Geschätzte Lesezeit: 7 Minuten

 ·  Quelle: Orange, Fender, Marshall, BOSS

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In der heutigen Ausgabe von Stringtheorie könnt ihr mich auf der Suche nach einem neuen Verstärker für den Gitarrenunterricht begleiten. Ihr erfahrt, welche Kriterien mir (und auch meiner Musikschule) wichtig waren und wofür ich mich am Ende entschieden habe. Viel Spaß beim Lesen dieses Erfahrungsberichts. Vielleicht hilft er ja sogar dem Einen oder Anderen bei der Entscheidungsfindung.

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Wie alles begann

In meinem Unterrichtsraum in der Musikschule stammen einige Geräte noch aus einer längst vergangenen Zeit und sind inzwischen nicht mehr das Gelbe vom Ei. Grundsätzliche begrüße ich es, dass die mir zur Verfügung stehende Technik in der Regel mehrfach repariert wird, bevor sie endgültig gegen neue Produkte ausgetauscht wird.

Doch nun war es doch mal wieder so weit: Ein ohnehin unterdimensionierter Gitarrenverstärker näherte sich dem Ende seiner Lebenszeit und mir wurden Mittel für ein neues Gerät bewilligt. Das Budget lag bei 500 Euro, wobei ich heimlich die Hoffnung hegte, dass ich mit etwas Betteln möglicherweise auch 700 Euro ausgeben dürfte. So begann also die Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

Die Anforderungen Teil 1

Doch wonach suche ich überhaupt? Mir war es wichtig, einen Verstärker zu finden, der möglichst einfach zu bedienen ist, damit er junge Schüler (absolute Beginner) nicht verwirrt. Er sollte solide gebaut sein, damit er möglichst lang hält. Und er muss laut genug für das Bandcoaching sein. (Also nicht brachial laut, aber trotzdem im Zusammenspiel mit vorsichtigen Schülerbands noch eine gute Figur machen.) Ach ja: Reverb musste ebenfalls mit an Bord sein.

Das alles gebündelt in einem Combogerät, weil sonst wieder nach irgendeinem Außeneinsatz ein Kabel, Topteil oder die Lautsprecherbox beim Transport verloren gehen könnten. Und damit der Umbau in einen anderen Raum schneller vonstatten geht.

Verstärker für den Gitarrenunterricht: Runde 1

Nach der ersten Umfrage unter Kollegen wurden mir natürlich die beiden Platzhirsche empfohlen. Die Rede ist von BOSS KATANA und Fender Mustang. Diese Verstärker sind erschwinglich und erfreuen sich einer großen Beliebtheit.

Aus meiner Erfahrung mit einem KATANA 50 MKi wusste ich, dass ich mindestens einen 100 MKii mit 2×12-Bestückung* wählen müsste, da mir der alte 1×12-Combo mit 50 Watt zu eindimensional und „boxy“ klang. (Nach dem Direktvergleich mit einem Nextone Special verkaufte ich den 50 MKi umgehend.)

Das Pendant von Fender wäre der Fender Mustang GTX100*, der mir ebenfalls mehrfach empfohlen wurde. Schaut man sich die gebotene Funktionalität dieser beiden Kandidaten an, so kommt man nicht umhin als beeindruckt zu sein. Doch bei mir kamen mit jeder weiteren aufgelisteten Funktion mehr und mehr Zweifel auf: Hatte ich mir doch eine einfache Bedienung gewünscht.

Modelling vs. Analog-Technik?

Meiner Meinung nach verwirren die vielen Knöpfe, Displays und Möglichkeiten neue Schüler zu sehr. Welcher 12-Jährige kennt schon die Begriffe „B-Man, Brown Sound, 5150“? Anfänger werden sich bei diesen Geräten doch sicher komplett verirren. Ich jedenfalls sah mich wertvolle Unterrichtszeit mit der Suche nach Sounds vergeuden.

Mein Bauchgefühl tendierte zu einer Lösung ohne Modelling, einfach mit einem wirklich guten Clean-Sound als Grundlage. Für den Rest sind schließlich Pedale da, oder etwa nicht? Und so befand ich mich plötzlich in der alten „Analaog vs. Digital-Thematik„, ohne es zu wissen. Denn abgesehen von den leider zu teuren Fender Toner Master-Amps gibt es quasi keine „eingeschränkten“ digitalen Geräte.

Röhre vs. Solid State

Nun setzte die Romantik für die gute alte analoge Technik ein. Am liebsten hätte ich gern einen einkanaligen Röhrenverstärker mit einer überschaubaren Regler-Anzahl, einer geringen Wattzahl und einen 12’’-Lautsprecher genommen. Oder aber Solid State. Schließlich besitze ich einen Bassverstärker von Quilter, der mich echt beeindruckt hat.

Meine erste Wahl war nun der Quilter Aviator Cub 112 Combo*. Tolles Gewicht, super Demovideo meines Lieblings-YouTubers JayLeonardJ und aus Erfahrung mit meinem Bassverstärker mehr als genug Leistung.

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Skeptische Kollegen tendierten eher zur Röhrenauswahl von Blackstar, insbesondere dem HT-20R MkII Combo*. Dessen Leistung könnte auf 2 Watt reduziert werden und die ISF Tone Control macht ihn flexibel. Nicht übel. Doch beim Blick auf den Preis von 699 Euro zeigte sich das schlechte Gewissen. Würde es mir tatsächlich möglich sein, das von oben festgesetzte Budget von 500 Euro um satte 200 Euro zu erhöhen? Mal ehrlich, realistisch ist das nicht. Dann vielleicht doch die 5 Watt-Variante*?

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Die Anforderungen Teil 2

Okay, zurück zu Schritt 1 und die Anforderungen nochmal in Erinnerung gerufen: 500 Euro, einfache Bedienung. Hinzu kam auch noch, dass sich der Fachbereichsleiter nach meinen ersten Vorschlägen in die Diskussion einmischte. Seiner Erfahrung nach bringen junge Schüler nie Effektgeräte mit, weshalb der neue Verstärker bitte mindestens zweikanalig sein müsse.

Na toll, dachte ich mir. Aus der Traum vom ohnehin zu teuren Quilter. Was gibt es denn da überhaupt? Zunächst schlug ich Röhrenverstärker mit einer Boost-Funktion vor, weil das für mein Empfinden recht nah an zwei dedizierte Kanäle rankam. Beispielsweise den Laney Cub Super-12* oder Marshall Origin 20C*. Doch das wurde dankend abgelehnt.

Die finale Auswahl

Am Ende reduzierte sich die Auswahl auf zwei Combos: Den Marshall DSL20CR* und einen absoluten Außenseiter, den Orange Crush CR60C.* Ich muss zugeben, dass ich bei beiden Geräten zunächst die Nase rümpfte. An einen Marshall hatte ich absolut nicht gedacht. Warum nicht? Weil ich die Firma als wenig flexibel und mit einem unbrauchbaren Clean-Sound abgespeichert habe. Tatsächlich scheint jedoch die DSL-Serie seit langer Zeit überraschend gut anzukommen. Das Fazit im internationalen Gearnews-Kollegium: „Marshall DSL ist unterschätzt!

Allerdings wurde mir mehrfach zur 40 Watt-Variante* geraten, die mit teuflischen 666 Euro leider zu kostspielig war. (Danke nochmal an unseren freundlichen Gearnews-Leser für seine Tipps!) Und Orange?

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Die Entscheidung

Am Ende fiel die Entscheidung auf den guten alten Orange CR60C. Dieser Tipp kam aus England, von Autor Jef von Gearnews.com mit den Worten: „It will destroy all these other combos you have suggested and it comes in under budget. Plus, great pedal platform.

Das ist doch mal eine Ansage. Laut ihm sind diese Combos wie Panzer gebaut, sodass sie auch auf lange Sicht gut in einer Schule überleben werden. Tatsächlich kennt er jemanden aus einer Bandraumvermietung, der auf die Geräte schwört.

Das Gute: Man muss sich nicht um die Röhren kümmern! D.h. es entstehen keine Folgekosten und ich stehe nicht doof da, falls das Gerät zur Reparatur muss. Ausschlagend war aber tatsächlich der Sound, z.B. aus den folgenden Videos.

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Abschluss: Orange-Nachfolger und Deluxe-Varianten

Nach dem gestrigen ersten Bandcoaching (Soulband mit Git, Bass, Voc, Klavier, Drums) bin ich mit dem Ergebnis zufrieden! Der Verstärker performt viel souveräner als sein unterdimensionierter Vorgänger, hat mehr Reserven, einen besseren Drive-Sound (weil eben auch ein eigener Drive-Kanal) und füllt den Raum besser aus. Auch die drei recht unterschiedlichen Reverb-Typen gefallen mir gut.

Natürlich fehlt mir der Direktvergleich mit den anderen Kandidaten, aber das war leider nicht möglich. Wie hättet ihr euch entschieden? Ein kleiner Schrecken kam auf, als kurz nach dem Kauf des Crush 60 ein Nachfolger in Form des Super Crush 100 Combos veröffentlicht wurde. Glücklicherweise war dieser mit 699 Euro ohnehin aus dem Rennen.

Solltet ihr selbst oder eure Musikschule ein richtig amtliches Budget bewilligen, so könntet ihr einerseits den Super Crush 100 checken. Andererseits gäbe es da noch den EVH 5150 Iconic 40W* oder die Fender Tonemaster-Combos. Ich für meinen Teil bin froh, dass ich nicht weiter Suchen muss und hoffe, euch hat mein kleiner Erfahrungsbericht auf der Suche nach einem Verstärker für den Gitarrenunterricht zugesagt.

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6 Antworten zu “Stringtheorie: Verstärker für den Gitarrenunterricht”

  1. klaus sagt:

    Deckt sich ziemlich mit meinen Erfahrungen in der Musikschule (da war ich „Popularmusikbeauftragter“ haha …). Röhrenamps wären für den Nachwuchs schon gut, weil sie die Spieltechnik (und die Mängel) sehr deutlich herausstellen, aber bitte zu Hause, in der Schule hält das nicht lang. So ein Ding wird von einem Zimmer ins andere geschleift, auf Open Air Gigs auf Weihnachtsmärkte usw. Dann will der Kollege mal schnell ein Keyboard anschließen … Schülerinnen wollen/können auch oft keine 20kg oder mehr schleppen (jeder sein eigenes Zeug!). 500 Eus ist auch schon ein ordentlicher Batzen für die meisten Schulen (weil da gibts doch auch was von Harley Benton?).
    Da bleiben dir nur die klassischen Transistor Combos …
    Was ist mit dem Peavey Bandit? Den gibts noch, der passt ins Budget und den kriegen Musikschulen schon seit 25 Jahren nicht kaputt?

  2. Ein freundlicher Gearnews-Leser ;) sagt:

    „Anfänger werden sich bei diesen Geräten doch sicher komplett verirren. Ich jedenfalls sah mich wertvolle Unterrichtszeit mit der Suche nach Sounds vergeuden.“

    Gutes Argument!

    • klaus sagt:

      Sehr gutes Argument! Klar sollten die Anfänger ein (gerne auch günstiges) Digitalteil zu Hause haben. Einfach schon um sich mit Sounds generell zu befassen, das gehört ja auch dazu und das ist heute im Vergleich zu unserer Jugend (Mann bin ich alt …) ja wirklich für kleines Geld zu haben.
      Im Unterricht wärs echt Schad um die Zeit …

      • Ein freundlicher Gearnews-Leser ;) sagt:

        Es gab damals nur einen Regler der gedreht wurde: VOLUME! Ich in die eine Richtung – meine Eltern in die andere ;)

        Mehr konnte mein erster Amp eh nicht wirklich. :(

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