Chip-Sound der 90er mit Hardware in 2026: Nicht einfach nur retro!
Hardware für Chiptune-Sounds, die auch in moderne Produktionen passen
Chip-Sound wie in den 1990ern: Hier ist wieder ein neues „Perfect Match“ für dich – drei Produkte, die super zusammenpassen, sich spitzenmäßig ergänzen und dich inspirieren sollen. Wie das heutige Motto bereits andeutet, stehen Chiptunes und Klänge im Vordergrund, die von alten Computern und Videogames geprägt sind. 8- und 16-Bit-Sounds in einem neuen Gewand für moderne Musikproduktion.
Inhalt:
Chip-Sound wie in den 90ern
Commodore Amiga, ATARI ST, Nintendo NES, Game Boy und Super Nintendo, SEGA Mega Drive und auch der DOS-PC mit SoundBlaster-Karte – das sind die Eckfeiler für diesen Artikel. Wir stellen dir ausgewählte Gerätschaften vor, die in diesen Kontext passen und dir Chip-Sound mit modernen Mitteln ermöglichen.
Du musst nicht alte Konsolen sampeln, dich mit Guru-Meditation-Fehlermeldungen und Viren auf 3,5-Zoll-Disketten herumplagen oder checken, ob der Röhrenmonitor noch funktioniert. Nein, dieses Gear ist neu und mit allen Features ausgestattet, die heute gefragt sind.
Ergänzend geben wir noch ein paar Tipps zu Alternativen und ein paar weiterführende Infos, um noch weiter in das Thema einzutauchen.
Twisted Electrons MEGAfm MKII und Sonicware LIVEN Mega Synthesis für Sound des SEGA Mega Drive
Bei Twisted Electrons MEGAfm MKII handelt es sich um einen FM-Synthesizer, der mit zwei YM3438 FM-Chips bestückt ist. Dieser Chip wurde in einigen Arcade-Automaten, dem nur in Japan erhältlichen FM TOWNS II 16-Bit-Computer und in einigen Modellen des SEGA Mega Drive verwendet. Genau deshalb kannst du hiermit Klänge erzeugen, die an Chip-Sounds der 1990er erinnern, aber ebenso typische FM-Sounds, wie sie auch heute immer wieder zu hören sind.
MEGAfm MKII arbeitet mit acht Algorithmen und bietet vier verschiedene Stimm-Modi. Du kannst hiermit Akkorde spielen, aber auch fette monophone Basslines oder breite Unisono-Klänge (mit 12 Stimmen). Drei LFOs stehen für Modulationen bereit, einen Arpeggiator mit transponierbarem Step-Sequenzer im Stil von Rolands SH-Synthesizern gibt‘s ebenfalls.
Richtig genial ist hier die Bedienung, die im Wesentlichen über Schieberegler geschieht. Für FM-Synthese ist das einfach die vielleicht beste Art und Weise, um Sounds zu entdecken und „on the fly“ zu manipulieren. Das Video hier zeigt dir, dass MEGAfm einfach ein wahnsinnig cooler Synthesizer ist, der sich auch abseits von Chip-Sounds super für alle möglichen elektronischen Klänge eignet:
Im Vergleich zum Vorgängermodell klingt Twisted Electrons MEGAfm MKII etwas „sauberer“, was aber kein Nachteil ist. Für etwas mehr Old-School-Charakter kannst du jederzeit einen Bitcrusher benutzen, um den Chip-Sound noch weiter nach vorne zu stellen. Twisted Electrons MEGAfm MKII gibt‘s hier bei Thomann*.
Eine interessante Alternative stellt Sonicware LIVEN Mega Synthesis* dar, dies ist im Vergleich aber eine tragbare Groovebox und weniger ein eigenständiger Synthesizer. Hier gibt‘s neben der FM-Engine aber auch eine PSG- und PCM-Engine für ausgewählte Spuren – diese sind ebenfalls an das SEGA Mega Drive angelehnt und liefern Sounds, die MEGAfm MKII so nicht beherrscht.
Allerdings entstehen die Klänge in der Groovebox von Sonicware (hier unser Angecheckt) durch eine Emulation, während MEGAfm MKII mit authentischen Chips arbeitet. Weil LIVEN Mega Synthesis aber als Groovebox konzipiert wurde, ist hier bereits ein Sequencer integriert. Du kannst also allein mit dieser Hardware alleine Musik mit authentisch klingendem Chip-Sound machen. Im Verbund mit weiteren Klangerezuegern gibt er deinen Produktionen einen sehr eigenständigen Anstrich. Zudem lässt sich das Gerät auch mit Batterien betreiben, damit eigenet sich LIVEN Mega Synthesis auch super für mobile Jams. Der Preis ist ein weiteres Argument, denn für aktuell 269 Euro kannst du mit dieser tragbaren Groovebox eine Menge anstellen!
Twisted Electrons Blast Beats: Die SoundBlaster-Groovebox
Wer Chip-Sound der 1990er die heutige Zeit bringen will, bekommt von Twisted Electrons mit Blast Beats auch eine passende Groovebox. Die funktioniert ebenfalls mit FM, orientiert sich aber an den SoundBlaster-Karten (mit YMF-262 Chips), die in den 1990er unter PC-Freaks und Zockern sehr populär waren.
Blast Beats bietet sechs Drum-Stimmen und vier Synthesizer-Voices – du kannst hiermit neben Drum-Grooves also auch sehr gut Basslines und Leads programmieren. Eine ideale Begleitung für MEGAfm, der sich (nicht nur) gut für Akkorde oder FX-Sounds eignet.
Ähnlich wie bei MEGAfm werden fast alle Parameter mit Fadern (insgesamt 56!) gesteuert, was für einen sehr komfortablen Workflow beim Sounddesign sorgt, aber ebenso für direkte Manipulationen in Echtzeit extrem effektiv ist. Der Step-Sequencer mit 64 Schritten bietet clevere Funktionen wie Probability oder einen Zufallsgenerator, um Grooves ganz einfach abwechslungsreich zu gestalten. Das Aufzeichnen von den Bewegungen der Fader macht aus Blast Beats ein kreatives Kraftpaket, das natürlich für weitaus mehr als typische Chip-Sounds taugt.

Wenn du mehr über Blast Beats wissen willst, empfehle ich unseren kurzen Test. Eine interessante Alternative könnte auch hier tatsächlich wieder der bereits genannte Sonicware LIVEN Mega Synthesis sein, weil dieser ebenfalls eine Groovebox darstellt und damit auch Drum-Sounds und Beats beherrscht.
Wenn der Schwerpunkt nicht so sehr auf eine weitere FM-Synthese (mit einem Vibe von 1990er Chip-Sound) liegen soll, kommt natürlich auch eine eher „klassische“ Groovebox oder ein Drumcomputer* in Frage. Twisted Electrons Blast Beats bekommst du hier bei Thomann*.
Elektron Syntakt: Drumcomputer und Synthesizer, der auch Chip-Sounds beherrscht

In der 2025er-Ausgabe dieses Artikels haben wir noch den Polyend Tracker als eine interessante Hardware für das Erstellen von Chip-Sounds im Stil der 1990er vorgestellt. Dabei spielte eine Rolle, dass die sogenannten „Tracker“ ursprünglich auf Rechnern wie C64, Amiga, ATARI ST oder DOS-PCs liefen. Dabei sind Tracker nicht nur auf typische Chiptune-Klänge spezialisiert, so wurden beispielsweise viele Jungle- und Breakbeat-Tracks in den 1990ern mit Trackern erstellt.
Leider ist der Polyend Tracker in seinen verschiedenen Variationen hierzulande fast überall ausverkauft und nur noch gebraucht zu bekommen, deshalb wollen wir hier einen anderen Vorschlag machen. Und dabei soll es nicht um Software wie Renoise oder TRX-12 gehen und auch nicht um eine kleine Hardware wie Dirtywave M8 (den es jetzt übrigens auch als iOS-App gibt).
Stattdessen richten wir den Blick auf einen Drumcomputer und Synthesizer, den viele auf den ersten Blick gar nicht mit Chip-Sounds assoziieren. Die Rede ist vom Elektron Syntakt!
Das Video hier dürfte die Frage beantworten, warum wir den Syntakt hier mit gutem Gewissen empfehlen können. Wie du siehst und hörst, beherrscht die Groovebox (seit OS 1.30) auch ganz locker Chip-Sounds im Stil von C64 und anderen 8-Bit-Computern. Die SY CHIP genannte Engine ist dafür zuständig. Mit dieser Engine hat Elektron das Erbe der berühmten SID Station in den Syntakt und übrigens ebenso in Analog Rytm (mit OS 1.70) gebracht.
Elektron Syntakt bietet mit seiner Mischung aus digitalen und analogen Engines aber noch viel mehr klangliche Möglichkeiten und vielleicht passt er deshalb auch sehr gut zu dem Thema „moderner Chip-Sound“. Es soll eben nicht nur um Sounds gehen, die ausschließlich „retro“ sind.
Trotzdem wollen wir noch ein Video zeigen, bei dem es um Klänge im SID-Stil geht:
Auch hier gilt, dass Syntakt mit dem eingebauten Sequencer und den typischen „Elektron-Tricks“ wie Parameter Locks oder Trigger Conditions eine gute Ergänzung zu dem hier vorgestellten Equipment ist.
Wenn du ein kleines DAWless-Setup zusammenstellen willst, kannst du in Kombination mit dem hier vorgestellten Sonicware LIVEN Mega Synthesis oder Twisted Electrons Blast Beats bereits eine ganze Menge anstellen. Und auch zum MEGAfm MKII passt Syntakt gut, auch wenn du über MIDI-Spuren nur maximal vier Stimmen gleichzeitig spielen kannst. Elektron Syntakt bekommst du hier bei Thomann*.
Bonus-Level: Teenage Engineering PO-20 arcade (nicht nur) für unterwegs
Kurz vor dem Fazit noch ein weiterer Tipp, den wir nicht unterschlagen wollen: Teenage Engineering PO-20 arcade* passt in die Hosentasche (dann aber am besten mit einem Case), wird mit Batterien betrieben und sorgt über seine eingebauten Lautsprechern (!) überall für sofortigen Spaß mit Chip-Sounds.
Und dabei setzt das kleine Ding noch auf ein Taschenrecher-Design, das irgendwie jeden dazu verleitet, damit herumzuspielen. Trotz des spielerischen Zugangs ist PO-20 arcade aber durchaus mehr als nur ein Spielzeug, das nur für Chiptunes taugt.
Fazit
Wer authentischen Chip-Sound im Stil der 1990er will und weit darüber hinaus gehen möchte, bekommt mit Hardware wie Twisted Electrons MEGAfm und Blast Beats sowie Sonicware LIVEN Mega Synthesis und sogar dem Elektron Syntakt genügend Potential.
Diese Gerätschaften passen super ins Studio und ebenso auf die Bühne. Je nach Kombination eignen sich die vorgestellten Produkte auch sehr gut für DAWless-Setups. Und mit LIVEN Mega Synthesis ist auch ein Gerät dabei, das sich mit Batterien sogar für unterwegs oder ein paar entspannte James auf dem Sofa eignet. Das gilt ebenso für den kleinen Teenage Engineering PO-20 arcade!
Weitere Infos
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