von Marcus Schmahl | Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten
Braingines GPU Audio: VST3 Plug-ins auf der Grafikkarte? Da geht doch was!

Braingines GPU Audio: VST3 Plug-ins auf der Grafikkarte? Da geht doch was!  ·  Quelle: Braingines

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Warum ist eigentlich noch niemand vorher auf die Idee gekommen, Plug-ins über eine GPU berechnen zu lassen? Die Schweizer Firma Braingines macht es nun möglich und präsentierte genau vor einem Jahr in einem Beta-Test die ersten Ergebnisse von GPU Audio. Und diese waren absolut bahnbrechend! Denn: Wie wir wissen, sind alle Grafikkarten in modernen Rechnern extrem leistungsstark und auf eine hohe Performance ausgelegt. Aber in der Musikproduktion wird dieses Bauteil unseres Computers so gut wie garnicht beansprucht – eigentlich überhaupt nicht. Das könnte sich jetzt ändern – und bringt ungeahnte Möglichkeiten! Ab sofort könnt ihr das erste Plug-in Bundle kostenlos herunterladen und auf eurem System ausgiebig testen. Aber Vorsicht: Zurzeit funktionieren die Effekte nur „bedingt“ – erst nächsten Monat wird das erste offizielle „Beta Bundle“ vorgestellt. Wir sind schon auf eure Rückmeldungen gespannt!

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Braingines GPU Audio für VST3 Plug-ins

Tatsächlich ist es so, dass wir im Tonstudio die Grafikkarte nur sehr wenig bis überhaupt nicht beanspruchen. Ableton Live, Logic, Cubase und Co. benötigen keine großartigen grafischen Berechnungen und versetzen unsere GPU somit in den Winterschlaf. Aber warum sollte man auf die gewaltige Power dieses Hardware-Bauteils unseres Rechners verzichten? Genau das hat die Schweizer Ideenschmiede Braingines mit GPU Audio erörtert und zeigte vor einem Jahr erste Ergebnisse.

Mit dieser Technologie können alle Berechnungsprozesse kompatibler VST3-Plug-ins auf die Grafikkarte ausgelagert werden. Der Vorteil: eine freie CPU und VIEL Power für noch mehr VSTs. Das bedeutet natürlich auch geringere Latenzen und ein flüssigeres System. Und das auch noch bei riesigen DAW-Projekten. Ein weiterer Vorteil gegenüber bekannten DSP-Systemen, die mit Latenzen zu kämpfen haben: Jede Grafikkarte kommuniziert über einen direkten Performance-Bus mit der CPU und ist nicht extern über das eher „zähe“ USB oder Thunderbolt angeschlossen.

Das klingt verdammt gut! Die Prozessoren aller modernen Grafikkarten sind auf extreme Leistung getrimmt. Dazu kommt, dass man x-beliebig viele Grafikkarten in einem Computersystem für zusätzliche Power nachrüsten kann (intern, aber auch extern!). Eine CPU eben nicht (so einfach).

Noch mehr Leistung über das Netzwerk und erste Plug-ins

Der Entwickler geht sogar einen Schritt weiter und lässt euch das System über Netzwerk (LAN oder WLAN) erweitern. Somit könnt ihr auf die Leistung eines anderen Computers zugreifen. Das funktioniert dann wohl ähnlich wie in einer Bitcoin-Mining-Farm. Die Firma stellt Entwicklern eine SDK zur Verfügung, um die neue Technologie an eigenen Plug-ins zu testen. Ich bin schon mehr als gespannt, wohin diese interessante Reise führen wird. Für mich ein absoluter Game Changer!

Darüber hinaus stellt die Firma jetzt die ersten beiden Plug-ins D-Lay und FireVerb kostenlos zur Verfügung. Die können Interessierte auf ihrem System ausprobieren. Gerne könnt ihr uns in den Kommentaren von euren Tests berichten.

GPU Audio D-Lay und FireVerb Plug-ins

GPU Audio D-Lay und FireVerb Plug-ins

Aktuelle Spezifikationen und Limits

Das Projekt befindet sich zurzeit noch immer in der Entwicklungsphase. Aus diesem Grund gibt es natürlich Grenzen und Probleme. Im Moment sind nur Windows PCs und NVIDIA Grafikkarten mit dem System kompatibel. Darüber hinaus scheinen noch nicht alle DAWs flüssig mit dieser Technologie zu laufen. Das soll sich aber bis zur Mitte des Jahres 2022 ändern. Dann wird das Projekt auf AMD GPUs und weitere DAWs ausgerollt. In 2023 kommt dann die Kompatibilität mit macOS und hoffentlich den neuen M1/M2 Prozessoren. Das könnte ein extremer Zugewinn und für die Audiobranche nochmals mehr einen Schub nach vorne bringen. Natürlich stellt der Entwickler zwischendurch weitere Plug-in-Effekte zum Testen bereit. Nächsten Monat soll ein größeres und schon besser funktionierendes „Beta Bundle“ veröffentlicht werden. Und das anscheinend (erstmal) kostenfrei. Sehr schön!

Weitere Informationen

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25 Antworten zu “Braingines GPU Audio berechnet VST3 Plug-ins auf der Grafikkarte!”

  1. Benny Lava sagt:

    Das heißt, die Plugins müssen erst angepasst werden. Nichts läuft einfach so.
    Glaube nicht, das viele Hersteller das machen werden.

    Und ich hab nicht das Problem mit zuwenig Rechenpower meiner normalen CPU. Bin schon lange nicht mehr an irgendwelche Grenzen gestoßen. Von daher ist mein Bedarf bei 0.

    • Aven sagt:

      Mit dieser Technik wäre viel umfangreichere und aufwändigere Plugins möglich. Ob Klangerzeuger oder Effekte, mehr Rechenkapazität hilft immer.
      Auch wenn man mit einem aktuellen System locker und flockig arbeiten kann, sieht das in 1-2 Jahren eventuell schon anders aus.
      Dann tausche ich lieber eine Grafikkarte als den kompletten Rechner.

  2. Markus sagt:

    Nebula/Acoustica machen das doch schon seit vielen Jahren?

    Auf den früheren Universal Audio Karten (aka Dongle ;-) )war auch ein Grafikchip bevor sie auf die SHARC DSPs umgestiegen sind.

  3. Cris sagt:

    Nicht neu. Haben sich schon andere daran versucht aber ist mangels manpower und knowledge wieder eingeschlafen!

    Schon nett wenn das klappt. Billig ne gute externe Grafikkarte an den alten Laptop. .
    Ansonsten kann ich auch empfehlen mal einen Blick auf AudioGridder zu werfen.

    • marcus sagt:

      Hier muss schon eine „kommerzielle“ Lösung her – ansonsten setzt sich das nicht bei allen durch. Und „Umwege“/Workround-Lösungen sind doch doof. Plug-and-play wäre hier perfekt! und wir haben mehr Zeit (und mehr Power) zum Musizieren :)

  4. Jan Nordus sagt:

    Finde ich toll und hoffentlich lohnt es sich für Pluginentwickler ihre Plugins anzupassen. Es wäre vielleicht ergänzend gut, wenn es neben der nativen Lösunng einen VST3 wrapper geben würde, in dem ich x beliebige Plugins laden kann und deren Berechnung anschließend über die GPU laufen würde…

  5. Geil! Endlich macht das mal jemand wieder. Gibt da auch einen bekannten Plugin Hersteller, der versuchen soll für seine Plugins da was mit DSP marktreif zu machen. Der wahre Vorteil liegt bei GPUs darin, dass sie auch parallel Audio berechnen können und viel besser mit Volterra Reihen umgehen können.

  6. Gerd sagt:

    Von LiquidSonics Reverberate gab’s vor Jahren auch mal eine GPU Edition.

  7. phloxxo sagt:

    Da wird sich die Mining-Welt demnächst ganz schön umschauen, wenn der Grafikkarten-Markt von Boutique-Preis gewöhnten Musiker*innen leergefegt wird. Was ist der schnöde Etherium-Kurs gegen den Traum einer Billboard-Charts Platzierung :)

  8. Mike sagt:

    Ich rendere seit Jahren mit vier Grafikkarten in meinem Rechner 3D-Animationen heraus.
    Über die CPU (12 Kerne) dauert dies zum Beispiel 5 Minuten für ein Bild.
    Über die GPUs (zusammen 12.350 Kerne) für das selbe Bild 2,5 Sekunden.
    Deswegen werden Grafikkarten eben auch fürs Mining eingesetzt. Sie sind zig Tausendfach schneller als die CPU.
    GPU Berechnung im Audiobereich bei vielen Spuren und VSTs ein Traum.

  9. Philipp sagt:

    Geile Sache. Zu viel Power kann es nicht geben. Mit mehr Leistung wird es auch mehr Plugins geben die diese Leistung nutzen können. Als erstes könnte U-He alle VST´s damit ausrüsten. Nen Virus TI 3 auf GPU Basis könnte ich mir auch gut vorstellen.

  10. Ben sagt:

    Das finde ich sehr gut. Bitte weitermachen und ausbauen. Die Vst´s heutzutage brauchen schon teilweise extreme perfomance. Das endlich mal richtig und allgemein über die GPU auszulagern wäre ein Träumchen.

  11. Peter sagt:

    Ich hoffe auch das die ganzen großen Plugin Firmen nachziehen. Wäre ein Traum mit GPU Power arbeiten zu dürfen :)

  12. Eloy Caudet sagt:

    Ich hoffe, dass bald jeder auf diese Idee kommt. Könnte dann endlich von meiner RTX3070 Gebrauch machen :)

  13. Icke sagt:

    Super, und dann macht so ein Apple M1 Ultra so richtig Sinn.
    20 CPU Cores plus 63 GPU Cores (ein GPU Kern berechnet die DAW Oberfläche 😊).
    Da hat dann der Frosch die locken. 🥳

  14. Thomas K sagt:

    Gute Sache ! Weitermachen. Wenn es für Mac kommt, bin ich dabei.
    Liebe Entwickler, hört nicht auf die notorisch bescheidenen Nörgler, denen alles zu gut, zu viel und sowieso überflüssig ist. Jeder, der anspruchsvolle Plugins nutzt, weiß, das ein Rechner bislang nie zu schnell sein kann.

  15. Tomkern sagt:

    Tolle Idee! Nur, eben weil die Grafikkarte in meinem PC nichts zu tun hat, ist sie auch entsprechend dimensioniert. GT 640, für HD reicht es. Schön wäre es, wenn das komplette Audioumfeld, also DAW und Plugins, von der Zusammenarbeit aus Grafik und CPU profitieren würden. Aber hier würde wahrscheinlich auch schon ordentliche Programmierung reichen, denn die Unterschiede hinsichtlich Hardwareanforderungen sind bei Plugins z.T. beträchtlich.

  16. egotape sagt:

    Apple hat es mit dem M1-Ultra vorgemacht: Für Software und Betriebssystem verhält sich der Doppelchip als einer. Somit muss nicht jeder Hersteller seine Software anpassen.
    Wenn Apple das auch mit den reichlich vorhandenen GPUs, von mir aus auch über ein Translator Layer ala Rosetta, realisiert dann wäre ein M1-Ultra schlagartig für Musiker das Ultra-Gerät.
    Wahrscheinlich auch preislich wenn man auf Windows neben einem potenten Intel Chip noch eine entsprechende (teure) Grafikkarte dazu rechen muß.

  17. Sonja Dammriss sagt:

    Da wird es aber auch echt langsam Zeit.

  18. stimming sagt:

    ich sehe folgendes problem: wir rechnen ja im audiobereich mit mindestens 44,1tausend rechenschritten pro sekunde während ein spiel/eine grafik sagen wir 120 schritte/s braucht, dafür ist jeder einzelne schritt unfassbar viel aufwändiger. auf letzteres sind gpus hin optimiert, tendenziell einfache, dafür sehr schnelle berechnungen sind eigentlich ihre sache nicht. versteht mich nicht falsch: ich würde liebend gerne meine ungenutzte grafikkarte nutzen, am liebsten für u-he und zynaptik, befürchte aber dass das ergebnis nicht so ist wie wir uns das vorstellen. ich wünsche den entwicklern trotzdem viel erfolg, aus purem eigennutz ;), bei mir geht die beta leider schonmal nicht (bitwig, win10)

    • Philipp sagt:

      Grafikkarten sind in machen Berechnungen viel schneller als CPUs. Das hat nichts mit FPS rendern etc zu tun. Eine CPU muss viel mehr unterschiedliche Berechnungen machen und hat dafür unterschiedliche Recheneinheiten. Deine Grafikkarte berechnet nicht nur jede Sekunde 120 Bilder sondern macht dafür Millionen von Berechnungen. GPUs sind für bestimmte Aufgaben optimiert und diese können Sie deutlich schneller als CPU´s. Hersteller nutzen diese Rechenpower immer mehr für andere Aufgaben. KI / Mining / Konstruktion / Simulation / jetzt auch Audio.

  19. Marco Korda sagt:

    Alter Wein in neuen Schläuchen. Hier sind schon einige Hersteller genannt worden. Ich kann MAAT als Plugin-Hersteller hinzufügen, die auch auf diese Technik setzen.

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