Reaper DAW Linux ARM GUI Sequencer MIxer

Sieht bis auf die Menüschrift aus wie Reaper aussehen kann  ·  Quelle: screenshot gearnews

Reaper DAW Linux ARM JACK Routing

JACK  ·  Quelle: screenshot gearnews

Reaper DAW Linux ARM Preferences

Ugly at it's best  ·  Quelle: screenshot gearnews

Der Pinguin bekommt demnächst – vielleicht – Zuwachs. Im Forum der DAW Reaper hat der Erfinder und Chef Justin Frankel (auch bekannt als Vater von Winamp) sich aktiv in einen Thread um „Reaper auf Linux“ eingeklinkt und dort eine aktuelle native Version verlinkt. Sonst drehte sich der Thread eher um Workarounds, wie man die Windows-Version mit WINE halbwegs stabil zum Laufen bekommt. Und nicht nur das: Es existiert auch ein Build für ARM-Architektur, damit könnte man Reaper für den Raspberry und auch Tablets (Apple iPad, Android) realisieren. Das musste ich mir natürlich mal selbst anschauen.

Ich habe ja vor geraumer Zeit mal einen langen Selbsttest zu „DAW mit Linux“ gemacht und mir die komplette Situation angeschaut und habe deswegen einen ganz guten Überblick. Was mir abgesehen von mehr professionellen und hochwertigen Plug-ins fehlte, waren ein paar mehr gute DAWs. Deswegen musste ich einfach mal meine beiden Linuxe Antergos (Arch) und Ubuntu Studio (Ubuntu/Debian) vom Staub befreien und mit Reaper ausprobieren. (Was in dem Zeitraum an Betriebssystem- und Programm-Updates dazukam, ist beachtlich. Da können sich Apple und Microsoft mal eine dicke Scheibe von abschneiden. Das aber nur mal am Rande.)

Gesagt getan. Die gepackte Datei von Reaper heruntergeladen, entpackt und gestartet. Fehlermeldung und Abbruch. Okay, RTFM. Eine Datei namens libswell.so will installiert werden. Für Ubuntu Studio haben die Entwickler eine fertige Version bereitgestellt, die muss einfach nur im Reaper-Ordner abgelegt werden. Mit Antergos/Arch muss man es selbst kompilieren. Ging aber fehlerlos, die Anleitung dazu ist auch im Handbuch hinterlegt. Reaper gestartet und JACK eingerichtet – aktuell gibt es nur die Möglichkeit JACK. Dann der Schock:

Es sieht richtig scheiße aus. Das heißt, eigentlich sieht es nach Reaper aus, aber die Menüschrift sieht einfach nur nach einem großen Fehler aus. Nachdem der Schock verdaut wurde, habe ich ein paar Stems importiert. Reibungslos. Dann ein bisschen editiert. Etwas hakelig, aber ohne Fehler. Sogar die ReaPlugs, also Reapers eigene Plug-ins wurden portiert. Was noch nicht geht, sind Hotkeys der Actions – eins der wichtigsten Features von Reaper. Auch Drag’n’Drop ist noch ein Fremdwort. LADSPA und LinuxVST gibt’s auch noch nicht. Zwischendrin ist es dann doch mal hängen geblieben und ich musste es via „kill“ beenden.

Bei allen Fehlern: Ich begrüße die Entwicklung von einer nativen Linux-Version von Reaper. Die aktuelle Alpha ist zum einen sehr unschön anzusehen, bedient sich hakelig und stürzt zumindest bei mir regelmäßig ab bzw. hängt sich auf. Aber ich glaube, Justin hat Gefallen an Linux und JACK gefunden. Ich denke, dass wir da demnächst weitere Versionen erwarten können. Und dann ist es neben Bitwig und Mixbus (und Ardour) eine weitere Crossplattform DAW, die für drei Betriebssysteme vorhanden ist. Reaper ist kein großer Fisch auf dem DAW-Markt, aber es gibt immer mehr und mehr Nutzer, sogar große Studios für Sounddesign und Game Audio fangen an, darauf zu setzen. Vielleicht gibt es so nach und nach immer mehr Entwickler, die sich parallel (!) für den Linux-Weg entscheiden. Linux-only ist genauso „gestern“ wie Windows- oder OSX-only. Und dann kommen vielleicht auch neben U-HE mehr große Plug-in Entwickler und dadurch wieder mehr Nutzer und so weiter. Man muss nur daran glauben und hoffen. Sonst werden wir uns ewig nur zwischen Win und Mac entscheiden können und Linux bleibt das Nischenprodukt, zu dem es die Entwickler und Nutzer gemacht haben.

Hier geht’s zum Thread und zum Download des Reaper 5 Linuxbuilds.