von  Jan Rotring  | |  Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
Kompressor-Pedale für E-Gitarre

Kompressor-Pedale für E-Gitarre  ·  Quelle: Keeley Electronics

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Kaum ein Effekt sorgt für so viele Missverständnisse wie Kompressor-Pedale. Manche Gitarristen halten sie für ein Werkzeug, das Dynamik „wegdrückt“, andere für ein Pop-Überbleibsel ohne Rock’n’Roll-Relevanz. In Wahrheit ist ein Kompressor eines der nützlichsten Pedale überhaupt – für Clean, Overdrive und alles dazwischen. Richtig eingesetzt sorgt er für Klarheit, Stabilität und professionelle Präsenz im Ton.

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Was machen Kompressor-Pedale wirklich?

Kurz gesagt: Ein Kompressor reduziert laute Peaks innerhalb des Signals. Erst durch das anschließende Make-Up-Gain oder Level werden leise Passagen wieder hörbar angehoben – und genau daraus entsteht der oft zitierte Effekt „leise wird lauter, laut wird leiser“.

Das Ergebnis ist ein gleichmäßigerer Gitarrenton, der sich im Mix besser durchsetzt. Unverzichtbar bei:

  • Fingerstyle
  • Funk- & Indie-Rhythmen
  • Dynamischen Soli
  • Clean-Sounds, die größer wirken sollen

Wichtig: Gut eingestellte Kompression hört man nicht direkt – man spürt sie im Gesamtklang eines Sounds.

Die wichtigsten Regler

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  • Attack: Wie schnell der Kompressor reagiert. Zu kurze Attack-Zeiten zerstören den Anschlag.
  • Release: Wie lange die Kompression anhält.
  • Ratio: Wie stark komprimiert wird.
  • Threshold: Ab wann der Kompressor überhaupt eingreift.
  • Level / Make-Up-Gain: Hebt den Ton nach der Kompression an.
  • Blend/Mix: Verhältnis von trockenem zu komprimiertem Signal – extrem hilfreich für Natürlichkeit und Klarheit des Sounds.
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Opto, VCA, FET oder OTA – wo liegt der Unterschied?

Kompressor-Pedale: Gehören auf jedes Board!
Kompressor-Pedale: Gehören auf jedes Board! · Quelle: ROB WATKINS / Alamy

Kompressor-Pedal ist nicht gleich Kompressor-Pedal und die Schaltung bestimmt den Charakter stärker als das Regler-Layout

Vor allem Gitarrenpedale basieren regelmäßig auf vier Typen mit unterschiedlichen Klangcharakteren:

Opto-Kompressoren
Arbeiten mit LED + LDR.
Klingen: weich, musikalisch, warm.
Beispiele: Diamond Compressor – die alten!

VCA-Kompressoren
Sehr sauber, präzise, kontrolliert, eher im Studio anzutreffen.
Perfekt für: Funk, moderne Cleans.
Hinweis: Viele Gitarrenpedale verwenden darüber hinaus technisch OTA-Schaltkreise, die verwandt, aber nicht identisch mit Studio-VCAs sind.

FET-Kompressoren
Schnell, farbig, leicht „vintage“.
Ideal für: Blues, expressive Leads.
Beispiel: JangleBox (Orange Squeezer-Topologie).

OTA-Kompressoren
Die häufigste Gitarrenpedal-Variante (z. B. MXR Dyna Comp).
Klingen: schnell, charaktervoll, leicht färbend. Technisch verwandt mit VCA-Konzepten, aber günstiger und simpler aufgebaut – und daher auch deutlich Pedalboard-tauglicher!

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Wie setzt man Kompressor-Pedale richtig ein?

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Die Frage aller Fragen und oft Grund für den negativen Eindruck, den Gitarristen von Kompressor-Pedalen gewinnen. Denn: Viele von uns drehen das Attack zu kurz und den Sustain zu weit auf – und klagen danach über „sterile“ Töne. Besser geht es mit diesen Tipps:

Weniger ist mehr

Kompression ist wie Salz: zu wenig = fad, zu viel = ungenießbar.

Attack moderat einstellen:

 Ein mittlerer Attack lässt den Anschlag durch, bevor der Kompressor eingreift.

Level leicht nach oben:

Ein Kompressor-Pedal darf den Sound ruhig minimal lauter machen – so sitzt er im Zweifel auch besser im Bandgefüge. Nur eben nicht übertreiben.

Mix-Regler nutzen:

Parallelkompression ist das Geheimnis natürlicher Sounds:
50–60 % komprimiert, der Rest trocken.

Auch vor Overdrive sinnvoll

Ein dezenter Kompressor vor einem Overdrive-Pedal macht Leads runder, Sustain länger und Übergänge weicher.

Wo kann man Kompressor-Pedale kaufen?

Wer neugierig geworden ist, kann sich bei Thomann einmal nach Kompressor-Pedalen einmal umschauen — mehr Details kommen in einem eigenen Kaufberater zum Thema Kompressor-Pedale! 

Ich persönlich liebe den Keeley Compressor Plus, den ich auch letzte Woche schon in meinem kurzen Artikel zum Thema Clean-Sound aufgenommen habe. Das Teil ist einfach ein Klassiker und nicht totzukriegen (hab’s versucht).

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FAQ – Kompressor-Pedale für E-Gitarre

Wirkt ein Kompressor auch im High-Gain-Bereich?
Ja, allerdings subtiler. In High-Gain-Settings komprimiert der Amp bereits stark. Ein Kompressor vor dem Overdrive sorgt dennoch für definiertere Anschläge und mehr Sustain.

Wird mein Ton durch Kompression „steril“?
Nur bei falscher Einstellung. Zu kurze Attack-Zeiten oder zu hohe Ratios können den Anschlag verschlucken. Mit moderaten Werten bleibt der Ton lebendig und musikalisch.

Wo sollte der Kompressor im Signalweg sitzen?
Typischerweise am Anfang der Signalkette – vor Overdrive, Distortion und Modulationseffekten. So reagiert er am direktesten auf den Anschlag.

Brauche ich einen Kompressor als Clean-Spieler?
Nicht zwingend, aber für Fingerstyle, Funk, Indie und Nashville-Sounds ist ein Kompressor ein enormer Vorteil, weil er Lautstärkesprünge glättet und den Ton konsistenter macht.

Opto, FET, VCA oder OTA – was passt am besten?
Für warme, weiche Cleans: Opto.
Für moderne Präzision: VCA/OTA.
Für Vintage-Charakter und Attack: FET.
Die Wahl hängt vor allem vom Spielgefühl ab.

Kann ein Kompressor auch Rauschen reduzieren?
Nein. Ein Kompressor macht Signale gleichmäßiger – und hebt durch das Make-Up-Gain auch Rauschenmit an. Für Rauschunterdrückung braucht man ein Noise Gate, keinen Kompressor.

Was ist der häufigste Fehler bei Kompressor-Pedalen?
Eine zu kurze Attack-Zeit. Sie drückt den Anschlag weg und macht den Ton leblos. Mittelwerte sind fast immer musikalischer.

Kompressor-Pedale gehören zu den subtilsten, aber wirkungsvollsten Werkzeugen für E-Gitarristen. Sie zähmen Peaks, liefern Konstanz im Anschlag und sorgen für einen professionellen, stabilen Grundsound – ganz gleich, ob Clean, Crunch oder Lead. Entscheidend ist nicht die Menge der Kompression, sondern die Art der Schaltung (Opto, OTA, VCA, FET) und eine feinfühlige Einstellung von AttackRelease, Threshold und Level. Richtig eingesetzt verstärkt ein Kompressor die musikalische Ausdruckskraft, anstatt sie einzuschränken, und gehört damit zu den wichtigsten Pedalen in jedem modernen Gitarren-Setup.

Fazit: Kompression ist Kontrolle, nicht Einschränkung

Ein Kompressor-Pedal glättet nicht deine Ausdruckskraft – es verstärkt sie.
Vorausgesetzt, es ist richtig eingestellt. Dann formt es den Ton, stabilisiert deinen Anschlag, schafft Konsistenz und gibt Clean- wie Crunch-Sounds ein professionelles Fundament

Richtig dosiert ist Kompression eines der mächtigsten Tools auf dem Board – subtil, musikalisch und unverzichtbar.

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