan,
          „Nehmt ihr eigentlich noch Boxen mit, oder spielt ihr alle nur noch mit In Ear?“
          hier muss man vielleicht die Bühnengröße definieren – oder?
          Wobei ich keine Erfahrungen mit In Ear habe.
          Meine Bühnenerfahrung geht von der Jugenzentrum-Bühne mit 10 Besuchern bis zu 500 bis 1000 Besuchern Clubs. Und in dieser Größenordung spiele ich am liebsten über meinen Amp mit Gesang und Bass über den Monitor. Ich habe es ohne Amp einmal versucht. Da komme ich nicht mit klar. Mir fehlt das Zusammenspiel zwischen Amp und Gitarre und halt mein Sound (auch wenn nur ich ihn höre!)
          Gruß

          • stephan sagt:

            Ich bin, zum Teil gezwungener Maßen, sehr ans In Ear gewöhnt. Am Anfang habe ich allerdings sehr das Low End vermisst und daher meine Ohren ganz schön ungesund strapaziert. Inzwischen ist es für mich in Ordnung: Ich kann mich zügeln, bin froh über die Ruhe im Ohr, nach dem Gig weniger gestresst und kann oftmals viel genauer auf die Feinheiten achten.

          • Dave sagt:

            Klar, wenn man die Barclaycard Arena bespielt! Wie groß ist die Bühne da? ;)

            „auf die Feinheiten achten.“ – Stimmt natürlich.
            Es ist schon seltsam. Ich spiele mit Stöpseln im Ohr und man gewöhnt sich an „seinen“ Sound. Habe mir vor 2 Wochen mit der Vorband einen Amp geteilt. Ein Marshall xyz (vergessen). Ich spiele meist Fender Amps. Den Unterschied hört man schon durch die Stöpsel. Aber „Feinheiten“ erkennen ist natürlich schwer.

      • Dave sagt:

        Moin Jörn,
        mir hat mal ein Stromausfall auf der gesamten Bühne das Netzteil zerlegt. Und jetzt wo ich drüber nachdenke … wieso habe ich eigentlich (seitdem) keinen eigenen Überspannungsschutz vor meinem Amp und Board? Sichert ihr Euch da noch ab?

        Zu den zwei Boards: Für mich müsste der Mehrwert riesig sein, damit ich mein normales Pedalboard aufgebe. Immerhin hast du ca. 1100 Euro investiert. Mein Board dürfte bei ca. 1500 Euro liegen. Jetzt noch mal ca. 1100 Euro investieren? Puh. Und weniger schleppen scheint man dann ja auch nicht.
        Und so lange man mich noch über meinen Amp spielen lässt! Wobei ich meist über Amp (mit Mic.) und Cap Sim DI spiele. Der Mischer macht dann was er will.

        • Jörn sagt:

          Hi Dave,
          ich habe mein normales Board zuerst nach und nach über eBay verkauft und dann konnte ich ohne Reue investieren! ;-)

          Die Vor- und Nachteile, die ich zu „normalen“ Pedalboards sehe
          + Einfaches Stereo-Setup möglich. Beim Helix bspw. auch 2 unterschiedliche Amps je Kanal
          + Tatsächlich weniger Schleppaufwand und v.a. keine Angst, dass irgendwas rutscht oder sich verstellt
          + Viel bessere Routing Möglichkeiten: 1 Patch hat z.B. EQ vorne, im nächsten ist der EQ ganz hinten in der Chain.
          + Dry/Wet-Mischung möglich. D.h. z.B. ein Flanger kann stufenlos dazugemischt werden
          + Ausprobieren viel einfacher, da quasi alle wichtigsten Effekte vorhanden sind und nicht gekauft und dann wieder verkauft werden müssen
          + Beim Helix können Hardware-Effekte über Insert-Kanäle an beliebiger Stelle eingefügt werden. So kann ich auch Bodentreter noch verwenden, auf die ich nicht verzichten möchte.
          + Weniger Bühnen-Stepptanz (siehe Snapshots)
          + Sounds sind jederzeit abrufbar. Ich habe bspw. ein Preset je Song
          + Live-Sounds sind besser, da aufwändige Mikrofonierung entfällt und meistens ner Cap-Sim überlegen (außer sie verwendet auch Impulse Responses)
          – Fehlender Coolness- und Bastel-Faktor
          – Live-tweaken ist wahrscheinlich etwas einfacher am normalen Pedalboard

          Also aus meiner Sicht gibt es nicht viele Objektive Gründe, die gegen einen Modeler sprechen,. ;-) Aber ich spreche hier wirklich von denen in der Liga eines Helix oder Headrush. Durch die Verwendung von Impulse Responses klingen sie meiner Meinung nach wirklich authentisch und dynamisch. Im Vergleich zu ner Röhre fehlt mir nur der Moment wenn man merkt, dass die Röhre so langsam warm läuft und der Sound einfach noch ein Stück cremiger ist. Das hast du beim Modeler halt sofort.

          Aber ich kann auch jeden verstehen, der an seinem Pedalboard hängt :)

          • Dave sagt:

            Moin Jörn,
            danke für Deine Liste/Meinung. Es spricht tatsächlich einiges dafür und ich merke, dass ich mich damit tatsächlich mehr beschäftigen muss. Dein Punkt: „– Live-tweaken ist wahrscheinlich etwas einfacher am normalen Pedalboard“ ist in der Tat ein wunder Punkt bei mir. Vielleicht muss ich einfach mal den Schritt wagen, investieren und es live testen. Vielleicht muss ich ja gar nicht so viel tweaken … wie ich immer denke.
            Gruß und ein schönes langes Wochenende!

          • stephan sagt:

            Meine Erfahrung, allerdings aus der Sicht eines Tieftöners, ist, dass die Presets wie immer etwas unbrauchbar sind und man doch etwas schrauben muss. Allerdings ging das beim großen Helix überraschend gut, auch ohne Computer. Ich meine vermehrt gehört zu haben, dass für Gitarristen externe IRs einen großen Unterschied gemacht haben. Mit anderen Worten: Die Verstärker und Effekte sollen gut sein, die Cabs eher durchschnittlich. Im vergangenen Jahr habe ich eine von Yamaha (Line6) unterstützte Tour gespielt und „durfte“ das Helix verwenden. Ich kam sehr gut damit klar, habe es den ganzen Tag laufen lassen und hatte keine Aussetzer. Insgesamt ca. 30 Shows.

  5. Jörn sagt:

    Für diesen Preis müssen die Sounds wirklich was taugen im Vergleich zu den Platzhirschen und großen Namen. Wenn der Synthesizer gut ist, wäre das vielleicht das Alleinstellungsmerkmal. Alles andere inkl. Benutzeroberfläche haut mich jetzt nicht um.

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