Geschätzte Lesezeit: 4 Minuten

Behringer POLY D angecheckt  ·  Quelle: Stephan Pfaff

Eure Meinung zum Behringer POLY D habt ihr uns bereits in dieser Umfrage mitgeteilt. Dass der Synth im Klang mehr als gut mit dem Original mithalten kann, ist hinlänglich bekannt. Doch wie steht es um denn Spaßfaktor und die Details? Ich habe drei Monate sehnlichst auf das Gerät gewartet und konnte ihn in Ruhe testen.

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Behringer POLY D

Was haben wir uns alle gefreut, als Behringer am 25. November 2019 den POLY D veröffentlichte? Ein polyphoner Minimoog für weit unter 1000 Euro? Shut up and take my money! Schnell wurde klar, dass er gar nicht polyphon, sondern paraphon ist. Kurze Enttäuschung, aber was soll’s? Die ersten Demos klangen äußerst vielversprechend. Im schlimmsten Fall bekomme ich endlich einen augemotzten Mini zum Schnäppchenpreis.

Nachdem ich mein G.A.S. wenige Tage später in eine Bestellung umwandeln konnte, musste ich allerdings erst mal drei Monate warten. Eine gesunde Mischung aus Vorfreude und regelmäßigem Anschauen der neuesten Reviews vertrieb mir die Wartezeit.

Erster Eindruck

Ende Februar, endlich ist er da! Nach dem Auspacken der erste Eindruck: Hervorragende Verarbeitung und, trotz geringerer Dimensionen im Vergleich zum Original, ein stattliches Gewicht.

Die Potentiometer lassen sich wunderbar cremig drehen, nichts wackelt oder fühlt sich lose an, das Umschalten der Oszillatoren macht richtig Spaß! Lediglich die orangefarbenen Schalter im 70er Jahre DDR-Look sowie das Pitch- und Modwheel aus bestenfalls langweiligem Plastik hätten für meinen Geschmack etwas wertiger im Aussehen gestaltet werden können. Das ist aber alles Nebensächlich, denn der Klang zählt!

Sound

Wie nicht anders zu erwarten war, ist der Poly D fett, fett und nochmals fett! Wer noch keinen Minimoog-ähnlichen Synthesizer besitzt, kommt an diesem Gerät wohl nur schwer vorbei.

Ich habe das Gefühl, dass der Output etwas gering ist. Das war beim Odyssey auch so, dessen XLR-Ausgang hatte dagegen ordentlich Dampf.

Nachdem ich mir ein paar dicke Parliament Funkadelic Bass-Sounds geschraubt hatte, ging ich zu den spannenden Zusatzfunktionen über. Schnell wurde klar, dass das mehrstimmige Spiel nicht so locker von der Hand geht, wie gedacht. Einfach loslegen ist nicht, denn zunächst einmal wollen alle vier Oszillatoren gut gestimmt werden. Das kann schon mal ein kleiner Showstopper sein.

Effekte

Ich war darauf vorbereitet, dass die Paraphonie Nachteile mit sich bringt und wurde trotzdem überrascht. Irgendwie macht mich das nicht an. Sehr gefreut habe ich mich über die Dreingabe des Chorus! Auch wenn er etwas Eigenleben (Rauschen) mit sich bringt, klingt er wunderbar lush, wie man das vom Juno kennt. Den Distortion konnte ich ganz gut nutzen, um Basslines anzufetten. Doch bei beiden Effekten hätte ich es sehr begrüßt, wenn Behringer nicht einfach nur die originalen Schaltkreise kopiert, sondern zumindest eine Blend-Funktion hinzugefügt hätte.

Wunschlos glücklich?

Als Bassist sind meine großen Idole die Legenden der 70er und 80er Jahre. Seit ich mich vor vielen Jahren begann für Synthese zu interessieren, wollte ich einen Minimoog besitzen, um die Songs von Stevie Wonder, Chaka Khan, Parliament Funkadelic und vielen weiteren möglichst authentisch nachzuspielen.

Nun war die Gelegenheit gekommen. DER Sound für nur 699 Euro (der Synth ist seitdem im Preis gestiegen), dazu noch mehrstimmig und mit zusätzlichen Effekten. Und trotzdem habe ich mich dagegen entschieden. Warum?

Warum ich den POLY D nicht behalten habe

Im September des vergangenen Jahres hatte ich mir einen MOOG Grandmother gekauft, der mich überraschend umgehauen hat. Ich konnte ihn in Ruhe mit Behringers Model D vergleichen: Die Großmutter ist in den tiefen Lagen wahnsinnig drückend, hat insgesamt eine viel bessere Stimmstabilität, die Oszillatoren lassen sich syncen. Das Gerät spricht gerade durch seine Einschränkungen an den richtigen Stellen und mit seinem Layout genau mein kreatives Hirn an. Ich fühle mich die ganze Zeit inspiriert. Selbst die Tastatur macht mehr Laune. Und mal ehrlich: Der Federhall ist genial!

Mein häusliches Musikzimmer ist im Platz sehr begrenzt und schon jetzt zu voll! Die Synths teilen sich den Raum mit ca. 13 Bässen, Boxen, Amps etc. Jedes weitere Gerät will gut begründet sein. Basslines habe ich mit dem Grandmother abgedeckt, die Paraphonie des Behringers macht keine Freude … so dämmerte mir, dass ich eigentlich auf der Suche nach einem mehrstimmigen Synth bin, der auch vor allen Dingen als solcher richtig Spaß macht! Und das tut der POLY D leider nicht.

Wann solltest du einen POLY D kaufen?

Am Ende sehe ich es ähnlich wie der sehr gelungene Testbericht von Megasynth.de: Steht ihr vor der Überlegung, euch den Poly D anzuschaffen, so betrachtet ihn als gelungene Kopie des Originals, die wirklich hervorragend klingt und, abgesehen von interessanten Spezialklängen, eher monophon als paraphon glänzt.

Der Behringer bietet sehr sehr sehr viel MOOG für kleines Geld! Falls ihr diese Sparte in euren Heimstudios noch nicht abgedeckt haben solltet, empfehle ich euch uneingeschränkt den Thomann.de Affiliate Link (749 Euro) zum Glück!

Weitere Informationen

Weitere interessante Produkte unserer „Angecheckt“-Reihe findet ihr hier. Ihr habt Vorschläge? Dann her damit!

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2 Antworten zu “Angecheckt: Behringer POLY D – Paraphon zur neuen Legende?”

  1. Dave sagt:

    Die Paraphonie hat noch einen entscheidenden Nachteil: Um keine Verzerrungen im para Mode zu haben, wird der Mixer im Pegel recht konservativ angefahren und man kriegt die Sättigung im Filter nicht hin, die den Minimoog so reizvoll macht…

  2. Andre sagt:

    Du hast dich dagegen entschieden! Hahaha das kann die nur passieren wenn die Kohle für den original Moog bereits beim Teufel ist und du nicht einsieht ihn wieder her zu geben für den billigen Behringer Ramsch? Dann würde ich sagen, selbst schuld. Denn auch wenn es Unterschiede gibt, um dein musikalisches Ziel zu erreichen bedarf es nicht eines Originals das 0,09% besser klingt als die Fälschung und dazu kommt, dass „besser“ auch nur subjektiv ist.

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