von  Jan Rotring  | |  Lesezeit: 11 Min
Shoegaze Kaufberater

Shoegaze Kaufberater  ·  Quelle: Ashly Covington / Alamy

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Wenn die Gitarre im Nebel verschwindet… Shoegaze ist eines der Genres, über das man eher spät in der Musik-Hörer-Karriere stößt. Aber was zur Hölle ist das eigentlich? Die Gitarre ist zwar irgendwie da – aber gleichzeitig auch nicht. Sie ist Fläche, Atmosphäre, Geräusch und Melodie zugleich. In unserem Shoegaze Kaufberater versuchen wir, ein paar Ideen für ein gutes Setup zu geben. Und wenn du zusätzlich noch weitere Effekte hast: Die passen auch. Sicher.

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Bands wie My Bloody Valentine oder Slowdive haben es geschafft, die klassische Rolle der Gitarre komplett aufzulösen. Statt klarer Riffs oder virtuoser Soli steht hier etwas anderes im Mittelpunkt: Klang als Raum.

Und dieser Raum entsteht nicht zufällig. Auch wenn Shoegaze fürs ungeübte Ohr zunächst mal mehr nach Chaos klingt, steckt dahinter ein durchdachtes Zusammenspiel aus Gitarre, Verstärker und (vor allem) Effekten. Nicht nur die Pioniere des Genres, auch moderne Bands wie DIIV zeigen immer wieder, dass dieser Ansatz heute relevanter ist denn je.

In diesem Kaufberater geht es also darum, diesen Sound zu gestalten und mit möglichst erschwinglichem Gear möglichst nah ran zu kommen. Aber zunächst gucken wir mal, was den Shoegaze-Sound eigentlich ausmacht.

Der Shoegaze-Sound: Fläche statt Fokus

Pioniere des Shoegazing: Slowdive
Pioniere des Shoegazing: Slowdive · Quelle: Roger Garfield / Alamy

Ich habe mich lang schwer mit Shoegaze getan: Ganz in alter Manier habe ich nach dem richtigen Riff oder dem perfekten Gain-Setting gesucht. Beides ist in diesem Kontext… sagen wir mal: zweitrangig.

Denn im Kern geht es beim Shoegaze-Sound nicht um einzelne Noten, sondern um das große Ganze. Shoegaze lebt von Flächen, von übereinanderliegenden Gitarrenspuren, von Sounds, die sich gegenseitig überlagern und miteinander verschmelzen. Der einzelne Anschlag verliert sozusagen an Bedeutung – entscheidend ist mehr, was danach mit den gespielten Noten passiert. Erinnert mich ein wenig an meine Experimente mit Soundlandschaften.

Die Beschäftigung mit Shoegaze führt für mich zu einem interessanten Perspektivwechsel: Während man in vielen anderen Genres versucht, möglichst klar und definiert zu klingen, darf (soll/muss) es hier ruhig verschwimmen. Der Sound bewegt sich oft irgendwo zwischen kontrolliertem Feedback, dichtem Hall und leicht verstimmten Akkorden.

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Das bedeutet dann auch: Das Gear muss anders gedacht werden. Die Gitarre liefert den Rohstoff, der Amp bildet die Grundlage – aber das eigentliche Klangbild entsteht erst dazwischen und danach.

Shoegaze Kaufberater: Gitarren

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Es gibt einen Grund, warum man bei Shoegaze fast automatisch an Offset-Gitarren denkt. Modelle wie die Jazzmaster oder Jaguar sind nicht nur optisch eng mit dem Genre verknüpft – sie bringen auch genau die Eigenschaften mit, die dieser Sound braucht.

Zum einen sind da die Singlecoils. Sie liefern einen offenen, transparenten Grundsound, der genug Platz lässt für alles, was danach kommt. Ein zu heißer Humbucker kann hier schnell alles „zukleistern“, während ein klarer Singlecoil die perfekte Leinwand für Effekte bildet.

Zum anderen spielt das Tremolo-System eine entscheidende Rolle. Gerade im Kontext von My Bloody Valentine ist die sogenannte Glide Guitar ein zentrales Stilmittel und feststehender Begriff: Akkorde werden angeschlagen, während das Tremolo leicht (!) bewegt wird. Das Ergebnis ist ein schwebender, leicht instabiler Ton, der sofort nach Shoegaze klingt.

Die zentrale Stellung der Offset-Gitarren im Shoegaze bedeutet aber nicht, dass du zwingend eine Jazzmaster brauchst. Auch Strat, Tele oder sogar Semi-Hollow können hervorragend funktionieren – solange der Grundsound nicht zu komprimiert oder gar klinisch-klar ist. Shoegaze lebt von kleinen Unsauberkeiten, von Charakter, von Dingen, die man in anderen Genres vielleicht rausdrehen würde.

Ein oft unterschätzter Punkt ist dabei die Arbeit mit der Gitarre selbst. Volume- und Tone-Poti sind integraler Bestandteil des Sounds. Statt alles am Amp oder Pedal einzustellen, sollte der geneigte Shoegaze-Gitarrist versuchen, möglichst viel am Instrument selbst zu drehen.

Ich persönliche bin als Freund der festen Bridge meist eher aufgeschmissen, wenn es um Vibrato-Sounds geht. Mit einer Jazzmaster kann man aber auch als Fest-Bridge-Junkie schnell klarkommen. Meine Empfehlung für alle, die sich mit Shoegaze, Indie und Co. auseinandersetzen ist daher schon lang die Fender Player II Jazzmaster RW BCG. Preis-Leistungs-Verhältnis, Bespielbarkeit und Design sind in meinen Augen ungeschlagen, wenn es um Offset-Fender geht.

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Fender Player II Jazzmaster RW BCG
Fender Player II Jazzmaster RW BCG
Kundenbewertung:
(2)

Amps: Der cleane Unterbau für das Chaos

Vox AC30 60th Anniversary Teaser
60th Anniversary – AC30 mit Schaltung von damals · Quelle: Vox Amps / Youtube

Wenn man sich Shoegaze-Sounds mal isoliert anhört, könnte man zum Eindruck gelangen, dass der Verstärker eine eher untergeordnete Rolle im Sound-Wirrwarr spielt. Und ein Stück weit stimmt das auch, denn der Amp ist selten der Star.

Während in vielen Genres der Großteil des Sounds direkt aus dem Verstärker kommt, verhält es sich beim Shoegaze anders: Der Amp bildet eine stabile, möglichst neutrale Grundlage, auf der alles andere aufbaut. Er ist nicht dafür da, Charakter aufzuzwingen, sondern in erster Linie Raum zu geben.

Typische Kandidaten sind daher klassische Clean-Amps aus dem Hause Fender oder ein Vox AC30. Der geht eh immer. Wichtig sind bei der Auswahl: Headroom, Dynamik und ein offenes Klangbild. Besonders wichtig ist, dass der Amp auch bei höherer Lautstärke sauber bleibt und nicht früh in die Sättigung geht. Die ganzen Pedale müssen ja schließlich auch irgendwo Platz nehmen. Aber dazu gleich mehr.

Eins noch zum Thema Zerre: Zu viel Preamp-Gain nimmt dem Signal die Luft zum Atmen und ie Effekte verlieren an Tiefe, der Sound wird flach. Shoegaze funktioniert dann am besten, wenn der Verstärker Lautstärke statt Verzerrung liefert. Die Dynamik kommt aus dem Zusammenspiel von Gitarre und Effekten, nicht aus einem überfahrenen Preamp. 

Das bedeutet nicht, dass der Amp komplett neutral sein muss. Ich mag es, wenn der Amp einen gewissen Grundcharakter mitbringt. Daher ist der glockige Höhenbereich des Vox AC30 mein Favorit für alles, was in Richtung Shoegazing geht. 

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Vox AC30 Handwired
Vox AC30 Handwired Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Effekte: Der eigentliche Sound entsteht hier

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Wenn es in meinem kleinen Shoegaze Kaufberater einen Bereich gibt, in dem man sich verlieren kann, dann ist es dieser hier. Effekte sind in diesem Genre nicht das i-Tüpfelchen, sondern das eigentliche Herzstück. Ohne Effekte kein Shoegaze. Auch der Name des Genres basiert übrigens auf übergroßen Pedalboards: Weil die Gitarristen stets nach unten (auf ihre Schuhe und Pedale) starren, wurde der Name des Genres geboren. Passend. 

Was den Reiz ausmacht ist, dass die Effekte nicht nebeneinander, sondern miteinander arbeiten. ReverbDelayFuzz und Modulation greifen ineinander, überlagern sich und erzeugen den dichten, schwebenden Klang, der das Genre definiert.

Reverb: Der Raum als Instrument

In den meisten Genres wird Reverb vorsichtig eingesetzt. Ein bisschen Raum, ein bisschen Tiefe – fertig. Im Shoegaze gelten andere Regeln. Hier darf – nein, hier soll – der Hall den Sound dominieren.

My Bloody Valentine etwa haben gern mit extremen Einstellungen gearbeitet, die man sonst eher als „zu viel des Guten“ bezeichnen würde. Lange Decays, hoher Mix-Anteil, teilweise sogar Reverb vor der Zerre – all das trägt zu diesem charakteristischen „Nebel“ bei.

Besonders spannend wird es mit speziellen Varianten wie Reverse Reverb oder modulierter Hall. Sie sorgen dafür, dass der Ton nicht einfach nur ausklingt, sondern sich bewegt und verändert, während er im Raum steht.

Mein Tipp in dieser Sache ist und bleibt das Walrus Audio Slöer Ambient. Die große Schwester des bereits großartigen Slö bietet alles, was das Herz begehrt. Und noch viel mehr! Schaut gern mal hier vorbei: Walrus Audio Slöer Ambient

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Walrus Audio Slöer Ambient Reverb Blue
Walrus Audio Slöer Ambient Reverb Blue
Kundenbewertung:
(9)

Delay: Tiefe, Bewegung und Unschärfe

MXR Carbon Copy Deluxe Pedal Front
Das Deluxe bringt Tap Tempo und mehr · Quelle: MXR

Wenn Reverb den Raum definiert, sorgt Delay für die Verbindung innerhalb dieses Raums. Es verlängert den Ton und schafft eine zusätzliche Ebene zwischen Anschlag und Ausklang.

Im Gegensatz zu rhythmisch präzisen Delay-Sounds, wie man sie etwa aus dem U2-Kontext kennt, wird Delay im Shoegaze meist subtil eingesetzt: Wenige Wiederholungen, oft leicht moduliert, manchmal fast unhörbar und trotzdem (oder gerade deshalb) so effektiv.

Ob analog, digital oder Tape-Style ist dabei fast Geschmackssache. Wichtig ist vor allem, dass sich das Delay organisch in den Gesamtklang einfügt und nicht als separater Effekt wahrgenommen wird.

Ich persönlich liebe mein MXR M 292 Carbon Copy Deluxe. Mit einer maximalen Delayzeit von 1,2 Sekunden, Tap Tempo, programmierbaren Presets und vielem mehr ist das Teil für alles gut. Aber eben auch für meinen Shoegaze Kaufberater.

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MXR M 292 Carbon Copy Deluxe
MXR M 292 Carbon Copy Deluxe
Kundenbewertung:
(55)

Fuzz & Overdrive: Die Wand bauen, ohne sie zu zerstören

Fuzz Pedal - Genie und Wahnsinn
Fuzz Pedal – Genie und Wahnsinn · Quelle: Oleksandr Perepelytsia / Alamy

Natürlich braucht auch der Shoegaze Kaufberater Verzerrung. Aber anders, als man es vielleicht erwartet. Es geht diesmal nicht um Aggression und Tightness, sondern um Textur und Dichte.

Fuzz-Pedale spielen hier traditionell eine große Rolle. Sie liefern eine gewisse Unschärfe und Komplexität, die perfekt mit Reverb und Delay harmoniert. Gleichzeitig ist es wichtig, die Balance zu halten: Zu viel Gain kann den gesamten Sound schnell in ein undefiniertes Rauschen verwandeln.

Interessant wird es, wenn mehrere Gain-Stufen kombiniert werden. Ein leicht angezerrter Grundsound, darüber ein Fuzz für bestimmte Passagen – so entsteht eine Wand, die atmet und sich bewegt, statt statisch zu wirken. Mehr dazu findet ihr hier: Gain-Stacking.

Für wärmere, leicht angekratzte Sounds nutze ich aktuell eine Neuentdeckung, die ich, soviel sei gesagt, noch nicht vollständig erkunden konnte. Doch das JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive ist ein großartiges, wunderschönes und einmalig klingendes Overdrive-Pedal der Extraklasse, das auch in meinem Shoegaze Kaufberater nicht fehlen soll!

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JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive
JHS Pedals Morning Glory Clean Overdrive
Kundenbewertung:
(2)

Modulation: Leben im Stillstand

Der vielleicht subtilste, aber nicht weniger wichtige Bestandteil des Shoegaze-Sounds ist die Modulation. ChorusVibrato oder Phaser sorgen dafür, dass selbst stehende Akkorde nie ganz stillstehen.

Gerade im Zusammenspiel mit Reverb und Delay entsteht dadurch ein Klangbild, das ständig in Bewegung ist, ohne sich aufzudrängen. Ein leicht moduliertes Signal kann den Unterschied machen zwischen „gutem Sound“ und „ich könnte mich da stundenlang drin verlieren“.

Obwohl wir im Shoegaze Kaufberater sind, gilt hier: Weniger ist mehr! Die besten Modulationseffekte im Shoegaze sind die, die man nicht sofort als Effekt erkennt – sondern einfach als Teil des Sounds wahrnimmt.

Als Phaser kommt bei mir der gute, alte MXR Custom Shop Phase 90 LED zum Einsatz. Das Teil habe ich mal als Ersatz für den klassischen Phase 90 gekauft und nie wieder den Bedarf an einem anderen Phaser gehabt.

Chorus und Vibrato laufen bei mir durch ein Walrus Audio Julianna Chorus. Ich liebe die Möglichkeit, das Teil in Stereo zu bespielen und habe einige meiner Tests zu diesem Artikel damit verbracht: Stereo für Gitarristen.

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Walrus Audio Julianna Chorus
Walrus Audio Julianna Chorus
Kundenbewertung:
(35)
MXR Custom Shop Phase 90 LED
MXR Custom Shop Phase 90 LED
Kundenbewertung:
(226)

Signal Chain: Wenn „falsch“ plötzlich richtig ist

Shoegaze Kaufberater: My Bloody Valentine
Shoegaze Kaufberater: My Bloody Valentine · Quelle: Steve Speller / Alamy

In fast jedem Gitarrenratgeber wird dir eine saubere, logische Effektkette empfohlen. Overdrive vor Modulation, Delay und Reverb am Ende, alles schön ordentlich. Und ja: Das funktioniert. Meistens. 

Shoegaze ist jedoch einer der wenigen Bereiche, in denen du diese Regeln ganz bewusst ignorieren solltest.

Ein klassisches Beispiel ist Reverb vor der Zerre. In anderen Genres würde man das vermeiden, weil der Sound schnell matschig wird. Im Shoegaze ist genau das der Punkt. Der Hall wird verzerrt, komprimiert, „zerlegt“ – und plötzlich entsteht dieser dichte, fast schon synthetische Klangteppich.

Auch Delay vor Fuzz kann spannend sein. Die Wiederholungen werden nicht sauber reproduziert, sondern jedes Mal ein bisschen mehr „kaputt gemacht“. Das Ergebnis ist weniger ein Echo als eine Art bewegte Klangfläche.

Das bedeutet nicht, dass alles beliebig ist, erlaubt aber, sich von klassischen Denkweisen zu lösen. Die Signal Chain ist hier kein starres System, sondern ein Werkzeug zum Experimentieren.

Fazit: Shoegaze ist kein Sound – es ist ein Ansatz

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis dieses Artikels: Mein Shoegaze Kaufberater lässt sich nicht auf ein bestimmtes Pedal oder einen bestimmten Amp reduzieren.

Es ist die Art, in der das Equipment genutzt wird. Wie du mit Raum umgehst, mit Dynamik, mit Unschärfe. Wie du zulässt, dass der Sound sich entwickelt, statt ihn komplett zu kontrollieren.

Das Gear ist dabei ein entscheidender Faktor, aber eben nur ein Teil des Ganzen. Die eigentliche Magie entsteht im Zusammenspiel. Und manchmal auch genau dann, wenn etwas nicht so funktioniert, wie es eigentlich sollte. Wenn man sich darauf einlässt, wird klar: Shoegaze ist weniger ein Ziel als ein Prozess. Deshalb machts ja auch so verdammt viel Spaß.

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