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Es wird noch knallen im Elka-Land. Mario Maggi, der Ur-Entwickler des einstmals italienischen Herstellers Elka und die erst kürzlich zur Musikmesse vorgestellte finnische Initiative zum Synthex haben sich offenbar nicht abgestimmt, denn die Rechte am Synthex als Instrumentenname liegen nach Aussagen von Herrn Maggi bei ihm. Die Finnen haben den Namen Elka gekauft, nicht aber den Namen „Synthex“, weshalb sie mit einem unveränderten Instrument aufwarten müssen. Mario Maggi plant hingegen den „Synthex 2“, also eine Neuentwicklung mit Bezug zum klassischen Original.

Sogar die Curtis Chips sollen für den finnischen Synthex aus altem Bestand stammen, die mit diesem Alter sicherlich nicht unbedingt als neu zu bezeichnen sind. So war ein Raunen auch bei der Vorführung eine gewisse Skepsis durch die Gesichter der halben Synthesizer-Nerdszene durch das Mövenpick-Vorführevent gegangen. Man könnte es deshalb als eine Clone-Aufbauarbeit im großen Stil betrachten. Doch halt, das Crowdfunding liegt zur Zeit (31.5.2015) bei $116.190, man benötigt jedoch $414.000.

Jukka Kulmala

Finnischer-Elka/GEM-Neu-Gründer Jukka Kulmala

Es scheint, dass das Konzept des Nachbaus mit alten CEMs nicht all zu viele Menschen überzeugt haben mag. Alternativen zu Curtis Chips gibt es nicht, weshalb Herr Maggi (gesprochen Madschi‘) bis heute nicht verraten mag, ob es sich bei seinem Synthex 2 um einen digitalen oder analogen Synthesizer handeln wird, den er dem Elka-Angebot entgegenstellen wird.

Bei den Curtis Chips handelt es sich nicht um unendlich viele Bauteile. Dies entsprechen einer „guten Hand voll Transistoren“, die durchaus heute in Kleinstform per SMD-Technik nachgebaut werden können. Es gibt solche Projekte auch für die beliebteren SSM Chips in der DIY Szene. Ein Entwickler wird sich sicher die Frage stellen, welche Zukunft mit welcher Technologie man einsetzen sollte und ob sich das lohnt. Und das sehr genau! Der Aufwand für analoge Technik ist zwar zu erreichen, aber für die avisierten 16 Stimmen wird man eher hybride Technik verwenden. Während neben Hüllkurven und LFOs auch die Oszillatoren wahrscheinlich digital erzeugt werden, ist das Filter eine besondere Herausforderung. Insbesondere, da man den traditionsnahen Namen Synthex vergeben möchte.

Allerdings sei dazu gesagt, dass es sicher größere Namen gibt, wie etwa Roland Jupiter-8 oder Moog Memorymoog. Rein klanglich und technisch wäre auch der ARP-Entwicklung Rhodes Chroma mit aktiven Eckdaten wie schnelle Hüllkurven und LFOs sicher eine spannende Alternative. Vielleicht kann Korg dies leisten? Letzterer würde heute auch als „neuer Analog-Synth“ sicher Freunde finden, selbst wenn man ihn im „Original“ nicht kennen würde. Der Synthex hat bei der Liste der bekannten Songs „Agent Orange“ von Depeche Mode oder Jarres Laserharfen-Sync-Sound sicher nicht so tief prägen können wie die obigen. Er wird deshalb von vielen eher „neu“ bewertet werden. Dennoch wird er in neuer Form durchaus interessant sein, da es nur wenige aktuell erhältliche bezahlbare polyphone Analoge gibt (Elektron, Studio Electronics, DSI und Parva).

Mario Maggi gibt an, eine 8-stimmige Erweiterung anzubieten, die wohl auch in einem Desktop-Gerät möglich wäre – eine ziemlich große Herausforderung für eine analoge Konstruktion. Um die ebenfalls angedeuteten Misch-Filtertypen aufzubauen, benötigt man eine normale Filterkaskade mit Tiefpässen, aus denen man alle anderen Typen generieren kann. Somit wäre dies auch mit SMD-Miniaturisierung ein ziemlich großer Akt, der aber einige Zeit ohne viel Konkurrenz auskäme. Das schränke ich gerne noch durch die prophetischen Aussagen von Behringer ein, da sie eine Art Curtis-Nachfolger oder eigene Polyphon-Analoge auf den Markt bringen könnten und dazu auch in der Lage sind und eine hohe Motivation für den guten Ruf darstellen würden.

Anhand der Randdaten und dem „öffentlichen Hinzuziehen“ des Analog-Spezialisten Enrico Cosimi, der den neuen Synth schon erblickt hat, muss man wohl von mindestens einem analogen Filter-Release ausgehen, außerdem besitzt er ein 18 Volt-Netzteil, was man für einen reinen Rechner nicht unbedingt benötigen würde. Rationaler wäre, das Gerät komplett digital aufzubauen, dennoch bleibt der Tipp bei „da wird analoges Zeug drin sein“. Der Ergeiz der beteiligten Personen hingegen spricht auch nicht wenig für diese Option.

Paul-Wiffen-Synthex-in-FFM_klein

Paul-Wiffen demonstiert Synthex-in-FFM 2015

Also – wir glauben es wird analog werden. Und danach wird man sich einig werden müssen, ob man Elka Finnland und Synthex 2 nebeneinander erleben wird. Die beste Lösung dürfte wohl sein, dass das neue Gerät von M.Maggi einfach Synthex 2 heißt, während der Nachbau der Synthex von Elka in Wiederauflage ist. Seitens der Finnen wird nicht mit Änderung des Synthex zu rechnen sein, weshalb es in dem Falle auch rechtlich möglich bleiben wird. Als Nerd hat man sich auch eher Worte von Mario M. als von Jarre gewünscht. Der geforderte Preis der Finnen ist jedoch absolut fair zu nennen. Wenn die Protagonisten schlau sind, werden sie beide gewinnen. Der Synthex 2 hat sehr klar den zukunftssicheren Ansatz und auch mehr Chancen, auf dem Markt einige Jahre zu verweilen. Wenn er erfolgreich genug ist, wird die Erweiterung und eine CV-Breakoutbox gefertigt, denn am Gerät befindet sich eine RJ45 Buchse zu diesem Zwecke (normalerweise für Ethernet gedacht). Damit ist ein weiteres Indiz dabei, welches analoge Technik sehr nahe legt. Wir tippen, dass mindestens Filter, wenn nicht noch einige Elemente mehr (Chorus!) analog umgesetzt werden! Vielleicht ist Finn-Crisp ohne den Originalkoch ja auch nicht so lecker wie italienische Synthex-Pasta vom Meister selbst.

Synthex 2 Daten (soweit bekannt): Synthex 2

2 OSCs, 16 Stimmen, Sync, erweiterte Cross-Modulation, Multimode-Filter im Stile des Oberheim Matrix 12, 2 Waveshaper, Sequencer und Chorus, Multisegment-Hüllkurven (8-stufig) sowie Hüllkurven-gesteuerte LFOs, USB, MIDI als Desktop und Keyboard-Versionen. Orientierung am „Original“.

Synthex – Original (Daten): Synthex

2 OSCs, 8 Stimmen, 4-Spur Sequencer, Sync, Multimode Filter

Moogulator

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