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TubeOhm TuBika - ein paar Impressionen des spannenden DIY-Projekts  ·  Quelle: tubeohm.com

Dem ein oder anderen dürfte Mutable Instruments ein Begriff sein. In der Zwischenzeit liegt der Produktschwerpunkt der kleinen französischen Firma zwar hauptsächlich auf ausgefallenen Modulen für das Eurorack-Format, in der Vergangenheit machte sich Mutable Instruments jedoch auch einen Namen mit dem polyphonen DIY-Synth AmBika und dem monophonen Shruti. Während der Shruti allem Anschein nach weiterhin im Sortiment bleibt, wurde der AmBika bereits vor einiger Zeit abgekündigt, da sich Olivier Gillet – der Kopf hinter Mutable Instruments – vermutlich primär auf die Module für das Eurorack konzentrieren möchte.

Doch erfreulicherweise hat sich die deutsche Firma TubeOhm diesem ehrgeizigen Projekt angenommen. Eine Kooperation zwischen den beiden Unternehmen gab es wohl bereits in der Vergangenheit, so bietet TubeOhm auch bereits seit längerem einen Software-Editor für den AmBika an. Letztlich ist es also nur konsequent, diesen Synthesizer am Leben zu halten. Da der kompakte Klangerzeuger bereits durch Mutable Instruments zu einem sehr ausgereiften Instrument entwickelt wurde, sah man bei TubeOhm keine Notwendigkeit zu radikalen Veränderungen. So beließ man es dabei, den Platinen ein neues Erscheinungsbild zu verpassen: Waren diese bisher schwarz, so erstrahlen sie nun stattdessen in Weiß. Das hat natürlich auf den Klang keinen Einfluss, die vorgenommene Anpassung der Filter hingegen schon. Doch auch hier erfolgte nur eine kleine Anpassung. Laut TubeOhm sollen sich diese nun präziser stimmen lassen, so dass sie bei mehrstimmigem Spielen einheitlich klingen.

Wie eingangs erwähnt ist der TuBika ein Synthesizer zum selbst Löten. Ein wenig Erfahrung und Geduld sollte man also mitbringen, damit das Selbstbauprojekt nicht pauschal zum Scheitern verurteilt ist. In seiner vollständigen Ausbaustufe verfügt der DIY-Synth über insgesamt sechs Stimmen. Um diese nutzen zu können, muss das Instrument mit sechs so genannten Voiceboards bestückt werden. Jedes Voiceboard verfügt dabei über zwei Oszillatoren sowie einen Sub-Oszillator. Zur Auswahl stehen hierbei insgesamt 36 Schwingungsformen bzw. Wavtables. Die Oszillatoren des TuBika sind sogenannte DCOs (DCO = digital controlled oscillator), d.g. sie werden digital angesteuert und sind somit stimmstabiler als VCOs, sind aber sonst ebenso wie das Filter und die VCAs analog ausgeführt.

Neben einem globalen Arpeggiator steht jeder Stimme auch ein separater Step-Sequencer zur Verfügung. Vervollständigt wird deren Funktionsumfang durch je 3 ADSR-Hüllkurven-Generatoren und vier LFOs. Über eine 14-fache Modulationsmatrix lassen sich umfangreiche Zuweisungen realisieren.

Sehr vielversprechend ist auch die Speicherfunktion für selbst erstellte Sound-Patches. Zum Einsatz kommt hier eine handelsübliche SD-Speicherkarte. An Speicherplatz sollte es somit also nicht mangeln. Und der wird dann auch effektiv genutzt: Beim Speichern eines Sounds wird nämlich nicht nur der momentane Zustand gesichert, vielmehr gibt es – ähnlich der Undo-Funktion einer DAW – die Möglichkeit, vorgenommene Änderungen Schritt für Schritt rückgängig zu machen.

Insgesamt scheint mir dieser Synthesizer ein äußerst spannendes Projekt zu sein. Sehr erfreulich also, dass TubeOhm dafür sorgt, dass dieser Exot nicht vom Markt verschwindet. Sicherlich ist der Selbstbau nicht jedermanns Sache, wer sich jedoch herantraut, erhält mit etwas Eigenleistung einen klanglich überzeugenden Synthesizer, den so nicht jeder hat.

Zu beziehen ist der Bausatz ab sofort über die Website von TubeOhm zu einem Preis von knapp 600 Euro. Neben dem kompletten Kit inklusive sechs Voiceboards stehen auch einzelne Motherboards zur freien Kombination mit verschiedenen – ebenfalls separat erhältlichen – Voiceboards zur Auswahl.

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