Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten
DAW Vergleich Titelbild Wegweiser Wüste

Welche ist die beste DAW?  ·  Quelle: Flypaper

Ableton Live, Apple Logic Pro oder Garage Band, Cockos Reaper, Avid Pro Tools, Steinberg Cubase oder Presonus Studio One. Eins haben alle gemeinsam: Es sind DAWs und damit Werkzeuge für Musiker und „Tonschaffende“ (fast) aller Gattungen. Aber welche ist die Beste?

Alle (anderen) DAWs sind mies – meint Social Media

Wenn du auf der Suche nach einer (neuen) DAW bist, dann bekommst du schnell den Eindruck, alle sind schlecht, instabil, verbuggt, haben schlechten Support, Kompatibilität zu Plug-in XYZ ist nicht vorhanden oder es fehlen einfach essentielle Funktionen. DAW X hat diese aber natürlich.

Realitätscheck

Schaut man dann aber mal genauer hin, dann wird das Eis der Argumentation ganz schnell dünn. Entweder braucht man ein bestimmtes Feature nicht oder es stimmt schlicht nicht, weil es vom Hörensagen nachgeplappert wird. Aber so ist das in den „sozialen“ Medien aka. Facebook, Twitter, WhatsApp Gruppen oder Fachforen. Jeder liegt in seinem Graben und muss seine DAW bis aufs Blut verteidigen. Das kennt ihr sicher auch von anderen Bereichen: XBox vs. Playstation, AMD vs. Intel, macOS vs. Windows, 32 va. 64 Bit, iOS vs. Android, Apple vs. Samsung, Opel vs. VW, PUBG vs. Fortnite und so weiter. Die Liste scheint endlos. Hier wird eben um die Liblings-DAW gefochten.

Dann kommt die Ernüchterung: Nimmt man nur das Programm und Summiert ohne Effekte oder Plug-ins des selben Formats (z.B. VST), dann wird schnell klar, „Klingt besser“ gibt es nicht. Alles andere ist mehr oder weniger gleich. Mit allen kann man Aufnehmen, Komponieren, Mischen, Editieren und mehr oder weniger gut Mastern. Hier und da gibt es aber tatsächlich Unterschiede.

Die Unterschiede der DAWs

Am Ende des Tages zählt aber nur:

  • „Wie kommt der Nutzer damit klar?“
  • „Bietet es vom Umfang und der Flexibilität das, was der User sich wünscht?“

Und hier vergessen viele bei meist anonymen Diskussionen aus dem stillen Kämmerlein: Es ist immer verdammt subjektiv.

Nicht jeder braucht tiefgehende MIDI-Features, sondern beispielsweise eher den Audiobereich. Andere wollen viele virtuelle Synthesizer Plug-ins und ein rundum-sorglos-Paket im Lieferumfang. Manche können/wollen nichts zahlen. Einige wollen vielleicht alles in einer DAW an sich anpassen können, die anderen brauchen klar vorgegebene Wege. Jemand legt Wert auf eine glatte, moderne Oberfläche, eine andere Person möchte möglichst altbackene bzw. funktionelle Grafik. Man kann sich nicht von seinen Plug-ins aus der Computersteinzeit trennen, weil es kein neues Äquivalent gibt und der Hersteller nicht mehr existent oder schlicht sackenfaul ist. Alles gute Gründe für eine Wahl.

Gute Nachrichten: Es gibt für jeden das Richtige. Vielleicht hier und da mit ein paar durchaus machbaren Kompromissen.

Apple Garage Band GUI

Garage Band

Garage Band

  • kostenlos für Mac-Käufer
  • einfache Bedienung
  • vergleichsweise großer Lieferumfang
  • schnelle Arbeitsweise, auch für Anfänger
  • stark limitiert
Apple Logic Pro X GUI

Logic X

Logic Pro

  • das „bessere“ Garage Band
  • noch größerer Lieferumfang
  • rund-um-sorglos Paket
  • Alchemy!
  • mit ca. 200 Euro vergleichsweise preiswert
  • übersichtliches und modernes Design
  • nicht so perfektes Audio-Editing
  • wenig anpassbar
  • keine Demoversion
  • langsame Reaktion auf Bugmeldungen
Ableton Live 9 GUI

Live 9

Live

  • gut für (elektronische) Live-Performance
  • individueller Ansatz
  • simples, aber nicht immer übersichtliches Design
  • gute MIDI + Hardware-Anbindung (Controller)
  • Audio Editing eher hinten dabei
  • Automation mit Maus „pain in the ass“
Cockos Reaper 5 GUI

Reaper 5

Reaper

  • preiswert (60 USD für 2 Major-Versionen)
  • 60 Tage Demo in vollem Umfang
  • extrem schnelle Reaktion auf Bugmeldungen
  • extrem individualisierbar
  • großer Featureumfang
  • wohl flexibelstes Routing von allen DAWs
  • lange Lernphase, daher kaum für Einsteiger geeignet
  • undurchsichtige Menüs
  • nicht immer moderne Optik
  • nur rudimentäre Effekt Plug-ins im Lieferumfang
Avid Pro Tools 12 GUI

Pro Tools 12

Pro Tools

  • quasi Industriestandard in Sachen Audio Editing
  • gute Hardware-Anbindung, auch an große Mischkonsolen
  • Cloud Arbeit wird immer mehr ausgebaut
  • gebunden an iLok Dongle / Cloud
  • in den höheren Versionen vergleichsweise teuer
  • Abo-Zahlsystem mit Monats- oder Jahreslizenzen – der letzte Stand bleibt dann bei euch erhalten
  • MIDI Umfang eher simpel im vergleich zu anderen DAWs, aber es wird nach und nach angeglichen
  • mit AAX ein proprietäres Plug-in Format
  • keine Ein-Fenster-Oberfläche
  • langsame Reaktion auf Bugmeldungen
Steinberg Cubase Pro 9 GUI

Cubase 9

Cubase Pro

  • rundum-sorglos-Paket
  • von Einsteiger bis Profi
  • beherrscht MIDI wie kein anderer
  • Quasi-Standard für Scoring und Komposition
  • Cloud Arbeit wird immer weiter ausgebaut
  • keine echten Nachteile bei den Features
  • nicht für alle Einsteiger logisch aufgebaut und handelbar
  • lange Lernphase
  • E-Licenser Dongle
  • vergleichsweise teuer, 0.5er Versionen kosten auch
  • Support laut Foren nicht gut (Achtung: Netzstimmen meckern lieber, als dass sie loben)
  • langsame Reaktion auf Bugmeldungen
Presonus Studio One 3 GUI

Studio One 3

Studio One

  • neuste DAW im Bunde
  • wächst merklich mit den Versionen
  • vergleichsweise preiswert
  • schnelle Reaktion auf Bugmeldungen
  • innovative Features (Mix-FX, Scratch Pad)
  • Mastering-Umgebung in Pro-Version vorhanden
  • Melodyne im Lieferumfang, inkl. ARA Anbindung
  • logische Bedienung
  • guter Plug-in Lieferumfang
  • Audio und MIDI Loops eher rudimentär und qualitativ hinter den anderen
  • Oberfläche kontrastarm und nicht für Jedermann

Andere DAWs

Das ist nur die Auswahl der populärsten DAWs und eine knappe Zusammenfassung der Features. Natürlich gibt es weit mehr DAWs – eben für jedes Einsatzgebiet eine passende. Oder einfach nur eine Alternative. Dann gibt es DAWs für Linux oder DAWs, die so speziell sind, dass man sie echt nur Nerds empfehlen kann.

Und meine Meinung?

Will die wirklich jemand hören? Ist mir egal. Ich schreibe ja schließlich und dann binde ich euch auch meine Meinung auf, wenns passt. ;)

Ich nutze eigentlich für alles Reaper. Das nutze ich seit Version 2 und habe es seit dem perfekt an mich angepasst. Vor allem aber kam ich darauf, weil ich selbst kein Geld für Pro Tools hatte, mit dem ich beruflich zu tun hatte, aber lange keine eigene Lizenz. Natürlich schaue ich berufsbedingt auch alle anderen DAWs an und entdecke immer wieder geniale Features, vor allem geht manches einfach schneller, einfacher oder besser – und denke an einen Wechsel. Am Ende sitze icha ber wieder vor Reaper und fühle mich zu Hause.

Eine Ausnahme gibt es aber: Komponieren. Dafür gibt es bei mir Logic Pro. Da ist alles an Plug-ins und Klangerzeugern dabei, was ich brauche. Vor allem Alchemy hat es mir angetan. Und der Drummer ist ziemlich einzigartig für eine DAW.

Wer sich in bestimmten Bereichen rumtreiben will, sollte bestimmte DAWs beherrschen. Alles mit Film (Dialog Editing, SFX, ADR, Foley und Co.) hat irgendwie (in Deutschland) mit Pro Tools oder Nuendo zu tun. Audio Recording steckt meist auch bei Pro Tools, Samplitude oder Cubase fest. Sound Design lässt weitgehend freie Hand, für Game Audio scheint Reaper mit seiner Scriptbarkeit und Anpassbarkeit ein gutes Händchen zu haben. Beim Radio und Fernsehen sieht man auch immer mal wieder Sequoia oder Nuendo. Aber auch eher seltene DAWs wie Ardour. Das entspricht zumindest meinen Erfahrungen.

Aber wie immer gilt: Alle anderen gibt es (fast) überall anders auch und erlaubt ist, was gefällt und passt. Diese Art von Listen sind nur eine Art Wegweiser für all jene, die einsteigen oder mal über den Tellerrand schauen wollen, aber keine Zeit/Lust für eine Demoversion haben. Wer auf eine DAW umsteigen will, kommt an einer ausführlichen Testphase gar nicht vorbei.

Video