von  Jan Rotring  | |  Lesezeit: 5 Min
9 Volt oder 18 Volt

9 Volt oder 18 Volt  ·  Quelle: stockeurope / alamy

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Wer sich ein bisschen länger mit Effektpedalen beschäftigt, stolpert zwangsläufig über die gleiche Diskussion: 9 Volt oder 18 Volt? Mehr Spannung, mehr Headroom, mehr Dynamik, mehr Transparenz. So zumindest das Versprechen. Dazu kommt der 18V-Mod, der aus so manchem Klassiker angeblich ein völlig neues Pedal machen soll. Aber ist das wirklich so? Oder reden wir hier über Nuancen, die man eher fühlt als hört?

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Was technisch wirklich passiert

Zunächst einmal: Mehr Volt bedeuten nicht automatisch mehr Gain. Die Betriebsspannung eines Pedals bestimmt in erster Linie, wie viel Headroom intern zur Verfügung steht. 

Headroom beschreibt den Bereich, in dem ein Signal verarbeitet werden kann, bevor es intern clippt. Wird ein Pedal mit 18 Volt statt mit 9 Volt betrieben, kann das Eingangssignal theoretisch stärker ausschlagen, bevor es an die Spannungsgrenze stößt. Das Resultat ist weniger ungewolltes Clipping in der Eingangsstufe und damit oft eine offenere, dynamischere Ansprache.

Wichtig ist jedoch die Unterscheidung: Mehr Spannung bedeutet nicht automatisch mehr Lautstärke am Ausgang und auch nicht automatisch mehr Verzerrung. Es geht um interne Signalverarbeitung, nicht um brutale Output-Reserven.

9 Volt oder 18 Volt: Wo man den Unterschied tatsächlich hört

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Ob man den Unterschied hört, hängt stark vom Pedaltyp und vom Einsatzgebiet ab. Es gibt jedoch Typen, bei denen es durchaus spür- und hörbar ist, wenn mehr Spannung anliegt. Und mit Typen meine ich Pedale. Klar oder?

Clean Boost und Low-Gain Overdrive

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Hier ist der Effekt am deutlichsten: Ein transparenter Boost wie der Xotic EP Booster oder ein Low-Gain-Overdrive profitiert oft spürbar von 18 Volt. 

Das Signal bleibt länger sauber, die Transienten wirken etwas definierter, Akkorde lösen sich minimal(wichtiges Wort!) klarer auf. Besonders bei dynamischem Spiel, etwa im Blues- oder Fusion-Kontext, kann sich das Spielgefühl luftiger und weniger komprimiert anfühlen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Pedal plötzlich „besser“ klingt. Es reagiert einfach anders. Wer mit einem sehr clean eingestellten Amp arbeitet, wird diesen Unterschied eher wahrnehmen als jemand, der bereits in eine gesättigte Vorstufe spielt.

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High-Gain Distortion

Im High-Gain-Bereich relativiert sich das Ganze schnell: Viele Distortion-Pedale wie die klassische ProCo Rat erzeugen ihre Verzerrung bewusst über Clipping-Dioden oder spezielle Schaltungen. Das Clipping ist hier gewollt und Teil des Sounds. Mehr Headroom ändert daran wenig. Der Grundcharakter bleibt bestehen, da die Verzerrung nicht aus zufälligem Überfahren der Eingangsstufe entsteht, sondern aus einem definierten Schaltungskonzept.

Kurz gesagt: 18 Volt machen aus deinem Metal-Pedal kein Tight-Monster. Wer auf mehr Definition hofft, sollte eher an Gain-StagingEQ oder Lautsprecher denken.

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Kompressoren

Quelle: Wampler

Spannend wird es bei Kompressoren wie dem Wampler Ego Compressor. Hier kann mehr Headroom tatsächlich dazu führen, dass das Pedal weniger früh in die interne Sättigung läuft. Das Resultat kann eine etwas natürlichere Kompression sein, mit weniger Pumpen und mehr Dynamik vor dem Eingriff der Schaltung. 

Gerade bei perkussivem Spiel oder bei aktiven Pickups kann sich 18 Volt hier sinnvoll auswirken. Aber auch hier gilt: Es sind Nuancen, keine Welten.

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9 Volt oder 18 Volt: Der sagenumwobene 18V-Mod

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Es gibt sie, die verrückten Tüftler, die sich an einen 18V-Mod bei Klassikern trauen. Ein paar Bauteile tauschen, zwei Batterien in Serie, fertig ist der „Boutique-Sound“. So zumindest die Legende. 

In der Realität muss man vorsichtig sein. Nicht jedes Pedal ist für 18 Volt ausgelegt. Kondensatoren, Operationsverstärker und andere Bauteile haben Spannungsgrenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Wer einfach 18 Volt anschließt, ohne dass das Pedal dafür freigegeben bzw. ausgelegt ist, riskiert im schlimmsten Fall Schäden am Effektgerät.

Manche Mods beinhalten deshalb den Austausch spannungsfester Bauteile. Das ist technisch sauber, aber eben kein „mal eben schnell“ Projekt. 

Wichtig ist daher: Immer Herstellerangaben prüfen oder halt auf eigene Faust experimentieren und das Risiko tragen. Wenn ein Pedal offiziell 9 bis 18 Volt unterstützt, kann man bedenkenlos experimentieren. Wenn nicht, und das Pedal bleiben soll, lieber die Finger davon lassen.

Marketing vs. Realität

Natürlich klingt „18 Volt“ beeindruckend. Mehr Spannung suggeriert mehr Qualität. Doch in der Praxis bewegen wir uns oft im Bereich subtiler Unterschiede

Im Bandmix gehen diese Nuancen schnell unter. Zwischen Schlagzeug, Bass und zweiter Gitarre hört niemand, ob dein Boost mit 9 Volt oder 18 Volt läuft. Im Homestudio oder beim Solo-Spiel dagegen kann sich das veränderte Spielgefühl durchaus bemerkbar machen.

Und genau hier liegt der Kern: Der Unterschied ist häufig eher fühlbar als hörbar. Mehr Headroom bedeutet weniger frühe Kompression. Das kann inspirieren, muss es aber nicht.

Fazit: Wann 18 Volt wirklich sinnvoll sind

Pedalboard Typen
Pedalboard Typen · Quelle: Mikael Rondeau / Alamy

Sinnvoll kann die höhere Spannung sein:

  • bei transparenten Boostern
  • bei dynamischem Low-Gain-Spiel
  • bei sehr clean eingestellten Amps

Weniger relevant ist sie:

  • bei stark verzerrten Amps
  • in modernen High-Gain-Setups
  • bei ohnehin stark komprimierten Signalketten

Wer ohnehin mit viel Gain arbeitet und das Signal mehrfach komprimiert, wird vom zusätzlichen Headroom kaum profitieren. 9 Volt oder 18 Volt ist keine Frage von richtig oder falsch. Es ist eine Frage des Kontexts. 

Am Ende bleibt es wie so oft beim Thema Gear: Die Details machen den Unterschied – aber nicht jedes Detail ist revolutionär.

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