von Moogulator | 4,7 / 5,0 | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
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wmd  ·  Quelle: wmd / Montage

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Auf der Website des Modul-Herstellers WMD kann man dieser Tage lesen, dass es zwar drei neue Module gibt, WMD sich jedoch insgesamt bis Ende dieses Jahres aus dem Herstellen und Führen der Marke zurückziehen wird. Ähnlich wie kürzlich bei Future Retro gibt es die traurige Nachricht, dass man sich weiterhin um Reparaturen kümmern wird, sich aber insgesamt aus Entwicklung und aktivem Geschäft raushalten werde. Häufen sich diese Meldungen nun bei weiteren Firmen?

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Peak Eurorack?

Ich habe mich auf den letzten Superbooth’s und generell gefragt, ob der Markt für viele Hersteller groß genug ist. Dasselbe gilt auch für Synthesizer. Deshalb haben sich viele Hersteller Nischen gesucht. Einige sind besonders günstig, andere funktional, weitere aufwendig und teuer aber interessant und innovativ. Einige setzen auf Menge, andere auf Qualität. Das alles ist Markt und daher gibt WMD leider nun eine langes offizielles Statement heraus, was fair aber auch traurig zugleich ist.

Darin wird das erklärt, was wir leider alle nur zu gut kennen: Die Welt habe sich so entwickelt, dass die Verkaufsmengen schrumpften sowie die generell hohen Kosten. Und das auch, obwohl WMD durchaus eine eigene Produktion hat und diese auch anderen Herstellern anbietet. Es gibt solche Kooperativen an verschiedenen Stellen, weshalb diese Entscheidung auch Einfluss auf weitere kleinere Hersteller haben könnte. Die Kosten sind heute schlicht höher – und das weltweit. Die Lieferbarkeit von Bauteilen ist ein Glücksspiel und dazu sind sie auch teurer geworden und machen Ankündigungen mit festem Datum schwierig. Dadurch sind Planungen für alle Firmen schwierig.

Mehr „in die Schulden“ gehen möchte WMD nicht und sie schreiben das auch genau so. Ebenso würde das bereits im Bereich des Gesundheitszustandes liegen und damit sind ihre 600 Stück der jeweils neuen Module noch ein schönes Signal. Die Module, die im Lager sind, werden günstig und danach nicht mehr erhältlich sein. Sie hoffen man sieht sich später wieder – aber aktuell ist es sicher, dass WMD bei unveränderter Lage nicht weitermachen kann. Durch einen Kauf könnt ihr ihnen ein wenig Liebe geben. Sie können es brauchen. Sie sind erreichbar und bleiben es. Die Knobcon und Velocity-Messe wird noch gemacht, die Module dort vorgestellt und es besteht dort noch Kontaktmöglichkeit.

Zukunftsplanung ist schwer

Dazu werden kleine Hersteller, die „ein paar Hundert“ Bauteile kaufen selten gut oder bevorzugt behandelt. Ein Gespräch mit Dieter Doepfer auf der letzten Superbooth bestätigte mir eine gewisse „Willkür“ und ein Handelsverständnis, das eher den Regeln der Ferengi aus StarTrek ähnelt als einem geregelten System, wo unterschiedlichste Käufer und Hersteller entspannt in Shops klicken. Auch bestellte Bauteile sind plötzlich doch teurer oder einfach nicht mehr da. Da wir in Europa oder den USA keinen Hersteller mehr finden, werden damit die Abhängigkeiten zu dem Herstellerland in Fernost nicht helfen. Covid, quer stehende Schiffe und Just-in-Time-Denkweisen sind offenbar Teil des Problems. Die neue Situation ist dermaßen ungeordnet, dass es in Jahren gemessen auch keine klaren Linien gibt, wo diese Situation enden könnte.

WMD und die Anderen

Firmen wie Squarp müssen ihre Hapax-Kunden von bereits bestellten Geräten um zwei Monate vertrösten, die Läden wirken „leergekauft“ und Wartezeiten sind teilweise Monate lang. Besonders für Neuvorstellungen. Ob es je einen Osmose von Expressive E geben wird? Da mag es noch an anderen Dingen liegen, jedoch sind Hersteller in Städten in China, die sehr harte Covid-Regularien haben und Städte komplett lahm legen. Auch wir hier bei GEARNEWS erleben das auf vielen Ebenen, dass diese Situation für die ganze Branche nicht gut ist. Man stellt niemanden mehr ein, man sieht, dass alles kleiner wird und WMD und Future Retro sind eher der Beginn einer Kette von Firmen, die einfach aufgeben, weil der Betrieb sich einfach nicht mehr lohnt. Es ist möglich, dass gerade WMD eines Tages wieder zurückkommen könnte, denn sie geben natürlich nicht gerne auf, werden aber sicher erst wenn die Probleme beseitigt sind wieder zurückkehren können.

Die Forenwelt ist sich einig, dass WMD eine beliebte Firma war und aktuell noch ist. Aber wir werden wohl noch mehr dieser Art Nachrichten bekommen. Meist über Blogs der Hersteller – nicht als Pressetext, sondern als etwas, das man auf den Firmenblogs sucht, denn das ist für die wirklichen treuen Kunden, denn die können am wenigsten etwas „dafür“.

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3 Antworten zu “Das große Hersteller-Sterben: WMD meldet vorläufiges Ende an”

    os68ng sagt:
    -1

    Mich wundert es sowieso, dass so viele Eurorack-Hersteller so lange überleben konnten. Wahrscheinlich reiner Idealismus…

    Sonja Abriss sagt:
    -1

    das werden noch mehr, mal schauen ob diese opsix für 329 aktion nicht der letzte atemzug bei korg war.
    primär wird es aber eher amibuden treffen, lein und ohne rückstellung.

    esvau sagt:
    0

    WMD ist zweifelsfrei einer der besten Hersteller von Eurorack Modulen. Ich selbst besitze im Moment fünf Module von WMD und im Gegensatz zu Geräten anderer Hersteller werden diese vermutlich nie auf meinem Kleinanzeigenprofil landen. Wahrscheinlich hat man zur Unzeit auf Wachstum gesetzt und investiert, während Krisen und Umweltkatastrophen die Wirtschaft in eine andere Richtung zwingen. Wachstum ist mit der jetzigen Wirtschaftsordnung nicht zu erreichen.

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