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Das SPL Creon von Oben  ·  Quelle: Foto gearnews

SPL Creon Erfahrunsbericht Gearnews Schalter

Die wackeligen und nicht passgenauen Druckschalter als Close-Up  ·  Quelle: Foto gearnews

SPL Creon Erfahrunsbericht Gearnews ASIO Treiber

Der ASIO Treiber  ·  Quelle: Screenshot gearnews

Manchmal erliege ich meiner eigenen Schreiberei: Zur Musikmesse hatte SPL mit dem Creon ein neues Audiointerface mit Monitor-Controller-Funktionen vorgestellt. Wir berichteten. Grob gesagt, eine kleinere Version des SPL Crimson! Der Creon geriet in meinem Kopf wieder etwas in Vergessenheit – das Los, wenn man tagtäglich mit den neusten Produkten zu tun hat. Da der Hersteller meines bisherigen Heim-USB-Interfaces leider Bockmist gebaut hatte und zum Mac 10.11 und Windows 10 Release noch immer keine kompatiblen Treiber geliefert hat, musste ich mich nach einem neuen Interface umsehen. Andere brauchen für ein 2-In/2-Out Interface noch nicht einmal eigene Treiber und bekommen mit den vorhandenen Funktionen des Betriebssystem trotzdem klasse Latenzen hin!. USB sollte es sein, weil ich das Interface parallel mit OSX, Windows und (vielleicht später mal) Linux nutzen möchte.

Ich habe Freunde, Kollegen und das Internet gegängelt und am Ende ist mir bei den Kollegen von bonedo.de die Pressemeldung zur Veröffentlichung des SPL Creon auf den Bildschirm gerutscht. Übernatürlich gutes Timing: Denn schon auf der Musikmesse fand ich das Teil interessant und außerdem wollte ich schon immer mal selbst was von SPL besitzen. Ich kenne die sonst nur von Studio-Outboard wie dem Channel One oder dem Transient Designer, die damals bei einer Albumproduktion im Einsatz waren. Und noch mal für alle vermeintlich anonymen Spezis im Netz: Das hier sind meine subjektiven Erfahrungen und Eindrücke mit dem Creon! Ich strenge mich aber trotzdem an, es etwas objektiv zu halten. ;)

Das Erste, was einem an einem neuen Interface auffällt, ist die Verarbeitung. In einem Wort: fast tadellos. Das Gehäuse besteht komplett aus Metall (dementsprechend schwer, aber angenehm) und aus zwei Hälften. Alle Regler sitzen gerade, eiern nicht und haben einen angenehmen Widerstand beim Drehen – vielleicht minimal zu leicht. Die Metering-LEDs sind passgenau und mittig im jeweiligen Löchlein eingelassen. Lediglich die leuchtenden Druckschalter (alle) haben im Loch am Rand zu viel Spiel für meinen Geschmack und wackeln demzufolge etwas. Auch ist die Helligkeit für Nachts etwas zu viel des Guten und eher störend. Da wäre ein justierbarer Dimmer gut gewesen.

SPL Creon Erfahrunsbericht Gearnews Schalter

Die wackeligen und nicht passgenauen Druckschalter als Close-Up

Auf der Rückseite befinden sich fast alle Anschlüsse: 2x XLR Mic In, 2x Mono Line In, Stereo RCA In (Cinch), Stereo Klinke In, 2x XLR Speaker Out. Dazu Netzteil- und USB-Anschluss. Sehr nice finde ich auch, dass SPL die Rückseite doppelt beschriftet hat, einmal normal und einmal auf dem Kopf, so dass man es aus fast jeder Situation gut lesen kann. An der Vorderseite des Desktopgehäuses befinden sich noch ein Instrument Input und ein Kopfhörerausgang. Bei den Inputs gibt es aber eine gewisse Hierarchie, die es zu beachten gilt: Instrument hat Priorität vor Line (2), Line vor XLR. Klingt etwas verwirrend, ist im Alltagsbetrieb aber logisch. Außerdem sollte man ebenfalls vorher wissen, dass die Jack- und RCA-Eingänge nicht am Creon regelbar sind. Aber kommen wir zu spannenderen Sachen als Feature-Listen.

Wie benutzt es sich und wie schlägt es sich im Alltag?

Nun, als Mac Nutzer habe ich es natürlich zuerst an meinen OSX-Computern ausprobiert, heißt MacBook Air mit OSX 10.11 und mein Hack Pro mit OSX 10.10 und 10.11. In allen Fällen wurde es sofort erkannt und benötigt auch keinen Treiber. Klasse. Ich kann stabil mit einem Buffer von 64 Samples aufnehmen und arbeiten – allerdings habe ich noch keine Extremtests gemacht. Es wird auch von allen meinen DAWs erkannt und ohne zu zucken akzeptiert. Auch mit iOS soll es dank Class Compliant via Plug and Play funktionieren. Mangels iOS-Gerät kann ich das aber nicht testen.

Aber neben OSX nutze ich heimlich immer wieder Linux, auch wenn es nach ein paar Stunden fluchend herunter gefahren wird. Ich hoffe alle paar Tage wieder auf das Wunder, dass plötzlich alles stabil läuft und es mehr Plug-ins von professionellen Firmen gibt … Ich schwafel schon wieder. Es ist auf jeden Fall ebenfalls kein Treiber nötig und es kann ohne Probleme via ALSA und PulseAudio eingesetzt werden. Der niedrigste stabile Buffer über ALSA und JACK lag bei 128 Samples ohne Input- oder AUX-Effekte in Ardour. Sobald Effekte ins Spiel kamen, musste ich auf 256 hochgehen. Aber Linux ist seit jeher nur eine Nische für Audioproduktion und das wird sich so schnell wie sich das manche wünschen auch nicht ändern.

Der eigentliche Markt ist ja immer noch mit Windows unterwegs. Hier muss man einen ASIO-Treiber installieren. Der ist leicht auf der Homepage zu finden und schnell installiert. Beim ersten Öffnen des ASIO Control Panels musste ich aber ganz kurz schlucken: Mir sprang eine nicht lesbare Überschrift in einer mir unbekannten Sprache ins Gesicht. Ich dachte schon, ich hätte mir meine erste Schadsoftware seit WinXP eingefangen und das auch noch mit Absicht. Ansich finde ich das nicht schlimm, aber man darf schon etwas verwundert sein, dass eine deutsche Firma mit einer englischen Seite einen Treiber mit unleserlichem Text ausliefert. (Update: Wie sich herausstellt, ist das der Schriftzug von Ploytech, den Treiber-Entwicklern. Danke für die Einsendungen.) Sei’s drum, ich bin mit Windows 10 bis 64 Samples Buffer herunter gekommen (ohne Effekte), ein Input-Effekt war möglich, sobald es aber mehr wurde, musste ich auf 128 gehen. Also kommt man mit allen Systemen zu teils sehr guten Latenzen von 2-4 ms Input und 7-14 ms Output. Damit kann ich daheim sehr gut leben.

SPL Creon Erfahrunsbericht Gearnews ASIO Treiber

Der ASIO Treiber mit verwirrender, nicht lesbarer Überschrift

Die Preamps sind echte Sahne. Genug Gain-Reserven und sehr klarer Klang. Ich würde sie nicht als komplett neutral bewerten, irgend etwas daran färbt leicht. Aber nur ganz minimal. Vielleicht auch nur Einbildung? Beide Inputs lassen sich getrennt mit 48 Volt Phantomspannung versorgen und via Low Cut von den Bässen befreien – ich nutze als Sprech-Mikro gerne meine alten Richtrohre aus den Filmzeiten. Die bei Nahbesprechung sehr basslastig sind und damit ist der Schalter für mich perfekt.

Was sich mir nicht so wirklich erschließt: Wieso ist das ein Monitor Controller? Die Funktionen übersteigen eigentlich nicht wirklich die von anderen herkömmlichen Interfaces. Maximal die DIM-Funktion für den Speaker-Out, aber einen Mix-Regler und Durchschleifen an/aus für verschiedene Inputs ist jetzt nicht so sehr besonders. Gut, man kann es standalone betreiben.

Eine Sache stört mich aber noch ganz gewaltig: Wieso ist da kein An/Aus-Schalter dran? Klar kann ich den obligatorischen Stromstecker ziehen oder die Steckdosenleiste ausschalten (was ich i.d.R. auch mache). Dennoch gehört so etwas zum guten Ton und kostet sicherlich auch nicht die Welt. Dafür scheinen die Ausgänge gut abgesichert zu sein. Kein Knacken oder Knistern, wenn man den Strom oder USB ansteckt.

Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass der Creon gerade einmal 5 Euro weniger als der größere (schwarze) Crimson kostet. Der Crimson in Weiß ist aktuell sogar gleich mal 10 Euro billiger als der Creon. Das verstehe wer will. Mir war wichtig, dass es möglichst klein ist, deswegen hatte ich nicht an den Crimson gedacht. Naja, ich will mich nicht über die paar Euro ärgern.

Mein Fazit: Das SPL Creon ist ein sehr gutes USB-Audiointerface mit ein paar Macken bzw. Verbesserungsvorschlägen -> Der An/Aus-Schalter fehlt, die LED-Knöpfe wackeln und der Windows Treiber sollte auf den ersten Blick nicht wie illegale Software aussehen. Der Preis sollte im Vergleich zum Crimson angepasst werden und die LED-Meter sollten aus mehr als drei LEDs bestehen, wenigstens fünf. Platz dafür wäre genug. Auch die Grundfläche könnte für mich etwas kleiner sein, ich mag eher kleine Tische. Dennoch: Ich bereue keine Sekunde den Kauf und werde damit noch lange Spaß haben. Gerade da es Class Compliant ist und unter OSX keine Treiber benötigt. Auch bei künftigen OS-Updates nicht. Außerdem sind die Preamps richtig lecker und die Bedienung ist stimmig. Das gibt eine 2 von mir. :)

  • Simon

    Die Überschrift des Treibers ist nicht annähernd russisch. Stattdessen sind die meisten Buchstaben dem griechischen Alphabet entnommen und nicht dem kyrillischen. Und dann wurden noch ein paar passende Buchstaben erfunden, die eher aus dem lateinischen Alphabet stammen. Griechisch macht das Ganze gleich viel seriöser ;-)

    • gearnews

      Oh, okay. Man lernt nie aus. :)

    • Schallweller

      das ist doch ein Ploytec Treiber oder? Die schreiben doch viele Treiber und ist sicher einfach ein kleiner Gag des Herstellers.

      • gearnews

        Mir ist bisher noch keiner untergekommen, deswegen sagte mir der Schriftzug nichts. Machen die nur ASIO?

        Ich habe auch nichts gegen externe Treiberentwickler, aber das kann doch frühzeitig erwähnt werden? Wenn ich ein Interface von RME kaufe, erwarte ich ein Treiber mit RME-Schriftzug, bei Apogee auch, bei Steinberg auch …

        • Schallweller

          deren Treiber ist mir das erste mal bei Reloop Controllern aufgefallen. Hab sie auch schon bei einigen anderen gesehen. Bild mir ein, dass die speziell ASIO machen, aber wills jetzt nicht beschwören. Irgendwie machen die wohl Treiber für alle. Gugg mal hier http://www.usb-audio.com/

  • Detlef Stapel

    Das Ding heißt Monitor Controller, weil es bene auch Standalone (ohne Computer) die angeschlossenen Quellen auf die Monitore / den Kopfhörer ausgeben kann und weil das Design das Monitoring recht gut unterstützt – versuch doch mal bei nem Fireface UCX oder ähnlichen eine Blindbedienung :-(! Ich habe den Crimson und benutze ihn unter anderem auch als Vorverstärker im für mein LD Dave 8 XS – ichn kann mich den Erfahrungen hier nur anschließen