Geschätzte Lesezeit: 3 Minuten

 ·  Quelle: Diezel / Kemper

Stell dir vor, du kaufst einen Amp und er ist unbrauchbar, weil er zuvor kopiert wurde. Das ist zwar nur eine düstere Phantasie eines Forumbesuchers, wäre aber mit der neuen Entwicklung von Diezel nicht unmöglich. Der neue Diezel VHX hat einen Mechanismus an Bord, der erkennt, dass er von einem Kemper Profiler „kopiert“ wurde. Könnte das der Anfang vom Ende des Profilers sein?

Diezel vs. Kemper

Um gleich mit der Tür ins Haus zu fallen: Laut Gründer und Namensgeber Peter Diezel soll diese Funktion im VHX niemanden davon abhalten, den Amp als Profile in seinem Kemper zu nutzen. In einem Telefonat mit Gearnews erzählte er, dass diese Funktion nicht dazu genutzt wird, den Profiling-Prozess zu unterberechen oder zu stören, sondern es dient nur dazu, die Profiling-Prozesse zu zählen. Die Firma fühlt sich nicht von Kemper betrogen und der Unterschied vom Profile zum Original-Diezel soll sich für Musiker bemerkbar machen.

Für Kemper-User ist es leicht, einen Amp bis ins kleinste Detail zu „kopieren“, so sehr, dass im Blindtest vermutlich kaum jemandem ein Unterschied zwischen Original und Profile auffallen wird. Kritiker der Technologie behaupten, dass die Profile leblos sind und nie ans Original reichen. Was die Profi-Bands wie wohl sagen, die damit ihre Backline ersetzt haben und vermutlich identisch klingen?

Diezel VHX Vollroehre Verstärker DSP UAD Front

Diezel VHX

Kopierschutz

Der Punkt ist aber, dass durch diese Möglichkeit Verstärker gekauft werden, ein Profile erstellt wird und sie dann anschließend wieder als Retoure in den Handel zurückkehren. Und hier setzt die Technik ein, die nicht mehr als eine Art Logbuch ist, dass dieses spezielle Topteil mal „kopiert“ wurde.

Doch warum gibt es diese Technik, wenn sie doch nichts tut, außer bei Gelegenheit mal +1 zu zählen?

Ich kann mir vorstellen, dass diese typische Tonfolge künftig auch mit dieser Technik unterbunden werden soll/kann. Etwa dass die Töne verändert werden und so die Profile nicht 1:1 den Amp abbilden und man nur mit dem Original zum Originalsound kommt. Quasi der erste Prototyp eines Kopierschutzes in Verstärkern.

Spannend. Und auch gruselig – aus der Sicht eines Amp-Herstellers, der seine Amps da draußen hört, dafür aber kein Geld bekommt, irgendwie verständlich. Hätte ich als Entwickler auch keine Lust, mit meiner jahrelangen Arbeit kein Geld zu verdienen, weil jemand sich eine Kopie zieht und dann das Geld zurück verlangt. Bei Software würde das vermutlich als Raubkopie geahndet werden.

Kemper_Profiler_Bass_web

Futuristische Optik – ist Modeling die Zukunft für Bassisten?

Ohne das aktuelle Wirtschaftssystem wäre es in einer perfekten Welt vermutlich kein Problem. Solange wir alle noch mit Lohnarbeit Geld verdienen (müssen), ist dieser Schritt für mich in etwa wie eine Machbarkeitsstudie und ich denke, dass künftig weitere Hersteller ähnliche Systeme entwickeln werden, um Profiling zu unterbinden.

Deine Meinung

Was denkst du? Ist diese Entwicklung gerechtfertigt oder gar wichtig, um (geistiges) Eigentum oder den Sound der eigenen Kreationen zu schützen? Oder sollte jeder alles kopieren dürfen und dem ursprünglichen Entwickler dafür kein Geld zahlen?

Wir freuen uns über dein Kommentar!

Mehr Infos

Video

15 Antworten zu “Diezel entwickelt Kopierschutz-Prototyp gegen Kemper”

  1. Ich finde es einfahc nur kackendreist, Amps zu kopieren und zurückzusenden. So gut Kemper ist, so ungern mag ich die Attitüde einiger Spieler. KEmper sollte die Profilingfunktion abschalten und nur vom Hersteller zugelassene Profile bereitstellen – und dem HErsteller dafür Geld zahlen, wie es bei der GEMA auch ist.

  2. Anders als bei „niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten“ kann man hier ja als Käufer etwas unternehmen: nicht kaufen. Gibt ja genug anderes Zeug, bei dem der Zuschauer bei einem Auftritt keinen Unterschied hört.

  3. Robert G. sagt:

    Die Profiling-Technologie ist schon irgendwie cool. Kemper ist zwar für die „Raubkopien“ der Nutzer nicht verantwortlich, ermöglicht diese aber auf nie zuvor da gewesene Weise.

    Die Profile sind ja nur Snapshots der aktuellen Einstellung und Signalkette.

    Kemper sollte mit den Herstellern zusammenarbeiten und „Dynamic/Real“-Profiles erstellen. Wo alle Potis und Schalter nachgebildet werden. Sowas können dann nur die Hersteller machen und verkaufen.

    Die Kemper-Zahnpasta bekommt man jedenfalls nicht mehr zurück in die Tube.

  4. amos omb sagt:

    Erst werden die digitalen Geräte belächelt, weil sie ja niemals so klingen wie echt. Nun haben die Hersteller plötzlich Angst um „ihren“ Klang? Ich finde das sehr übertrieben. Gitarristen die auf ihren Verstärker schwören werden weiterhin dort Kunde bleiben. Und einen Verstärker vernünftig in den Kemper zu bekommen macht man ja auch nicht mal eben so im Übungsraum. Und um eine schlechte Kopie zu erstellen würde ich mir mit Sicherheit nicht das hin und her geschicke eines Verstärkers antun. Und letztendlich steht kein, was auch immer für ein Verstärker da. Und ich garantiere euch keiner hört dann was genau für ein Verstärker das denn nun ist der aus dem Kemper tönt.

  5. Ich sehe die Problematik und einen Amp kopieren und dann wieder zurückschicken ist ne miese Sache. Aber vielleicht wäre die fairste Lösung der umgekehrte Weg. Diezel könnte diese Technologie doch so bauen, dass man den Amp für das Profiling „freischalten“ kann. Wenn das einmal aktiviert ist, muss sich der Käufer halt darüber im klaren sein, dass das Rückgaberecht damit erlischt.

  6. Ich finde so ein Verhalten (klonen und zurück schicken) auch dreist und unverschämt. Die grundsätzliche Kemper-Idee ist ja an sich gut (auch wenn ich persönlich kein Kemper-Fan bin), allerdings anscheinend rechtlich fragwürdig. Solange man seinen eigenen Amp-Park klont, halte ich das für vertretbar. Aber wer hat schon einige teure Amps im Besitz und zusätzlich einen Kemper und benutzt dann nur diesen mit seinen geklonten Amps? Das macht sicherlich kaum ein Kemper-User. Letztendlich finde ich die Entwicklung eines „Kopierschutzes“ verständlich und absolut gerechtfertigt. Man kann halt für lau Mal eben den Sound eines 3000€+ Verstärkers absaugen; als Hersteller würde mich das auch extrem stören. Rechtlich scheint sowas nicht geregelt zu sein, mit einem technischen Nachweis kann man sich als Hersteller sicher besser wehren. Aus meiner Sicht (wie bereits gesagt) finde ich das gut; die Zukunft sollte nicht dem Modelling gehören. Ein guter Vollröhrenverstärker ist auch oder gerade von der Spieldynamik um klassen besser als ein Modeller. Auch wenn man den Unterschied beim Kemper Profil nicht oder zumindest kaum hören kann. Ich würde ein geklontes Profil von einem Amp, der einem nicht gehört, mit einer Raubkopie gleichsetzen. Rechtlich sollte man das ahnden können.

    • claudius sagt:

      Bist du Jurist und kannst das sicher sagen? Elektronische Schaltkreise sind AFAIK nicht rechtlich absicherbar und können mit minimalsten Änderungen kopiert werden – deswegen gibt es tausend Tube Screamer (und den TS statt dem SD-1 überhaupt).

  7. Oliver sagt:

    Digitale Amps sind die Zukunft. Das sollten ALLE einsehen.

    Man kann nicht erwarten dass man heute ohne entscheidende Innovationen mit einer Tätigkeit/ einem Produkt dauerhaft Geld verdient. Ein Hammer ist ein Hammer aber wenn er sich leichter schwingen lässt dann kaufe ich wahrscheinlich diesen.

    Für Recording Studios und ambitionierte Bands ist es aus Platzgründen oft einfach gar nicht möglich sich alle Amps hinzustellen. Des weiteren ist das ständige hin und her räumen auch nicht praktikabel.

    Was ich allerdings vorschlage ist gemeinsam die Zukunft der Amps zu gestalten Hier kann Kemper auf die Hersteller zugehen und eine Platform anbieten auf der offizielle Profile vertrieben werden können die in Zusammenarbeit mit Kemper hergestellt wurden.

    • claudius sagt:

      Ist die Frage, ob man als ambitionierte Band oder Projektstudio ein Anrecht auf die Vielfalt hat, obwohl man sich das Orginal nicht leisten könnte. Eine gemeinsame Lösung wäre sinnvoll.

  8. bob sagt:

    „Wer braucht den die Kemper-Kiste wenn man echte Amps spielen kann.“

    Weil man wesentlich diverser aufgestellt ist, sich Unmengen an Platz und Schlepperei spart etc. etc. die Liste ist lange.
    Man kann extrem easy damit touren, super einfach re-ampen, extrem einfach signalketten bearbeiten und das sind nur einige Beispiele…

  9. bob sagt:

    Und wenn der Sound nicht mit dem echten AMP vergleichbar wäre, wundert es mich, dass namenhafte Profis und Gitarristen den unterschied nicht erkennen.

  10. claudius sagt:

    Nein. Bisher stört sich auch kein anderer User dran und es erspart vielen diese „Ich auch“ Kommentare. Es ist ja auch kein Forum, sondern eine Kommentarfunktion zum Artikel. Dennoch nehmen wir die Kritik gern auf und sollten sich noch signifikant mehr kritisch dazu äußern, suchen wir eine Lösung.
    Du sagst es ja selbst, es ist ein Meinungsaustausch, dazu gehört eben auch, dass jemand nicht der Meinung ist udn gibt eben einen Daumen runter – oder ein Minus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.