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Angecheckt Erica Synths Dada Noise II

Angecheckt Erica Synths Dada Noise II  ·  Quelle: GN

Angecheckt Erica Dada Noise II

Angecheckt Erica Dada Noise II  ·  Quelle: GN

Für den Erica Synths Dada Noise System 2-Test habe ich mir entsprechende identische Monitor-Boxen besorgt und im Sinne der Quadrophonie aufgestellt. Eigentlich ist der „Quadrophonic Sound Panner“ der Teil, der für die nötige Positionierung sorgen soll, dennoch lässt sich durchaus schon mit dem Basis-System etwas in der Art auch umsetzen.

Erica Synths Dada Noise System II angecheckt

Der Mischerbereich ist in der Denkweise allerdings für den Stereo-Betrieb gedacht, denn dort gibt es zwei große Klinkenausgänge, während die beiden anderen Monitore über 3,5-mm-Klinken angesprochen werden. Man sollte vor dem Kauf auch passende Kabel bereithalten. 25 Patchkabel gibt es dazu.

Erica Synth Dada Noise System 2

Erica Synth Dada Noise System 2

Dada Noise = Autoplayer und generative Soundscapes

Insgesamt ist das Dada Noise System das zweite seiner Art und der Name ist Programm. Es geht um Geräusche und Tongemische und ein sehr auf Bewegung optimiertes Basiskonzept, damit die Noises und die Quad-Sounds auch animiert sind und beweglich bleiben. Es ist quasi ein „Evolver„, ein „Animator“ der langsamen und gehobenen Geschwindigkeiten. Immerhin müssen ja nicht nur Sounds entstehen, sondern auch deren Positionen komplex bewegt werden. Man hat vergleichsweise viele Delay-Elemente verbaut, die beim Thema Quad-Sound ebenfalls interessante Effekte liefern. Aber auch, um per Feedback und Freezing Sounds zu isolieren. Außerdem ist auch ein Spiral-Hall als Alternative integriert. Damit sind Fünfzigerjahre-Sci-Fi-Sounds machbar. Das System soll also autonom eigene Verläufe abfahren können und diese wie ein generatives Patch „unlangweilig im Raum bewegen“.

Dada-Bestandteile

Klangliche Basis sind Röhrenmodule für Oszillator und Filter, welche einen kräftigen Klang liefern. Das ist fett und lässt wenig Wünsche offen. Das Filter hat sogar einen kleinen ModulationsRecorder an Bord, um die Filteröffnung aufzuzeichnen. Hinzu kommt ein Doppelfilter. Richtig gut erweist sich die Doppelhüllkurve aus dem EMS Synthesizer für ein System mit dem gegebenen Ziel. Sie kann als Loop-LFO oder als Hüllkurve arbeiten. Das Besondere ist das Timing, was ihr eine gewisse Magie vermacht. Außerdem sind hier nebenbei noch Sample-&-Hold-Möglichkeiten und mehr verbaut.

Noise-Bestandteile

Für den Noise-Bereich gibt es einen speziellen RauschNoise-Generator „Black Code Source“, dessen Abtastrate einstellbar und modulierbar ist. Damit lassen sich mit einem einzigen Modul in Stereo LoFi-Game-Sound Rauschen und Britzel umsetzen. Der Haupt-LFO (Black Modulator) hat ebenfalls einen einstellbaren Rauschgenerator.

Um die tonalen und geräuschhaften Elemente vorzubearbeiten, sind Röhrenfilter und DoppelPolivoks Filter mit steuerbarer Resonanz integriert.

Erica Synth Dada Noise System 2

Erica Synth Dada Noise System 2

Die Module des Dada Noise System II

  • Fusion VCO2 – RöhrenOszillator mit Sätigung und Subosziilator, sehr fett!
  • Fusion VCF3 – Filter mit Automation, Multiple 
  • Fusion Modulator – 2x Trapezoid LFO/Hüllkurve und Sample & Hold
  • Black Stereo Delay – steuerbares Freezing und Rückwärtsabspielung
  • Black Joystick2 – 4 automatisierbare Paare für Bewegung
  • Black VC Clock – die Master-Clock
  • Black Code Source – spezieller Stereo-Sample-&-Hold-Generator
  • Black Modulator – LFO mit Noise-Element
  • Black Dual VCF – Doppelfilter mit vielfältigen Möglichkeiten
  • Black Quad VCA – das Herz für die Lautstärken
  • Black Spring Reverb – Halltank für analoges Delay
  • Black Output – ein Panner und Matrixmischer für Stereo

Der absolute Knüller des Systems mit dieser Ausrichtung sind die Joystick-Module. Die können eine beliebige Fahrt aufzeichnen oder auf diese noch einen LFO auflegen, eine Zufallsverteilung bewirken und ähnliches. Außerdem hat es noch Trigger-Ausgänge für Bewegung, welche auch die Automation im Filter und anderen Module anbieten. Solche Details sind sehr gut, um verbundene Bewegungen zu synchronisieren und im Griff zu behalten.

Quad Sound

Das Quad Panner Modul kostet 1820 Euro und bietet das, was dem Hauptsystem „fehlt“. Jedoch ließe sich auch mit ihm allein bereits etwas bauen. Genau genommen braucht man nicht unbedingt zwei weitere Delays, die sind nur für die Bewegung da. Wer ein normales System oder Synths hat, könnte durchaus auch diese Module bewusst besorgen wollen, um ein solches Quad-System zu erhalten:

  • 2xBlack Joystick2
  • 2xBlack Mixer/Splitter
  • 2xBlack VCA2
  • 2x Black Stereo Delay
Erica Synth Dada Noise System Quad Surround Panner

Erica Synth Dada Noise System Quad Surround Panner

Die Arbeit mit dem Dada Noise System

Als erstes musste ich natürlich eine Klangmühle herstellen, die über die Joysticks gesteuert werden soll. Auf den Spuren der Neuen Musik dachte ich dabei an einen tonalen Sound mit wechselnden Tonhöhen und ein Rauschen, welches an verschiedenen Ecken „per Zufall“ auftaucht und sich langsam von einer Stelle zur anderen bewegen kann mittels der Joysticks. Ganz wie in frühen Zeiten.

Ohne das Panning System reicht es, Rauschen und VCO-Konstrukt in alle 4 VCAs zu schicken und diese auf- und abschwellen zu lassen, während sich die VCA-Animation über Joysticks ihre „Ecken“ sucht und scheinbar verschiedene Sounds und Tongemische jeweils in die vier Ecken bewegt und je nach Animation zwischen den beiden Front und rückwärtigen „Boxen“ hin und her wandern. Wichtig dabei ist stets, dass es zwei CVs sind, die pro Joystick möglich sind. Deshalb werden für die Positionierung zwei Doppelkanäle benötigt. Aber es ist einfach und simpel: So werden einfach nur die Ausgänge gesteuert. Ich mache mir zunutze, dass mit heruntergeregeltem VCA oder aber mit Stille im Rauschen bei tiefen Rates und bei geschlossenem Filter beim tonalen Sound faktisch jeweils Ruhe auf dem jeweiligen Kanal ist, um dem anderen Signal Raum zu geben. Damit ist der erste Test bestanden. Und es ist noch immer ein Fest für die Ohren.

Das Ziel ist das Ziel: Nichts soll sich wiederholen!

Das Ziel ist ein generatives Patch – ein Autoplayer „Noodle“. Das ist eine Stärke dieses Systems. Es ist nicht dazu da, perfekt Popmelodien nachzuspielen. Deshalb nutze ich Sample & Hold, VCAs und viel Automation innerhalb der Module, um das Signal und Tonhöhe in Bewegung zu halten und lasse sie jeweils unabhängig voneinander laufen, damit sie eine polyrhythmische Struktur aufbaut und keineswegs „wiederholend“ wirkt. Das kann das System perfekt. Denn einige Module haben oft noch jeweils passende zusätzliche Funktionen, die genau das erlauben.

Wenn Sounds in vier Ecken gelegt werden, ist deren Wirkung auch eine Art Teil der Komposition. Ein Verlauf kann auch schnell reiner Effekt sein oder einfach nerven. Ein simples hinten hin und her bewegen beispielsweise klingt nicht sonderlich interessant, sondern eher effektverliebt um der Effekte willen. Deshalb sollte so eine Quad-Klangeinstellung auch in sich „passen“. Das lernt man beim Patchen recht gut. Man lernt über die Zeit aber auch, was fehlt und was außerordentlich befriedigend klingt, auch wenn man „Kontakte“ von Stockhausen bereits als Vierkanal-Vorführung gehört hat. Natürlich ist der Anspruch in meinem Test nicht „Kontakte“ nachzubauen, sondern das dient nur als Inspiration.

Erica Synth Dada Noise System 2 Joystick Recorder

Erica Synth Dada Noise System 2 Joystick Recorder

Welche Sounds funktionieren mit Quad?

Ein Ton mit Bending oder klar gesetzte Sequenzen aus einer Ecke kommen zu lassen oder diese gezielt zu zerhacken oder mit einem LFO auf dem Quad-VCA zu versehen wird etwas, für das man nach etwas Verständnis entwickelt. Komposition und Substanz sind also noch immer wichtig, ein simples „Drauflospatchen“ macht auch auf dem Dada Noise System II kein Gold aus Scheißhausideen™. Auch hier können jede Menge Grütze und U-Boot-Zerstört-Sounds herausfallen und die Experimentierwilligkeit liegt sicher eher vorn. Genau dann ist die Wahl der Module auch richtig. Ich habe die Delays meist als „Noise-Quelle“ mit Feedback-Krach verwendet und die Zeit und die Feedbackstärke mittels Joystick-Automation langsam bewegt, da Delays feinfühlige Bewegungen brauchen aber auch manchmal radikale Sprünge. Aber eins ist wichtig: Es geht NICHT um Quad-Sound um Quad-Sound willen. Aber dafür kann das System natürlich nichts.

Diese Maschine ist nicht für Disco-Betrieb gemacht und gemeint, auch wenn ein Industrial Drone Monsterbass mit dem VCO2 absolut kein Problem ist. Für exakte Töne hätte ich vermutlich aber auch noch einen präzisen Oszillator hinzugefügt oder kann ihn extern hinzugeben. Wirklich nötig war und ist er aber nicht. Diese Vorgehensweise ist freilich nicht akademisch und hätte sicher nur Neue-Musik-Feeling, als dass man sich als der neue Xenakis oder Stockhausen fühlen kann. Aber was das System wirklich kann, sind die ersten Experimente mit Mehrkanalton jenseits vom schnöden Stereo-Einer- bis Zweierlei in ein Viererlei zu verwandeln. Das macht Spaß und es kann viel daraus werden.

Sicher kann man dies auch mit einer DAW wie Logic und einem Joystick Controller  mittels Controller-Recording für Positionierungsarbeit tun. Aber das ist nur ein Bruchteil dessen, was das Dada Noise System II eigentlich vermitteln möchte. Es geht um die Erfahrung, was wie wo positioniert werden muss, um es musikalisch klingen zu lassen ohne einfach nur willkürlich zu sein. Das wissen wir von unzähligen Blip-Blop-Demos von irgendwelchen Modularbesitzern, die nicht immer werbend wirken. Selbstzweck heiligt auch hier nicht die Mittel.

Es ist fast etwas beruhigend, dass auch das abgefahrene System einen Musiker als Haupthirn benötigt, um es auch musikalisch zu machen. Aber es macht auch verdammt viel Spaß und es gibt bald erste vorzeigbare Ergebnisse, die in keinem Club abgespielt werden können, weil dort ja nur Stereo-PAs stehen. Es wird besonders, es wird privat und eigen. Wieso nicht in kleiner Gesellschaft miteinander das zelebrieren, so es wieder geht?

Erica Synth Dada Noise System 2

Erica Synth Dada Noise System 2

Dada Noise: Was könnte noch dazukommen?

Was mir aber auch durchaus fehlt, ist und sind Crossfader und damit Module, die sowohl Sounds von Noises in Tonales und andere Noises wandeln können. Aber auch, um zwischen Kanälen auch blenden zu können, so wie es zwischen Kanal 3 und 4 im Hauptausgangsmodul der Fall ist. Ebenso sind Inverter eine gute Idee, um gezielt genau gegenläufige Modulationsbewegungen möglich zu machen, die für Synchronität hilfreich sein können. Ich hätte daher eher die 2 Delays gespart und sie durch Crossfader und Invertierer und ggf. Abschwächer ersetzt, um auch noch einfacheres Mischen zu ermöglichen. Sie lassen sich aber AUCH einsetzen, um bei diesen Verbindungen zweier Kanäle einen Bezug herzustellen. Dann wäre aber ein neues Routing und somit eine Art Gate-Switcher von großer Hilfe, um die Ausgänge auch über Kreuz oder beliebig auf vier Ziele zu verteilen.

Stereo vs. Mono

Das System kann Stereo-Noises erzeugen, deshalb ist das ein Thema. Es ist aber viel einfacher vier Monosignale zu steuern, als Stereosignale auf vier Ziele zu verteilen. Das ist also auch die „Grenze“ des Systems. Ich habe den Source Noise als Stereosignal als Untermalung oft gut einsetzen können durch simples statisches Einmischen, während ein einziges Signal der beiden Ausgänge ausreicht, um in die Quad-Positionen solo versendet zu werden..

Was es aber auch hier macht, ist Spaß und man muss schon mal etwas nachdenken, wie so etwas mit dem, was da ist, umzusetzen ist. 

Drehen, Stecken, Bewegen

Ich glaube, dass die Idee so etwas wie Mehrkanalton als Gesamtheit besser funktioniert, als die PanningUnit einzeln zu sehen, da die Modulationsquellen wie die EMS-Hüllkurven aus der Fusion-Serie nun einmal im Dada-System stecken und nicht im Panning-System. Sie sind gut aufeinander abgestimmt. Wie schon gesagt, fehlen mir nur einige Hilfsmodule, die ich im Quad-Teil des Systems finden wollen würde. Dennoch braucht die Erstellung des Sounds manchmal Koordination mit der Positionierung – in dem Falle müssen beide Teile zusammenarbeiten. Beim Start habe ich insgeheim eher gedacht: „Na? Reichen da nicht die 1820 Euro für das Verteilsystem?“ Es ist vermutlich sogar ideal, für die eigenen finalen Ideen Crossfader und Inverter hinzuzufügen oder Regelvorrichtungen, die mehrere Ziele steuern können. Da man für Recording hier einen Finger auf den Record-Knopf halten muss, würde sich das anbieten für ein Monster-Quad-System, wenn man das mal ausspinnt und zu Ende denkt. Das ist allerdings mein Eindruck, der sich für andere Musiker auch anders darstellen kann.

Das Gebotene ist nicht gerade kostenfrei, es muss schon so viel Geld anliegen wie für ein gutes normales Modulsystem. Da  landest du nicht selten bei 4k Euro – so ist es hier auch. Gerade mit dem Quad-Aspekt lebt viel vom manuellen Drehen, Stecken und Umstecken – wie das eben normal ist in einem Modulsystem.

Hinweis / Dislcaimer: Ich habe jedenfalls noch viel mehr „Bock“ bekommen auf Mehrkanal-Sounds und das mit normalen Kompaktsynths und Stereo-Signalen zu kombinieren. Ein neuer Bereich. 

Hinweis 2: Ich hatte vorher bereits 5.1-Mischungen gemacht. Aber dafür musste ich passende Studios aufgesuchen, da mir das im eigenen Studio nicht möglich war. Zum Beispiel um so etwas herzustellen.

Quelle und Bezug Dada Noise System II

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