Step Sequencer 2026, aber modern! Synthesizer Journal
Neuansatz Step-Sequencer
Die klassischen Step Sequencer sind jene mit einer Reihe Potis oder Fader und einer einfachen, meist kurzen Abfolge von maximal 16 Steps. Für manche Aufgaben sind sie bis heute hervorragend geeignet. Gerade bei Modulationen und spontanen Live-Modular-Performances tragen sie nicht nur zum Ergebnis, sondern auch zum Spaßfaktor bei. Aber hat sich daran wirklich nichts geändert? Doch! Hier kommen einige neuere und klassische Alternativen, die das Konzept auf unterschiedliche Weise weiterdenken…
Step Sequencer: Potis neu erfunden
NoNo Major Tom: Polyrhythmischer Step Sequencer
Die klassischen Moog– und Roland-Sequencer der Siebziger wie der 960 oder 104 machten Spaß, weil sie einfach, offen und dadurch sehr spielfreudig waren. Ihre Stärken lagen in der direkten Wahl von Steplängen und der schnellen Auswahl einzelner Schritte. Der Moog 960 besaß direkte Taster sowie Ein- und Ausgänge für Sprünge, die sich gezielt anwählen oder auslösen ließen. Der 104 war dagegen ein treuer Helfer für schnelle Modulationen.
Das war gestern. Nachbauten und Nachfolger gab es reichlich, die eigentliche Entwicklung ging jedoch kaum weiter. Stattdessen dominieren heute komplexere Sequencer wie der Squarp Hermod+. Doch was passiert, wenn man für diese kurzen Stepper tatsächlich einen neuen Ansatz findet und ihnen frischen Schwung verleiht? Genau das hat NoNo mit dem Major Tom ziemlich überzeugend umgesetzt.
Seine Stärke liegt in der schnellen Erzeugung von Triolen, Ratchets und rhythmischen Variationen. Verschiedene Muster lassen sich über Drehschalter direkt anwählen, während die Shift-Potis den Groove im Microtiming verschieben. Der Major Tom bietet sechs CV- und Gate-Ausgänge, also sechs Spuren. Über die erweiterte Anordnung eines inneren und äußeren Kreises lassen sich Triolen sowie Patternlängen von 12 oder 24 Schritten realisieren.
Beim Korg SQ-10 führte ein ähnlicher Ansatz früher nicht immer zu den intuitivsten Ergebnissen, brachte aber neue Beats und Grooves hervor. Der Major Tom greift diese Idee auf und entwickelt sie weiter. Im Display lassen sich Ratchets direkt auswählen und unkompliziert in ein Pattern integrieren. Bei klassischen Sequencern erfordert das oft deutlich mehr Patch-Arbeit, hier gehört es einfach zum Konzept.
Natürlich lassen sich die Spieldaten auf MicroSD-Karten speichern und schnell variieren. Die Steplängen besitzen einen eigenen Wahlschalter, und insgesamt wirkt die Bedienung sowohl optisch als auch haptisch sehr durchdacht.
Durch diese Anordnung entsteht der namensgebende polyrhythmische Stolperbeat-Ansatz fast automatisch. Das macht den Major Tom besonders interessant für Live-Performer und Musiker, die Ideen direkt aufnehmen und ohne Umwege festhalten möchten. Normalerweise bin ich kein Freund extrem kurzer Patternlängen. Durch die Wahlschalter, die Performance-Möglichkeiten und den spielerischen Zugang wirkt der Major Tom jedoch überraschend modern. Gratulation. Günstig ist er nicht, aber definitiv einen Blick wert.
Das Desktop-Gerät inklusive CV-Expander kostet 1.299 Euro. Alternativ lässt sich der Major Tom natürlich auch als Modul nutzen.

Ab hier zeige ich zwei etwas vergessene Step Sequencer, die einer ähnlichen Idee folgen. Beide sind zwar längst bekannt, doch während dieser hier in vielen Racks zu finden ist, begegnet man dem nächsten deutlich seltener…
Metropolix vs. RYK M185: Warum diese Step Sequencer anders ticken
Du kennst sicher den Metropolis und den Metropolix von Intellijel. Das sind im Grunde genau die Sequencer-Typen für kurze Sequenzen, die von RYK erdacht wurden, um das klassische Poti-Konzept sinnvoll weiterzuentwickeln.

Die eigentliche Idee und Ursuppe in moderner Form steckt im RYK M185 Sequencer. Die großen Schiebeschalter stehen für verschiedene Funktionen wie Wiederholungen, Ratchets und weitere rhythmische Variationen.
Das kannst du dir hier ansehen und selbst beurteilen. Das ist der geistige Vater hinter Metropolis und Metropolix:
Die echte RYK M185 Ursuppe war ursprünglich für das Roland System 100M bestimmt und besaß auch dessen Formfaktor. Genau so wurde sie damals präsentiert.
Es war tatsächlich eine Wohltat, dass der klassische Step Sequencer damit nicht mehr so stumpf sein musste. Mit wenigen Handgriffen entstanden Variationen und Bewegungen, die weit über das hinausgingen, was man von den üblichen Reihen aus Potis und festen Steps kannte.
- Website von Ryk
Five12 Vector Mk2: Der Neo-Klassiker unter den Step Sequencern
Nicht so bekannt, wie er eigentlich sein könnte, ist der zwei Jahre alte Five12 Vector Mk2. Gegenüber der ersten Version bietet er einige Hardware-Updates, zusätzliche Buchsen und Taster. Dadurch ist er zu einem 64-Step-Sequencer geworden, der über einen schlankeren Expander für Patching verfügt und zusätzlich MIDI über USB bietet. Die neue Oberfläche wirkt etwas kompakter und bringt gleichzeitig zusätzliche Funktionen mit. Zahlreiche Pattern-Chain- und Performance-Taster ermöglichen zudem eine sehr direkte Arbeitsweise.
Prinzipiell bleibt er aber ein klassischer Step Sequencer, wie man ihn kennt. Die Bedienung wirkt geradlinig und unmittelbar. Gerade weil ihn viele vermutlich übersehen haben, lohnt sich ein genauerer Blick. Besonders interessant ist, dass er sich auch über ein Launchpad steuern und sogar spielen lässt. Das funktioniert zwar ebenfalls mit neueren Groovebox-Konzepten wie dem Dadamachines TBD-16, dennoch lohnt sich diese Demo zum Vector Mk2:
- Website von Five12