von Dirk | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten
Transient Shaper statt Kompressor: So benutzt du das Dynamikwerkzeug

Transient Shaper statt Kompressor: So benutzt du das Dynamikwerkzeug  ·  Quelle: Gearnews

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Transient Shaper sind eine gute Alternative zum Kompressor, wenn es um die Bearbeitung der Dynamik geht. Mehr Punch und Durchsetzungsfähigkeit oder auch das Zähmen von zu harschen Attack-Sounds sind mit einem Transient Designer schnell erledigt. Und selbst beim Sounddesign ergeben sich einige Möglichkeiten. In diesem Artikel beschäftigen wir uns etwas genauer mit dem praktischen Effekt.

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Transient Shaper beim Abmischen benutzen

Wer die Dynamik von Audiospuren wie einzelnen Drums, einer ganzen Drum-Gruppe oder einzelnen Instrumenten (wie Bass oder Gitarre) bearbeitet, greift häufig zum Kompressor. Aber es gibt auch eine Alternative, die ebenso für sehr interessante Ergebnisse sorgt.

Transient Shaper – gerne auch Transient Designer genannt – sind Effekte, die ähnlich wie ein Kompressor die Dynamik verändern, dies aber auf eine andere Art erledigen. Und das kann in einigen Situationen Vorteile bringen.

Was genau ist überhaupt eine Transiente?

Beginnen wir mit der Transiente. Damit wird der sogenannte Einschwingungsvorgang eines Signals bezeichnet. In unserem Kontext ist damit im Prinzip der oft impulsartige und eher geräuschhafte Anfang eines Audiosignals gemeint. Die Pegel schlagen hier für einen kurzen Moment hoch aus und bestimmen deshalb, wie laut dieses Signal überhaupt ausgesteuert werden kann, bevor es zu Verzerrungen kommt.

Dieser sehr kurze Moment entscheidet ebenso über die Wahrnehmung eines Sounds und wird häufig auch als Attack-Phase bezeichnet. Deshalb taucht der Begriff Attack auch als Parameter bei einem Transient Shaper auf. Und dabei sind wir schon bei dem zweiten essenziellen Parameter, das sogenannte Sustain. Damit ist die Ausklingphase eines Signals gemeint.

Am Anfang dieses Kick-Samples steht die Transiente, danach folgt die Ausklingphase

Am Anfang dieses Kick-Samples steht die Transiente, danach folgt die Ausklingphase · Quelle: Gearnews

Was ist ein Transient Shaper und worin unterscheidet sich dieser zu einem Kompressor?

Ursprünglich hieß dieser Effekt Transient Designer und geht auf die gleichnamige Hardware von SPL zurück. Dieser Audioprozessor führte die sogenannte Differential Envelope Technology (DET) ein, bei der kurz gesagt durch Differenzbildung von Hüllkurven eine pegelunabhängige Bearbeitung des Audiomaterials erzielt wird. Die aktuellste Version ist der Transient Designer Mk2.

Darin liegt auch der wesentliche Unterschied zu einem Kompressor. Dieser arbeitet erst nach dem Überschreiten eines festgelegten Thresholds und reduziert dabei die Dynamik des Audiosignals.

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Transient Shaper hingegen benötigen keinen Threshold und formen stattdessen den Sound aufgrund von schnellen Änderungen in der Amplitude – der Effekt erkennt automatisch Transienten. Einfach gesagt werden von einem Transient Shaper also laute und leisere Stellen im gleichen Maß bearbeitet.

SPL Transient Designer ist der erste Effekt, der eine gezielte Bearbeitung der Transienten ermöglicht

SPL Transient Designer ist der erste Effekt, der eine gezielte Bearbeitung der Transienten ermöglicht

Was macht ein Transient Shaper und welche Parameter sind wichtig?

Ein Transient Shaper/Transient Designer erhöht oder reduziert die Attack- und Sustain-Phase eines Audiosignals. Attack und Sustain sind demnach die wichtigsten und manchmal sogar einzigen Parameter bei diesem Effekt.

Der Parameter Attack verstärkt also die Transiente mit positiven Werten, negative Werte vermindern diese. Sustain betont oder vermindert den „bauchigen“ Anteil des Signals nach der Transiente.

Ein reduzierter Attack und ein erhöhtes Sustain ergibt eine Bearbeitung, die sich mit der aus einem Kompressor vergleichen lässt – dies geschieht aber wie gesagt unabhängig von Pegeln.

Das Vergrößern von Attack und Reduzieren von Sustain führt zu einem gegenteiligen Effekt. Der Punch wird verstärkt, der „Bauch“ hingegen abgedämpft. Das ist mit der Wirkung eines Expanders oder Noise-Gates vergleichbar.

Bitter Sweet ist ein kostenloses Plugin von Flux, das Transienten verstärkt (bitter) oder diese reduziert (sweet)

Bitter Sweet ist ein kostenloses Plugin von Flux, das Transienten verstärkt (bitter) oder diese reduziert (sweet) · Quelle: Flux

Anwendungsbeispiele für den Einsatz von einem Transient Shaper

Speziell perkussives Audiomaterial eignet sich sehr gut für diesem Effekt. Aber auch Gitarre, Bass und andere Instrumente, bei denen deutliche Transienten auftreten, bearbeitest du wirkungsvoll mit einem Transient Shaper.

  • Einzelnen Drum-Sounds verpasst du mehr Punch mit erhöhtem Attack. Verstärkst du Sustain, betonst du mehr den tonalen Charakter – bei akustischen Drums aber auch manchmal die Übersprecher einer Aufnahme. Diese kannst du verringern, indem du das Sustain reduzierst. Zu harsche Schläge einer Snare „entschärfst“ du mit weniger Attack, das ist besonders praktisch, wenn du die Dynamik nicht verringern willst (wie es bei einem Kompressor passieren würde).
  • Wenn du in der Aufnahme einer Gitarre zu viel „Geschrammel“ und Anschlagsgeräusche hörst, bietet sich das Reduzieren des Attacks im Transient Shaper an. Der tonale Charakter bleibt erhalten und der eher geräuschhafte Anteil verschwindet.
  • Beim Layern von Sounds stehen sich Transienten oft im Weg. Auch hier ist das Reduzieren der Attack-Phase einzelner Sounds eine gute Möglichkeit, für eine bessere Verschmelzung zu sorgen.
  • Interessante Möglichkeiten für Sounddesign ergeben sich besonders, wenn du bei Samples oder einzelnen Instrumenten den Attack komplett „wegnimmst“ und quasi nur noch den tonalen Charakter erhältst. Dabei kann natürlich auch das Aufdrehen des Sustain-Parameters hilfreich sein.
  • Bei einer Parallelbearbeitung trennst du das Signal in Attack- und Sustain-Phase und kannst dann beide Elemente gesondert mit weiteren Effekten versehen. Auf einer Spur (oder in einer Kette) befindet sich der Transient Shaper mit reduziertem Attack, die andere Spur minimiert hingegen das Sustain.
  • Wenn du Transienten nutzen willst, um daraus MIDI-Noten zu erzeugen (einige DAWs wie Ableton Live bieten eine solche Funktion), lohnt sich das Verstärken des Attacks und das Reduzieren des Sustains. Das Max for Live Device GMaudio TransD 2.0 erzeugt sogar direkt MIDI-Noten aus den Transienten.

In vielen der genannten Beispiele musst du übrigens nach dem Einsatz des Effekts oft noch mal die Lautstärke anpassen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.

Noch mehr Möglichkeiten

Einige Plugins bieten zusätzliche Funktionen, mit denen ein Transient Shaper noch flexibler wird. Dazu gehört zum Beispiel die Möglichkeit, Transienten getrennt nach Frequenzbereichen zu bearbeiten. Außerdem gibt es einige Effekt-Plugin, die das Trennen des Audiomaterials in Transienten (beziehungsweise geräuschhafte Anteile) und tonale Anteile trennen. Physion Mk II von Eventide basiert zum Beispiel auf diesem Prinzip.

Und auch die Kombination mit anderen Effekten bringt natürlich interessante Ergebnisse. Das gilt besonders für den zusätzlichen Einsatz eines Kompressors.

Der Multieffekt Physion Mk II von Eventide bearbeitet Transienten und tonale Anteile getrennt voneinander

Der Multieffekt Physion Mk II von Eventide bearbeitet Transienten und tonale Anteile getrennt voneinander · Quelle: Eventide

Kostenlose Transient Shaper Plugins

Auburn Sounds Couture ist kostenlos und verfügt über Extras wie zusätzliche Saturation

Auburn Sounds Couture ist kostenlos und verfügt über Extras wie zusätzliche Saturation · Quelle: Auburn Sounds

Fazit

Transient Shaper sind ein praktisches Hilfsmittel, um die Dynamik und den Sound von Audiomaterial zu bearbeiten. In einigen Situationen bietet dieser Effekt Vorteile gegenüber dem Einsatz von einem Kompressor.

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