Waldorf M Synthesizer – Angecheckt & Updates
Ein moderner Wavetable Synthesizer
Im Gearspace-Forum wurden Informationen zum Update des Waldorf M veröffentlicht, das viele neue Features bringen soll. Der Synthesizer erhÀlt einen dritten Oszillatormodus namens Algorithmic Mode, der neue Algorithmen aus dem Open-Source-Oszillator Braids von Mutable Instruments integriert. Dabei können verschiedene Funktionen mit einem Wave- und einem modulierbaren Meta-Parameter angepasst werden. Wann die Beta offiziell erscheinen wird, wissen wir noch nicht.
Waldorf M und das neue 1.10 Beta Update
[11. Juni 2024] Sehr schön! Der Waldorf M wird weiterentwickelt und bekommt ein neues Firmware Update 1.10 mit einigen neuen Funktionen. Und die sollen die Möglichkeiten des Wavetable Synthesizers nochmals erweitern.
Der neue Modus M VA erzeugt jetzt gleichzeitig SĂ€gezahn, Puls (PWM) und Dreieck, die gemischt werden können. CSAW ist eine Adaption des SĂ€gezahns vom Yamaha CS-80. Der steuerbare Wavefolder namens Fold kann stufenlos von SĂ€gezahn zu Dreieck ĂŒberblenden, und 3 Saw bietet eine einfache Version des Supersaws.
Auch Funktionen wie Ring Mod und Hardsync sollen im Algorithm OSC Mode möglich sein. Digitale Filter arbeiten ebenfalls mit dem neuen Modus, auĂer dem M Shaper, der einen vorab geladenen Wavetable benötigt. Mit dem Update 1.10 unterstĂŒtzt der Waldorf M nun ebenso MPE-Standard (MIDI Polyphonic Expression) und MTS (MIDI Tuning Standard). Das war eigentlich ein logischer Schritt.
Neben Erweiterungen der Modulationsmöglichkeiten fĂŒr die digitalen Filter wurden natĂŒrlich ebenfalls kleinere Bug Fixes durchgefĂŒhrt. Der genaue Erscheinungstermin des Firmware-Updates 1.10 fĂŒr den Waldorf M ist leider jedoch noch nicht bekannt. Wir halten euch aber wie immer hier auf dem Laufenden.
Waldorf M
[25. April 2022] Der Waldorf M ist eine Antwort auf den klassischen Microwave von Waldorf aus dem Jahre 1988 und fĂŒhrt ihn in die Gegenwart. Welchen Sinn hat es, sich heute einen Synthesizer ohne Effekte zu kaufen, aber mit dieser Synthese und diesem Sound? Das wollen wir euch hier im Angecheckt beantworten!
Richtig, der Sound des M basiert auf Wavetables. Nicht nur auf diese, die es damals gab. Es gibt mehr, als je in einem Waldorf verbaut wurden und neue Sets mit Preset-Namen aus der Gegend, in der Waldorf angesiedelt ist. Hier arbeiten Wavetables mit 60 Waves und Grundwellenformen.
Der Sound ist knackig, klingt besonders und hat seinen Reiz durch eine Eigenheit beim Mischen der Oszillatoren. AuĂerdem sind auch neue Funktionen möglich, die der Klassiker nicht konnte. Darunter ist auch die Nutzung jedes beliebigen Wavetables. AuĂerdem kann der zweite Oszillator sogar Samples abspielen.
Und weil der Microwave zwischen Oszillatoren nicht viel anstellen konnte, um schön schrĂ€ge Sounds zu erzeugen, ist auch noch ein Ringmodulator mit an Bord. Der kann aber nur in einem speziellen „Modern Mode“ genutzt werden.
Gleich blieb beim Waldorf M aber die Stimmenanzahl von 8 [Update: jetzt wurde der Synthesizer auf 16 Stimmen upgedraded!] und es gibt sogar einen vierfachen Multimode. Die Struktur der Modulation ist ebenfalls so, wie das heute nicht mehr ganz en vogue ist – nĂ€mlich ohne eine Modulationsmatrix, aber mit einem bis zu drei ModulationseintrĂ€gen am Ziel jedes Parameters. Dazu ist sogar noch ein Slot zusĂ€tzlich frei, um die Modulation selbst zu steuern.
Das ist in der Praxis eigentlich nichts anderes als die Tatsache, dass alles direkt modulierbar ist und sich sehr flexibel anfĂŒhlt.

Damals war das nicht ĂŒblich und eine gute Idee, die der Microwave XT und der fast baugleichen Microwave 2 (nur ohne die Knöpfe) wieder aufhob und in eine Matrix wandelte. Der M ist jedoch kein Microwave 2, kann aber einiges was der „VorgĂ€nger“ auch kann. Neben dem analogen Filter mit 24 dB pro Oktave Tiefpass, gibt es fast alle Filter des digitalen Hauptfilters des Nachfolgers.
Das ist super, da es einige sehr spezielle Optionen gab, wie das bewegliche Bandpass-Tiefpass-Filter mit verschiedenen Typen und einige mehr. Es sollen sogar alle jemals eingefĂŒhrte Typen folgen (aktuell ist Version 1.07). Dort sind Filter-FM und Sample & Hold möglich, denn diese beiden fehlen noch. Aber generell bedeutet das jetzt schon, dass zwei aufwendige Filter pro Sound im M nutzbar sind. Die Vielfalt ist auch heute noch bei anderen Angeboten eher niedriger. Das analoge Filter ist allerdings ein Klassiker ohne viel Variation.
M wie Modulation
FĂŒr die grundlegenden Dinge stehen 2 LFOs und 4 HĂŒllkurven bereit zur Modulation. Davon sind zwei komplexe und die anderen beiden einfachere ADSR-Typen. Die LFOs arbeiten in drei Geschwindigkeitsbereichen fĂŒr sehr langsame und auch nahe der Audioschwelle gute 60 Hz-schnelle Tempozonen. Ein LFO ist mit einer HĂŒllkurve ausgestattet, um aufwendige Ein- und Ausblendungen zu erstellen. AuĂerdem können sie bewusst „ungenau und wackelig“ gemacht werden.
Was ich mir fĂŒr jeden Synthesizer wĂŒnsche, ist die Symmetrieeinstellung mit Rechteck und Co., die mit „Pulsbreiteneinstellungen“ versehen werden können. Das klappt ĂŒbrigens auch bei den anderen Schwingungsformen. So kann gerade ein LFO beim Thema Rhythmik viel mehr leisten und wird allgemein unterschĂ€tzt. Das gilt auch bei der Modulation der LFOs untereinander.
Die beiden komplexen HĂŒllkurven sind Level-Rate-Typen und damit ganz frei einstellbar. Bei der Wave-HĂŒllkurve sind 8 Stufen mit eigenem Loop fĂŒr Wavetables super, aber das wĂ€ren sie auch fĂŒr Granular oder FM. Die Free-HĂŒllkurve ist eine kleinere Version davon. Durch die aufwendige Modulation der Zeiten, Pegel und Loops lassen sich damit eine Ladung TrĂ€ume verwirklichen.
Die interne Micro-SD-Karte speichert eine wirklich unfassbare Menge an Sounds, Wavetables und Samples, die vermutlich sehr lange reichen wird. Etwas fummelig sind nur die Samples, die ein eigenes spezielles Format haben. Sie sind mit 22 kHz Sample Rate, aber mit 16 Bit eher „LoFi“ im Sound und ergĂ€nzen Wavetables wunderbar. Immerhin können Samples, was Wavetables nicht können und umgekehrt. Das ist fĂŒr gerĂ€uschhafte Sounds eine gute Erweiterung.
Die Idee kam dem Entwickler durch das PPG Waveterm Original. Dort waren sie Hi-Tech. Sie sind Loop-fĂ€hig, mĂŒssen aber bei jedem Einschalten wirklich neu geladen werden. Da muss man ein wenig genauer nachdenken, welche Samples zu welchem Patch gehören und das Set mit einem Nummerierungsprinzip benennen. Dann klappt es, aber benötigt etwas mehr Gedankenschmalz als sonst.

Was die besondere Magie auslöst
Ich hatte nach dem Verkauf des Alten vor, alles mit dem Nachfolger Waldorf M zu erledigen. Man kann langsam vergessen, wie interessant dieser Sound klingt. Dieser pure Sound aus dem M hat einfach eine andere Ăsthetik. Vieles davon konnte damals ĂŒber die vielen Einstellungen im Microwave 2 und XT gemacht werden. Die Beiden sind heute allerdings auch schon alt zu nennen.
Ein Grund ist, dass nicht nur die Pegel der Waves und des Rauschgenerators den Klang Àndern, sondern im Waldorf M auch schon die Pegel selbst. Sie erzeugen einen leicht psychedelischen Störeffekt, der sehr reizvoll ist und eine Alternative zu FM, Ringmodulation oder Àhnlichem darstellt.
Ab einer gewissen Summe bzw. ĂŒber einem Pegel, verzerrt der Sound und bekommt eine deutlich interessantere Art von VerĂ€nderung, als nur „verzerrt“ zu werden. Das lĂ€sst sich sogar regulieren. Wieso muss es dann dieser Waldorf M sein?
Umsteiger und das groĂe Warum?
Die Features des Waldorf M sind zwar groĂ und nicht knapp, aber es ist am Ende einfach dieser Sound und man nimmt die Samples und Features einfach gerne mit. Mit kritischem Gedanken könnte man das Fehlen von FM bemĂ€ngeln. Das hat man bei vielen anderen Synths heute und auch beim Microwave 2 / XT ist das so. Der alte Microwave konnte es nicht und der M ist in der Leistung „dazwischen“.
Waldorf M kann sehr viel vom Nachfolger, jedoch nicht alles. DafĂŒr hat er Sampling und mehr. Es ist also ein neuer Kandidat. Wer einen groĂen Ersatz fĂŒr Wave oder Microwave 1 sucht, könnte hier fĂŒndig werden, so die Stimmenzahl nicht die gröĂte Rolle spielt. Irgendwo zwischen Microwave 1 und 2 liegt die Wahrheit. Und die ist asymmetrisch verteilt. FM, Modulationsmatrix und Modifier sowie das zweite kleine 6 dB / Oktave Filter sind, was der M nicht liefert. Die Bedienung ist viel besser als beim Microwave. Soweit die Information fĂŒr willige Umsteiger.
Wer allerdings den Klassiker nicht kennt, lernt den neuen Waldorf M einfach als eigenen Klangerzeuger kennen. Ein Synthesizer sollte ĂŒberzeugen und fĂŒr viele auch inspirieren. Das schafft er. Mir fallen einfach eine Menge garstige, wunderschöne und andere Sounds ein. Mal leicht kaputte aber coole FlĂ€chen oder auch Sounds mit Charakter, BĂ€sse und unfassbar viele Effekte, die nicht unbedingt nach etwas klingen, was ĂŒberall zu hören ist. Interessant, dass gerade das funktioniert. Der Grundsound lĂ€sst das zu.
Viele Synthesizer haben ein gutes Filter, dieser hat zwei. Sicher muss man sich entscheiden, wann der „Modern Mode“ sinnvoll ist oder nicht, da der Sound davon auch mehr Synthese oder Charakter bekommt oder sich die Möglichkeiten einfach verĂ€ndern. Als ich ihn auspackte und ausprobierte, dachte ich einfach nur – woah, das muss ich speichern.
Das ist gut, das passt zu dem Song, dies auch. Mein Sound ist sicher eher syntheselastig und dennoch scheint mir jede elektronische Musikrichtung davon profitieren zu können. Der M ist nicht nur eine Krawallschachtel. Er kann das sein. Wer möchte, kann ihn auch in „voll lieb“ kommen. PPG-Sounds schafft er locker. Er hat diese Ăsthetik, die eben so vielen anderen Wavetablern am Ende nur in „poliert“ gelingen will.

Geburt eines Klanges im Waldorf M
Wie kann ein irgendwie röchelnder bratzelnder Sound begeistern? Ja, er kann mit diesem Teil in EBM, Electro, Techno und so weiter ziemlich ĂŒberzeugen. Er kann es in IDM, in EDM und was mir sonst spontan einfĂ€llt. Er kann „dark“ sein oder auch „technisch“ bis hin zu „besonders“ und mit den Samples sogar irgendwie ungewohnt echt.
Und er bratzelt eben nicht, wenn man ihn entsprechend einstellt. Ich finde das gut, wenn ein GerÀt sich anstrengt und dennoch mit wenigen Handgriffen auch angestrengt klingt. Ein guter Arbeiter. Einige Sounds klingen so, als hÀtte er Effekte, er hat aber keine. Mit ihnen ist er noch cooler und passt in ein total modernes Set, auch in das, was keine Vintage Sounds braucht und will, denn der Synthesizer selbst kann genug, um auch das abzudecken.
Vintage ist heute fast alles. Bei dem Preis muss man sicher etwas lĂ€nger ĂŒberlegen. Er ist aber keineswegs ein „kleiner Iridium“ sondern ein sehr eigener besonderer Charakterkopf.
Mir fĂ€llt zumindest kein Konkurrent ein, der so klingt wie der Waldorf M, wohl aber eine Menge Wavetable Synths. Sie sind aber gerade beim Grundsound und den vielen Einstellungen total anders – genau deshalb ist er interessant. Heute.
Video ĂŒber den Waldorf M
Eine Antwort zu “Waldorf M Synthesizer – Angecheckt & Updates”
Ah, was fĂŒr ein wundervoller Angecheckt, der dem Synth wirklich auch gerecht wird. Es steckt viel Liebe im M. Danke das ihr das wĂŒrdigt.