Das Gear von Ace Frehley: Die besten Gitarristen aller Zeiten
Es gibt Gitarristen, die man an ihrem Ton erkennt. Und es gibt Gitarristen, die man schon sieht, bevor man sie hört. Ace Frehley gehörte zu beiden Kategorien. Als „Spaceman“ von KISS hat er nicht nur den Sound einer ganzen Ära geprägt, sondern auch das Bild des Rockgitarristen neu definiert. Rauchende Gitarren, explodierende Pickups und die große Show, aber auch ein unverkennbarer Sound sind bis heute untrennbar mit seinem Namen verbunden. Und wie so oft steckt hinter der großen Show ein erstaunlich geradliniges Konzept. Während andere Gitarristen ihrer Zeit auf technische Perfektion oder komplexe Setups setzten, verfolgte das Gear von Ace Frehley einen deutlich direkteren Ansatz: weniger Technik, mehr Gefühl.
Das Gear von Ace Frehley – Inhalt
Wer war Ace Frehley?
Bevor wir uns dem Gear von Ace Frehley widmen, lohnt sich ein Blick auf den Menschen hinter dem legendären „Spaceman“. Ace Frehley wurde am 27. April 1951 in New York City geboren und entwickelte schon früh eine Faszination für Musik. Als Mitbegründer und Leadgitarrist von KISS war er maßgeblich daran beteiligt, den unverwechselbaren Sound und die visuelle Identität der Band zu formen.
Der Start bei KISS war ein wenig, nun ja, zögerlich. Frehley erschien zum Vorspielen mit ungleichen Schuhen und einer Mischung aus Selbstbewusstsein, Unsicherheit und Lässigkeit und bekam den Job schlussendlich — wohl auch in Ermangelung von geeigneten Alternativen. Was folgte, war eine Karriere, die Rockgeschichte schreiben sollte.
Ace Frehley war ein Ausnahmegitarrist, seine Soli waren dabei selten überladen, statt Geschwindigkeit setzte er auf Bendings, Vibrato und ein Gespür für eingängige Linien. Songs wie „Shock Me“ oder sein Soloerfolg „New York Groove“ zeigen eindrücklich, wie effektiv ein reduzierter Ansatz sein kann und warum sein Stil so viele Gitarristen geprägt hat und weiter prägt.
Am 16. Oktober 2025 verstarb Ace Frehley im Alter von 74 Jahren in New Jersey. Mit ihm verlor die Rockwelt nicht nur ein Gründungsmitglied von KISS, sondern auch einen Gitarristen, dessen Einfluss weit über seine eigentliche Spielweise hinausgeht.
Gitarren: Die Les Paul als Herzstück

Wenn man an das Gear von Ace Frehley denkt, kommt man an einem Instrument nicht vorbei: der Gibson Les Paul Custom. Sie ist nicht nur klanglich das Fundament seines Sounds, sondern auch optisch ein fester Bestandteil seiner Bühnenpersona. Schwarz, schwer, kompromisslos. Genau wie der Ton, den Frehley daraus holte.
Gibson Les Paul Custom
In den 1970er Jahren setzte Frehley hauptsächlich auf Les Paul Customs aus den späten 60ern und frühen 70ern. Diese Gitarren lieferten genau das, was sein Stil verlangte: viel Sustain, druckvolle Mitten und einen warmen, singenden Lead-Sound. Wie er es schaffte, ohne gravierende Rückenprobleme auch nur eine Show zu absolvieren, ist mir ein Rätsel. Doch gerade in Kombination mit aufgerissenen Röhrenamps entwickelte er einen Ton, der sich mühelos durch den Mix schnitt, ohne jemals steril oder aufgesetzt zu wirken.
Ein entscheidender Punkt bei dieser Wirkung ist die Direktheit und Dynamik des Sounds. Sein Ton lebt weniger von Effekten als von der Interaktion zwischen Gitarre, Amp und Spielweise. Das Ergebnis ist ein Sound, der irgendwo roh, beinahe unbehandelt scheint, dabei aber immer musikalisch wirkt.
Das Gear von Ace Frehley: Show trifft Funktion
Was Ace Frehley (und KISS insgesamt) von vielen seiner Zeitgenossen unterscheidet, ist die konsequente Verbindung von Sound und Show. Die Gitarren waren stets nicht nur Werkzeuge, sondern Teil der Inszenierung. Berühmt wurden vor allem seine modifizierten Les Pauls mit eingebauten Effekten: Rauchbomben, blinkende LEDs und sogar feuersprühende Elemente gehörten zeitweise zum Repertoire des Spaceman, der auf der Bühne verformte.
Diese Modifikationen waren technisch aufwendig und nicht immer besonders alltagstauglich (wie auch eine Les Paul Custom mit drei Humbuckern nicht besonders rückentauglich ist), aber sie erfüllten ihren Zweck: Sie machten Frehley zum Spaceman und damit zu einer unverwechselbaren Figur auf der Bühne. Gleichzeitig blieb der Grundsound der Gitarre unangetastet, denn trotz aller Effekte blieb die Les Paul das klangliche Zentrum seines Spiels.
Weitere Gitarren: Viel ausprobiert, wenig geblieben
Auch wenn die Les Paul klar dominiert, experimentierte Frehley im Laufe seiner Karriere immer wieder mit anderen Modellen. Dazu zählen unter anderem Gibson Explorer, verschiedene Reissues seiner eigenen Signature-Modelle und speziell angefertigte Custom-Gitarren für Tourneen.
Doch egal, wie viele Alternativen im Spiel waren: Am Ende führte der Weg fast immer zurück zur Les Paul. Sie ist für Frehley mehr als nur ein Instrument – sie ist der direkte Zugang zu seinem Sound. Und genau das macht sie zum zentralen Baustein seines gesamten Setups.
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Das Gear von Ace Frehley: Verstärker

So ikonisch seine Gitarrenwahl ist, so klar ist auch die zweite Konstante im Setup von Ace Frehley: Marshall-Verstärker. Wie viele seiner Zeitgenossen setzte Frehley in den 1970er Jahren auf britische Röhrenamps, die laut, direkt und untrennbar mit dem großen, stadionfüllenden Rock waren.
Marshall Plexi & frühe Setups
In der KISS-Ära kamen vor allem Marshall Plexi Heads zum Einsatz. Diese Röhrenamps liefern keinen modernen High-Gain-Sound, sondern eine offene, dynamische Verzerrung, die stark von der Lautstärke und dem Anschlag abhängt. Dreht man sie auf, entsteht genau dieser raue, organische Overdrive, der so viele Rockproduktionen geprägt hat. Zu viel Gain war nie ein Problem, der Sound von KISS lebt von Dynamik und Power.
Für Frehley war das ideal. Sein Spiel lebt von Bendings, Vibrato und einem gewissen „Schmutz“ im Ton. Ein Plexi reagiert genau darauf und gibt jede Nuance direkt wieder. Les Paul und Plexi. Eigentlich muss man nicht mehr dazu schreiben.
Spätere Amp-Setups
Mit den Jahren änderten sich natürlich auch die Anforderungen an Live- und Studio-Setups. Größere Bühnen, komplexere Produktionen und unterschiedliche Touring-Situationen führten dazu, dass Frehley im Laufe seiner Karriere auch andere Amps und Kombinationen nutzte.
Dennoch blieb der Grundcharakter erhalten: kein übermäßiger Gain, keine extreme Kompression, sondern ein direkter, offener Rocksound. Selbst moderne Setups orientieren sich oft an diesem Prinzip und versuchen, die Dynamik und Klarheit der alten Röhrenamps zu bewahren.
Effekte: Weniger Technik, mehr Attitüde
Wenn man sich das komplette Gear von Ace Frehley anschaut, fällt eines sofort auf: Seine Effektsektion ist im Vergleich zu vielen modernen Gitarristen erstaunlich überschaubar. Während heute ganze Pedalboards voller Spezialeffekte zum Standard gehören, setzte Frehley lange Zeit auf ein sehr reduziertes Setup.
Overdrive und Boost
Der Kern seines Sounds entsteht nicht durch Pedale, sondern durch den Amp selbst. Statt komplexer Overdrive-Ketten nutzte Frehley eher einfache Mittel, um seinen Ton anzuschieben. Leichte Boosts durch einen Tubescreamer oder aber die natürliche Sättigung des Verstärkers reichten völlig aus, um den gewünschten Druck zu erzeugen.
Delay und Reverb
Effekte wie Delay oder Reverb kamen bei Frehley eher dezent zum Einsatz. Sie dienten in erster Linie dazu, dem Sound etwas Raum und Tiefe zu geben, ohne ihn zu überladen. Gerade in Livesituationen sorgt das für einen offenen Klang, der sich gut in das Gesamtbild der Band einfügt. Vielleicht war das Delay sogar das Dezenteste, was KISS in ihrer gesamten Karriere je gemacht haben?
Signature-Sound ohne großes Board
Am Ende zeigt sich auch hier das Grundprinzip seines Setups: Ein klar definierter Grundsound, der nicht von Technik überlagert wird. In einem Interview mit Premier Guitar stellte er kurz und knapp fest: „Ich versuche, Effektpedale möglichst zu vermeiden.“
Spielweise: Zwischen Blues und Rock’n’Roll
Der Sound lässt sich nicht allein über das Gear von Ace Frehley erklären. Ein entscheidender Faktor ist seine Spielweise, die stark im Blues verwurzelt ist und gleichzeitig die Direktheit des klassischen Rock’n’Roll mitbringt.
Frehley setzte nie auf technische Höchstleistungen oder überkomplexe Skalenläufe. Stattdessen dominieren Pentatonik, Bendings und ein markantes Vibrato sein Spiel. Seine Soli wirken oft spontan, fast improvisiert, folgen aber immer einer klaren musikalischen Linie. Genau das macht sie so eingängig und Ace zu einem der am meist genannten Vorbilder für Gitarristen weltweit, vom Profi bis zu, nun ja, mir. Und wer genauer hinhört, der findet doch das ein oder andere extremst kniffelige Lick.
Besonders auffällig ist in meinen Ohren jedoch sein Timing. Frehley spielt oft leicht „hinter dem Beat“, was seinen Leads eine gewisse Lässigkeit verleiht.
Der Ace-Frehley-Sound im Bandkontext

Ein Gitarrensound funktioniert selten isoliert. Gerade bei KISS wird deutlich, wie wichtig das Zusammenspiel innerhalb der Band ist. Frehleys Ton ist darauf ausgelegt, sich im Mix durchzusetzen, ohne alles andere zu überdecken. Es sei denn, die Gitarre explodiert, leuchtet oder sprüht Funken oder so.
Ein wesentlicher Faktor ist die Mittenbetonung seines Sounds. Während der ein oder andere dazu neigen mag, die Mitten zu reduzieren, um einen „breiteren“ Klang zu erzeugen, geht Frehley den entgegengesetzten Weg. Seine Gitarre sitzt genau dort, wo sie im Bandgefüge am besten funktioniert.
Hinzu kommt ein moderater Gain-Level. Zu viel Verzerrung würde den Sound im Zusammenspiel mit Bass und Schlagzeug schnell undefiniert machen. Frehley bleibt bewusst im kontrollierten Bereich und sorgt so für Klarheit und Durchsetzungskraft. Wenn man sich den ganzen Show-Aspekt wegdenkt, ist es im Grunde ein solider, sehr klassischer Rock Sound.
Wie du den Ace-Frehley-Sound nachbauen kannst
Der große Vorteil am Setup von Ace Frehley ist seine Zugänglichkeit. Du brauchst kein übertrieben komplexes Gear, um in seine Klangwelt einzutauchen.
Gitarre
Eine Les Paul mit Humbuckern ist die naheliegendste Wahl. Wichtig sind dabei weniger exotische Features (auch wenn ein paar Rauchbomben nicht stören) als ein solider Grundsound mit ausreichend Output und Sustain. Alternativen funktionieren, kommen aber oft nicht ganz an den typischen Charakter heran.
Verstärker
Ein klassischer Röhrenamp im Marshall-Stil ist ideal, wenn du nah an das Gear von Ace Frehley rankommen willst. Entscheidend ist, dass der Amp offen klingt und auf Dynamik reagiert. Drehe den Gain nicht zu weit auf und arbeite stattdessen mit der Lautstärke und deinem Anschlag. Wenn es kein
Effekte
Halte es einfach. Ein leichter Boost, etwas Reverb oder ein dezentes Delay reichen völlig aus. Der Fokus sollte immer auf dem Grundsound liegen, nicht auf der Effektkette.
Das Gear von Ace Frehley: Fazit
Das Gear von Ace Frehley zeigt eindrucksvoll, dass ein großer Gitarrensound nicht zwangsläufig komplex sein muss. Eine gute Gitarre, ein passender Amp und ein klarer musikalischer Ansatz reichen oft aus, um etwas Einzigartiges zu schaffen.
Frehley war nie der technisch ausgefeilteste Gitarrist seiner Generation. Aber genau das ist vielleicht seine größte Stärke und genau deshalb sind mir seine Soli bis heute im Kopf geblieben.
Wer sich etwas von seinem Ansatz abschauen möchte, sollte weniger über das nächste Pedal nachdenken und mehr über das eigene Spiel. Man sagt zwar, man solle nie seine Idole treffen. Bei Ace hätte ich gern eine Ausnahme gemacht.
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