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Laptopverbot in der DJ-Kanzel?  ·  Quelle: Fotolia/esatphotography

Immer wieder mal kocht das Thema zwischen CDJ-, Vinyl- und Laptop-DJs hoch und in der letzten Woche schlug eine Story wie die Bombe in der Szene ein, nämlich dass der DJ und Producer Kenny Summit, Besitzer des Cure and the Cause Club in Los Angeles, keine Laptops mehr in der DJ-Kanzel duldet. Rechner-Verbot im digitalen DJ-Zeitalter, das klingt schon einigermaßen seltsam? Hier das offizielle Statement:

No more laptops in the DJ booth: Unless you’re using it to control VINYL to do a turntablist type of set, à la Jazzy Jeff type shit, or if you’re doing a LIVE thing where you’re actually programming shit on the fly. Keep your controller in your crib, dont come to work with training wheels.

Learn the tools of the trade already. Pioneer isn’t going anywhere any time soon, they ARE the industry standard, so brush up on how to use the CDJs already, get Rekordbox (its FREE) and buy a good USB stick for $40 that will store THOUSANDS of hours of music on it. We opened this place to showcase talent. So, show us your talent.

In einem Interview mit Magnetic Magazine findet Kenny Summit deutliche Worte und erläutert, warum es dazu kam.

Im Cure and the Cause, so Summit, gibt es vier House-Abende die Woche, also einen Haufen DJs, die dort auflegen, darunter der obligatorische große Headliner und diverse Warm-up-DJs, die seiner Aussage nach oftmals mit einem Laptop und Controller auflaufen, allerdings keine Ahnung vom installierten Pioneer-System haben und wie man sich dort korrekt einstöpselt. Man gebe zwar den Promotern die Möglichkeit, ihre eigenen DJs mitzubringen und verstehe, dass gerade junge DJs sich die Zähne ausbeißen müssen, aber Mitternacht sei nun einmal nicht der richtige Zeitpunkt, den Mixer auszuschalten, alles herauszuziehen und zu raten, wo denn Traktor anzuschließen wäre. Ferner erscheine es ihm, als wäre DJing heutzutage ein Hobby, das jede und jeder ausübt.

Im Gespräch geht er noch ausführlicher auf seinen Club und sein Label ein, philosophiert über House, die Kunst des Mixens, Real-DJing und alte Haudegen wie David Mancuso, Nicky Siano, Danny Tenaglia, Danny Krivit, Tony Humphries, Frankie Knuckles und David Morales, aber ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen, kann das hier in aller Ausführlichkeit nachlesen, sondern auf die Essenz und die bedeutet quasi: Kauf echte Platten oder Pioneer CDJs mit Rekordbox-Stick und lass den Rechner zu Hause, wenn du kein Profi bist und nichts über Equipment weißt. Er räumt allerdings ein, dass erfahrene DJs wie Louie Vega auch mit einem Commodore 64 kommen könnten. Es ginge  – frei übersetzt – mehr um die „Idioten“, die keinen Plan davon haben.

„We’re banning the idiots that don’t know how to use them.“

Harte Worte, die sicher nicht jedem schmecken. Klar, keiner hat Bock auf Kabelgewirr mit resultierender Stille zur Primetime und Pioneer stellt nunmal den „Club-Standard“ und das wird sich vorläufig auch nicht ändern. Vielmehr haben sie in den letzten Jahren mit ihren Controllern auch einen Ansturm auf das Hobbysegment hingelegt, geheckspoilert durch die Software-Rekordbox,  die zu den Club-Playern ja kompatibel ist. Also raus aus der Kanzel mit dem Rechner und rein mit dem USB-Stick? Die Diskussion ist in vollem Gange:

Richie Hawtin kommentiert auf Twitter: „Most ridiculous rule ever! Stifling creativity by limiting an artists own personal approach is a step backwards.“

Seth Troxler fügt hinzu: “I have to say I like it rich too many kids out there who actually don’t know how to beat match. The hard I call it. The hard part is beat matching. Even a lot of guys in our class. If the sync is on your an entertainer, not a dj.“

Cheatmixing hin, CDJs her, das Verbot scheint aber ebenso gut, betrachtet man, wie stark der Markt von Controllern jeglicher Art dominiert wird und wie viele Controller-Routines auf youTube von Endorsern und den Herstellern präsentiert werden, am Puls der Zeit vorbei zu gehen. Dennoch ist es natürlich komfortabel, nur mit einem Stick zum Set zu gehen und Laptop-ähnlich auflegen zu können. Und nicht wenige Top-DJs setzen auf eben diesen Komfort.

Wie denkt ihr darüber? Hat Kenny recht? Hat er einen Stein ins Rollen gebracht und eine Politik, die Schule machen wird? Oder sollten sich alle Newbies fortan sicherheitshalber schon im voraus mit einem 6000 Euro CDJ/DJM-Mixer-Setup bewaffnen müssen (früher hieß das: „Wie, du hast keine Technics?“), um ernst genommen zu werden?

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So ein Unsinn, stimmt ja shcon dass gerade jeder DJ ist aber vom Publikum hat doch eh keiner ne Ahnung (geschweige denn Interesse) was genau passiert solange die Kick 4ttf durchbollert. Ich realisiere mit Traktor und Sync an Dinge die ansonsten einfach nicht möglich sind,zum Beispiel mit Loops aus alten, gesampleten Vinyl aus 4 Decks und Ableton parallel, wenn ich da den Sync ausmache bin ich ja quasi nur noch mit dem manuell syncen beschäftigt.

Andreas Weise
Gast
Andreas Weise

Da sieht man mal, wie die Zeit sich weiter dreht: Früher wurden CD-DJ’s belächelt, weil ja ein echter DJ unbedingt Vinyle haben soll, jetzt gibt’s viele Neuheiten nicht mehr auf Vinyl, und jetzt ziehen die CDJ über die Laptop-Leute her.
Ob nun manuell, automatisch oder gar nicht gebeatmatcht wird, ist doch egal, solange das Publikum abgeht. Das DJ-ing ist im Übrigen älter als der Pitchregler.