von Julian Schmauch | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten
Wer braucht schon einen Mac Studio mit M1 Ultra?

Wer braucht schon einen Mac Studio mit M1 Ultra?  ·  Quelle: Frankie, Unsplash

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Noch warten wir in der Gearnews-Redaktion auf den ersten eigenen Eindrücke eines Mac Studio. Betrachtet man aber schon einmal die Reviews und Kommentare deutscher und amerikanischer Blogs der vergangenen Tage, sind die Meinungen fast einhellig: Nie war ein Mac so schnell. Was der ARM-Prozessor M1 Ultra an Leistung bringt, spielt in einer eigenen Liga. Und doch gibt es einiges, was man vor dem Kauf dieses mindestens viertausend Euro teuren Rechners bedenken sollte. Braucht man ihn überhaupt?

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Mac Studio: Das sagen die Reviews

Tech-Blogs wie Golem, The Verge oder Engadget überschlagen sich regelrecht in ihren Beurteilungen. „Die Leistung ist beeindruckend. “ (Oliver Nickel, Golem). „Freakin’ fast“ (Monica Chin, The Verge). „Apple hat endlich einen Mac-Desktop-Rechner, der sich mit PC-Workstations im Bereich von 5.000 Dollar messen kann“ (D. Hardawar, Engadget) – Das sind echte Ansagen. Video-Export und -Verarbeitung, gigantische Bildbearbeitungs-Dateien in Sekunden, dazu eine Vielzahl an Anschlüssen – der Rechner begeistert die Fachpresse.

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Auch Musikerinnen wie Mary Spender, YouTuberin mit fast 600.000 Abonnenten und Abonnentinnen, zeigen sich angetan in ihren Reviews. Den Export eines dreißig Gigabyte großen 4k-ProRes-Videos schafft ihr Mac Studio in atemberaubenden 24 Sekunden. Zu keinem Zeitpunkt ist der Lüfter zu hören, Aufnahmen ohne Rauschen sind fast garantiert. Programme öffnen sich und Projekte laden fast in Echtzeit. Auch rechnet Spender die Energieersparnis mit einem Mac Studio gegenüber eines vergleichbaren PC-Desktop-Rechners vor: gut eintausend Kilowattstunden pro Jahr! In Zeiten von steigenden Energiepreisen nicht ganz unwichtig.

Mac Pro oder Mac Contra: Nicht alles ist Ultra

Auf der anderen Seite stehen unter anderem Apples Behauptungen aus dem Peek Performance Event, die GPU im Mac Studio könne sich mit Nvidias Flaggschiff-Chip RTX 3090 messen. Das scheint ersten Benchmarks zufolge nicht einmal ansatzweise der Fall zu sein. Dazu kommt die von den Macbooks übernommene Unart, dass am Mac Studio wirklich alles fest verbaut ist. SSD zu klein? Neuer Mac Studio. Arbeitsspeicher zu wenig? Neuer Mac Studio. Von der Modularität eines Mac Pro ist hier wenig übriggeblieben. Umweltfreundlich ist das nicht.

Beim neuen Studio Display sind die Urteile dann durch die Bank durchwachsen bis negativ. Das 27 Zoll große 5k-Display kostet zweihundert Euro mehr (!) als die kleinste Ausführung des aktuellen iMac. So scheinen die sechs Lautsprecher die versprochene, virtuelle  Räumlichkeit von Apples „Spatial Audio“ nicht besonders bravourös zu meistern. Auch muss man sich schon beim Kauf für einen der drei Standfuß-Varianten entscheiden. Später umbauen ist nicht möglich. Vor allem aber die eingebaute Webcam scheint von der Bildqualität her weit hinter den Erwartungen zu bleiben. Hier hat Apple immerhin ein Software-Update zur Verbesserung versprochen.

Mac Studio sinnvoll für Home Producer?

Wer braucht schon einen Mac Studio mit M1 Ultra?

Rendering eines neuen iMac

Ich gebe zu, auch ich war nach Apples Event erfasst von dem Hype, dem Leistungsversprechen und der Hochglanz-Präsentation. Je länger dieser aber zurück liegt, je mehr Reviews und Tests des neuen Mac Studio eintreffen, desto ernüchterter werde ich aber. Denn: wer genau braucht diese Tupper-Dosen-Rennmaschine? Natürlich gibt es genug Studios, in denen Mac-Pro-Käsereiben oder komplett ausgereizte Mac Minis langsam ausgedient haben. Aber gerade diese sind beim Umstieg auf ein neues System, dazu eines mit neuer Prozessor-Architektur und damit verbunden neuen Audiointerfaces, (zurecht) notorisch vorsichtig. Vielerorts wird man sich sagen: Ohne Aufrüstmöglichkeiten kein neuer Mac. Dann lieber auf den Mac Pro warten.

Was aber die große Masse an Home Producern betrifft, muss sich Apple schon fragen lassen, ob ein Mac Studio hier nicht absoluter Overkill ist. „Aber Home Producer sind ja auch nicht pro!“ Im Gegenteil. Home Producer dominieren die Musikbranche, was die schiere Menge an Musik-Releases, die Verkäufe von kleinen Audiointerfaces, USB-Mikrofonen und Plug-ins betrifft.

Macbook Studio: Der Traum eines Laptops für die mobile Producer-Generation

Wer braucht schon einen Mac Studio mit M1 Ultra?

Mac Producer hinter Windows

Eine Vielzahl an großen, kommerziell erfolgreichen Songs, Alben und Filmmusiken hat ihren Ursprung mittlerweile in Zimmern von „Bedroom Producers„. Was das Leistungspotenzial eines M1 Ultra betrifft, gibt momentan wenig Szenarien, wo dieser auch in größeren DAW-Projekten mit siebzig und mehr Spuren auch nur ansatzweise ins Schwitzen geraten würde. Bedroom Producer arbeiten häufig rein aus Notwendigkeit eher mit virtuellen Instrumenten, VSTs und fertigen Loops. Außer bei Granularsynths wie Pigments, einigen Kontakt-Instrumenten oder Omnisphere passiert es hier seltener, dass eine derartige CPU-Leistung nötig ist.

Mal abgesehen vom Pro-Budget, das Apple beim Mac Studio mit M1 Ultra CPU verlangt, ist hier viel auf eine alte, nicht mehr ganz zeitgemäße Pro-Definition ausgelegt. Bleibt zu hoffen, dass man hier in den nächsten Jahren genauso innovativ neue, mobile Produkte veröffentlicht wie im Desktop-Bereich. Wie wäre ein Macbook Studio mit eingebautem Audiointerface? Ein iPad Studio, das sich auch als E-Drum nutzen lässt? Oder eine schnurlose Kopfhörerlösung (Airpods Studio?), die ähnlich geringe Latenzen erreicht, wie die TMA-2 von AIAIAI? DAS wäre mobiles Produzieren der Studio-Generation.

Was meint ihr?

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Bildquellen:
  • Die NVidia GPU schlägt den M1 Ultra um Längen.: The Verge
  • Mac Pro kann in die Tonne! Benchmark-Vergleich der CPU-Leistungen von vier Macs.: The Verge
  • Rendering eines neuen Imac.: N.Tho.Duc, Unsplash
  • Mac Producer hinter Windows.: Vollume, Unsplash
Wer braucht schon einen Mac Studio mit M1 Ultra?

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16 Antworten zu “Wer braucht schon einen Mac Studio mit M1 Ultra?”

    Klaus sagt:
    0

    Geile Technik kaufen war immer schon eine Strategie, mangelnde Ideen und Kreativität zu kompensieren. Ich bin da gar keine Ausnahme. Hier stapelt sich cooles Zeugs, was ich gar nicht ausnutzen kann.
    Leider wird die Qualität der Musik nicht proportional zur Leistungsfähigkeit der Hardware besser.

      Markus57446 sagt:
      0

      …sagte Petra Gabriel, als sich ihr Bruder Peter einen Fairlight CM I im Gegenwert eines Einfamilienhauses kaufte und spielte weiter auf ihrer Wandergitarre.

    Falk sagt:
    0

    Audio benötigt meines Wissens nach Single-Core-Leistung und in Logic gibt es für Plugin-Völlerei auf Einzelspuren ja dafür auch die „Freeze“ Option. Im Video- und Bildbearbeitungsbereich macht der Mac-Studio für mich dann eher Sinn.

    Frank sagt:
    0

    OK, hier muss ich als Windowsnutzer (HP Omen 17) mal bei einem Contraartikel zu Mac intervenieren. Schlecht recherchiert!!!
    1. Der Artikel geht nur vom M1 Ultra Doppelchip aus, so als ob es da nichts anderes gäbe. Wenn man sich dann die Mühe macht, in die Konfigspecs im Apple-Store reinzuschauen, merkt man direkt: Grundkonfiguration M1 Max! Und der macht zusammen mit dem anschlussfreudigen Gehäuse für Musikproduktion wirklich Sinn. Was zu
    2. führt! Der kleine Brühwürfel braucht nicht nachträglich mit mehr SSD ausgerüstet werden. Wäre auch preistechnisch bei Apple völliger Quatsch. Bis 2TB ist das noch halbwegs ok (exakt die Größe habe ich auch in meinem Notebook). Brauche ich hinterher mehr SSD, nimmt man eine Externe! Dafür sind die vielen TB4-slots am Studio prädestiniert, incl. schnellem Datendurchsatz. Zudem kann der Studio mehr RAM als der Mini. Da ist bei 16GB Schluss. 32GB würde ich dann doch vorziehen, analog zu meinem HP Omen. Der kleine Mini ist anschlusstechnisch unterbelichtet. 2x TB, 2x USB ist für etwas mehr als Einsteigerperipherie schon unterbelichtet! Hat man mehrere Workstation-Synths (bei mir Kronos+Fantom), Controller (Native Instruments Keyboard und Maschine Studio, + ssl uf8), TB Audiointerface, zusätzliche externe SSD, z.b. zwecks Datensicherung von Projekten, dann muss man schon heftigst im Workflow das Umstöpseln einkalkulieren, was den Anschlüssen an meinem Notebook alles andere als gut tut, besonders da die Unsitte immer mehr kursiert, Eingangsbuchsen nicht mehr fest am Gehäuse zu verschrauben, sondern eine Bruchstelle am Mainboard hier in kauf zu nehmen (Schon 2x passiert). Genau dafür macht der Studio maximal Sinn. Den Ultra, da geb ich der Apple-Bashingfraktion recht, der ist für Videobearbeitung die richtige Wahl. Das macht das Studio-gehäuse nicht per se obsolet!

    Patze sagt:
    0

    Sorry, ich verstehe diesen Kommentar schon im Kern nicht.

    „Lamborghini baut schnellsten Seriensportwagen, doch Landwirte können damit nichts anfangen…?“

    Dass ein mobiler Producer keinen Desktoprechner braucht ist doch keine Erkenntnis aus dem Mac Studio, oder?
    Und nur weil das Ding Studio heißt, ist es doch auch nicht zwingend für MUSIKStudios gedacht. Natürlich ist das Ding Overkill für 98% aller Musiker. Heute. Aber es hat doch auch niemand gesagt, dass dem nicht so wäre.

    Don’t get the bash… sorry.

    Markus57446 sagt:
    0

    „Niemand braucht mehr als 640 Kilobyte Arbeitsspeicher in seinem PC“ sagte Bill Gates einst.

      Thomas sagt:
      0

      Daran und an die Aussage von IBM in den 50er (60er?), dass es höchstens einen Markt von 5 Großrechner gibt, musste ich auch denken.

      Leistung im Computer kann nur durch noch meher Leistung ersetzt werden und nur weil sich heute die CPU langweilt, muss das morgen nicht auch so sein. Noch jede CPU wurde über kurze Zeit ausgelastet.

      Und Speicher – lach – kann man nie genug haben, was wurde ich Anno 1993 über meine überdimensionierten 4 MB RAM ausgelacht, doch dann kam Wing Commander 2 Speech Pack :)

    Bernie sagt:
    0

    „je mehr Reviews und Tests des neuen Mac Studio eintreffen, desto ernüchterter werde ich aber.“
    Vollkommen klar. Jeder der ein kleines 5600X AMD System mit Windows betreibt wird damit kaum seine Stromrechnung sprengen, erst recht wenn er diesen im Eco-Modus betreibt. Den kleinen M1 hängt so ein Rechner jederzeit ab, zumindest in der realen Welt außerhalb des Apple-Marketing. Wer etwas mehr Speicher für die tollen Transferrraten (können auch gute SSD’s im PC ab 150€/1TB) benötigt ist schlecht dran. Der kleinste Mac Studio ohne „Ultra“ und 4TB SSD kostet 3700€. Apple füllt sich hemmungslos die Taschen und ich frage mich wofür? Für eine bessere Welt wohl kaum.

    Markus sagt:
    0

    Nun, Apple hat halt immer auch den ‚will haben‘ – Faktor, unabhängig davon ob ich das gebotene Paket so auch ausnutze. Die Schnittstellen am Studio sind schon fein. Mein Bedarf an Video- & Bildbearbeitung rechtfertigt dieses Rechenmonster jedoch in keiner Weise. So hoffe ich auf einen Mac Mini mit M1 Pro und 32GB RAM. Am Studio Display wird mich dann am meisten das fest verbaute Kabel stören. Völlig anachronistisch, zumal es bei mir sicherlich am Vesa Monitorarm hängt und so tendenziell höher belastet wird.

    Thomas K sagt:
    0

    Ich bin ständig am Limit, weil ich einfach oft genug plugins mit hihen Anforderungen an die Leistung benutze. Dabei sind fast nur Hardwaresynths am laufen. Und trotzdem muss ich immer die Leistungsanzeige von Logic im Blick haben. Ach ja, ich nutze einen iMac von 2017 mit i7 4.3 ghz.
    Ich verstehe diese selbstauferlegte Bescheidenheit nicht, wenn von Pluginvöllerei die Rede ist. Was soll das ? Ohh nein! Der Rechner ist ja viel zu schnell für mich. Ich habe ja gar keine Studio in Hollywood.
    Mir kann kein Rechner zu schnell sein. Basta !

    Meine Sicht als Plugin Entwickler: es gibt viele tolle Sachen, die leider erst mit mehr CPU Leistung möglich werden. Klassische DSP Techniken sind ziemlich ausgereizt, aber spektrale Techniken haben zB ein hohes Potential. Gleichzeitig gibt es den (verständlichen) Wunsch, dass Plugins auch noch auf älteren Laptops laufen. Die echten Innovationen der kommenden Dekade lassen sich mit älterer Hardware aber nicht realisieren. Erst wenn leistungsstärkere Hardware weiter verbreitet ist lohnt es sich auch für Entwickler, solche Plugins zu entwickeln. Insofern: her mit dem Mac Studio!

      Bernie sagt:
      0

      Bei machen Entwicklern gabe ich das Gefühl daß die sich eingegraben haben. Auch U-he mit seiner Diva ist schon lange kein Vorzeigestück mehr. Vermeintliche Super-Synths wie Zeeon auf IOS/AU singen mit soviel Aliasing in den Obertönen, daß es schmerzt. Sehr unterschätzt werden hingegen integrierte Synths wie der Wavetable in Ableton und der Retrologue in Cubase. Insgesamt ist sehr viel Luft nach oben und es gibt mehr ein Softwareproblem als fehlende Leistung. Aber dafür gibt es ja Eurorack, sauber klingende Oszillatoren und singende Filter überall. Auch eine Bass Station resoniert schöner als die meiste Software. Was wurde getönt als AMD mit seinen 8-16 Kernen kam, getan hat sich seitdem wenig.

        Plø sagt:
        0

        Zeeon ist knapp 5 Jahre alt. Da hat sich inzwischen einiges getan. Schaut, bzw. hört Euch mal Moog Model15, AnimoogZ, Drambo, TAL-U-No, ID700 und weitere aktuelle iOS Synths an. Die brauchen sich gegen die meisten Desktop Synths nicht zu verstecken.
        Nur ne Frage der Zeit, wann der erste Synth herauskommt, welcher als Mindestanforderung nen M1 benötigt und dessen Leistung auch ausreizt. Wird dann halt auch teurer, aber die Zeiten, als das iPad als Plattform für Musikschaffende und Sounddesigner eher belächelt wurde, sind vorbei!
        Zumal es einige sehr spannende neue Konzepte gibt, welche für Touchscreen optimiert sind. Gerade aus Italien kommt da sehr spannendes neues Zeug …

    Stefan sagt:
    0

    „Was aber die große Masse an Home Producern betrifft, muss sich Apple schon fragen lassen, ob ein Mac Studio hier nicht absoluter Overkill ist.„

    wieso muss Apple sich das fragen lassen?

    Auch ist in OS X seit einiger Zeit ein Software AVB-Interface integriert.

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