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DIN Is Noise - die Ansicht zum Zeichnen der Schwingungsformen inkl. FFT-Analyse  ·  Quelle: dinisnoise.org

DIN Is Noise - die Keyboard / Performance Ansicht  ·  Quelle: dinisnoise.org

DIN Is Noise - eine Horde von Drones erliegt der virtuellen Schwerkraft  ·  Quelle: dinisnoise.org

DIN Is Noise ist anders. Und was für Nerds. Das gleich vorweg! Zwar ist dieser virtuelle Klangerzeuger nicht gänzlich neu, doch vor einigen Tagen wurde eine neue Version veröffentlicht. Eine gute Gelegenheit, um dieses außergewöhnliche Stück Software kurz vorzustellen. Hierbei handelt es sich nicht um das nächste Derivat eines Brot und Butter Software-Synthesizers mit einer erschlagenden Menge an durchgestylten und sofort verwendbaren Presets. Hier darf man sich seine Sounds in kompletter Handarbeit selbst erstellen bzw. zeichnen.

Zeichnen? Richtig!  Während anderswo zumeist eine Anzahl von Oszillatoren mit definierten Schwingungsformen als Basis der Klanggestaltung dient, bietet DIN Is Noise die Möglichkeit, zur Maus zu greifen, um sodann mithilfe von Bézierkurven verschiedenste Schwingungsformen konstruieren zu können. Gleiches gilt im Übrigen auch für Filterung und Modulation der Klänge: Auch diese lassen sich mit Bézierkurven nach Belieben malen und manipulieren.

Grundsätzlich bietet DIN Is Noise insgesamt vier Spielmethoden:

Der Modus „keyboard-keyboard“ erklärt sich im Prinzip schon von selbst und dient der Performance der vorher erstellten Klänge. Zum Einspielen kann sowohl die Tastatur des Rechners, aber auch ein MIDI-Keyboard eingesetzt werden.

Im Mondrian Modus wird eine Art zweidimensionaler Raum in der Draufsicht inklusive Tonhöhenangaben in der X und Y-Achse dargestellt. In diesen Raum kann man nun virtuelle Bälle werfen. Bei jeder Berührung mit den Begrenzungen dieses Raumes wird der Ton gespielt, an dem der virtuelle Ball abprallt. Zur Namensgebung des Mondrian Modus konnte ich keine hilfreiche Erklärung finden, vermutlich wird dieser sich aber auf den Künstler Piet Mondrian und seine neoplastizistischen, geometrisch ausgestalteten Werke beziehen.

Eine gänzlich andere Herangehensweise wiederum bietet das „microtonal-keyboard“. Hier hat man die Möglichkeit, mithilfe der Maus gleichzeitig sowohl die Höhe des erzeugten Tones als auch die Lautstärke zu variieren. Eine Bewegung des Mauszeigers in der X-Achse verändert hierbei natürlich die Tonhöhe, die Y-Achse dagegen steuert die Lautstärke. Mit etwas Übung kann man hier dem Theremin ähnelnde Klangresultate erzielen.

Der vierte Modus erlaubt es, so genannte Drones aus beliebigen Positionen abzufeuern. Diese erklingen dann in der Tonhöhe, auf der sie platziert wurden. Doch damit nicht genug: Die Drones müssen nicht zwangsläufig statisch auf der definierten Tonhöhe und Lautstärke verbleiben. Genauso gut können sie anhand verschiedener Parameter in Bewegung versetzt werden. So ist es beispielsweise möglich, dass die Drones langsam – einer „virtuellen Gravität“ folgend nach unten sinken, um sodann zu verstummen. Oder man definiert eine Verfallszeit, nach der eine Drone ihr Leben aushaucht. Die Möglichkeiten sind hier enorm und man erahnt bereits jetzt, welche abgefahrenen Klang-Konstrukte hier geschaffen werden können.

Dieser Artikel erhebt keinesfalls einen Anspruch auf Vollständigkeit. DIN Is Noise ist eine wahre Klang-Fundgrube, die entsprechende Einarbeitungszeit in das doch sehr spezielle Bedienkonzept voraussetzt. Hier kommt man mit Sicherheit nicht nach wenigen Minuten zu dem neuen Sound, den man schon immer suchte. Hat man sich jedoch einmal ausgiebig mit diesem Synthesizer auseinander gesetzt, ergeben sich spannende und vor allem unkonventionelle Möglichkeiten beim kreativen Sounddesign.

Verfügbar ist die Software seit einiger Zeit übrigens nicht mehr nur ausschließlich als freie Version für Linux. Auch für Windows und Mac OS gibt es den ausgefallenen Klangerzeuger. Hier kann gewählt werden zwischen einer Lifetime-Lizenz für 50 USD und einer nicht für zukünftige Updates berechtigten Version für 20 USD. Weiterhin zu beachten ist, dass DIN Is Noise nicht als Plugin innerhalb einer DAW, sondern ausschließlich Standalone lauffähig ist. Alle weiteren Informationen sowie erklärende Screenshots und Videos finden sich auf der Website des Entwicklers.

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Ha, das is ma geil. Ich überlege noch ob ich es kaufe. Is ja schon sehr abgedreht.