von  Lasse Eilers  | |  Lesezeit: 8 Min
Synthesizer der 2000er

Synthesizer der 2000er  ·  Quelle: Access, KORG, Native Instruments

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Noch von gestern oder schon retro? Hier kommen fünf wegweisende Synthesizer der 2000er, die den Sound einer ganzen Dekade prägten.

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Synthesizer der 2000er: Die „Youngtimer“ unter den Vintage-Synthesizern

Als ich in den 1990ern anfing, mich mit Synthesizern zu beschäftigen, umwehte die analogen Dinosaurier aus den 1970ern bereits ein legendärer Ruf. Das Wort „vintage“ war schon damals in aller Munde – dabei waren die 70er doch erst 20 Jahre her.

Wenn man mal darüber nachdenkt, bedeutet das doch: Synthesizer der 2000er gehören jetzt so langsam zu den Vintage-Synthesizern – oder mindestens zu den nicht weniger begehrenswerten „Youngtimern“. Erinnern wir uns also an fünf wegweisende Instrumente, die stellvertretend für ihre Zeit stehen und den Sound der ganzen Dekade prägten. Und weil in den Studios damals gerade eine neue Zeit anbrach – nicht wenige verkauften sämtliche Hardware, um fortan nur noch „in the box“ zu produzieren –, gehören dazu sowohl Hardware- als auch Software-Synthesizer.

Synthesizer der 2000er: KORG TRITON

Wohl kaum ein Synthesizer drückte den Nullerjahren so sehr seinen klanglichen Stempel auf wie der KORG TRITON. Er erschien zwar weder in den 2000ern (die erste Generation kam 1999 auf den Markt), noch hatte er bahnbrechende Innovationen zu bieten. Aber die Sounds der opulenten Workstation dominierten die Charts der Dekade – auch und vor allem, weil amerikanische Hip-Hop- und R&B-Produzenten wie Dr. Dre, Timbaland und die Neptunes den TRITON schnell für sich entdeckten.

KORG TRITON Synthesizer der 2000er
KORG TRITON · Quelle: KORG

Die Technik war nichts Neues: Der TRITON war lediglich die neueste Generation einer ganzen Sippe von Workstations, die 1987 mit der M1 begonnen und zwischenzeitlich andere Klassiker wie 01/W, OASYS und Trinity hervorgebracht hatte. Beim TRITON hieß die Klangerzeugung nun „HI“ (Hyper Integrated) und bestand aus Multisamples, digitalen Filtern und jeder Menge Effekten. Außerdem konnte der TRITON sampeln, was bei Hip-Hop-Producern natürlich gut ankam. Optional gab es ein MOSS-Board mit der Physical-Modeling- und VA-Klangerzeugung des KORG Z1 / Prophecy.

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Wenn du bei Pop, Hip Hop und R&B der 2000er ganz nostalgisch wirst, führt kein Weg am TRITON vorbei. Statt in ein Vintage-Exemplar zu investieren, kannst du dir die Workstation inzwischen auch als Plugin* auf den Rechner holen – inklusive der Original-Presets, die auf unzähligen Hits jener Zeit zu hören sind.

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KORG TRITON / TRITON Extreme
KORG TRITON / TRITON Extreme

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Synthesizer der 2000er: Access Virus TI

Ohne die Synthesizer der Access Virus-Serie hätte die elektronische Musik der späten 1990er und 2000er definitiv anders geklungen. Der erste Virus war 1997 als Teil der ersten Welle virtuell-analoger Synthesizer erschienen, zu der unter anderem auch der Nord Lead, der Roland JP-8000 und der Yamaha AN1x gehörten. Doch der Virus setzte sich bald von der Konkurrenz ab: Er klang nicht nur umwerfend, sondern konnte auch mehr als die meisten Mitbewerber. Damals hatte er einen ähnlichen Stellenwert wie heute vielleicht Serum: Wer elektronische Musik machte, musste einfach einen haben.

Access Virus TI2
Access Virus TI2 · Quelle: Access

Ihren Höhepunkt erreichte die Serie dann ab 2005 mit dem Virus TI. Der hatte nun auch Wavetables im Programm, war 16-fach multitimbral und wartete mit über 80 Stimmen Polyphonie auf – welcher Synthesizer, mit Ausnahme großer Workstations, hat das heute noch zu bieten? Drei extrem vielseitige Oszillatoren und zwei Multimode-Filter pro Stimme, drei LFOs, eine Modulationsmatrix mit 18 Slots und eine üppige Effektsektion machen den Virus TI zu einem der leistungsstärksten Hardware-Synthesizer, die jemals gebaut wurden – bis heute.

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Außerdem kam der Virus TI mit einer echten Innovation um die Ecke: Total Integration. Mittels eines speziellen Plugins konnte man den Synthesizer nicht nur bequem aus der DAW fernsteuern und automatisieren, sondern der Sound kam auch über USB ohne kompliziertes Routing direkt im DAW-Mixer an, genau wie bei einem Software-Instrument. Damit traf Access den Nerv der Zeit und schlug elegant die Brücke zwischen dem Hardware-Synthesizer und modernen DAW-Workflows.

Der Access Virus TI wurde immerhin noch bis 2024 produziert – auch daran kann man seine enorme Bedeutung ablesen. Inzwischen wurde er leider eingestellt und der Hersteller widmet sich nun ausschließlich den Gitarrenverstärkern der Kemper Profiler-Serie. Wenn du keinen Virus mehr ergattern konntest, findest du hier einige Alternativen.

Synthesizer der 2000er: KORG microKORG

Er wurde anfangs oft belächelt, aber die Zahlen sprechen für sich: Der KORG microKORG wird seit 2002 ununterbrochen produziert! Allein dieser Rekord macht ihn zu einem der einflussreichsten Synthesizer der 2000er. Der kleine Synthesizer, dessen erste Generation so etwas wie ein geschrumpfter MS2000 ist, traf den Zeitgeist perfekt. Für viele Einsteiger war er der erste Synthesizer, für viele Profis einfach ein praktisches, günstiges und trotzdem gut klingendes Instrument, das man sich unter den Arm klemmen und überall draufstellen konnte. Beliebt war er auch bei Gitarristen und Bassisten von Indie-Bands, die sich zusätzlich einen Synthesizer auf die Bühne stellen wollten. Und er hatte einen Vocoder – in einer Zeit, in der Daft Punk die Charts dominierten, war das ein genialer Schachzug von KORG.

Meistverkaufte Synthesizer: Korg MicroKorg
microKORG · Quelle: Korg

Der erste microKORG, den es unglaublicherweise bis heute zu kaufen gibt, ist ein vierstimmiger Synthesizer, der neben virtuell-analoger Synthese auch mit DWGS-Waves aus dem DW-8000 aufwartet. In den über zwei Jahrzehnten seit seinem Erscheinen brachte KORG mehrere Sondereditionen und Nachfolger auf den Markt – zuerst den microKORG XL/XL+ und schließlich den microKORG 2. Bislang hat es jedoch keiner von ihnen geschafft, das Original vom Thron zu stoßen.

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Da ist es nur folgerichtig, dass es den microKORG inzwischen auch als Plugin gibt. Bei wohl keinem Synthesizer der 2000er hast du so viel Auswahl: Du kannst das Original immer noch neu kaufen*, dir das Plugin auf den Rechner laden* oder dich für das leistungsstärkere Nachfolgemodell microKORG 2 entscheiden.

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Korg microKORG
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Korg microKORG S
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Synthesizer der 2000er: Native Instruments Massive

Bahnbrechende Innovationen in Sachen Synthese gab es in den 2000ern kaum. Im Wesentlichen führten die Hersteller fort, was in den 80ern und 90ern erfunden worden war, und entwickelten Technologien wie die virtuell-analoge und samplebasierte Synthese weiter.

Native Instruments Massive
Native Instruments Massive · Quelle: Native Instruments

Was sich in den frühen 2000ern jedoch grundlegend änderte, war die Art und Weise, wie Synthesizer eingesetzt wurden. 1999 war der erste Software-Synthesizer erschienen und so langsam wurden die Computer leistungsstark genug, um wirklich damit arbeiten zu können. Einige der wichtigsten Synthesizer der 2000er sind deshalb Software-Instrumente, deren Zeit damals gerade erst richtig begonnen hatte.

Massive von Native Instruments erschien 2006 und wurde sofort zu einem Riesenhit. Der Software-Synthesizer drückte ganzen Genres der elektronischen Musik seinen unverkennbaren klanglichen Stempel auf – ähnlich wie heute Serum. Auch trug Massive entscheidend dazu bei, die Wavetable-Synthese zu modernisieren und wieder in den Fokus zu rücken – ein Trend, der bis heute anhält.

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Darüber hinaus setzte der Software-Synthesizer neue Maßstäbe in Sachen GUI und Bedienung, die wir heute als selbstverständlich hinnehmen. Zum Beispiel ließen sich Modulationen einfach per Drag-and-drop verknüpfen, was damals ein absolutes Novum war. Heute ist die Zukunft von Native Instruments Gegenstand mancher Spekulationen – Mitte der 2000er war der Berliner Hersteller aber ganz weit vorne mit dabei in Sachen Innovation.

Der 2019 erschienene, mit viel Tamtam angekündigte Nachfolger Massive X schaffte es nicht, das Original vom Thron zu stoßen. Folglich gibt es die erste Version von Massive immer noch bei Thomann* zu kaufen – einzeln oder als Teil des Komplete-Pakets.

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Native Instruments Massive Download
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Native Instruments Massive X Download
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Native Instruments Komplete 15 Standard Download
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Synthesizer der 2000er: Spectrasonics Omnisphere

Das zweite Software-Instrument, das in meinen Augen definitiv auf die Liste der einflussreichsten Synthesizer der 2000er gehört, ist Spectrasonics Omnisphere. Mit Omnisphere setzte der Sampling- und Sounddesign-Guru Eric Persing (der für einige der berühmtesten Presets aller Zeiten verantwortlich ist) seine Vision von einem Synthesizer um, der eigentlich alles kann – daher wohl „omni“. Aufbauend auf dem Vorgänger Atmosphere entstand ein Software-Synthesizer, der zwar mit Samples arbeitet, aber dennoch unglaublich vielseitig und expressiv ist.

Omnisphere 3
Omnisphere 3 · Quelle: Spectrasonics

Wer die Geduld aufbrachte, die 50 GB große Sample-Library von den sechs mitgelieferten DVDs zu installieren – ja, so war das damals! –, wurde mit Sounds belohnt, die man so noch nicht gehört hatte. Während Massive für wabernde Bässe und kreischende Skrillex-Leads zuständig war, brillierte Omnisphere vor allem bei weiten, weichen, sphärischen Texturen voller subtiler Bewegung – perfekt für Filmmusik, Ambient und ähnliche Genres. Das war (und ist bis heute) samplebasierte Synthese in Perfektion.

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Beinahe nebenbei lieferte Spectrasonics mit Omnisphere die Blaupause dafür, wie man eine riesige und ständig wachsende Sound-Library so organisiert, dass der passende Sound jederzeit schnell gefunden ist. Heute hat fast jeder Software-Synthesizer einen solchen Browser mit entsprechenden Tools; damals war das ziemlich neu.

Mittlerweile ist Omnisphere bei Version 3 angekommen, die natürlich nochmals drastisch erweitert und um neue Funktionen ergänzt wurde. Und dank schneller Internetverbindungen muss man heute auch nicht mehr stundenlang DVDs ins Laufwerk schieben, um in den Genuss der erlesenen Persing-Sounds zu kommen.

Spectrasonics Omnisphere 3 gibt es direkt beim Hersteller für 499,- US-Dollar.

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