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One, Duet und Quartet können nun auch mit Windows genutzt werden  ·  Quelle: Apogee

Apogee ist für ihre guten, qualitativ hochwertigen Audiointerfaces bekannt. Allerdings nur für Apple OSX bzw. macOS. Dazu haben sie Style und Ästhetik von Apple „übernommen“, um sich so vielleicht als idealer Audiopartner zu positionieren. Nun hat Apogee etwas unverhofft bekannt gegeben, dass ein paar ältere Interfaces mit Windows-Treibern versorgt werden.

Ein Kollege hat rumgesponnen, dass Microsoft an Apogee ein Surface Book geschickt hat und die dann gemerkt haben, dass man damit auch super glossy Produktfotos machen kann. Oder vielleicht hatten sie auch zu viele unverkaufte Interfaces, weil sie „nur“ auf USB statt Thunderbolt setzen? Was auch immer die Beweggründe wirklich sind: Apogee wird fortan für One, Duet und Quartet Treiber für Windows 10 bereitstellen.

Das Problem an der doch sehr erfreulichen Sache ist: Die Interfaces sind nicht gerade neu. 2012 und 2013, um genau zu sein. Außerdem betrifft es nur die silbernen Interfaces – auch das One gibt es seit letztem Jahr in der Farbe. Aber es ist eben nur die Farbe und nicht das Innenleben erneuert worden. Das heißt nicht, dass die nun schlecht geworden sind oder veraltet, aber es hat dennoch einen etwas faden Beigeschmack. Vielleicht ist das auch nur der Anfang einer Serie von Treibern für all ihre Produkte? Fände ich begrüßenswert.

Alles nach Windows

Es ist schon bezeichnend, dass mehr und mehr OSX-only Hersteller nun auch auf Windows setzen. Nicht immer mit der gleichen Qualität (wenn man Berichten auf einschlägigen Seiten glaubt), aber dennoch werden es mehr und mehr. Auch bei den Big Brands. Avid, Universal Audio, Motu und andere haben sich bereits vom Ein-OS-Modell verabschiedet und machen nun auch für Windows. Wenn auch hier und da mit Einschränkungen. Jetzt fängt Apogee auch an. So viele gibt es nicht mehr, die macOS als Audio-OS einzig unterstützen.

Ob das ein Zeichen ist, dass OSX bzw. macOS immer mehr an Bedeutung im Audiosektor verliert? Vielleicht ist das auch der richtige Arschtritt für Apple, dass die sich mal wieder für den professionellen Sektor auf den Hosenboden setzen sollten und etwas machen. Oder ist das Wunschdenken, weil die mit dem Consumer eh genug Geld machen?

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  • Ob Apple mit ihrer iOS zentrierten Entwicklung nun die “Pro” Benutzer/Kunden vergessen oder vernachlässigt haben, möchte ich eigentlich gar nicht unbedingt diskutieren – das wird an anderer Stelle schon ausführlich und meistens eher unerfreulich unsachlich getan. Dass es aus Apples Sicht Sinn ergibt, sich auf die Produkte zu konzentrieren, die am meisten einbringen, steht wohl außer Frage.

    Aber unabhängig davon hat Microsoft in den letzten Jahren wirklich viel dafür getan, dass Windows (wieder) ein ernstzunehmender Konkurrent ist. Ob Windows-PCs und -Laptops nun wirklich immer billiger als Apple sind (bei vergleichbarer Ausstattung, wohlgemerkt!), darf auch gerne anderweitig diskutiert werden. Sicher ist, dass es große Auswahl an Computern gibt, die *gut genug* sind, um damit als Hobby- oder Profi-Musiker/Produzent zu arbeiten. Und das ist der Punkt, an dem Apple sicher mal ansetzen sollte. Wenn sich technische Innovation darin erschöpft, etablierte Schnittstellen wegzulassen, kaufen die Kunden eben woanders, damit sie ihre vorhandene Peripherie weiter benutzen können, ohne sich über Premiumtarife, zusätzliche Adapter und werweißwas ärgern zu müssen.

    Ich bin selbst sehr glücklich mit meinem 2016er MacBook Pro mit vier USB-C Anschlüssen. Aber es ist schon nervig, für alles einen Adapter kaufen zu müssen. Also, für alles.

    • Tai Meierhans

      “Ich bin selbst sehr glücklich mit meinem 2016er MacBook Pro mit vier USB-C Anschlüssen. Aber es ist schon nervig, für alles einen Adapter kaufen zu müssen”

      Freu dich doch, in drei Jahren hast du vier Standard-USB Anschlüsse am MBP

      • In drei Jahren habe ich mit Sicherheit ein neues MacBook… Aber so ist das eben, wenn man freiwillig “early adopter” ist. Ich beklage mich ja nicht, kann aber die Bedenken verstehen, die allerorten geäußert wurden, als Apple die neuen MacBooks vorgestellt hat.

  • Maze

    Ich arbeite nunmehr 20 Jahre mit Windows Kisten im Musikbereich und war immer zufrieden damit.
    Das die Apple Welt in der Musiker/Studio Welt mehr anklang findet oder fand, hat mich nie gestört, denn es gab immer irgendwelche Firmen die (auch) auf Windows setzten.
    Die Firma UA war auch so ein grosses Beispiel. Als sie dann auf Windows setzten, wurde es gekauft und es läuft spitzenmässig.
    Es freut natürlich, wenn jetzt im Musikerbereich, Windows auch beachtet wird.
    Auf Apple rumhacken ist meiner Meinung nach in der heutigen Zeit schon etwas unreif.
    Apple macht nichts falsch, ganz im Gegenteil. Nur eben die Konkurrenz holt auf. Aber das ist bei allen Firmen so.
    Deshalb ist es ok wenn beide Schienen zum Ziel führen.
    Also ich und meine Kunden hören keinen Unterschied in der Musik ob es von OSX oder von Windows kommt. ;-)

    • gearnews

      Ich bin großer Fan von Apples OSX bzw. macOS, finde aber die Entwicklung in Sachen Hardware im Vergleich zum Preis lächerlich. Aber es ist in der Tat schön, dass man auch mit Windows mittlerweile sehr weit kommt, auf OS-Ebene hinkt es hinterher, aber aus Musikersicht gibt es eigentlich keine nennenswerten Defizite mehr.

      • Maze

        Ich bin kein Fan eines Betriebssystems. Aber schön wenn es auch für OS Fans gibt.
        Bin eher Fan von anderen Dingen. :-)

        • gearnews

          Fan ist sicher übertrieben, aber es ist mir das Liebste. :)

  • Nobser

    Mich freut das, oder besser, beruhigt das. Eigentlich bin ich ein Apogee-Fanboy, die Qualität der Hardware ist schon enorm. Auch mein Mid-2012-Macbook-Pro ist immer noch mehr als ausreichend. Aber auf der anderen Seite, seit Apple mit dem USB-C-Quatsch angefangen hat, habe ich Mac-Only-Herstellern, und somit auch Apogee, den Rücken gekehrt. Damals war das Ganze noch mit der Diskussion gekoppelt, ob Apple sogar der Intel-Technologie den Garaus macht. Ehrlich gesagt war mir das zu viel “Innovation”. Ich kann nicht mein ganzes Heimstudio tauschen, nur weil Apple gerade ‘nen Furz im Kopp hat. Daher war mein neues Audio-Interface ein Focusrite und mein neues DAW Ableton Live. Und eben kein Quartett und Logic Pro mehr. Denn irgendwann wird das Macbook mal den Geist aufgeben und dann werden die Karten halt neu gemischt. Und mal im Ernst: Das Surface-Studio ist schon sexy….

    • Krypton

      Mir ist aufgefallen wieviel plugin updates bei einem OSX update gemacht werden muss. Jetzt mit dem Sierra oder ähnlich.
      Sowas hab ich bei Win (egal welche Zahl) nie gesehen.
      Dann bekommt man dutzende Emails das man warten soll oder das es kompatibel ist.
      Auch wenn es ein gutes OSX ist wie “Gearnews” es immer beschreibt. Sowas würde mich etwas nervös machen weil nicht alle Plugin hersteller (vorallem kleine) nachziehen.
      Und dann funktioniert möglicherweise das plugin nicht mehr.

      • gearnews

        Die Updates musste ich von XP auf Vista, auf 7, auf 8 und auf 10 auch machen. Da MS aber nicht so häufig neue Major-Versionen veröffentlicht, ist das vielleicht nicht mehr so in den Gedanken drin.

        Abgesehen von Waves und NI hatte ich persönlich keine Probleme. Aber klar, das ist ein No Go, aber man wechselt auf Produktivsystemen ja eh nicht mittendrin. Auch bzw. vor allem nicht bei Windows.

        • Krypton

          Aber wenn OSX so ein spitzen OS ist, warum dann soviel Major updated?
          Ist doch ein spitzen OS?
          Wenn doch etwas gut ist, warum die vielen Änderungen?
          Vorallem Änderungen die viele 3-hersteller Updates nach sich zieht.
          Das ist Aufwand das Zeit und Geld kostet die man sicherlich nicht gerne bezahlen würde, wenn ein Plugin Hersteller dafür Geld verlangen würde.
          Ich bin froh das M$ nicht soviel Majors releast.

          • gearnews

            Weil Apple festgelegt hat, dass es pro Jahr eine neue Version gibt. Und wenn etwas tiefer was geändert wird, dann müssen andere nachziehen. Deswegen gibt es vorab eine lange Beta-Phase. Wenn manche Hersteller zu träge sind, dann gibt es eben ab Release keine aktuelle Plug-in-Version.

            Oft entsprechen die OS-Neuerungen eher denen von Service Packs, die auch gern Probleme machen. Ob und wie das sinnvoll ist, ist die andere Frage, aber so schaffen sie alte Hardware ab, weil die die neuen Features eben nicht unterstützen “können”. Kapitalismus, eben.

            Die Plug-in Hersteller wissen ja, dass es passieren wird. Das ist wie die vier Jahreszeiten beim “Schienen Fernverkehr”, plötzlich und völlig unerwartet ist es da und man verspätet sich deswegen immens und schieb die Schuld auf den anderen. Ich will nicht sagen, dass Apple unbeteiligt ist, aber manche Hersteller ruhen sich einfach etwas zu sehr aus. Andere schaffen es spielend, oder haben bestimmte Sachen auf OS-Ebene nicht genutzt, die dann wegfallen. Ob und wie das stimmt, kann ich als Nicht-Programmierer nicht sagen.

      • Tai Meierhans

        Dir ist hoffentlich schon klar, dass beim augenblicklichen macOS Update das Formatierungs- und Partitionsschema geändert wird, kein so kleiner Schritt, der wurde bei Win zuletz bei FAT32 auf NTFS gemacht. Im letzten Jahrtausend? Oder sogar ein Jahr später?

        • Krypton

          Ok, dann bin ich froh das Win das schon seit ewigkeiten hinter sich hat.
          Nur der Unterschied ist: Es gibt bei Win immer noch beide, denn das lässt man dem User was bzw. wie er verfahren soll.
          Man geht nicht hin und nimmt einfach knallhart etwas weg. So etwas braucht Zeit und kann nicht einfach heruntergebrochen werden.

  • Tai Meierhans

    “Ob das ein Zeichen ist, dass OSX bzw. macOS immer mehr an Bedeutung im Audiosektor verliert?”

    Ganz sicher nicht, es bedeutet lediglich, dass aus den übrig gebliebenen OSs auch noch Geld rauszuholen ist.