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Zurück in die Zukunft? Verdrängt die Schallplatte bald die CD?  ·  Quelle: Ralf Schlünzen

Schallplatten kenne ich größtenteils nur noch von meinen Eltern. Ich bin in der Zeit der Kasetten und CDs groß geworden. Irgendwann habe aber auch ich angefangen, meine Lieblingsalben auf Vinyl zu sammeln. Vor allem nach Konzerten nehme ich mir gerne mal eine LP für später mit heim. Ich bin aber nicht der Einzige, wie der Sender BBC letztes Jahr festgestellt hatte.

Laut dem Bericht von BBC wurden in England, bzw. dem gesamten United Kingdom, im letzten Jahr so viele Schallplatten wie zuletzt 1996 verkauft. Es ist also definitiv wieder auf dem aufsteigendem Ast. Woran könnte das liegen?

Eigentlich ist man heutzutage mehr Luxus gewöhnt. Man dreht nicht alle 15-30 Minuten die Platte um, damit die Musik weiter geht. Man hat vielmehr tagelange Abspiellisten aus vielen tausend MP3s auf dem Computer oder man trägt sie in einem kleinen Player mit sich herum. Musik ist Alltag geworden. Dauerbeschallung. Aber hört man noch genau hin? Ich vermute, dass viele Musik nebenbei dudeln lassen, um nicht in komplett ruhiger Umgebung zu sitzen. Auch ich höre gerade Musik beim Tippen dieser Zeilen. In der Liste befinden sich vier Alben im Zufallsmodus.

Ab und an habe ich aber genug von dieser Art Musik zu hören. Dann setze ich mich auf meine Couch im Wohnzimmer, hole eine LP aus dem Schrank und lege sie auf. Es knackst und raschelt ein wenig, dann geht es los. Nach ungefähr 15 Minuten ist der Spaß vorbei und ich drehe die Platte um. Währenddessen merke ich, wie ich mich auf die Musik fixiere und die Feinheiten heraushöre, die ich am PC nie wahrnehmen würde. Nicht, weil meine Studio-Monitore so billig sind, sondern weil es eben nebenbei passiert. Es macht viel mehr Spaß, die kleinen Störgeräusche des Gitarrenamps in den Spielpausen wahrzunehmen. Der Snare-Teppich raschelt leise mit, wenn der Bassist in die Saiten haut. Der Sänger wird beim Atmen ertappt. Die komplette Wahrnehmung ist auf Musik fixiert. Ist es das, was in unserer Konsumgesellschaft, in der es nahezu alles im Überfluss gibt, den Antrieb für die Vinylkäufer bildet? Besinnen sich die Hörer wieder auf die Musik selbst und möchten das Kunstwerk so verstehen, wie es gemeint ist? Ich kann für mich sagen: So und nicht anders.

BBC spricht im Beitrag in erster Linie für das United Kingdom. Ob es im Rest der Welt auch so aussieht, konnte ich noch nicht herausfinden, ich nehme aber an, dass es da ähnlich aussieht. Mich als Vinyl-Kunden freut es sehr, dass die großen Labels nun auch wieder mehr Schallplatten veröffentlichen. Ich kaufe viel lieber eine LP inkl MP3 Download, dann habe ich das Beste aus beiden Welten und habe etwas zum in die Hand nehmen, Sehen und Fühlen. Vielleicht stirbt die CD ja in wenigen Jahren aus? Vielleicht hat sie in 30 Jahren auch die zweite Renaissance in der nächsten Retro-Welle? Es bleibt spannend.

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R.R.
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Same here. Ich finde, Schallplatten hören macht mehr Spaß und man hört eben mal genauer hin. Natürlich muss man eine gute Pressung erwischen. Ich liebe das Knacksen der Staubflusen – Analog Power. :)

Labofmusic Records
Gast
Labofmusic Records

Ich sehe das genau wie R.R., die Platten sind zumeist besser was den Sound betrifft, also was Dyamik angeht, zumindest die älteren Scheiben. Es war und ist heute noch so, dass Musik ein Genuss sein sollte und einfach mal den Playbutton drücken ist eben nicht wie zuerst Nadel und Platte reinigen, auflegen udn abspielen :-)

gearnews
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gearnews

Was die Dynamik angeht stimme ich zu. Allerdings beim Sound etwas als
besser zu bezeichnen ist gewagt. Es ist eben ein angepasstes Master. Ich habe aber in einer Diskussion mal gelernt, mich nicht mit Audiophilen anzulegen, die selbst den Unterschied zwischen Stromkabel für 5€ und 2000€ meinen zu hören (nicht auf dich bezogen). ;)