von  Julian Schmauch  | |   Als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügen   |  Lesezeit: 8 Min
Gitarrenpedale in der DAW nutzen: Hardware-Effekte sogar ohne Re-Amping!

Gitarrenpedale in der DAW nutzen: Hardware-Effekte sogar ohne Re-Amping!  ·  Quelle: Universal Audio

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Wo es noch bis vor ein paar Jahren vor allem darum ging, jedes Pedal als Plugin zu emulieren oder in großen Amp-Modelern wie dem Kemper virtuell nachzubauen, kehren viele zurück zu den kleinen Bodentretern. Und das nicht nur auf dem Pedalboard. Wenn man schon „in-the-box“ produziert, warum dann nicht auch Gitarrenpedale in der DAW nutzen? Dabei muss man allerdings ein paar Dinge beachten. Und auf die richtigen Tools setzen.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Interface-Ausgänge liefern Line-Pegel, Pedale benötigen Instrumentenpegel. Das kann zu Clipping und ungewollten Verzerrungen bei den Pedalen führen.
  • Interface-Weg: freier Ausgang → Pedal → Hi-Z-Eingang zurück, dann in der DAW als Hardware-Insert (Ableton External Audio Effect, Logic I/O-Plugin, Cubase External FX).
  • Das EHX Effects Interface bietet Pedalboard-tauglichen Pegel, benötigt keine Reamping-Box und gleicht die Latenz automatisch aus.
  • Latenz mitdenken: DAW-Kompensation nutzen oder das bearbeitete Signal nachträglich ausrichten.

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Gitarrenpedale in der DAW: Warum überhaupt?

Es könnte so einfach sein: Hier der Rechner mit der DAW und den Plugins und dem Audio-Interface, dort die E-Gitarre, die Pedale und der Amp. Beide Welten stehen für sich. Anstatt aber vollkommen auf digitale Emulation als VST oder in Modelern zu setzen, hat sich in den letzten Jahren in der Gitarrenwelt ein Trend entwickelt, der analog und digital wieder anders zusammenführt: Gitarrenpedale in der DAW.

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Gründe dafür gibt es viele. Viele, die nicht einmal eine Gitarre zu Hause stehen haben, nutzen Verzerrpedale für Sounddesign. Oder Multieffekte, um langweilig klingende Softsynths analoger klingen zu lassen. Oder Kompressor-Pedale für den Mix-Bus.

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Kann man all das nicht auch einfach mit Plugins machen? Natürlich! Was aber viele irgendwann feststellen (ein wenig ist man an die Rückkehr zu Vinyl und Tape beim Musikhören erinnert), ist, dass man zu ganz anderen Resultaten kommt, wenn man an echten Knöpfen dreht. Ich will hier nicht zur nie zu beantwortenden Frage zurückkehren, was am Ende besser ist.

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Wer aber aus dem ewigen Mausklick-Krummer-Rücken-Bildschirmstarren mal ausbrechen möchte, aber vielleicht gar kein akustisches Instrument spielen kann, dem empfehle ich ein Pedal. Denn Gitarrenpedale in der DAW können DIE Entdeckung sein, um Sounds zu erzeugen, auf die man nur durch Mausklicks nie gekommen wäre.

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Gitarrenpedale in der DAW: Das Setup

Viele der heute verbreiteten DAWs wie Logic, Cubase oder Ableton kommen mit einem Effekt-Tool, wie „External Effect“, das das Einrichten erleichtert. Außerdem gibt es für jede DAW einfache Anleitungen und Tutorials, wie man Gitarrenpedale oder andere Hardware-Effekte in der DAW nutzt.

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Nutzt man das „External Effect“-Tool einer DAW als Insert auf einer bereits vorhandenen Spur, wie beispielsweise in Ableton, muss man immer noch eine zweite Audiospur erzeugen, in der man das Signal samt Pedaleffekt aufnimmt.

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Schleift man das Pedal über das Routing der DAW oder des Audiointerfaces ein, geht es darum, sich zurechtzulegen, welche Spur(en) man für den Effekt zum Pedal schicken will und wo das Pedalsignal dann in der DAW in einer neuen Spur wieder landen soll. Hier funktioniert jede DAW etwas anders.

Gitarrenpedale in der DAW: Auf den Pegel kommt es an!

Braucht es nicht einfach ein Audiointerface mit zwei zusätzlichen Ausgängen, um Gitarrenpedale in der DAW zu nutzen? Kommt drauf an! Je analoger das Pedal, desto eher lautet die Antwort: Nein! Gerade bei Distortion- oder Overdrive-Effekten wie The Rat oder DS-1 wird man in diesem Fall böse, komplett kaputt klingende Resultate erhalten.

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Das liegt am Signalpegel und der Impedanz, die das Audiointerface nach draußen schickt. Denn Gitarrenpedale sind in der Regel für hochohmigen „Instrument-Level“, also den sehr viel geringeren Pegel, der auch von einer E-Gitarre kommt, ausgelegt. Und aus einem Audiointerface kommt in der Regel der sehr viel höhere Line-Level.

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Wer sich mit dem Re-Amping beschäftigt hat, wird das Problem kennen, denn auch Gitarrenverstärker sind auf viel geringere Pegel ausgerichtet. In einigen Fällen bieten Pedale, vor allem große Multieffekte oder auch Reverb-Pedale direkt die Möglichkeit an, zwischen Instrument- und Line-Level zu wechseln. In diesem Fall benötigt ihr nichts weiter, als die entsprechenden Klinkenkabel, um das Pedal mit dem Audiointerface zu verbinden.

Das Problem mit der Latenz

Bevor wir uns die möglichen Ansätze für Gitarrenpedale in der DAW näher ansehen, hier noch ein wichtiger Hinweis zum Thema Latenz: Durch die Wandlung im Audiointerface kommt das Signal, das ihr nach draußen schickt und dann wieder in der DAW aufnehmt, verzögert an.

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Und führt zu Phasenproblemen. Sprich, es kann durch den zeitlichen Versatz zwischen dem Audiosignal auf der Originalspur und dem durch die Pedale geschickten Signal eine recht deutliche tonale Verschlechterung geben – vor allem, wenn ihr beide Signale gleichzeitig anhört. Da die Latenz meist im Bereich von unter 20ms liegt, kann es, wenn ihr nach dem „Re-Pedaling“ eh nur noch die Pedalspur hört je nach Audiomaterial nicht so wichtig sein, hier auf Sample-Größe ranzuzoomen.

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Wollt ihr aber beide Spuren nutzen, kommt ihr nicht drumherum, die Latenz nach der Aufnahme zu kompensieren. Sprich, so nah wie möglich ranzoomen und die Pedalspur in winzig kleinen Schritten nach links rücken, bis der Beginn der Wellenform möglichst am exakt gleichen Punkt liegt, wie beim Original.

Lösung 1 für Gitarrenpedale in der DAW: Direkt am Interface

Ich bin ja beim Recording großer Fan von Quick & Dirty als Methode. Also erstmal auf die einfachste, direkteste Art loslegen. Kabel an den Ausgang des Interfaces und an das Pedal, zweites Kabel vom Pedal an den Hi-Z-Eingang des Interfaces, fertig. Und falls das Interface nur ein Ausgangspaar hat, hört man eben mit Kopfhörern ab und nutzt Ausgang 1 oder 2, die man von den Studio-Monitoren mal kurz abklemmt.

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Denn, wenn das, was dann in der DAW zu hören ist, gut klingt, sind Themen wie Re-Amping doch vollkommen egal! Falls ihr diese Methode allerdings häufiger nutzt, kann es sinnvoll sein, auf ein Interface mit Ausgängen umzusteigen oder per ADAT sein bestehendes Interface aufzurüsten.

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Lösung 2 für Gitarrenpedale in der DAW: Re-Amping

Das Re-Amping, also Gitarrensignale erneut durch andere Amps zu schicken, um sich tonal breiter aufzustellen, ist ein fester Bestandteil vieler Produktionsworkflows. Dafür gibt es mittlerweile eine ganze Reihe sogenannter Re-Amping-Boxen. Hier schickt man das Signal aus der DAW rein, wieder raus zum Pedal oder ganzen Board, dann wieder rein in das Audiointerface (in die Hi-Z-Eingänge) in die DAW.

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Was bei einem Amp oder einem Mono-Pedal schon drei Kabel verbraucht, wird bei Stereopedalen mit sechs Kabeln (falls wir nicht im TRS-Land sind und es Y-Splitter braucht oder das Audiointerface nur einen Hi-Z-Eingang besitzt) ein vertiabler Verkabelungsmarathon. Genau das ist der Nachteil der Re-Amping-Methode.

Hat man allerdings einfach nur ein Mono-Distortion-Pedal, das man vielleicht einfach zum Verzerren von Vocals oder Andicken des Mixes nutzt, kann ein Re-Amping-Setup genau das Richtige sein.

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Lösung 3 für Gitarrenpedale in der DAW: EHX Effects Interface

Anfangs war ich skeptisch beim EHX Effects Interface*: Wozu ein Pedal zum Einschleifen von Pedalen in die DAW, wenn ich doch alles direkt mit dem Interface machen kann? Hat man sich einmal mit der Verkabelung von Gitarrenpedalen in der DAW bei Stereosignalflüssen beschäftigt, wird man sehr schnell die Vorteile des Effects Interfaces sehen.

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Denn hier braucht es keine Re-Amping- oder DI-Boxen. Und im „Pedalboard“-Modus wird das Signal vom EHX in der DAW latenzkompensiert (!) einfach eingeschleift als Insert-Effekt, kein kompliziertes Routing nötig. So könnt ihr euer ganzes Board einmal mit allen möglichen Spuren in der DAW konfrontieren! Einziges Manko für die, die noch gar kein Audiointerface zu Hause haben: Das Effects Interface hat keinen XLR-Eingang und bietet keine Phantomspeisung, ein ganzes Audiointerface ersetzt es also nicht.

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Fazit

Gitarrenpedale in der DAW – das ist bei weitem nicht nur ein Thema für Gitarristinnen und Gitarristen! Auch in der Synth-Welt, bei Gesangsaufnahmen und überhaupt in Studios bei Producern und Producerinnen werden Hardware-Pedale als Effekte immer wichtiger.

Wie löst ihr dieses Setup! Mit welcher Kombination habt ihr die besten Erfahrungen gemacht?

Schreibt es uns in den Kommentaren!

FAQ zum Thema Gitarrenpedale in der DAW

Brauche ich für Gitarrenpedale in der DAQ zwingend eine Reamp-Box?

Nein. Über einen freien Ausgang und einen Hi-Z-Eingang am Interface oder über das EHX Effects Interface geht es auch so. Eine Reamp-Box liefert den saubersten Pegel, ist aber kein Muss.

Kann ich Stereo-Pedale einbinden?

Ja, falls dein Interface zwei freie Aus- und Eingänge hat.

Warum höre ich bei dem Pedalsignal eine Latenz?

Die Wandlung des Audiosignals im Interface zum Pedal und dann wieder zurück in die DAW benötigt Rechenaufwand, was in einer Verzögerung (Latenz) resultiert. Diese muss nach der Aufnahme in der DAW kompensiert werden.

Funktionieren Gitarrenpedale in der DAW mit jedem Interface?

Ja, falls mindestens ein Eingang und ein Ausgang am Interface frei sind.

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2 Kommentare zu “Gitarrenpedale in der DAW nutzen: Hardware-Effekte sogar ohne Re-Amping!”

    Stenz sagt:
    0

    Sieht von den Anschlüssen ähnlich aus :)

    https://www.radialeng.com/product/extc-sa

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