von  Gastautor  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 7 Min
Roland JX-3P

Roland JX-3P  ·  Quelle: Roland

ANZEIGE

Der Roland JX-3P ist vielleicht nicht der größte Star unter den polyphonen Synthesizern der 80er, aber er hat durchaus seine Qualitäten. Das liegt an seinem unverwechselbaren Klang und seiner ungewöhnlichen Herkunft. Eigentlich ist er nämlich ein Gitarrensynthesizer …

ANZEIGE

Dieser Artikel von Adam Douglas erschien ursprünglich auf gearnews.com. Übersetzung: Lasse Eilers.

 

Roland JX-3P

Wer im Jahr 1983 ein Musikgeschäft betrat, um einen polyphonen Synthesizer von Roland zu kaufen, hatte die Wahl zwischen mehreren interessanten Optionen. Da waren natürlich die Junos, der 6 und der 60. Die Jupiter-Serie wäre durch den Jupiter-6 und -8 vertreten gewesen, und vielleicht stand sogar irgendwo noch ein Jupiter-4 herum. Ganz neu war damals der JX-3P, ein analoger Polysynth mit einigen (für die damalige Zeit) ungewöhnlichen Parametern und Designelementen. Keine Regler? Stattdessen jede Menge Preset-Taster? Und was ist überhaupt dieses MIDI?

Roland JX-3P
Roland JX-3P · Quelle: Adam Douglas

Der farbenfrohe Roland JX-3P (die drei P stehen übrigens für „Programmable Preset Polyphonic“) war schon immer ein bisschen ein Sonderling. Obwohl er sich damals relativ gut verkaufte – etwa so oft wie der Juno-6 und der Juno-60 zusammen –, ist er immer noch bei Weitem nicht so bekannt und gesucht wie seine Geschwister. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er sich, ganz dem Zeitgeist folgend, an Yamahas DX-Design orientierte und auf viele Bedienelemente verzichtete. Wer ihn komfortabel programmieren wollte, musste zusätzlich in den optionalen PG-200 Programmer investieren. Das mag zwar Kosten gespart haben, macht den Synthesizer aus heutiger Sicht aber für viele weniger attraktiv. Und obwohl er bereits über die damals ganz neue MIDI-Schnittstelle verfügt, ist deren Implementierung noch ziemlich primitiv.

Und doch ist der JX-3P auf eine ganz besondere Art ein Klassiker – und einer meiner Lieblingssynthesizer.

Wurzeln mit sechs Saiten

ANZEIGE

Die Geschichte des Roland JX-3P beginnt nicht in Osaka, wo Roland damals seinen Hauptsitz hatte, sondern in Matsumoto. Matsumoto liegt in den Bergen der Präfektur Nagano und ist bekannt für seine Burg, seine malerischen Gassen und die hohe Dichte an Gitarrenbauern. Da man sich hier offensichtlich auf das Gitarrenhandwerk verstand, baute Roland eine Fabrik in der Stadt, als das Unternehmen in den 1970er-Jahren mit der Entwicklung von Gitarrensynthesizern begann. Der erste war der GR-500 aus dem Jahr 1977 – eine speziell angefertigte Gitarre mit einem eingebauten Synthesizer.

Roland JX-3P
Originalprospekt zum Roland JX-3P · Quelle: Roland

Springen wir nun ein paar Jahre weiter in die frühen 1980er-Jahre. Während sie an Rolands neuestem Gitarrensynthesizer arbeiteten, erkannten die Ingenieure in Matsumoto, dass ihre neue Erfindung auch als eigenständiger Synthesizer funktionieren könnte. Und während die Gitarrensynthesizer-Version, der GR-700, erst 1984 auf den Markt kam, erschien die Variante mit Tastatur bereits 1983. Der Name? JX-3P.

Klangerzeugung

Der JX-3P ist irgendwo zwischen einem Juno und einem Jupiter positioniert. Pro Stimme verfügt der sechsstimmige Synthesizer über zwei digital gesteuerte Oszillatoren mit Sync und Cross-Modulation. Das 24-dB-Tiefpassfilter basiert auf Rolands IR3109-Chip, dem gleichen, der auch in der Jupiter-Serie, den Junos 6 und 60 sowie im SH-101 verbaut wurde. Allerdings ist die Resonanz beim JX-3P niedriger eingestellt als bei den anderen Modellen, was ihm einen etwas dünneren Klang verleiht – im Guten wie im Schlechten.

Roland JX-3P
Roland JX-3P · Quelle: Adam Douglas

Dieser Klang polarisiert. Viele schätzen ihn nicht – vor allem im Vergleich zu seinen Geschwistern – und kritisieren ihn wegen seiner mangelnden Durchsetzungsfähigkeit. Man würde den JX-3P wohl kaum als Bass-Synthesizer einsetzen – schließlich käme auch niemand auf die Idee, eine sechssaitige Gitarre als Bass zu benutzen. Wie eine Gitarre glänzt der JX-3P in den Mitten. Ich für meinen Teil mag den Klang. Er hat einen speziellen Glanz, den ich so noch bei keinem anderen Synthesizer gefunden habe und der sich bei Akkorden, Leads und vor allem Pads sehr gut macht. Und wenn der Klang etwas dünn wirkt, gibt es immer noch den analogen Chorus, um ihn anzufetten.

Um das Beste aus dem JX-3P herauszuholen, ist der PG-200 Programmer geradezu Pflicht. Zwar kann man den Synthesizer auch mittels des einsamen Edit-Schiebereglers auf dem Frontpanel programmieren, aber mit den Drehreglern macht es unendlich viel mehr Spaß. Eine Alternative zum Original ist der Dtronics DT-200 (hier bei Thomann*).

Affiliate Links
Dtronics DT-200 V3
Dtronics DT-200 V3
Kundenbewertung:
(14)

Kenne deine Grenzen

Der JX-3P war eines der ersten Instrumente von Roland mit MIDI. Dementsprechend ist die MIDI-Implementierung noch ziemlich spartanisch. Der Synthesizer versteht lediglich Note-On/Off, Pitch Bend, Hold (CC64), Modulation (CC1) und Programmwechsel-Befehle. Zudem lässt sich MIDI nicht gleichzeitig mit dem PG-200 Programmer nutzen. Und obwohl der JX-3P über einen ungewöhnlich coolen polyphonen Sequencer mit 128 Steps verfügt, lässt dieser sich nicht über MIDI, sondern nur analog synchronisieren. Schade.

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen

Glücklicherweise gibt es Modifikationen. Roland selbst bot ein EPROM-Upgrade an, mit dem man die Anschlagstärke (Velocity) über MIDI steuern kann. Verschiedene Modifikationen von Drittanbietern verbessern die Situation erheblich und ermöglichen die Steuerung aller Parameter über einen MIDI-Controller – und auch der Programmer lässt sich gleichzeitig verwenden.

Der Roland JX-3P und ich

Meine persönliche Geschichte mit dem Roland JX-3P begann tatsächlich mit der Boutique-Version JX-03. Ich hatte schon lange ein Auge auf den JX-3P geworfen – hauptsächlich wegen des auffälligen Regenbogen-Farbschemas. (Ich bin nun mal in den 80ern aufgewachsen!) Der JX-03 gefiel mir, aber er weckte in mir nur noch mehr den Wunsch nach dem Original. Irgendwann konnte ich schließlich ein günstiges Exemplar ergattern, das ein bisschen Zuwendung benötigte. Nachdem ich einige klemmende Tasten repariert, ein paar der Preset-Taster ausgetauscht und die interne Batterie gewechselt hatte, lief der Synthesizer wieder wie am ersten Tag.

Roland JX-03
Roland JX-03 · Quelle: Roland

Ich mache hauptsächlich Ambient-Musik und der JX-3P ist zu meinem Lieblings-Drone-Synth geworden. Ich liebe es, den Hold-Knopf zu betätigen, Sechs-Noten-Akkorde zu erzeugen und so lange an der Modulation zu drehen, bis der Klang anfängt zu schimmern. Und schimmern tut der JX-3P wie kein anderer Synthesizer in meiner Sammlung. Manchmal klingt er wirklich fast wie eine Gitarre. Auch der Step-Sequencer ist für Ambient-Passagen sehr praktisch, und ich kann ihn jederzeit mit einer meiner Drum-Machines synchronisieren, wenn ich möchte, dass er im Takt läuft.

Das Vermächtnis der JX-Serie

Die JX-Serie blieb während der gesamten 80er-Jahre eine zuverlässige Alternative zu den Jupiters und Junos. Auf den 3P folgte die Rack-Version MKS-30 Planet-S, die im Gegensatz zur Tastaturvariante praktischerweise MIDI-Velocity erkannte. Der wahre Nachfolger war jedoch der JX-8P von 1985. Obwohl auch dieses Modell aus der Fabrik in Matsumoto stammte, hat es einen ganz anderen Klang als der 3P. Mit seinem superklaren und präzisen Sound sollte der JX-8P mit der FM-Synthese konkurrieren. Der letzte JX dieser Ära – und Rolands letzter analoger Synthesizer für eine ganze Weile – war der JX-10 Super JX (oder MKS-70 für Rack-Fans).

Roland JX-3P
Roland JX-3P Cloud und Hardware · Quelle: Roland

Aber das war natürlich noch nicht das Ende. Wie bereits erwähnt, gab es Jahrzehnte später eine Boutique-Version. Als einer der ursprünglichen drei Boutique-Modelle war der JX-03 eine Wiedergeburt des 3P in einem winzigen Gehäuse mit neuer, digitaler Technik. Während er nicht mehr erhältlich ist, gibt es mit dem JX-08 nach wie vor eine Boutique-Version des JX-8P. Und wenn es dir nichts ausmacht, mit Software zu arbeiten, kommt natürlich auch die Cloud-Version des JX-3P in Betracht (auch wenn der Chorus nach meinem Empfinden nicht ganz an das Original heranreicht).

Affiliate Links
Roland Cloud JX-3P Download
Roland Cloud JX-3P Download
Kundenbewertung:
(1)
Roland JX-08
Roland JX-08
Kundenbewertung:
(30)

Wenn du auf der Suche nach einem Polyphonen aus den 80ern bist, der etwas anderes bietet als die legendären, aber eben auch etwas abgenutzten Junos und Jupiters, ist der JX-3P einen Blick wert. Schließlich ist er programmierbar. Er hat Presets. Und polyphon ist er sowieso!

Mehr Informationen

*Hinweis: Dieser Artikel enthält Werbelinks, die uns bei der Finanzierung unserer Seite helfen. Keine Sorge: Der Preis für euch bleibt immer gleich! Wenn ihr etwas über diese Links kauft, erhalten wir eine kleine Provision. Danke für eure Unterstützung!

ANZEIGE

Die Kommentare sind geschlossen.