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Die schicksten Rotary Mixer für DJs

Die schicksten Rotary Mixer für DJs  ·  Quelle: gearnews

Rotary Mixer erleben gerade eine kleinen Boom. Nachdem sie über ein Vierteljahrhundert lang „weg vom Schirm“ des Mainstreams waren, mal abgesehen von einigen Einbaumischern wie den Bozaks oder UREIs, fertigen Manufakturen wieder vermehrt luxuriöse Rack-Mounts und Desktop-Pulte in Handarbeit oder bieten Rotary-Editionen von Linefader-Mixern an. Unlängst bin ich auch auf eine Company gestoßen, die ein DIY-Kit für Pioneers-DJM-900 anbietet. Pioneer selbst, aber auch Allen&Heath, Denon und Reloop, um nur einige der großen DJ- und Club-Ausrüster zu nennen, halten sich bis dato jedoch zurück.

Woran mag das liegen? Hauptsächlich wohl daran, dass es sich trotz des momentanen „Hypes“ um ein Nischenprodukt handelt, große Stückzahlen wie bei einem modernen Clubmixer mit multiplen FX-Sektionen, MIDI-I/Os und USB-Interface sind nicht zu erwarten, die Preise dementsprechend höher und der Markt somit offenbar nicht lukrativ genug. Offenbar? Oder tut sich da gerade was?

Rane MP2014

Rane beispielsweise haben in den letzten beiden Jahren zwei äußerst schicke Rotary-Pulte an der 3000-Euro-Marke platziert, jedoch sind diese, nachdem die Firma letztes Jahr an Inmusicbrands gegangen ist, gerade nirgends mehr zu bekommen und die Gebrauchtpreise entsprechend hoch. Der Rane MP2014 sieht nicht nur klasse aus, er hat zudem auch einiges zu bieten: Digitale Signalverarbeitung in Studioqualität, schaltbare Low-Pass-, Low/High-Pass- und High-Pass-Filter sowie einen dreibandigen Summen-Isolator mit regelbaren Grenzfrequenzen, ganz zu schweigen von den beiden USB-Audiointerfaces mit je 16 Kanälen. Obendrein ist das Pult Traktor Scratch Pro certified. Oldschool meets Newschol. Der MP2015 hingegen ist die vierkanalige Ausgabe. Er ist auch mit Serato-kompatibel.

Rane MP2014

Formula Sound FF-4000R

Formulasound/Function One bieten ihre Flaggschiffe jeweils in Linefader- und Knob-Ausführung an, darunter auch den Formula Sound FF-4000R. Für etwa 1600 Euro wechselt das Pult mit der lilablauen Faceplate den Besitzer. Es gibt einen Dreiband-EQ in jedem Kanal. Außerdem amtliches Mikrofon-Regelwerk, einen frei regelbaren Crossfader, der auch auf den Effekt-Send schaltbar ist (!) und Knöpfe, soweit das Auge reicht.

Nicht weniger beeindruckend ist das Backpanel: 4x Line-In, 3x Phono, zwei FX-Sends und ein Master-Insert, dazu getrennte XLR-Outputs für Booth, Main und Zone, letztgenannte liegen on-top auch noch mono vor. Ein analoges Schlachtschiff, das so schnell nicht in die Knie gehen wird, denn für rock-solide Wertarbeit sind Function One und Formula Sound hinlänglich bekannt. Kein Pult für Rotary-Puristen, aber ein Rotary Pult mit hoher Flexibilität und geballter britischer Analogpower.

Formula Sound FF-4000

Bozak AR-4

Bozak ist eine Legende, gilt die Firma doch als „Erfinder des Rotary-Mischpults“. Der Bozak AR-4 ist ein 4-In/2-Out-Mixer, basierend auf den klassischen Rotary-Mixern der 70er Jahre mit DJ-freundlichem, intuitiven Layout, integrierten Bozak RIAA und Mike Preamps sowie ALPS RK27 Blue Velvet Pots. In jedem Kanal steht ein Dreiband-Isolator mit 12 dB Steilheit pro Oktave, full-cut, 8 dB Boost und Grenzfrequenzen von 400 Hz sowie 4 kHz zur Verfügung. Der Summen-Isolator arbeitet mit 18 dB Steilheit pro Oktave und Trennfrequenzen von 5 kHz und 300 Hz.

Laut Hersteller nutzt das neue Hybrid-Design das Beste aus den original CMA-10 Schaltungen in Verbindung mit der höchsten Qualität der Halbleiter-Topologie. Das Ergebnis: gediegener, warmer Bozak-Sound im handlichen Desktop-Format. Ron Trent, Terry Hunter, Sadar Bahar – das sind nur einige der DJs, die in der letzten Zeit mit einem Bozak AR4 gesichtet wurden. Audio für die Seele zum Preis von 1695,- GBP.

Bozak AR4

Superstereo DN78

Ein besonders attraktiver Zweikanäler ist der Superstereo DN78 Phantom Valve. Das Gehäuse zieren Holzseitenteile mit Brandprägung. Hinten gibt es eine gut ausgestattet Anschlusssektion mit Eingängen für zwei Turntables oder CDJs sowie ein Effektgerät. Raus geht’s via XLR oder Cinch. Vorn findet sich reichlich Regelwerk für Kopfhörer, Master und Effektschleife. In den Kanälen finden sich Dreiband-EQs mit Full-Kill, dazu kommt ein Master Isolator mit 8 dB Boost und einstellbarer Filtercharakteristik.

Wer sich nun wegen des etwas kryptischen Namen am Kopf kratzt, dem sei gesagt, dass sich das Phantom Valve auf die analoge Röhrentechnik bezieht, die im Pult verbaut ist. Damit punktet der Superstereo-Mixer mit einem äußerst warmen Analog-Sound. Der Preis beträgt 1884,- GBP für die Standard-Version, die audiophile Edition kostet 2058 GBP.

Varia Instruments RDM20

Nicht nur was das Design angeht eine interessante Erscheinung im Lager der DJ-Pulte: Varia Instruments RDM20. Der Zweikanal-Rotary-Mixer ist mit Phono/Line-Eingängen für jeden Kanal ausgerüstet. Er verfügt über symmetrische Master-XLR-Ausgänge, Klinken-Booth-Outputs und einen Record-Out in Cinch. Der Hersteller hat für die Klanganpassung nicht nur die Einzelkanäle mit Dreiband-EQs bedacht, sondern auch einen Summenisolator verbaut, dem er eine steile und rohe Charakteristik bescheinigt, wohingegen die Kanalisolatoren weicher und glatter sind. Purer analoger Sound aus der Schweiz, gepaart mit einem Look, der seinesgleichen sucht. Kostenpunkt: 2190,- CHF.

Varia Instruments RDM20

Master Sounds Radius 4

Allen&Heath Mastermind Andy Rigby-Jones, der auch mit Richie Hawtin den Model 1 konzipierte, hat mit Ryan Shaw die Master Sounds Radius Pulte entwickelt. Es gibt eine Zwei- und Vierkanal-Variante. Das hier vorgestellte Master Sounds Radius 4 verfügt im Gegensatz zum kleineren Modell über zwei Mikrofonanschlüsse am Backpanel. Der Aux Send/Return hat zudem einen Insert-Schalter für den Mix-Bus spendiert bekommen.

Statt auf einen Zwei- oder Dreiband-EQ zu setzen, erfolgt die Klangregelung pro Kanal via Hochpassfilter. Ein dreibandiger Isolator-EQ (+12 dB/Kill) nimmt sich der Anpassung des Master-Signals an. Raus geht’s dann via XLR-Master, Klinke-Booth und Record. Für jeden Kanal sind Phono- und Line-Inputs verbaut, auch eine AUX-Schleife für externe Effektoren darf nicht fehlen. Ein Pult für Vinyl-Liebhaber, bei dem das Hauptaugenmerk ist, das Audiosignal akkurat zu reproduzieren – mit geringstmöglichem Rauschpegel und Verzerrung. Handgefertigt von Meister selbst für 1450,- GBP zu erstehen.

Mastersounds Radius4

Omnitronic TRM202MK3

… und dann sind da noch Omnitronic, die im August den voll-analogen Rotary MK2 auf den Markt bringen wollen, der vergleichsweise moderate 499 Euro kosten soll. Das puristisch elegante Design gefällt, Das Pult ist mit ALPS-Potis, Modell Blue Velvet RK27, fetten Level-Knobs mit Clip-LED ausgerüstet. Pro Kanal stehen zwei Paar Cinch-Buchsen für Turntables und/oder CDJs zur Verfügung. Stereo-Cinch- sowie XLR-Ausgänge sind sowohl für Master als auch für Booth vorhanden und ein Record-Out ist ebenso zugegen Eigentümlich, dass der Gain-Regler hier hinten verbaut ist, der hätte sich auf der Bedienoberfläche besser gemacht, besonders was das Einstellen unterschiedlich lauter Schallplatten angeht.

Omnitronic TRM-202Mk3

In puncto Klangregelung verzichten die Einzelkanäle auf ein Mittenband, stattdessen sind Hi- und Low-EQs mit einem Cut/Boost von 10 dB verbaut. Der Summenisolator arbeitet mit festen Grenzfrequenzen bei 300 und 4000 Hz zur gefühlvoll Klangformung und wartet mit einem praxisgerechten Boost von 6 dB auf. Wenn der Klang hält, was die Optik verspricht, dann könnte Omnitronic hier ein großer Wurf gelingen.

Rotary Mixer sind wieder salonfähig. Nicht nur für Vinyl-Enthusiasten, Disco und House Music Lover …

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bossa
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Wieso hielten sich Pioneer und Allen&Heath zurück? Vor 10 Jahren gab es schon Rotary Kits für DJM800/1000/3000. Genauso lange gibt es schon die Rotary-Version des Xone 92. Und weit mehr als nur ein Vorstoß wurde mit dem Xone S6/V6 vor sehr viel längerer Zeit gemacht. HiLevel bietet seit den 90ern den PM5000 mit Rotary Pots an.

Peter
Gast

Moin bossa: es geht um die aktuelle Lage. “ Pioneer selbst, aber auch Allen&Heath, Denon und Reloop, um nur einige der großen DJ- und Club-Ausrüster zu nennen, halten sich bis dato jedoch zurück.“
Wo gibt es denn von Pioneer oder A&H neu entwickelte, aktuell erhältliche Rotary Mixer im Portfolio ;) ?