Hardware-FM-Synthesizer-Übersicht – den richtigen finden
Alles zu FM-Synthesizern und aktuelle Beispiele
Lange gab es nur „ältere“ FM-Synthesizer. Inzwischen hat es aber eine Art Renaissance gegeben. Diese bietet heute sogar eine größere Auswahl als zur Hochzeit in den Achtzigern bis Neunzigern. Die Modelle unterscheiden sich deutlich in Idee und Zielgruppe. Daher soll dies helfen, den richtigen zu finden.
In dieser Übersicht geht es nicht nur um die reine Listung von FM-Synthesizern. Die bekämst du auch über eine KI-Suche schnell angezeigt. Aber welcher ist wirklich passend für dich?
Der richtige FM-Synthesizer – Übersicht
FM-Synthesizer: Vorauswahl
Der wichtigste Unterschied bei der Auswahl der FM-Synthesizer ist zunächst die Anzahl der Operatoren, ihre Flexibilität sowie die Komplexität der Hüllkurven, denn sie formen am Ende den Klangverlauf. Was in der Werbung der Firmen oft fehlt, sind versteckte Hintergrundinformationen zu zwei wichtigen Kriterien: Wie intuitiv ist die Bedienung, wie gut kommt man als einigermaßen erfahrener Synthesekenner zurecht, wie weit als Einsteiger und wie viel weiter kommt man als echter Experte. Letztere nutzen die Funktion „Fixed Frequency“ häufiger und benötigen dafür Daten, die man sich erst erarbeiten muss.
Außerdem interessiert dann die genaue Einstellung niedriger Frequenzen bis tatsächlich 0 Hz in Nachkommaschritten, etwa als LFO. Dazu kommen Fragen, ob es mehrere Feedback-Operatoren gibt, womöglich mit eigenem Routing, und mehr. Noch weiter geht es mit der Zuweisung der Operator-Verschaltung (Algorithmus) und allem, was über die reine FM-Idee hinausgeht, etwa das Umstellen der Operatoren auf andere Betriebsarten als FM (Ringmodulation, AM, Waveshaping). Wer dazu noch viele und sinnvolle Wellenformen sucht, ist klar in der Experten-Abteilung zu Hause.
Wer nur intuitiv basteln will, braucht diese Optionen nicht immer. Einsteiger hoffen eher auf Filter für die grobe Bearbeitung und vielleicht auf eine kluge Easy-Edit-Steuerung. Letzteres haben leider die meisten Geräte kaum oder gar nicht. Die aktuellen Lösungen müssen oft von Experten gebaut werden und überfordern Einsteiger schnell. So hält sich das Gerücht vom „Komplizierten“. Dabei ist FM eigentlich einfach.

Analoge FM?
Auch wenn es FM-Synthesizer mit mindestens zwei Oszillatoren in der analogen Welt gibt, etwa im neuen Frap Tools Magnolia oder im Moog Muse. Ersterer glänzt mit echter „Thru-Zero-FM“, der andere mit einer Vielzahl an audioschnellen Modulatoren. Auch günstigere Analoge können durchaus FM-Fähigkeiten aufweisen, etwa der Oberheim TEO-5. Das liegt jedoch stets deutlich unter dem, was digitale, spezialisierte FM-Synthesizer anbieten, zumal sie nicht für jeden Oszillator eigene Lautstärke-Hüllkurven bereitstellen.
Dennoch sind analoge FM-Synthesizer sehr reizvoll und „voller im Klang“. Sie rangieren damit gewissermaßen außer Konkurrenz, da sie ganz anderen technischen Möglichkeiten folgen. Grundsätzlich gibt es als Alternative auch Eurorack-Module.

Dieser Bericht kann nur die wichtigsten Dinge nennen. Es gibt eine Reihe von Details, die dies schnell zu Buchform mutieren ließe. Die Unterscheidung zwischen „echter FM“, Phasenmodulation und Ähnlichem würde ebenfalls den Rahmen sprengen. Einige Angebote bieten beides an (Iridium). Starten wir mit den einfachen FM-Synthesizern:
Einfache Gesellen: 4-OP-Synths
Aktuell sind der Elektron Digitone 2 und der Yamaha Reface DX als einfache FM-Synthesizer zu nennen. Elektron nutzt zwar vier Operatoren, setzt diese aber mit einer einsteigerfreundlichen Umsetzung stark vereinfacht um. Das gilt auch für die Anzahl und Komplexität der Hüllkurven. Die Operatoren sind entweder paarweise organisiert, auch der vierte Operator ist vereinfacht umgesetzt.
Für eine Groovebox ist das sehr schnell zugänglich und für Einsteiger ein Versuch eines einfacheren Zugangs. Gerade für den neugierigen Einsteiger ist das interessant. Er ist allerdings nicht die günstigste Option, da es sich um eine aufwendige 16-Spur-Groovebox handelt und zugleich um einen hervorragenden Haupt-Sequencer für ein komplexes Liveset.
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Der Reface DX ist zwar ebenfalls mit vier Operatoren ausgestattet, bietet dafür aber eine vollständige Synthese, achtstufige Hüllkurven und einen guten Klangdruck. Ein guter Allrounder für wenig Geld. Durch sein kompaktes Format ist er gut transportabel und auch für kleine Bühnen und Proberäume interessant. Zusammen mit dem DTronics Programmer ist er der zugänglichste FM-Synthesizer.
Auch er ist aufgrund seiner Zugänglichkeit und der geringen Kosten eine gute Wahl für Einsteiger. Klänge lassen sich über eine App extern speichern. Zwar stehen nur 32 Speicherplätze zur Verfügung, diese lassen sich jedoch per USB schnell über Handy oder iPad nachladen.
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Extrem gut zu bedienen und für Einsteiger geeignet sind die Angebote von Twisted Electrons, die auf vereinfachte 4-Operator-Engines setzen. Da beide die ersten Yamaha-Chips verwenden, fehlen gegenüber heutigen Alternativen einige Details, etwa deutlich verstimmbare Operator-Detune-Frequenzen. Entsprechend sind sie eher für Chiptune-Sounds gedacht. Namentlich sind das der MegaFM und der TWISTfm.
Beide folgen einer eigenen Idee aus der Gamer-Ecke mit entsprechendem Charakter, da dort OPL3– und andere Chips zum Einsatz kommen. Nicht DX-21 oder DX-11 und Verwandte (DX27, DX100, DX9, FB-01 etc.) stehen Pate, sondern eher Mega Drive und ähnliche Systeme.
Der Spaßfaktor ist durch die aufwendig eingebauten Fader und Knöpfe vorbildlich. Dadurch sind die Geräte sehr zugänglich, um die FM-Synthese kennenzulernen. Spezialisten mit HiFi-Anspruch greifen bei den kleinen Angeboten eher zum Reface, da durch die alten Chips einige Sound-Typen nicht erreichbar sind.
Auch die komplexeren Hüllkurven führen Experten recht bald mindestens zum Reface DX mit Programmer als intuitive Oberfläche.
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Der FM-Charakter-Synthesizer
Mit analogem Filter, nerdiger Umgebung und sehr gutem Klang ist der Jomox Mod FM bzw. Mod FM D als Modul und Desktop erhältlich. Er überzeugt durch eine technisch aufwendige analoge Einbindung des Filters und eine britzelige, aber nerdfeste FM-Synthese mit vier Operatoren. Zwei Displays führen durch die FM-Struktur. Die Bedienung ist insgesamt als gut zu bezeichnen.
Er ist sicher der speziellste, aber auch charaktervollste unter den Exoten der FM-Welt. Zudem wird er in seinem Gesamtsound oft unterschätzt. Seine Matrix-Bedienung ist durchaus intuitiver als bei manch anderem Gerät. Außerdem ist auch er multitimbral.
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Expertenkampf – der beste FM-Synthesizer
Die größeren Synthese-Schiffe kommen von Kodamo, Korg, Yamaha, Waldorf und neuerdings auch von ASM. Auch wenn Yamaha die FM-Synthese eingeführt und lange dominiert hat, sind andere Hersteller heute ernst zu nehmende Konkurrenz – mit sehr unterschiedlichen Ansätzen.
Sieger nach Operatoren-Anzahl ist Yamaha selbst mit dem Montage M. Er bietet pure FM mit mehreren Wellenformen und komplexen Hüllkurven. Das Bedienkonzept mit zwei Displays ist clever umgesetzt und richtet sich klar an Experten. Zusätzlich kann er Samples parallel abspielen. Diese sind zwar nicht Teil der FM-Struktur, können aber im Alltag entscheidend sein, wenn reine FM nicht ausreicht.
Ein Nachteil ist die Bauform: Es gibt ihn nur als großes Keyboard. Desktop- oder Rack-Versionen der Montage-Serie existieren nicht und scheinen auch nicht geplant zu sein. Wer ihn nutzt, braucht Platz. Abgesehen vom Kodamo bietet er keine weiteren Synthese-Alternativen wie AM oder Ringmodulation innerhalb der Operatoren. Dafür gibt es zahlreiche aufwendige Modulationseinheiten. Ganz allein steht er damit allerdings nicht. Die 88-Tasten-Versionen verfügen über Poly-Pressure, was der Synthese deutlich mehr Ausdruck verleiht – sie reagiert extrem dynamisch.

Ein kompakter und sehr vielseitiger FM-Synthesizer ist der KORG opsix mit sechs Operatoren. Er besitzt eine eigene Matrix für individuelle Algorithmen, die pro Patch gespeichert werden. Die Operatoren haben je nach Betriebsart zusätzliche Parameter wie Shaping, PWM und mehr. Zudem bieten sie eine sympathische Auswahl an Alternativen zur FM, darunter sogar Filter-FM, bei der Filter mit Resonanz als Ersatz genutzt werden. Um den FM-Teil herum gibt es eine vollständige VA-Synthese, und jeder Parameter jedes Operators ist modulierbar.
Durch Fader und Potis bietet er eine teils intuitive Methode zur Grundeinstellung von Frequenzen, Levels und Wellenformen. Es gibt eine Keyboard-Version, die der kraftvollen Synthese jedoch wenig hilft, da Aftertouch oder Poly-Pressure fehlen. Daher ist die Desktop-Version die bessere Wahl. Ein Nachteil ist die Nutzung von ADSR-Hüllkurven. Wäre das anders, wäre er wohl der Platzhirsch für Sound-Nerds. Auch Einsteiger können mit nur einem oder zwei Operatoren viel Synthese herausholen und bei Bedarf sogar MS-20-Filter und Ähnliches einsetzen.
Er ist damit interessant für alle, die ein vielseitiges Klanglabor suchen und noch nicht viel FM-Erfahrung haben. Es gibt eine gewisse Lernkurve, da die vielen Möglichkeiten verstanden werden wollen. Es macht aber Spaß. Zudem ist er der einzige, der auch als Software erhältlich ist.
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Er ist der härteste Konkurrent zum neuen ASM Leviasynth, der eine ähnliche Strategie verfolgt. Er bietet komplexere Hüllkurven, und an die Parameter kommt man einfacher heran. Zudem liefert er deutlich mehr Wellenformen (300), auch wenn das nicht zwangsläufig die „richtigen“ sein müssen. Auch hier gibt es eine Operatoren-Matrix, variable Operatorenmodi ähnlich Iridium/opsix und sogar ein Morphing zwischen Algorithmen.
Um den FM-Part herum ist ein vollständiger, aufwendiger VA-Teil aufgebaut, der bereits als sehr vielfältig gilt (ähnlich Hydrasynth). Die Tastatur ist Poly-Pressure-fähig, daher sind sowohl Desktop als auch explizit das Keyboardempfehlenswert. Langweilig wird er sicher nicht.
Die Wahl der 6-Operatoren-Maschinen ist am Ende eine Geschmacksfrage. Der opsix ist allerdings nur halb so teuer. Beide sind wahre Synthese-Schwergewichte und vermutlich eine der interessantesten FM-Hardware-Alternativen zum Montage, da sie weit über den Tellerrand hinausblicken. Aber es gibt noch einen …
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Der Waldorf Iridium ist ein sehr potenter Synthesizer, der FM als eine von fünf Klangmethoden in drei Oszillator-Slots nutzen kann. Damit bietet ein einzelner Klang faktisch drei komplette 6-Operatoren-FM-Synthesizer, die auch mit Wavetables arbeiten können und ein freies Routing erlauben. Seine Hüllkurven sind ebenfalls komplex und mit dem Leviasynth vergleichbar.
Die OP-Betriebsarten sind ebenfalls vielseitig und stellen damit eine echte Alternative zu den beiden zuvor genannten dar. Allerdings sind sie bei allen Geräten unterschiedlich umgesetzt, weshalb man streng genommen alle besitzen müsste. Zudem ist er wohl der feinjustierbarste bei Frequenzen von 0 Hz aufwärts und bietet alles, was man sich als FM-Superbrain wünschen kann. Die Bedienung ist bei FM allerdings eher menülastig. Man wünscht sich, dass im FM-Modus wenigstens eine Reihe dedizierter Regler vorhanden wäre.
Dadurch ist er möglicherweise weniger intuitiv als die beiden anderen, dafür aber extrem leistungsstark. Jede Engine kann mit Samples, Granular, VA und Wavetables kombiniert werden. Damit wird er funktionell sogar für den Montage M gefährlich. Es gibt Unterschiede im Handling und in den Details. Er bietet eine einfache Schnellzugriffsoberfläche, die man selbst konfigurieren kann. Fünf frei belegbare Knöpfe lassen sich über eine eigene kleine Verschaltungsmatrixdefinieren. Das bietet so kein anderer. Er ist der „vollständigste“ unter den FM-Synthesizern.
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Außer Montage M und Essence-FM (der vollständig multitimbral ist) liefern alle genannten Synths nicht mehr als Bitimbralität. Hier punkten Yamaha und Kodamo deutlich. Allerdings reicht eine einzelne FM-Engine pro Stimme mehr als aus, um hochkomplexe Sounds zu bauen.
Durch geschickte Aufbereitung lassen sich im Iridium mit den zwei weiteren Oszillatoren sehr aufwendige Splits und Schichtungen realisieren, die an den legendären TX816 heranreichen. Die zwei Operatoren, die dem Montage mit seinen 8 OPs zusätzlich zur Verfügung stehen, lassen sich so funktional gut ausgleichen.

FM-Stimmenwunder
Da Kodamo noch immer kein extrem bekannter Hersteller ist, nimmt er in dieser Reihe einen Sonderstatus ein. Er ist bei den Operatorenfunktionen nicht so vielfältig wie die drei genannten Geräte. Dafür bietet er eine On-Screen-Routing-Bedienung. Man sieht die Struktur direkt und kann bei den Wellenformen weitreichende Eigenkonstruktionen erschaffen. Sechs Operatoren sind Standard.
Der Essence-FM hat mehr Stimmen als alle anderen, nämlich 300, und liefert zusammen mit dem Montage eine 16-fache Multitimbralität. Der Essence-FM Mk2 ist definitiv der geheimste Tipp unter den FM-Synthesizern. Als Rackgerät ist er zudem kompakt.
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Günstige FM-Synthesizer
Etwas hakelig in der Bedienung sind die günstigeren Angebote wie der volca FM. Man kann ihn zwar direkt am Gerät bedienen, Spaß macht das aber nicht. Schnellzugriffe über wenige Bedienelemente sind hier ein Kompromiss. Die Sounds baut man besser in einem Editor wie Dexed und exportiert sie anschließend auf das Gerät.
Ähnlich funktioniert der achtfache DX-7 im Miniformat von Dtronics, nämlich der DT-DX. Dieser hat jedoch acht komplette DX-7 in seinem Inneren.
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Ihm fehlt aktuell der Programmer, der für den DX-7 ebenfalls von Dtronics stammt und derzeit ausverkauft ist. Damit wäre die Bedienung sogar intuitiv. Sicherlich wird kaum jemand einen großen DX-Programmer auf eine Bühne stellen wollen.
Die Idee hinter diesem Angebot orientiert sich jedoch klar am MiniDexed und am historischen TX816, in dem acht TF-1-Module (je ein DX-7) Platz hatten. Die passende Bedienung haben bislang nur spezialisierte Anbieter wirklich im Blick.
Hier eine super Umsetzung für mehrere FM-Instanzen und Programmer in einem Gerät:
Einige Workstations wie die Kurzweils, etwa PC-4, K2061, K2700 (…), aber auch einige eher seltsame Keyboards, zum Beispiel von M-VAVE, haben einen „DX-7“ ohne direkten Zugriff eingebaut. Dieser ist meist nur für den Import von DX-Patches vorgesehen. Es wurde sogar ein Piano vorgestellt, das genau dieses Konzept bietet.
Gegenüber Kurzweil ist das eher eine Art Presetschleuder mit nahezu keinen Bedienelementen. Außerdem gibt es DX-7-ähnliche Angebote im KORG Kronos und Nautilus, die faktisch einem normalen DX-7 entsprechen. Sie besitzen komplexe Hüllkurven und sind durchaus brauchbar, wenn auch nicht auf dem Niveau der oben genannten Spezialisten.
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Der kleine PreenFM ist eine günstige Alternative, ebenfalls mit DX-7 ähnlicher Struktur. Er ist ein ernstzunehmender Synth aus der DIY-Szene.
Außer dem einen oder anderen FM-Synthesizer-Exoten gibt es auch einige DIY-Projekte. An Software existieren ebenfalls reichhaltige Alternativen.
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