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Top5 Depeche Mode Synthesizer

Top5 Depeche Mode Synthesizer  ·  Quelle: GN

An Depeche Mode kommt kaum jemand vorbei, der die Achtziger miterlebt hat und elektronische Sounds mag. Ihre Sounds verursachten nicht selten die Frage: „Wie haben sie das gemacht?“ und waren für viele einfach der Soundtrack zum eigenen Leben. Spätestens mit der späteren Nach-Wilder-Phase sind die Equipmentlisten sehr variabel und extrem umfangreich geworden. Außrdem wurde teilweise in verschiedenen Studios aufgenommen. Ganz sicher ist, dass sich die ersten Alben bis zum Weggang Wilders besser einordnen lassen. Prägende Jahre sind jedoch die der frühen Achtziger mit den ikonischen Stücken von den Alben „Construction Time Again“ bis hin zu „Violator“, wobei letzteres für viele das bekannteste und beliebteste Album zu sein scheint.

Depeche Mode Synthesizer herausfinden?

Während die Information über die wirklich genutzten Synthesizer für jedes Album noch einigermaßen erreichbar ist, so wird es in Details die Wirklichkeit zu finden, eine Anstrengung für Ohr und Internet. Faktisch sind nämlich die meisten Listen anhand von TV-Auftritten und Ähnlichem durch TV-Studio-Bereitstellungen verfälscht. TV-Auftritte waren nämlich meist nicht live und wurden durch geliehene Synths auch schon einmal ohne Anschlüsse getätigt. Das war in den Achtzigern leider keine Seltenheit – und ist es bis heute. Bei späteren Konzerten wurden zunehmend Steuerkeyboards eingesetzt, welche ab der DevotionalTour die Bühne übernahmen. Bühnensynthesizer sind naturgemäß oft auch Sampler gewesen, um die vielen Studio-Synthesizer nicht alle mitnehmen zu müssen. Martin Gores Modular-Obsession ist bei den letzten beiden Alben und seinen Solos kaum zu übersehen.

Stilprägende Depeche Mode Synthesizer?

Stilprägend in den ersten Jahren waren erstaunlicherweise eher günstige und eher einfache Synthesizer wie der Moog Source und Prodigy, selbstverständlich dem ARP2600 (3 davon in Martins Besitz allein) oder Roland Jupiter-4. Nach dem Weggang von Vince Clarke wurden sie jedoch durch teurere Synthesizer wie Roland Jupiter-8 und PPG Wave ersetzt. Der frühe Einsatz des Yamaha DX7 und Samplern brachte die Band weiter. Auch die Wahl der Samples, welche offensichtlich in Teilen von den ebenfalls in den Hansa-Studios aufgenommenen Neubauten-Bändern stammen, spielte eine Rolle in der neuen Ästhetik. Die verdrängte damals den leicht naiven Synthpop-Sound und führte ihn zu härteren Klängen und bildete damit EBM und Techno einen Vorhof.

Die geheime Wahrheit

Depeche Mode haben nahezu alle gängigen Synthesizer irgendwann mal eingesetzt. Man sieht in Studiophotos vom Oberheim Matrix 12 über den EMS VCS3 bis hin zur LL Electronics Rozzbox wirklich alles, wenn man nur genug echte Studiovideos angeschaut hat. Sampling spielte bereits sehr früh eine Rolle, sodass mit dem E-mu Emulator I und frühen Samplern bereits entsprechende Klänge in „Pipeline“, „And Then“ und anderen Songs vorkommen.

1. Depeche Mode = E-mu Emulator II und Emax

Geht man von der stilprägenden Zeit aus, so ist ohne Frage der Emulator II als absolut dominante Sample-Maschine zu sehen. Später wurde auf den Emax gewechselt, und eine Menge der harten Studioarbeit floss in Sampler-Sets, die zum typischen Bühnenbild der Band in ihrer Blüte wurden. Legendär ist Alans Vorführung mit vielen Splitzonen auf dem Emax.

2. Der Geheime DM-Synth: Yamaha DX7 vs. NED Synclavier

Depeche Mode haben schon sehr früh FM-Synthese eingesetzt, die ihren Höhepunkt auf dem Album „Some Great Reward“ hatte und perfekt zu dem Sampling-Sound passte. Dynamik und Ausdruck wurden stärker und die Sounds klangen zu dem Zeitpunkt unerhört neu und „irgendwie realistischer“. Dafür stehen zwei Instrumente, die massiv zu hören sind, nämlich der DX7 und zur Überraschung vieler auch (unter anderem) die FM-Abteilung des Synclavier. Das lässt sich klanglich an einer Reihe einfacher 2-OP-Stränge, die gegeneinander verstimmt sind, heraushören und unterscheiden. Das Synclavier ist fast noch prägender für DM als der DX7.

3. Alans Lead-Maschine: Roland Jupiter-8

In unzähligen Videos und dem wohl berauschendsten Live-Video vom Konzert in Hamburg 1984/85 findet sich sehr oft der Jupiter-8 wieder. Die Sounds sind analog, aber auch nicht immer „gewöhnlich“. Alan war zu der Zeit lange „der Neue“ und war wegen seiner Spielfertigkeit in die Band geholt worden. Get the Balance Right! Heute könnte das Roland System-8 diese Art von Sounds gut liefern.

Der Jupiter ist viel zu hören, aber was viele für für einen Jupiter halten, ist meist dann doch noch fetter und ist damit ein anderer, nämlich das:

4. Studio-Synthesizer: Roland System 700

Selbst wenn man alle Synthesizer von Roland kennt, fragte man sich: „Wieso ist der Sound so fett und so überzeugend auf den Depeche Mode-Alben?“ Ganz einfach, es ist eben kein Jupiter-8, sondern die wirklich dicken Sequencer-Lines sind nicht selten mit dem System 700 aufgenommen, ebenso später für und mit Nitzer Ebb. Ein sehr überzeugender Sound, der zusammen mit dem Roland System 100M auch schon bei Vince Clarke viel zum Einsatz kam.

5. PPG Wave 2.X

Die ersten frühen, digitalen, teuren Systeme tauchten auf und Martin Gore spielte fortan statt seines kleinen, monophonen CS-Synthesizers nun den damals sehr teuren PPG Wave. Für das Album „A Broken Frame“ war er verantwortlich für die neue Note und den digitaleren Touch. Die meisten Sounds sind zwar nicht dominant, aber zu jener Zeit durchaus gut zu hören: „My Secret Garden“, „Leave in Silence“ und der „End-Sound“- für den alten Song  „Tora! Tora! Tora!“. Stilprägend bleibt er aber auch nur für die Zeitspanne rund um „A Broken Frame“, denn bis in die Neunziger gab es bahnbrechende neue Synthesizer und Sampler, die auch bei Depeche Mode ins Studio kamen und oft genug wechselten.

Jupiter-8 und PPG Wave als Software

Und was macht Fletch?

Er spielt meist Basslines …

Ein Rundgang im Studio in prägenden Zeiten

Emulator, Moog Modular und Atari ST …

Das Hamburg-Konzert

… mit allen Synth-Klassikern von Oberheim bis Jupiter-8

 

Words without Violence

Wir wissen, dass wir für jedes Album eine eigene Liste machen könnten und sogar müssten. Zumindest für bestimmte Zeitabschnitte sind bestimmte Synthesizer gerade bei Depeche Mode sowohl zu hören als auch zu sehen. Belegbar ist das vor allem bei Videos von Konzerten und durch „Dokus“. Es gibt deshalb noch eine Reihe wichtiger Synthesizer, die im Zusammenhang mit Depeche Mode zu nennen wären, was wir vielleicht in einem passenden Rahmen tun werden.

4 Antworten zu “Top 5 Depeche Mode: Prägende Synthesizer”

  1. Oh man, was für eine Zeit..! Verdammt, ich bin doch schon älter als ich dachte :-P Ende 80er bis Mitte 90er hab ich alles von ihnen gehört, das war damals einfach cool :)

  2. Volker Nowak sagt:

    Man darf den Arp 2600 nicht vergessen. Laut Martin Gore wurde der Arp auf jeden Album eingesetzt. Auf den ersten Alben war es noch der von Daniel Miller. Mittlerweile besitzt Gore selbst mindestens vier Arps.

  3. Mick sagt:

    evtl. habe ich es überlesen, oder dem Autor ist grober Schnitzer passiert!
    Der ARP2600 ist „DER“ Synthesizer vom ersten bis zum letzten Album, der bei DM immer eine Rolle spielte. Ob es die Drums bei Speak and Spell, die prägende Sequenzer – Hookline bei Waiting for the Night, oder den Sound der besten Alben, Devotion und Violator, betrifft! Daniel Miller und Alan Wilder haben damit viele Sound von Depeche Mode aufgewertet.

  4. moogulator sagt:

    Martin hat 3 ARP2600. Das ist natürlich sehr sehr bekannt. Die wurden auf den frühen Platten sehr viel eingesetzt. Das ist natürlich richtig, Es gibt noch mehr, dies könnte fast eine Serie werden – pro Album zB.

    Es gibt schon noch mehr, so sind in den frühen Jahren natürlich die genannten Synth auch viel verwendet worden und man hört sie auch..
    Ich würde schon sagen, dass es noch weitere Synths gibt, die für DM wichtig sind und prägend waren bzw sind. Da wären auch noch System 100m und andere zu nennen. Da habt ihr vollkommen Recht. Früh haben DM auch Oberheim genutzt und für Alan Wilder scheint mir der Oberheimsound auch nicht unwichtig zu sein.

    Die Liste ist auf jeden Fall länger.
    Die neueren Alben wurden mit gut bestückten Studios gemacht, wo auch alte Synths stehen und und und.

    Wir können aber gern einen Versuch starten als kleine Serie.

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