Beatport verbietet ab sofort komplett KI-generierte Musik: Neues Erkennungstool im Einsatz
77 Prozent der User wollen laut Umfrage bevorzugt Musik von echten Menschen hören
Beatport verschärft sein Vorgehen gegen KI-generierte Musik. Der Dance-Music-Download-Store hat jetzt ein Erkennungstool von Beatdapp im Katalog implementiert, das komplett oder überwiegend KI-generierte Tracks bereits beim Upload aussortieren soll. Die Grundlinie der KI-Richtlinie der Firma stammt bereits aus dem Januar 2025, neu ist die technische Durchsetzung. Aber wie gut das Tool arbeiten wird, wird sich erst in den nächsten Monaten herausstellen.
Beatport KI-Verbot: Alle Infos zum neuen Beatdapp-Erkennungstool und den Umfrageergebnissen
Was das erweiterte Beatdapp-Tool konkret macht
Musik, die vollständig von KI erstellt wurde, wird künftig bereits beim Ingestion-Prozess zurückgehalten, Rechteinhaber werden dabei direkt benachrichtigt. Anders sieht es bei KI-unterstützter Musik aus: „Musik, die mit KI-Unterstützung entstanden ist, wird weiterhin akzeptiert, solange der fertige Track überwiegend menschengemacht bleibt“, heißt es auf der Beatport-Richtlinienseite. Solche Releases werden beim Import entsprechend getaggt, damit das Kurationsteam von Beatport bei der Sichtung genau weiß, womit es es zu tun hat.
Beatdapp war Beatport bereits zuvor als Partner für Streaming-Betrugserkennung bekannt, das neue KI-Erkennungstool erweitert diese bestehende Partnerschaft nun um die Musikidentifikation.
(Nur) 77 % wollen lieber Musik von echten Menschen
Laut Beatport spiegelt die Entscheidung direkt die Haltung der eigenen Community wider, von der ein großer Teil aus DJs besteht. Eine aktuelle Umfrage unter Beatport-Nutzern ergab, dass 60 Prozent keine KI-generierten Tracks in ihren Sets spielen würden, 77 Prozent gaben eine klare Präferenz für die Unterstützung menschlicher Creator an. Nur 8 Prozent zeigten sich offen dafür, KI-Musik überhaupt zu spielen, weitere 13 Prozent würden es in Erwägung ziehen, wenn Künstler und Labels dafür fair entschädigt würden. Naja, solche Menschen muss es wohl auch geben…
Beatport-CEO Matt Gralen begründet den Schritt so: „Beatport existiert, um DJs zu dienen und Künstler sowie Labels zu stärken. Das bedeutet, mit unserer Community zusammenzuarbeiten und Vertrauen in das zu schaffen, was unsere Plattform bietet. Neue Produktionstechniken haben elektronische Musik seit jeher vorangetrieben, aber es gibt einen Unterschied zwischen einem Werkzeug, das menschliches Schaffen unterstützt, und einem System, das es komplett ersetzt. Beatport baut auf ersterem auf.“
Beatdapp-Mitgründer und Co-CEO Andrew Batey ergänzt, die Musikindustrie habe neue Technologien schon immer angenommen, jetzt brauche es aber die passende Infrastruktur, um im Zeitalter generativer KI für Transparenz zu sorgen. Durch die Kombination aus KI-Musikerkennung und bestehender Betrugserkennung wolle man die Integrität der Plattform stärken und gleichzeitig menschliche Kreativität schützen.
Jay Ahern, Chief Strategy Officer der Association for Electronic Music (AFEM), fügte hinzu, dieser Ansatz decke sich mit den KI-Prinzipien des Verbands, menschliche Kreativität bleibe im Zentrum, während gleichzeitig anerkannt werde, dass nicht jede KI-Nutzung gleich sei. Menschliche Absicht und kreative Kontrolle müssten dabei Hand in Hand mit Einwilligung, Lizenzierung, Transparenz, Namensnennung und Vergütung gehen.
Einordnung: Beatport reagiert auf eine Flutwelle
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Erst im vergangenen Monat bestätigte der Pariser Streaming-Riese Deezer, dass rund 50 Prozent der täglichen Uploads auf der Plattform, umgerechnet etwa 90.000 Tracks, inzwischen KI-generiert sind. Anfang August kündigte Spotify an, KI-generierte Künstlerprofile künftig mit einem eigenen „AI Persona“-Badge zu kennzeichnen. Im Juni deckte eine Recherche des US-Magazins The Atlantic zudem auf, dass KI-Entwickler rund 21 Millionen urheberrechtlich geschützte Tracks zum Training ihrer generativen Modelle nutzen.
Fazit
Ein Verbot komplett KI-generierter Musik samt automatisiertem Erkennungstool ist gerade für eine DJ-fokussierte Plattform wie Beatport ein konsequenter und wichtiger Schritt, zumal die eigene Umfrage eine klare Mehrheit der Community hinter dieser Entscheidung zeigt. Ganz zuverlässig funktionieren wird das aber vermutlich noch eine Weile nicht.
KI-generierte Musik lässt sich zuverlässig erkennen, solange sie unverändert bleibt, wird sie aber nachbearbeitet, mit menschlichem Gesang überlagert, in andere Sounds eingebettet oder anderweitig verändert, wird die Erkennung deutlich schwieriger, ganz gleich wie ausgefeilt das Tool ist. Trotzdem ist die Richtung genau richtig: Transparenz und eine klare Haltung sind besser als gar keine Regeln, selbst wenn die technische Umsetzung noch nicht perfekt ist. Wie steht ihr dazu?
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