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Kann Linux als Audio-System WIndows und Mac OS X das Wasser reichen?  ·  Quelle: Pinguin: © bluebright - Fotolia.com, Montage: gearnews

Der Hype um Linux ist zuletzt mit dem Support-Ende von Windows XP nochmal kräftig aufgeflammt – zumindest in der Öffentlichkeit. In IT-Foren und Kommentarsektionen einschlägiger News-Seiten herrscht schon lange ein Kleinkrieg zwischen den Nutzern von Windows, OS X und Linux. Das kann man gut mit der ewigen Diskussion „Was ist die beste DAW“ vergleichen. Am Ende haben alle Vor- und Nachteile bei Alltagsanwendungen, und bedienen sich anders. Was aber kann Linux beim Thema Audio für uns Musiker tun?

Ich bin vor fast einem Jahr komplett mit meinem System auf Linux umgestiegen. Internet und Office kann es ohne Probleme, selbst Spiele sind dank des Online-Spielevertriebs Steam im kommen. Das heißt auch, dass mehr und mehr Nutzer sich früher oder später von der alten Umgebung trennen werden, sich eventuell auch für Linux entscheiden könnten, weil die Anwendungsgebiete wachsen. Wenn das passiert, werden mehr Firmen dem Nischen-OS Beachtung schenken und dafür Programme entwickeln, denn zumindest auf dem Desktop-Markt nutzen es kaum mehr als 5% der Anwender (der Wert variiert je nach Studie, der man Gauben schenkt).

Es werden hier einige Fachbegriffe fallen, die Windows- und Mac-Nutzern erstmal nichts sagen werden. Ich versuche aber alle zu erklären oder entsprechende Erklärungen zu verlinken. Sollte ich etwas vergessen, fragt mich einfach – Kommentieren geht auch als Gast ohne Registrierung. ;)

Was ist Linux eigentlich? Grob gesagt: Es ist kein echtes Betriebssystem, sondern vielmehr der innerste Kern, in Fachsprache der Kernel. Darauf aufbauend gibt es Distributionen. Als bekannteste sollen hier Ubuntu, Debian, Mint, Red Hat und Suse genannt sein. Es gibt aber noch viele, viele mehr. Alle haben den gleichen Kern, haben darum aber ein anderes Gerüst mit anderen Grundprogrammen aufgebaut. Manche bauen auf anderen auf, zum Beispiel basiert Ubuntu auf Debian. Andere machen alles von Grund auf selbst, zum Beispiel Slackware oder Arch. (Die Namen kann man alle mal gehört haben, muss sie sich aber nicht merken.)

Sie sehen durch das Desktop Environment (DE) anders aus und bedienen sich anders. Hier kann man nach freiem Ermessen entscheiden, welche Distribution einem am besten passt. Und wenn etwas nicht den Vorstellungen entspricht, kann man es leicht auf sich selbst konfigurieren. Das ist wie bei der Wahl der DAW, nicht das Werkzeug ist entscheidend, sondern der Weg und das Ergebnis. Deswegen verwende ich als DAW auch so gern Reaper, weil ich es auf mich anpassen kann und mich nicht dafür verbiegen muss.

Teil 1 – Intro

Warum bin ich damals eigentlich umgestiegen? Die Frage ist schnell geklärt. Ich bin ein großer Fan von dem Gedanken der freien Software und noch mehr von freiem Wissen für alle. Deswegen setze ich auch wo es mir erlaubt ist, auf freie Software und unterstütze solche Projekte wie Wikipedia mit regelmäßigen Spenden. Das macht mich nicht zu einem besseren Menschen, aber vielleicht ist anderen dadurch eine Möglichkeit gegeben, die Welt ein klein wenig besser zu machen.

Ich war mehr und mehr mit den mir von Apple vorgesetzten Beschränkungen bei der Hardware unzufrieden und Windows läuft bei mir nur für Programme, die nicht anders können. Das macht aber beide Systeme nicht automatisch schlecht, nur eben nicht sehr passend für mich.

Meine Audiosachen mache ich bisher trotzdem weiterhin mit Windows und OS X, einfach weil meine Produktionsumgebung darauf eingerichtet und angepasst war bzw. ist. Also führte mich meine erste Recherche in die Linux-Foren. Hier merkt man schon den ersten Unterschied: Die Nutzer helfen wirklich kompetent und wo sie können. Weil das System so offen und sehr gut dokumentiert ist, sind auch tiefe Eingriffe einfach und schnell möglich.

Als DIE Standard-Distributionen werden immer wieder KXStudio und Ubuntu Studio genannt. Die werden also auf jeden Fall getestet. Als dritter Kandidat steht auf meiner Liste Antergos, was auf dem oben schonmal genannten Arch Linux aufbaut und das dieses nutzerfreundlicher macht. Es ist aber nicht auf Audio spezialisiert, das wird alles dem Nutzer überlassen. Für Anfänger würde ich es nicht empfehlen, es sei denn ihr habt viel Zeit und Elan, um euch in die Materie einzuarbeiten. So wie Ubuntu der komfortabelste Start für den „Normalo“ in die Linuxwelt ist, sind Ubuntu Studio und KXStudio der einfachste Einstieg in die Linux-Audiowelt.

Die drei Genannten lassen sich auf der jeweiligen Homepage kostenlos herunterladen und rufen auch zu einer kleinen Spende auf, damit die Entwickler sich auch mal eine Scheibe Käse auf das Toastbrot legen können. Wenn ihr euch später für eine Distribution entscheidet, dann könnt ihr ja einen kleinen Betrag spenden, schließlich will jeder für seine Arbeit bezahlt werden. Wenn ihr aber nicht spenden wollt, ist euch auch keiner böse.


Das soll erstmal ein kleiner Einstieg in die kommende Serie sein. Vermutlich geht es schon am Wochenende weiter. Dann geht es weiter mit der Installation, der Einrichtung, wie ich mit den DAWs und den Plugins zurecht komme, welche Möglichkeiten es weiterhin gibt und letztendlich, ob für mich als Musiker und DAW-Nutzer der Umstieg auf Linux ein Schritt vorwärts oder rückwärts war.

Hier geht es zu Teil 2.