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Cockos Reaper 5 Theme GUI modern flat

Das neue Theme von Reaper 5 ist deutlich moderner als in den vergangenen Versionen  ·  Quelle: reaper.fm

Vor ein paar Tagen hat Cockos die neuste Major-Version von Reaper vorgestellt. Version 5 bringt sehr viele Neuerungen und Verbesserungen mit. Ich habe es mir mal angeschaut.

Die nicht-kommerzielle Lizenz kostet weiterhin 60 USD, die kommerzielle Lizenz 225 USD – allerdings benötigt man die nur, wenn man mehr als 20000 USD im Jahr mit Reaper verdient. Ich denke, dann ist auch ein Punkt erreicht, dass man die Mehrkosten easy tragen kann. Denn man bekommt im Gegensatz zu anderen Herstellern bei Cockos immer eine Lizenz für zwei Versionen – wer also jetzt für Reaper 5.0 eine Lizenz erwirbt, kann diese bis Reaper 6.99 verwenden. Ich bin wieder dran, da meine 3er und 4er Lizenz abgelaufen sind (weiterhin aber für die alten Versionen gültig, dafür gibt es eben nur keine Updates mehr). Alle sechs Jahre für eine DAW 60 USD zu zahlen, finde ich aber mehr als fair – Reaper 3.0 kam im Mai 2009 raus.

Wie Herr Frankel, Chef und Gründer von Cockos, den Preis über Jahre so weit unten hält, weiß ich nicht. Ich denke, es ist ein Mix aus einem sehr fähigen, kleinen Entwicklerteam und den verbliebenen Gewinnen aus dem Verkauf seines ersten, legendären Musikprogramms Winamp an AOL.

Reaper 5 bringt allerhand neue Features mit. Die Liste war an sich schon bekannt, auch wenn noch nicht alle angekündigten Funktionen implementiert wurden. Wie ich Cockos kenne, kommen die aber mit einem kostenlosen Minor-Release einfach dazu – woanders gibt’s neue Funktionen für das Programm nur, wenn man ein Abo hat.

Die großen Neuerungen in Reaper 5 sind:
– VST 3 Support
– VCA Spuren
– Verbesserungen und Real-Time Effekte für Video
– komplette FX-Parameter Automation
– neues Theme
– Metronom Beat-Patterns

Auf jeden Fall etwas, womit man für eine neue Version werben kann. VCA und VST3 waren zwar seit geraumer Zeit überfällig, dennoch erfreue ich mich der neuen Möglichkeiten. Besonders die Beat-Patterns des Metronoms haben es mir angetan. Die neuen Video-Features sind ziemlich klasse, allerdings besteht ein Haken: Man muss mit ReaScript, Reapers eigener Programmiersprache, in einem Textfeld arbeiten. Das ist auf jeden Fall nicht zeitgemäß und auch nicht nutzerfreundlich.

Das neue Theme ist dafür mit der Zeit gegangen. Schlichter und flacher – und endlich entsprechen die Farben im Mixer den gewählten für die Audio- und MIDI-Clips. Während V4 sah es eher nach unschönen Neonfarben der 80er aus, wenn man das Standard-Theme verwendet hatte. Das neue Theme lässt sich nun leichter vom Nutzer ändern. Allerdings ist auch hier etwas Textarbeit in einer Config-Datei notwenig und ist nicht so einfach über eine übersichtliche GUI-Lösung einstellbar. Wie gewohnt sind aber auch wieder die Themes umstellbar, im Lieferumfang sind wieder die alten Versionen von V1 an dabei.

Leider haben es von den Reaper-Usern die viel gewünschten MIDI-Verbesserungen und der Noten-Editor nicht in die Release-Version geschafft. Letzterer dürfte schmellstmöglich nachgereicht werden, da er schon mal in einem Pre-Release zum Test freigegeben war. Ob da noch mehr bei MIDI passiert, bleibt abzuwarten. Zeit wäre es – bis dahin bleiben Komponisten sicher weiter bei Logic und Cubase, die deutlich mehr Features bereitstellen. Aber auch „etwas“ mehr kosten.

Generell kann ich nach einem Wochenende mit Reaper 5 sagen, dass das Update sich für mich auf jeden Fall gelohnt hat. 60 USD tun wirklich nicht weh, dafür habe ich auch VST3 und VCA Fader Support erhalten. Mit MIDI habe ich nicht mehr als rudimentäre Drum-Tracks, somit ist das für mich verschmerzbar. Die Verbesserungen der Videofunktion sind klasse, allerdings bin ich mir noch nicht sicher, ob ich Bildeffekte in einem Audioprogramm brauche. Wohl eher nicht. Im Vergleich zu anderen DAWs fehlt mir auch noch ein Arranger-Track. Der dürfte eigentlich nicht so schwierig zu implementieren sein. Cockos tut sich da aber schon seit Jahren etwas schwer.

Wer sich noch nicht sicher ist, ob er von einer alten Version umsteigen möchte, kann wie gewohnt die neue Version in vollem Umfang 60 Tage lang testen. Und wenn es nicht behagt, dann ist die Reaper-Installation mit unter 50 MB auch schnell wieder komplett von der Platte gewischt.

Mehr Infos: Cockos Reaper 5

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