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Angecheckt Fender Mustang Micro  ·  Quelle: Fender

Vom uralten Korg Pandorra über den ersten VOX AmPlug, verschiedene iPhone Apps in Verbindung mit einem Apogee Jam, bis hin zum aktuellen BOSS Pocket GT. Ich habe so ziemlich alle mobilen Kopfhörerverstärker getestet. Da war ich natürlich sofort hellhörig, als im Januar der Fender Mustang Micro angekündigt wurde. Wie praxistauglich das Gerät ist und wie es sich gegen die Konkurrenz schlägt, erfahrt ihr in diesem Angecheckt.

Hinweis: Das Gerät wurde uns kostenlos und ohne Anspruch an den Text oder eine Aussage von Fender zur Verfügung gestellt.

Fender Mustang Micro

Neben zwei leckeren Röhrenverstärkern hatte der amerikanische Hersteller zur NAMM 2021 mit dem Mustang Micro einen kompakten Kopfhörerverstärker veröffentlicht. Er soll uns Spielern das Üben auf unseren Instrumenten einfacher und unterhaltsamer gestalten. Und zwar so, dass man es fast überall machen kann.

Die gute Nachricht vorab: Für den Mustang Micro benötigt ihr keine zusätzlichen Apps, Editoren oder Doktortitel! Es gibt kein Display und auch keine versteckten Untermenüs, ihr könnt quasi wenige Sekunden nach dem Anschluss eures Instruments sofort loslegen. Diese Eigenschaft ist zugleich die größte Stärke des Kleinen, dabei ist er alles andere als limitiert. Doch schauen wir uns zunächst die Funktionen an:

  • 12 Amp-Modelle aus der Mustang GTX-Reihe
  • 13 Effekte
  • 5 EQ-Presets
  • ein großer Lautstärkeregler
  • Bluetooth-Audio-Streaming mit Audio/Video-Sync, um in Echtzeit mitzuspielen
  • wiederaufladbarer Lithium-Ionen Akku (wird über USB geladen)
  • über 4 Stunden Dauerbetrieb
  • drehbarer Klinkenstecker
  • USB-Audiointerface

Das klingt doch vielversprechend! Leider hat Fender es verschlafen, ein Stimmgerät zu integrieren. Damit wäre man wirklich komplett autark gewesen. Nun, dann wollen wir mal!

Auf die Plätze, fertig, los!

Tatsächlich ist die Einrichtung wirklich super einfach. Den Mustang Micro direkt an die Ausgangsbuchse eurer Gitarre anschließen, einen kabelgebundenen Kopfhörer dran, das war’s! Einfach einstecken und los geht’s, ohne lästige Apps, Menüs oder Zusatzsoftware. Geladen wird das Gerät mit dem mitgelieferten USB-C-Kabel an einem normalen USB-Anschluss oder -Ladegerät (nicht im Lieferumfang enthalten). Mit einer einzigen Akkuladung solltet ihr rund 4 Stunden Spielzeit erhalten.

Ein Leben ohne Gain-Regler

Nanu, kein Gain- oder Volume-Regler? Die Idee ist, dass hier schnell diverse Verstärker in den allgemein bewährten Settings bereitstehen. Möchte man mehr oder weniger Gain, muss man ein anderes der 12 Amp-Modelle anwählen oder sein Volume-Poti nutzen. Zu Beginn fand ich das merkwürdig, allerdings habe ich mich verdammt schnell daran gewöhnt. Schon nach kurzer Zeit spielte das keine Rolle mehr und ich war stets im Nu wieder zurück beim Spielvergnügen.

Weniger Auswahl führt eben zwangsweise zu schnelleren Ergebnissen. Das Gleiche gilt für die EQ-Einstellungen. Es gibt 5 Presets, ein neutrales und zwei mit weniger Höhen sowie zwei mit angehobenen Höhen. Die Einstellung der Effekte verläuft ähnlich: Erst den gewünschten Effekt selektieren und dann über den MODIFY-Schalter abschwächen oder intensivieren. Ich finde das ungemein praktisch!

Wie klingt das?

Die Amp-Simulationen stammen aus der Mustang GTX-Reihe, die ich persönlich noch nicht getestet habe. Für mich klingen die Simulationen grundsolide. Die Nachbildungen der hauseigenen Verstärker haben mir zum Teil richtig gut gefallen, die Distortion-Abteilung traf mal mehr und mal weniger meinen Geschmack. Wobei ich da ehrlich sagen muss, dass ich mit Hi-Gain-Klängen nicht allzu viel am Hut habe. Eine Sache haben jedenfalls alle gemein: Sie erfüllen in Windeseile erfolgreich die zu erwartenden Klischees und machen Spaß!

Auch für E-Bass, Akustikgitarre und mehr geeignet

Für alle, die auf eine Bassversion hoffen: Ich würde meine Großmutter verwetten, dass dies nicht passieren wird. Das ist natürlich bedauerlich, aber nicht tragisch. Denn es gibt auf dem letzten Speicherplatz ein cleanes Studio Preamp Setting, das den Amp für weitere Instrumente wie Akustikgitarren, E-Bässe oder sogar Synthesizer etc. verwendbar macht.

Für moderne, unverzerrte Bass-Klänge ist dieses Preset bestens geeignet ist. Davon abgesehen finde ich tatsächlich auch die Amp-Modelle 2-4 in Kombination mit meinem Preci ganz in Ordnung. Das klingt nicht unbedingt super fett, aber das Ergebnis hat einen sympathischen Charakter, leicht angecrucht und macht im Mix Spaß! Mir reicht das und ich beobachte, dass die einfache Anbindung an Telefon oder Laptop große Freude bereitet und den Wunsch nach noch besseren Bassklängen in den Hintergrund treten lässt. Auch wenn das Ding für uns Bassisten nicht perfekt sein mag, finde ich es außerordentlich praktisch!

Kabellos Musik via Bluetooth streamen

Kommen wir endlich zu meiner absoluten Lieblingsfunktion. Die integrierte Bluetooth-Schnittstelle ist Gold wert! Das Koppeln mit einem Smartphone oder Computer ging erfreulich einfach. Und: Einmal eingerichtet, ist die Verbindung äußerst stabil und scheint eine große Reichweite zu haben. So laufe ich ständig mit meiner Lieblings-Playlist durch die Wohnung und halte die Finger fit. Das Verhältnis von Musik zum Instrument wird am externen Abspielgerät bestimmt. Der große Volume-Regler steuert die Gesamtlautstärke aller am Kopfhörer anliegenden Signale (Musik und Amp-Simulation gleichermaßen).

Ich kann euch schon jetzt verraten, dass dies der Hauptgrund ist, warum ich mir das Gerät zulegen werde. Morgens bei einer Tasse Kaffee am Küchentisch sitzen und sich eingrooven, abends mit der E-Gitarre durch die Wohnung schlendern, während die Freundin ungestört ein Buch liest. Ich liebe es!

Aufnahmen via USB

Eine Funktion hätte ich beinahe übersehen, da das Gerät mich schon längst überzeugt hatte. Wer beim Jammen einen Geistesblitz hat und diesen umgehend aufnehmen möchte, schließt den Mustang einfach per USB-C an den Computer an. An meinem Mac sind dazu nichtmal Treiber notwendig. Logic fragte mich sofort, ob ich den Fender verwenden möchte und das war’s. Super simpel und eine wertvolle Zusatzfunktion. Und weil der Mustang das Modeling übernimmt, könnt ihr wunderbar geringe Latenzen erzielen. Sehr gut! Ein findiger YouTuber hat es sogar geschafft, den Fender mit einem iPad und GarageBand zu nutzen (siehe Video weiter unten).

Kritik

Okay, Butter bei die Fische: Drei Dinge sind mir aufgefallen. Bei meinem Testexemplar höre ich bei jedem gespielten Ton anfangs ein leises Rauschen, das dann schlagartig wie von einem Gate abgeschnitten wird. Stellt euch den Teppich einer Snare vor, die der vergessliche Schlagzeuger mal wieder nicht entschärft hat. Ich nehme es nur bei sensibel gespielten Tönen wahr, spätestens ab normal kräftigem Anschlag ist der Klang des gespielten Instruments wesentlich lauter. Der Gitarrenklang ist davon übrigens nicht betroffen. Getestet habe ich mit zwei verschiedenen Gitarren (335-Kopie / LP-Kopie mit EMGs), drei E-Bässen (P, MM, J) und zwei Kopfhörern. Der technische Service von Fender meinte per E-Mail, dass das verbaute Noise Gate möglicherweise mit einem zukünftigen Update angepasst werden könnte. Ob es daran liegt und generell alle Exemplare betrifft, kann ich nicht sagen.

Die anderen beiden Punkte sind ebenso trivial und eventuell mit zukünftigen Updates zu beheben. Einerseits wirkt sich die Einstellung des EQ-Reglers auch auf den Klang der über Bluetooth eingehenden Musik aus. Andererseits würde ich mir wünschen, dass die Grundlautstärke der verschiedenen Amp-Simulationen etwas besser aufeinander abgeglichen wäre. Mit allen drei Faktoren kann ich sehr gut leben.

Fender vs. VOX vs BOSS

Wie schlägt sich der Fender gegen die Konkurrenz? Nun, das BOSS Pocet GT klingt aus meiner Erinnerung besser und bietet mehr Funktionen. Allerdings empfinde ich die Verwendung der dazugehörigen App als zwingend notwendig, um das volle Potential ausschöpfen zu können. Der Fender dagegen ist unschlagbar einfach in der Handhabung und trifft damit meine subjektiven Bedürfnisse besser. Und VOX? Ich weiß nicht, wie gut die nachfolgenden AmPlug-Generationen sind, doch in meinen Augen ist das ein stark veraltetes Konzept, das nicht nur schlechter klingt und wahnsinnig rauscht, sondern auch noch weniger Funktionen und mehr Kabelsalat hat. Tut euch den Gefallen und nehmt bei Interesse an einem mobilen Kopfhörer-Übungsverstärker den höheren Anschaffungspreis des Fender oder BOSS in Kauf, es lohnt sich definitiv! Könnt ihr unseren Lesern weitere Produkte empfehlen? Schreibt uns gern in den Kommentaren. 

Mein Fazit

Ich bin Fan! Fender hat mit dem Mustang Micro ein äußerst praxistaugliches Werkzeug geschaffen. Ob für nächtliche Sessions daheim, beim Jammen zur Lieblings-Playlist im Urlaub oder beim Warm-up auf der Tour vor einer Show – die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und der praktische Nutzen immens. Von den von mir im Laufe der Jahre getesteten Kopfhörerverstärkern trifft dieser bei mir voll ins Schwarze. Ich werde mir einen zulegen müssen, da führt kein Weg dran vorbei.

Preis

Der Fender Mustang Micro kostet 98 Euro*.

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Weitere Informationen

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

Videos

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Eine Antwort zu “Angecheckt: Fender Mustang Micro”

  1. Luke sagt:

    Echt nur schade dass das Teil nun seit Einführung für Monate im deutschsprachigen Raum ausverkauft ist und Fender das Teil nicht in für Monate in die Läden bekommt!! Lieferzeiten bei allen Händlern von mehreren Monaten ist halt echt frustrierend sowohl für die Musiker die drauf warten als auch für die Händler die keinen Umsatz machen können.

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