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Microsoft Surface Pro 4 DAW ASIO Performance

Audio Performance von Pro Tools auf dem Surface Pro 4 lässt zu wünschen übrig  ·  Quelle: Robin Vincent

Microsoft Surface Pro 4 Review Vergleich Robin Vincent

Mehrere Surfaces, DAWs und Interfaces – genug für einen umfassenden Vergleich  ·  Quelle: Robin Vincent

Mein Kollege Robin Vincent vom englischen Gearnews-Team hat für seine Seite „Molten Music Technology“ ein über einstündiges Video veröffentlicht, in dem er sich mit vielen DAWs auf vier verschieden ausgestatteten Surface 3 und Pro 4 Modellen „rumschlägt“. Das Fazit hat mich zwar wenig überrascht, hatte aber doch ein paar Punkte, die ich nicht gedacht hätte.

Als DAWs hat Robin die üblichen verdächtigen ausgewählt: Avid Pro Tools, Steinberg Cubase, Presonus Studio One, Image Line FL Studio, Cockos Reaper, Propellerhead Reason, Ableton Live und Bitwig Studio. Die Surface-Modelle sind drei Surface 4 Modelle mit verschiedenen Konfigurationen an RAM, CPU und SSD und ein Surface 3, also das Vorgängermodell. Auch mehrere USB-Audiointerfaces stehen bereit: Avid FastTrack Duo, Steinberg UR28M und ein neueres Zoom UAC-2 mit USB3. Auf jeden Fall gute Voraussetzungen für einen Vergleich der gehobeneren Klasse.

In seinen Tests geht er auf den verschiedenen Surface-Modellen in den verschiedenen DAWs mit dem gleichen Projekt mit 16 Audiospuren mit jeweils einem komprimierenden Effekt an den Start. Auch die Interfaces werden teils getauscht, um beispielsweise Pro Tools oder Cubase mit dem Interface des jeweiligen Herstellers zu testen. 16 Spuren mit Audio und ein Kompressor pro Spur schafft mein Thinkpad von 2008 mit links – vielleicht nicht mit den aktuellsten DAW-Versionen, aber mit den damals erhältlichen. Die Ergebnisse in seinem Test mit Microsofts Laptop/Tablet Surface von 2015 und 2016 (also 8 Jahre neuerer Hardware) und sahen wie folgt aus:

Nicht oder nur stark eingeschränkt empfohlen werden ausgerechnet die großen DAWs, also die Platzhirsche und die, die es gerne wären: Pro Tools, Cubase, Studio One, FL Studio und Reason. Ausgerechnet die gern mal klein geredeten DAWs sind hier sehr viel verbrauchsärmer und schaffen den Test ohne Audioaussetzer oder sonstige Glitches: Bitwig Studio und Reaper. Bitwig arbeitet ja mit Microsoft zusammen und das scheint zu fruchten. Reaper ist seit ich es kenne eine Empfehlung für ältere Hardware, da es im Vergleich zu allen anderen DAWs kaum Ressourcen braucht und trotzdem alle modernen Features bietet – das Ergebnis überrascht mich kaum. Eine kleine Ausnahme ist Live: Hier funktioniert nur die aktuelle Version ohne Einbuße (9.6.1), die Vorgängerversionen stehen auf der „Nope“-Liste. Es gibt vereinzelte Workarounds, die die schlecht bis unnutzbar arbeitenden DAWs etwas besser dastehen lassen, aber gut ist es dennoch nicht. Pro Tools und Cubase laufen auf dem Surface Pro 4 übrigens schlechter als auf dem 3er Modell.

Microsoft hatte zur Veröffentlichung den Marketingmund sehr voll genommen und der Kreativszene „Nektar um die Lefze gewuchet“ – ich war auch angefixt und bin es auch eigentlich immer noch. Aber es gehört eben dann doch etwas mehr dazu als Multitouch, Stifteingabe, echtes Windows 10, auf dem Blatt schnelle Hardware und guter Wille. Auch Kommunikation und Zusammenarbeit mit den kreativen Firmen ist essentiell. Es scheint ja mit Bitwig zu klappen, mit Reaper wie erwartet aber eher zufällig auch, warum nicht auch mit den anderen DAWs? (Ich hatte die Demonstration von Bitwig auf dem Pro 4 zur Superbooth gesehen: Es ging wirklich super flüssig und dieser Test bestätigt das nochmal.) Ableton hat für Live einen Patch für die Surface-Szene gefertigt und anscheinend alles richtig gemacht. Wenn ich Avid, Steinberg oder Presonus wäre, würde ich schleunigst den Kontakt zu Microsoft ersuchen und denen auf den Füßen stehen bleiben, bis etwas nachweislich Positives passiert ist. Welcher Art auch immer. Auch Microsoft sollte zuhören, wenn es seine Chance nicht direkt wieder verspielen will. Denn so gern die DAS Ding für Kreative wären, aktuell ist es nicht mehr als ein schlecht umgesetzter guter Wille.

Übrigens gibt es ein ähnliches, wenn auch nicht ganz so tiefgründiges Gespräch bei Musotalk mit Non Eric und Andreas Balaskas (Mastering-Engineer), die auf dem Surface Pro 4 Nuendo mit 100 Spuren laufen lassen. Und mit einem Workaround scheint es zu ganz gut zu funktionieren. Hier geht’s lang.

Die Wahrheit liegt irgendwo da draußen …

Zum englischen Test geht es hier entlang: SurfaceProAudio.com. Und nun noch das einstündige Video. Wenn ihr eine Stunde Zeit habt, es lohnt sich.

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Stephan
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Stephan

Der Muso-Talk Hinweis bringt NICHTS, außer eine etwas verbesserte Performance. Das Problem ist jedoch, dass die DAWs in unregelmäßigen Abständen auf Maximalauslastung hochschnellen, und der Audiostrom dann abbricht. Erst Buffersizes in Höhe vom 1024+ mit entsprechend unakzeptablen Latenzen ermöglichen durchgehende Aufnahmen.

gearnews
Gast
gearnews

Das soll der Tipp von Musotalk ja auch. Trotzdem danke für deine Erfahrung. Ich denke, dass Andreas Balaskas Nuendo damit nicht benutzt, weil es nicht gut funktioniert. Wobei Mastering sicherlich acuh weniger Ressourcen als ein mix braucht. :) //Claudius