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E-Gitarre Slash Kolumne Teaser

Ist die E-Gitarre am Ende?  ·  Quelle: shutterstock / yakub88

Eine 1958er Les Paul in Cherry Sunburst wird für 600000 USD verkauft – Guitar Center, größter US-Händler in Sachen Musikalien, hat 1,6 Milliarden USD Schulden – Gibson schreibt rote Zahlen – Fender geht‘s auch nicht besser. Es fehlen aktuelle Gitarrengötter. Stirbt die E-Gitarren Industrie den langsamen Tod?

Es ist noch gar nicht so lange her, da erblickte die E-Gitarre das Licht der Welt. Ungefähr 1920 erhob sie sich aus dem Urschleim und brodelte in den folgenden Dekaden bis zu der Form, die wir heute kennen. Seit den 1950ern ist die E-Gitarre eigentlich nicht mehr aus der poulären Musik wegzudenken – auch wenn sie den Beatles bei einem Vorspiel in den 60ern als totes Instrument „angespriesen“ wurde. Wir wissen alle, was dann passiert ist.

Doch warum ist die E-Gitarre so populär?

Nicht wissenschaftlich betrachtet (wie der gesamte Beitrag), hat das mit Sicherheit mit den großen Gitarrengöttern und Ikonen zu tun. Die Virtuosen. Die, die ihren eigenen Stil haben und deswegen noch heute in aller Munde sind: Slash, Clapton, Vai, Hendrix, Page, Young, Blackmore, Petrucci, Jeff Beck, Gilmour, The Edge, BB King. Und das sind nur die, die mir spontan einfallen. Die Liste kann sicherlich noch erweitert werden. Das sind allerdings auch heute noch die Musiker, die Signature-Modelle haben und noch im höherem Alter namentlich ausgeschlachtet werden. Unter 50 ist keiner. Wo ist der Nachwuchs?

Aber fällt jemandem ein Gitarrist aus der heutigen Zeit ein, der nicht eine alte Ikone oder einen Stil kopiert und in, etwas böse gesagt, 10 Jahren vergessen ist? Ich sehe – wenn überhaupt – nur eine handvoll Anwärter. Und bei denen könnte man behaupten, dass das nicht gerade das Futter für Groupie-Träume ist. Nicht in den Massen, die damals die Ikonen verzaubert haben. Eifert man deswegen nur den Alten nach, weil die Neuen nicht genug hergeben? Und was passiert, wenn alle Ikonen nur noch in den Erinnerungen spielen können?

Um es sehr einfach zu sagen: Kein Kerl fängt mehr wirklich mit E-Gitarre an, um die Mädels zu beeindrucken, weil die bei keinem Gitarrengott mehr zerfließen. Oder?

Wellen

Erinnert sich noch jemand an den Musikalienmarkt in den 1990ern? Da waren Synthesizer dank der ganzen Workstations und „Presetschleudern“ so gut wie tot. Schaue ich heute auf die aktuellen Veröffentlichungen, passiert auf dem Synthesizermarkt deutlich mehr als bei den Gitarren, die sich seit den 50s nur bedingt weiterentwickelt haben. Aber das macht nichts, auch Synthesizer haben sich kaum weiterentwickelt. Oder warum geifert die Musikerwelt so sehr nach der x-ten Kopie eines monophonen Synthesizers? Das verstehe wer will – als Saiteninstrumentalist fällt es mir da nochmal etwas schwerer.

Das heißt aber auch für mich, dass sich alles in Wellen bewegt. Eine Zeit lang steht die aktuelle Musikerwelt eben auf synthetische Klänge, die darauffolgende darf es wieder etwas mehr Handarbeit sein. Auch ein gutes Beispiel sind Vinyls: Fast ausgestorben und heute gehört es schlicht zum guten Merch-Stand dazu. „Wie, ihr habt keine Schallplatte?“ … schonmal gehört in letzter Zeit? Ich begrüße die Entwicklung persönlich, auch wenn ich nicht viel vom besseren Sound halte, sondern einfach dem Gesamterlebnis. Aber zurück zu den Gitarren.

Es heißt ja nicht, nur weil die Verkäufe beim Guitar Center stagnieren, dass automatisch weniger E-Gitarren vorhanden sind. Es sind Abermillionen davon bereits verkauft worden, die irgendwo rumstehen oder sogar gespielt werden. Deswegen ist ein Instrument noch lange nicht tot. Die Süddeutsche schreibt, dass der Markt hierzulande stabil ist. Leider ohne Quellenangabe. Schade.

EDM

Ein weiterer Punkt für die populären Synthesizer ist sicherlich auch der stark verbreitete Musikgeschmack in Richtung EDM. Ich meine das echte, ursprüngliche EDM, aka. elektronische Tanzmusik, unter dem alles eingeordnet wird. Wenn ich durch die Stadt gehe und „die Jugend“ sehe, dann wird da nicht mehr AC/DC gehört oder Nirvana oder Rolling Stones oder Guns‘n Roses. Für mich sind die elektronischen Musiker zum Großteil gesichtslose Musiker, mit denen ich nichts verbinde. Ein paar Kumpels und Kollegen, die eher in der elektronischen Szene stecken, meinten, dass der Interpret fast egal ist. Vor allem zum Discoabend oder Live. 4-to-the-Floor und es wird gezappelt. Egal ob da nun Garrix, Guetta, Skrillex, Deadmou5 oder HansWurst, der II. dran steht – wobei man Künstler natürlich auch hier am eigenen Stil wiedererkennt.

Die haben ihr Instrument allerdings nicht umgehängt und deswegen rückt das Instrument mehr in den Hintergrund. Oder weiß jemand, der nicht Musiker ist, was da eigentlich für Plattenteller oder Klangerzeuger gespielt werden? Eine Gibson Les Paul oder eine Fender Stratocaster können auch viele Nichtmusiker unterscheiden. Bei einem Push 2 oder Minimoog ist das schon weniger relevant meinem Empfinden nach. Vielleicht, weil die Instrumente nicht so viel Sexappeal haben? Ich weiß es nicht. Für mich aber auch ein Grund, dass die E-Gitarre nicht mehr Objekt der Begierde der Emporkömmlinge ist.

Und ihr?

Was meint ihr? Stirbt die E-Gitarre? Oder ist das viel Lärm um nix?

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Tommy Bassalot
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Tommy Bassalot

Gitarren gehen nicht so schnell kaputt wie alte Synthesizer. Es sind ja immernoch Gitarren aus den 50/60/70 etc unterwegs und jedes Jahr kommen neue dazu. Wer soll die denn bitte alle kaufen?

Wellenstrom
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Wellenstrom

Sorry, aber dieses Pamphlet ist von vorn bis hinten nicht ernstzunehmen. Da dreht sich jemand in seinem egozentrischen Kosmos, mit (im besten Falle) Halbwahrheiten und Halbwissen, im Fall von Synthesizern sogar kompletten Unwissen. Das ist kein Text eines Musikers, sondern der eines Angehörigen einer immer selten anzutreffenden – Gott sei Dank – Spezies rückwärtsgewandter, uninspirierter Gitarrenfiedler, geistig durchtränkt mit feuchten Träumen über alte Sex & Drugs & Rock’n Roll Mythen. Man könnte hier fast jeden Satz inhaltlich auseinandernehmen. Aber die Mühe mache ich mir jetzt nicht, ein ellenlanges Posting zu dem Quark zu veröffentlichen. Würde dem Autoren mal empfehlen, sich… Read more »

gearnews
Gast
gearnews

Musst dich nicht entschuldigen. Gern ein paar Fakten niederschreiben und die Halbwahrheiten erweitern. Sonst ist deine Antwort leider nichts wert.
//Claudius

Wellenstrom
Gast
Wellenstrom

Gut, eigentlich wollte ich mich zu diesem Quark nicht weiter auslassen, aber es geht ja nicht anders. Ich sehe hier nix anderes als eine Werbemaßnahme für us-amerikanische Gitarrencompanies. (Nein, gemeint ist nicht dieser Artikel, der ist nur dieser Diskussion auf den leim gegangen) Losgetreten von der Washington Post z.B. (denke, die wurden gut für diese PR-Aktion bezahlt). Gucken wir uns mal reale Statistiken zu den Gitarrenverkäufen an: https://reverb.com/news/the-top-albums-of-each-decade-and-how-they-influenced-guitar-sales Daraus: „It seems safe to say that pop music historically has influenced guitar design and sales, as the most iconic designs emerged at a time when pop music was dominated by guitar.… Read more »

MB
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MB

Trifft den Nagel eigentlich auf den Kopf, da ist nix rückwärtsgewandt, sondern ein Mix aus natürlich vorhandener Subjektivität und Marktanalyse, wie ich ihn auch in den Foren etc. wahr nehme. Kann zu 90% zustimmen, keine Ahnung, wo du Wellenstrom auf den Schlips getreten bist. Lass ihn labern. :D

Chris56
Gast
Chris56

Der Gitarrenmarkt ist nicht tot, er ist nur stark übersättigt ! Speziell Gibson und Fender sind selbst Schuld wenn Absätze rückläufig sind. Die sollten einmal viel weniger produzieren und dafür eine gute Standartqualität produzieren. Die Modellpaletten sind derart unübersichtlich geworden, dass da sowieso keiner mehr durchblickt und ich möchte nicht wissen, was da tonnenweise auf den Holzschrott kommt, kein Wunder wenn die Resourcen nicht mehr reichen. Da müsste gerade von den „Großen“ ein Umdenken erfolgen, nicht „Masse“ sondern „Klasse“ die man von einem guten Standardinstrument erwarten sollte. Und wenn man alleine schon den Gebrauchtmarkt durchforstet, da gibt es doch haufenweise… Read more »

Maze
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Maze

Sterben oder Tot, nichts dergleichen wird passieren. Aber man muss eben schon auch wissen das nichts für die Ewigkeit ist. Änderungen sind numal der Lauf der Welt. Sicherlich wird es weniger Virtuosen geben und es ist auch logisch das die „Elektroniker“ die grossen Unbekannten sind. Unsere Generation sieht das so, aber die neue Generation nicht mehr. Es ist nunmal so das die Elektronische Musik immer mehr Anhänger findet. Ihr schreibt das man nach dem x-ten Monophonen Synthi geifert, aber aus der anderen Sicht frage ich, warum geifert man der x-ten E-Gitarre nach? Die klingen immer etwas anders? Die Monophonen Synthis… Read more »

Lennard
Gast
Lennard

„Unsere Generation sieht das so, aber die neue Generation nicht mehr.“ Das muss aber nicht so sein. Ich gehöre zur neuen Generation und höre gar keine Elektro-Musik! Ich habe zwar keine Legändere Ikone, aber dass brauch ich auch nicht.

Paul
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Paul

Eines gleich vorweg: ich werde mich auf den berüchtigten Washington Post Artikel beziehen. (The death of the electric guitar) Warum? Weil er wesentlich mehr ins Detail zu den Themen geht um die es hier geht und der deutsche Artikel – sorry Gearnews – in meinen Augen nur eine Zusammenfassung und Übersetzung mit der gleichen Aussage ist. Ich finde es spannend, dass die Popularität eines Instrumentes mit Sales der großen Hersteller gleichgesetzt wird. Woher der Charme einer (lange) gebrauchten Gitarre kommt weiß ich nicht Ich tippe aber mal auf den „Da steckt Geschichte und Erlebnisse drin“-Effekt. Fakt ist, dass auch ältere… Read more »

Heini
Gast
Heini

Ob die Gitarre ausgestorben ist, wird mir meine (11-jährige) Tochter mitteilen, wenn sie mich dereinst im Nirvana ereilt, also in 70 – 100 Jahren ;-). Bis dahin glaube ich, hat die Gitarre noch eine kleine Chance… Ob Fender oder besonders Gibson aussterben, halte ich allerdings für weniger abwegig. Wenn ich mir die Preise einiger neuer Gibsons ansehe, dann frage ich mich zumindest, ob das so nicht besser ist. Soooo viel Handarbeit kann da gar nicht dran sein, dass eine Gitarre 6.000 Ocken kostet. Oder sind die mit der Nagelfeile gebaut? Da kaufe ich mir doch lieber eine Harley Benton (Jack&Danny,… Read more »

Obi
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Obi

Jubge Virtuosen gibs doch zu hauf?! Tosin Abasi, die Jungs von Polyphia, Rabea Massad, usw. Die E-Gitarre wird nicht austerben man muss sich einfach neu entdecken und interpretieren

Michael Lukas
Gast
Michael Lukas

Ich denke dass eine ganz wichtige Komponente des Problems nicht erwähnt wird: die Plattenfirmen die keine interessanten, nicht-glattgebügelten Musiker herausbringen…
Im Radio werden keine jungen, unbekannten Bands gespielt- und selbst wenn: viele der Jugendlichen wären daran nicht interessiert weil Musik heute anderskonsumiert wird als früher…
Niemand interessiert sich mehr für das Gesamtkunstwerk eines Albums, sich hinaetzen und während dem Durchhören das Booklet anschauen usw…

Wellenstrom
Gast
Wellenstrom

Da ist zwar einiges dran…. aber „unangepasste“ Musiker sind auch nur ein Image, das uns die Musikindustrie jahrzentelang vorgegaukelt hat. Für den Big Deal prostituier(t)en sich letztendlich alle, die für uns irgendeine musikalische Relevanz darstellen. Die wirklich unangepassten Musiker wird dir kein Label präsentieren (vor allem in Zeiten der Oligopole). Vergiss die Mythen vom unangepassten Rebellen, der Millionen von Tonträgern verkauft. Das gibt es nicht und gab es so auch nie.

Michael Lukas
Gast
Michael Lukas

Was du schreibst stimmt bestimmt bis zu einem gewissen Grad- trotzdem bleibe ich dabei, dass zB Nirvana od. Hendrix bei weitem innovativer und „unangepasster“ waren als Robbie Williams, Katy Perry oder OneDirection…
Zumindest eben tendentiell- da werden wir uns ja einig sein oder?
Pop oder eben EDM sind Symptome 1) der heutigen Zeit/ Zeitgeist und 2) der Plattenfirmen die unter verschiedensten (teilweise selbstverschuldeten) Problemen leiden und keine Risiken mehr eingehen…

Wellenstrom
Gast
Wellenstrom

Yep. so isses. Und was noch dazu kommt… die moderne Studiotechnik und die Formen des Castings (inkl. Fernsehcasting – Fanbase steht schon VOR dem Produkt). Es reicht heute im Prinzip vollkommen aus, gut auszusehen. Cobain, Grohl und Hendrix sind/waren gute Musiker mit Songwriterqualitäten. Wird nicht mehr benötigt. Auch dafür gibbet Teams, die mund- und formgerecht vorarbeiten.

Holger Pöpplow
Gast
Holger Pöpplow

! Richtig !

cyberglad
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Die Gitarrenfetisch-Zeiten waren eigentlich ein grosser Bluff (so wie fast alles in den USA). Es gab natürlich gute Musik und nicht so gute Musik. Aber die Zeiten sind für immer vorbei, man braucht keine Millionen Gitarren pro Jahr. Fender und Gibson werden zurück zu ihren originelle Grösse schrumpfen, womit sie in 50s anfingen: kleine Werkstätten mit paar hunderte Gitarren pro Jahr. Und die Gitarre nimmt ihren Platz in einem Orchester mit allen anderen Instrumenten, nicht mehr nicht weniger, so wie es auch sein soll.

Holger Pöpplow
Gast
Holger Pöpplow

;-)) Was ein „Grobquatsch“ ;-))

Demian Gattas
Gast
Demian Gattas

CHON oder Buckethead zB sind unglaubliche zeitgenössische E-Guitarristen!

McLennon
Gast
McLennon

Auf Ihre lapidare Frage kann ich nur genauso lapidar antworten: Viel Lärm um nichts!

Thomas Oberholz
Gast
Thomas Oberholz

Nö,

nicht mal der Plattenspieler war tot zu kriegen – obwohl alles gegen ihn sprach…………………

Pascal Mad Lee
Gast
Pascal Mad Lee

Definitiv Nein.

Es gibt immer Ups and Downs. In den 90er sah es auch wegen dem aufkommenden Techno schlecht aus für Gitarrenhelden. Aber jetzt gibt es eine neue Generation von Gitarristen, die eher ihren Verantwortungsbereich nicht nur bei ihrem Instrument sehen, sondern auch das große Ganze sehen. Mir fallen Gitarristen wie die großartige St.Vincent oder Tosin Abasi ein! Weniger positives für mich aber trotzdem gut für die kulturelle Bedeutung der Gitarre: Ed Sheeran :D