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Les Paul wird 100 und Gibson startet eine Aktion  ·  Quelle: gibson.com

Meine Fresse, wie ich das Internet und die „Kultur“ darin verachte. Es wird öffentlich gezickt, dabei geht es teilweise richtig beleidigend zu. Klar kann man seinem Unmut Luft machen, aber dann doch bitte gesittet und nicht unterhalb der Gürtellinie. Wobei es gelinde gesagt piepegal ist, was eine Firma sich ausgedacht hat, es ist prinzipiell erstmal ein Grund zum denunzieren. Egal, ob es in der IT-Sparte oder ein Musikinstrumente-Hersteller ist. Gehts noch? Jüngstes Beispiel: Gibson. Dabei ist die Idee so schlecht nicht.

Gibson hat heute eine Aktion anlässlich Les Pauls 100. Geburtstag gestartet. Nunja, zumindest wäre er heute 100 geworden. Bei der Aktion geht es darum, dass jeder eine 10% Chance hat, sein Geld zurück zu bekommen. Teilnahmebedingungen: Die Gitarre muss heute (09.06.2015) bei einem autorisierten Händler gekauft werden und eine Gibson Les Paul USA mit Les Paul 100 Schriftzug auf dem Headstock sein. Außerdem muss man ein Essay schreiben, in dem es darum gehen soll, warum man seine Paula so sehr liebt – welches später als Werbung von Gibson genutzt werden darf. Die kompletten Teilnahmebedingungen kann man hier nachlesen. Ist doch eigentlich nicht verkehrt, oder? Die Chance hat man sonst nicht. Aber…

Egal, wo man über die Aktion liest, es kommt gefühlt zu 99% richtig schlecht an. Egal, ob beispielsweise bei Facebook (DE / ENG) oder in den Foren MyLesPaul oder Musiker-Board. In der Vergangenheit musste Gibson sich zur 2015 Serie einiges gefallen lassen – ob es nun das Pflicht-Stimmgerät am Headstock einer jeden 2015 USA Paula ist („liebevoll“ als G-Farce bezeichnet), „falsche“ Halsmaße, die oft erwähnte mangelhafte Verarbeitungsqualität im Bezug auf den „steigenden“ Preis oder aktuell die unfaire Aktion zum Jubiläum. Ich verstehe, dass manche nicht einverstanden sind, dass sie erst Geld zahlen müssen und dann erst die Chance auf Geld-Zurück bekommen. Die Aktion ging wohl nach hinten los – die User wollen lieber nur gewinnen.

Ich frage mich immer, was in den Köpfen vorgeht? Wird irgendjemand dazu gezwungen, heute eine Les Paul zu kaufen, nur um eine Chance auf Geld-Zurück zu bekommen? Sicherlich nicht. Wer es eh vorhatte, der wird sich über die Aktion freuen. Und da ist eine 10% Chance pro Land keine schlechte Quote.

Man hört aus verschiedensten Quellen immer wieder, dass Gibson mit den 2015er Modellen extreme Absatzprobleme hat, offiziell bestätigt wird das natürlich nicht. Sicherlich dient die Aktion auch dafür, hier die Modelle etwas mehr unters Volk zu bringen bzw. den Musikern überhaupt bekannter zu machen. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Musiker sich durch das Pflicht-Stimmgerät bevormundet fühlen. Schließlich lernt man als erstes im Unterricht, wie man seine Gitarre von Hand stimmt. Warum also jetzt eine Maschine übernehmen lassen? Aber, sobald ein neues Modell mit mehr oder weniger innovativen Dreingaben veröffentlicht wird, gehen die Hasstiraden im Netz wieder los.

Wenn eine Gitarre nicht das gefühlt millionste unveränderte Ur-Modell mit andere Farbe und vielleicht einem anderen Tonabnehmer ist, dann ist es gleich mal ungeliebt. „Buhuu, cry me a river“ ist eigentlich der einzige Gedanke, den ich dafür übrig habe. Dann kauft es halt nicht! Eine Firma hat sich etwas ausgedacht und es kommt nicht gut an. Okay, das passiert sicherlich überall mal. In der Regel lernt man daraus und macht es das nächte Mal besser.

Wo wäre die Welt denn bitte ohne Fortschritt? Ist vielleicht etwas weit hergeholt, aber was wäre passiert, wenn der Erfinder des Rads spontan gelyncht worden wäre, weil er keinen Bock mehr auf eckige Sachen hatte, eckig aber das einzig Wahre gewesen ist? Hätten findige Köpfe nicht irgendwann die Transistortechnik weiter entwickelt, würden wir heute noch Bands hören, die zu viert über einen 20 Watt Amp Konzerte spielen würden und das Publikum eher nichts hört. Ist gar nicht so lange her.

Es gibt aber auch Menschen, die sich über Innovation freuen. Ich zum Beispiel. Nun bin ich auch kein Fan von einem G-Force, zumindest nicht auf Zwang. Freue mich aber, dass es sowas gibt. Es ist ja schließlich nur der Grundstein für derartige Systeme. Nichts wurde perfekt erfunden. Klar, wenn ich etwas nicht will, will ich dafür auch nicht zahlen. Aber zumindest die Möglichkeit haben ist doch gut.

Wenn eine derart teure Gitarre schlecht verarbeitet ist, gehe ich dem Händler so lange auf den Sack, bis er mir eine Gitarre in die Hände drückt, die meinen Qualitätsansprüchen genügt. Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich zwei Fälle, die sich an eine 2015er Gibson USA Les Paul gewagt haben. Der eine hat seine gleich drei Mal beim Händler umgetauscht, bis keine Mängel mehr vorhanden waren, der andere ist restlos begeistert. Es kann also so oder so laufen. Die Gitarre im vierstelligen Preisbereich sollte aber nicht in der ganzen Serie auf solche Mängel stoßen, dass jeder Zweite gleich mehrmals damit unglücklich ist. Wenn man die Chance hat, sollte man die anstehende Gitarre sowieso vor bzw. beim Kauf auf Herz und Nieren testen. Bei der 2015er Paula, die ich zuletzt in den Händen hatte, konnte ich keine Mängel feststellen. Vielleicht hatte ich ja nur Glück? Wenn das wirklich öfter auftritt, sollte Gibson da dringend nochmal auf die sechs Buchstaben setzen und überlegen, was man da tun kann. Härtere Qualitätskontrollen wären ein Anfang.

Vielleicht ist dieser aktuelle Rant aber auch nur zum Besten für alle Beteiligten? Gibson wird sicherlich mitbekommen haben, dass die User nicht mit der aktuellen Entwicklung zufrieden sind. Da wird also sicher etwas passieren. Zumindest nehme ich es stark an. Vielleicht wird bei den 2016er USA Gibsons der G-Force zur freiwilligen Option, der Hals wieder „alt“ und die Qualität den User zufriedenstellend. Vielleicht gibt es sogar eine neue Farbe? Wäre ja nicht auszudenken, wie zufrieden die User damit wären. Ich bin gespannt, was die Zukunft in der Hinsicht bringt.

Meine Meinung. Ende.

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Der Lars
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Der Lars

Du hast ja Recht, aber die Aktion ist echt sehr dünne, wenn es um den bloßen Verkaufsantrieb geht. Gibson sollte lieber schnell die Qulität wieder hochschrauben, sonst sind die Geschichte.

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Gast
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Lester W. Polsfuss (Les Paul) würde sich im Grabe wälzen, wenn er sehen würde, was mit seiner Erfindung getrieben wird.