Mehr Synthese! Sind Chaos und Fraktale klüger als Zufall? Ja!
Fraktale Synthese und mehr
Eine Art Trend in den letzten Jahren ist nicht nur die komplexer werdende Synthese innerhalb eines Moduls oder Synthesizers. Es muss nicht mehr so schlicht sein wie ein Juno oder Polysix. Es geht voran. Auch kurz vor der Superbooth gibt es noch Neues rund um Fraktale und Drums.
Mehr Chaos statt Zufall in der Synthese?
Kaona Fractaos Polyphon-Fractal
Dieses polyphone Eurorack-Modul hat eine Menge Power in sich. Außerdem ist es durch ein rundes Display sehr ansehnlich und ansprechend. Dort sieht man zwei meist komplexe Wellenformen, die über die obere und untere Reihe gewählt werden. Die Basis wird „Primitive“ genannt, die Veränderung durch Fraktale oben in der Form bildet eine weitere Wellenform.
Beide Oszillatoren bekommen mit dem zweiten Poti jeweils „Chaos“ hinzugefügt, was eher wie ein Shaping wirkt, denn es ist nicht zufällig, sondern kontinuierlich auf Basis von Fraktalen. Der letzte Regler bestimmt jeweils die Stärke der „Fractal-Modulation“. Das speist acht Oszillatoren für vier Stimmen, die per CV/Gate (je 4x) oder MIDI gesteuert werden können.
Das Modul ist nicht nur die polyphone Oszillator-Abteilung, es gibt auch Filter und VCAs. Außerdem können die Wellenformen als Modulatoren für den LFO genutzt werden. Das gilt auch für FM, sie können also sehr schnell arbeiten. Zudem lässt sich über den Display-Bereich auch eine Hüllkurve einstellen und anzeigen. Somit ist das Modul nebenbei auch ein kompletter Synthesizer für MIDI.

Dadurch entwickelt der Fractaos eine offene neue Mischung aus neuen Klängen. Über weitere 8 CV lassen sich die aufgedruckten Parameter von außen steuern. Im unteren Bereich gibt es Detuning mit Spread und Morphing zwischen den beiden Oszillatoren sowie einen Texture-Parameter, mit dem unter anderem auch resonanzfilterartiges Verhaltenmöglich wird.
Alles lässt sich speichern und übersichtlich im Display darstellen. Es gibt natürlich auch ein Menü, dennoch wirken die Bedienabläufe recht zugänglich. Das Modul kostet 558 € und ist bei Kaona in Frankreich direkt zu bestellen.
Die alten Synthesizer im „Keyboards“-Magazin
Das Keyboards-Magazin ist schon eine Weile Geschichte. Viele hatten lange ein regelrechtes Lager an Heften stehen. Das erste wirklich auch als Synthesizer- und Keyboard-Magazin benannte Magazin wird heute liebevoll von einem Kanal mit dem Namen „All-About-Keys“ nachbesprochen. Das Ganze passiert erstaunlicherweise komplett auf Englisch. In jeder Folge wird eines der alten Hefte mit dem damaligen Design durchgegangen, dazu wird auch ein Synthesizer vorgestellt. Diese Kombination ist recht sympathisch anzuschauen.
In diesem Fall ist es der Yamaha TX-816, der acht einzelne DX-7-Module mit dem Namen TF-1 beinhaltet. Wer sich für historische Synthesizer interessiert, findet hier einen Kanal zum Reinschauen und -hören. Die Themen drehen sich vorwiegend um Synthesizer der Achtzigerjahre, etwa den Kawai K3, den Sequential Prophet 2002 Sampler oder den Korg DW-8000/EX-8000 sowie den Ensoniq Mirage Sampler.
Audio.Computer Beatfriend
Der Beatfriend von „Audio.Computer“ ist eine stochastische Drummachine, ähnlich wie Vermonas Random Rhythm. Mit jedem Fader wird die Menge der Beats erhöht, wodurch sich das Gerät besonders gut für Jams und offene Live-Musik eignet. Vor allem dann, wenn keine Zeit bleibt, komplexe Arrangements vorzubereiten. Ebenfalls im Bild und in der Demo zu sehen ist der Cumulus Loopscaper, der optisch und vom Design her sehr gut zum Beatfriend passt.
Er kann mehr als 4/4-Takte umsetzen, ist aber prinzipiell ein Preset-Drumcomputer, dessen Beats pro Instrument variiert werden können. Das geschieht durch Häufung, nicht durch Chaos. Das Konzept ist sehr schnell verständlich und lässt sich ohne große Übung direkt einsetzen.
Trotz dieser Methode verändern sich die Patterns nicht ständig, sodass auch klassische Loops möglich bleiben. Das „Wie“ lässt sich per MIDI einspielen und auch wieder ausgeben. Dadurch lassen sich auch andere Drummachines oder Drumsynths ansteuern. Der Sound erinnert an wirklich alte Drumboxen bis hin zur Roland CR-78. Die Schläge werden in Reihen im Display angezeigt und erinnern leicht an die TR-505, der bereits eine Liebeserklärung gewidmet wurde.

Und hey, welche Drummachine besitzt schon einen Knopf mit „Enthusiasmus“ als Tugend? Der Beatfriend bietet genau das. Ganz wie bei Fad Gadget gibt es auch eine Fill-Taste für genau das, was du erwartest. Damit lassen sich Breaks und Fills spontan auslösen. Die Wahl des Stils der Häufungen von Drum-Schlägen erfolgt über den Screen, sodass man nicht ständig demselben Basismuster folgen muss.
Die drei gelben Potis verändern den Sound in Richtung modernerer Klangästhetik. Hier kann man durchaus von Effekten sprechen, die eher in Richtung Modding oder Circuit Bending gehen. Vermutlich handelt es sich um einen gut umgesetzten Bitcrusher.
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