von stephan | Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

 ·  Quelle: NAMM Website

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Nachdem im Januar abermals alles abgesagt wurde, fand nach langem Warten am vergangenen Wochenende (3.-5. Juni) die erste richtige physische NAMM seit gefühlt einer Ewigkeit statt. Viele blickten nervös auf die bevorstehende einst legendäre Messe, denn im Vorfeld hatten sich Dutzende namhafte Hersteller abgekündigt. Wie die NAMM Show 2022 war und welche Produkte unsere Highlights sind, erfahrt in diesem Artikel.

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NAMM Show 2022 – jemand da?

Um es gleich vorwegzunehmen: An ihre frühere Größe und Bedeutung konnte die NAMM Show 2022 trotz aller Bemühungen bei Weitem nicht heranreichen. Dass es weniger ausgestelltes Equipment zu sehen geben würde, war klar. Schaut euch nur mal diese beeindruckende und leider sogar noch unvollständige Liste der Hersteller an, die in diesem Jahr NICHT auf der NAMM waren:

  • Ableton
  • Atomic Amps (Atomic Instruments, LLC is different)
  • Behringer/TC Electronic
  • Bogner
  • Danelectro
  • Diezel
  • Earthquaker
  • Electro-Harmonix
  • Empress
  • Fender
  • Friedman
  • Gibson
  • Hotone
  • InMusic (Headrush, Akai, Alesis)
  • IK Multimedia
  • iZotope
  • Kemper
  • Meris
  • MESA/Boogie
  • Mission Engineering
  • Moog is there but by appointment only
  • Neural DSP
  • Nux
  • Paul Reed Smith
  • Roland/BOSS
  • Source Audio
  • Steven Slate
  • Strymon
  • Tech 21
  • Universal Audio

Wie gesagt, die Liste ist nicht vollständig und in Wirklichkeit fehlen noch viele mehr. Hinzu kommt, dass viele Hersteller keine wirklichen News, sondern altes Zeug gezeigt haben, das bereits seit Monaten bekannt war. Möglicherweise eine weitere Folge des noch immer anhaltenden Chipmangels?

Eindrücke des Publikums

Ich habe mich ein wenig in amerikanischen Foren getummelt und nach Eindrücken von Besuchern geschaut. So schreibt ein Member von TheGearPage.net:

„Nun, es wehten zwar keine Steppenläufer durch das Kongresszentrum, aber ich würde schätzen, dass die Messe etwa halb so groß war wie bei meinem letzten Besuch vor drei Jahren. Viele leere Räume, leere Plätze für Stände, breitere Gänge als sonst. Es hat mir trotzdem Spaß gemacht, aber ich war früher fertig und bereit zu gehen, als ich erwartet hatte.“ – drew365

Ein weiterer Besucher schreibt:

„Damals, im Jahr 2020, brauchte ich gut anderthalb Tage, um die gesamte Halle zu erkunden, aber gestern habe ich alles in weniger als drei Stunden gesehen. Die NAMM hat eindrucksvoll dafür gesorgt, dass die Halle bevölkerter aussah, als sie war (Halle E und die Stände der Vertriebs- und Geschäftszentren auf dem Erdgeschoss, Absperrung des hinteren Drittels jeder Halle, Verbreiterung der Gehwege, Getränkewagen, die ganze Stände einnahmen, Absperrung der Arena usw.), aber es war eine ganz andere Messe. Wenn ich Geld ausgegeben hätte, um nach Anaheim zu fliegen, in der Hoffnung, eine traditionelle NAMM-Erfahrung zu machen (als Gast, nicht als Aussteller), wäre ich sehr enttäuscht gewesen.“ – Digital Igloo

Unsere Highlights

Und wie steht es um echte News? Richtig viel gab es zwar leider nicht zu berichten, aber einige Highlights waren dann doch dabei. Beispielsweise der Melbourne Instruments Nina – Polysynth mit motorisierten Reglern sowie der Groove Synthesis 3rd Wave Wavetable-Synthesizer.

Im Recording-Bereich gab es zwei völlig gegensätzliche Produkte: Einerseits das kompakte AMS Neve 88M, das einen zweikanaligen Mic-Preamp und ein USB-Interface komibiniert. Und auf der anderen Seite die herrliche ASP4816-HE Konsole von Audient. Was für ein Schlachtschiff!

Gitarre

Im Gitarrenbereich konnten in diesem Jahr eher die ungewöhnlichen Produkte glänzen. Zum Beispiel die faltbare Ciari Guitars Ascender oder die siebensaitige Music Man Kaizen, die in Zusammenarbeit mit Tosin Abasi entstand. Auch das Two Notes ReVolt für Gitarre und Bass wurde gezeigt und fand bei den Besuchern Gefallen.

Wie steht es um die Zukunft?

Doch wenn wir mal ehrlich sind, muss man zusammenfassend sagen: Richtig spannende News gab es nicht. Warum ist das so? Nun, die Hersteller haben spätestens in den vergangenen 2,5 Jahren bemerkt, dass sie auch ohne überteuerte Messestände Umsatz (bis in den sechsstelligen Bereich!) machen! Keine teuren Flüge, keine teuren Hotels, kein teures Essen und Getränke. Wer kann es ihnen verübeln?

Möglicherweise ist der Sommer auch einfach kein guter Zeitpunkt, da die Menschen viel lieber in den Urlaub fahren. Wir sind sehr gespannt, wie es in der Zukunft weitergehen wird. Im oben erwähnten Forum wird zudem der Standort in Frage gestellt. Nashville sei eindeutig der bessere Ort dafür, so jedenfalls einer der Nutzer. Wir würden uns dennoch sehr freuen, wenn die NAMM überlebt. Denn ganz egal ob Gitarre oder Synthesizer – es ist ein tolles Erlebnis, spannende neue Produkte in echt zu sehen und anfassen zu können. Kleine, innovative Hersteller können sich einer großen Masse präsentieren und womöglich wichtige Kontakte knüpfen. Allerdings sollten die Veranstalter dringend in sich gehen und die Preisgestaltung überdenken.

Was meint ihr dazu?

Wie seht ihr das? Gebt ihr der NAMM Show eine Zukunft? Oder seht ihr sie auf dem absteigenden Ast, dem Beispiel der untergegangenen Musikmesse folgend?

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Bildquellen:
  • NAMM Show 2022: Highlight oder Flop?: NAMM Website
  • Melbourne Instruments NINA: Hybrider Polysynth mit motorisierten Reglern: Melbourne Instruments
  • AMS Neve 88M: AMS Neve
  • Audient ASP4816-HE: Audient
  • Ernie Ball Music Man Kaizen: Music Man / Youtube

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5 Antworten zu “Nachbesprechung: Eindrücke, Highlights und Gedanken zur NAMM Show 2022”

    Dave sagt:
    0

    Zur Liste der „Nicht“-Aussteller: Ibanez war zu 100% da! Die Hydra wurde doch gezeigt ;o)

    Gruß

    Peter sagt:
    0

    Was ist eigentlich aus dem Korg Drumologue geworden? Der wurde doch mal auf einer NAMM vorgestellt und war doch recht spannend. Hoffe, die haben das Projekt nicht eingestampft.

    Es wirkt ein bisschen, als ergeht es der NAMM ähnlich wie der Musikmesse. Dabei waren beide mal so groß und wichtig. Vielleicht, weil entsprechende NEWS heute eben einfach übers Netz in jedes Wohnzimmer kommen?

    Patrick sagt:
    0

    Als ehemaliger Austeller der relevanten Musikmessen (NAMM Frankfurt und Music China) kann ich dem letzten Absatz nur beistimmen. Marketing funktioniert heute einfach ein bisschen anders als noch vor 10 Jahren, seit dem haben die weltgrößten Messen stetig abgenommen. Frankfurt hat spätestens mit dem Aufteilen in Händler und Endkundenbereich eindrucksvoll bewiesen, wie man so eine Institution an die Wand fahren kann. Für 70k pro normalem Stand ist es einfach nicht möglich, diese dann in beide Bereiche zu packen, Unterkunft, Transport, Messebau und Verpflegung sowie Gehalt der Mitarbeiter noch nicht mit eingerechnet. Online Meetings mit unseren Distributoren sind einfach effektiver und günstiger, der Endkunde liest die News sowieso schon Wochen vorher im Netz.
    Tltr: NAMM wird wohl das gleiche Schicksal ereilen wie Frankfurt.

    Hugo sagt:
    0

    Sorry, aber das ist hier klassisches overthinking.

    Dass die NAMM aktuell, und vielleicht in den nächsten Jahren noch, nicht gebraucht wird, hat nichts mit dem Onlinehandel zu tun, und auch die Beobachtung, dass es wenig Neuigkeiten gab, ist nur eine Konsequenz von etwas völlig anderem:

    Seit März 2020 verkaufen alle Hersteller im Musikbereich die Ware ohne jegliche Anstrengung, weil in Europa und Nordamerika viele Menschen mit viel Geld viel Zeit zuhause hatten und noch haben. Das ist alles.

    Aber nicht nur im Musikhobby. Auch in sämtlichen anderen „klassischen“ Hobbies wie Modellbau machen die Hersteller und Händler das Geschäft ihres Lebens. Hat hier auch nichts mit Chipknappheit zu tun. Airbrushs, Miniaturen, Farben, Pinsel – kein Hersteller und kein Händler haben seit 2020 Werbung gebraucht, und trotzdem werden Lager leergekauft.

    Fender hat 2021 den größten Umsatz der Firmengeschichte gemacht, sie verkaufen alles ohne Werbung und zu höheren Preisen als je zuvor.

    Hat also alles mit der Branche oder einem Trend zu Online nichts zu tun.

    Wenn der Markt gesättigt ist, werden die Hersteller wieder im Wettbewerb stehen, und dann werden Musikmessen wieder wichtiger.

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