von Moogulator | 4,3 / 5,0 | Geschätzte Lesezeit: 6 Minuten | Unsere Wertung: 4,0 / 5,0
Akai AX-80 Synthesizer 1984

Akai AX-80 Synthesizer 1984  ·  Quelle: Sequencer.de

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Guten Tag, ich bin der Akai AX-80. Nie war ich total angesagt, aber habe neben Klassikern wie dem Roland JX-8P eine Menge interessante Features und mein Klang ist anders als vieles am Markt. Vielleicht bin ich sogar flexibler als „man so denkt“?

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Akai AX-80 heute

Der achtstimmige Synthesizer war 1984 eine interessante Idee, jedoch hatte Yamaha ein Jahr zuvor den sechtzehnstimmigen DX-7 gezeigt. Mit seinem höheren Preis, aber den vielen Stimmen, hatten sich rein analoge Synthesizer aus dem Fokus der Musiker entfernt. Die Bedienung lag in etwa auf dem Level, wie man es damals erwartete. Allerdings hatte er ein sehr schön gestaltetes Balken-Display für jeden Parameter. Die Bedienung ist ansonsten einem Korg DW-8000 oder einem Roland JX-8P nicht unähnlich.

Die „Daten“ des AX-80 waren nicht schlecht für die Zeit. Er hat zwei frei mischbare Oszillatoren mit Puls- und Sägezahn mit einstellbarer Pulsbreite. Dazu besitzt er einen Suboszillator und die Fähigkeit diese beiden Hauptoszillatoren per Sync und Crossmodulation aufzuwerten.

Akai AX80

Akai AX80

Technik

Die Modulation ist für einen solchen Synthesizer durch zwei ADSR-Hüllkurven auf Lautstärke und Filter gegeben und auch die Tonhöhe ist so steuerbar. Man kann mit einer Einstellung beide gleichzeitig einstellen, was Zeit spart.
Bei den drei LFOs lassen sich getrennt jeweils die Oszillatoren einzeln ansteuern und der dritte steuert das Filter. Ein bisschen „geheim“, aber erkennbar, ist ein vierter LFO zur Pulsbreitensteuerung integriert. Die LFOs haben drei Wellenformen.

Das Filter ist ein klassisches Tiefpass mit einem statischen Hochpass. Diese Kombination kennt man von Roland Synthesizern. Die Resonanz ist so besonders, dass man für sie allein vielleicht diesen Synthesizer haben möchte. Der Sound ist extrem klarprägnant und knarzig. Sicherlich reichen die LFOs nicht in den Audiobereich hinein, tun aber einen guten Dienst für Crossmodulation und Sync, da sie unabhängig leichte Modulationen erlauben. Solche Sounds kann man leicht durch sanfte Animation lebendig machen.

Durch diese Dinge ist er ein guter Bass und Flächenhersteller. Auch ungewöhnliche und besondere Sounds sind möglich, immerhin hatte die Konkurrenz oft weniger LFOs. Normal besaßen die Kisten oft nur einen LFO in jener Zeit.

Controller und mehr im AX-80

Controller versteht er natürlich nicht bis auf Pitchbend und Modulation. Er hat dafür Chord Memory und Hold, um die Hände von der Tastatur zu lassen. Sounds können nicht gesichert oder geladen werden, da SysEx-Daten dem AX fremd sind. Diese Daten sichert man über die beiden Tape-Buchsen. Sie werden auf Audio-Kassetten-Recorder aufgenommen und können daher heute einfach gesichert werden. Das Hard-Bit-Rock-Gebritzel ist technisch nicht so viel anders, als die Daten der Heimcomputer der (früheren) Achtziger.

Auf der Rückseite gibt es einen Fußschalter zum Weiterschalten der Sounds und natürlich ein Sustain-Pedal. Der Ausgang ist Mono und es gibt drei solide MIDI-Ports, denn in jener Zeit wäre man nicht zu schnell auf die Idee gekommen den Thru zu sparen. Diese Unart wird heute immer üblicher, was ausschließlich Nachteile hat. Allerdings gibt es hier keinen Sequencer oder Arpeggiator.

MIDI Kit

Was es allerdings gibt ist ein Nachrüstsatz von 2016, um SysEx zurückzubringen. Dadurch lassen sich die beiden Bänke A und B getrennt laden und sichern. Außerdem werden Echtzeit-Controller möglich und der LFO freilaufend. Sende- und Empfangs-MIDI-Kanäle können dort eingestellt werden. Das ist sicher nicht „alles was man heute braucht“, es ist aber besser.

Das Set gibt es offenbar aber heute nicht mehr. Außerdem kann das Filter mit diesem Update in Echtzeit verändert werden. Außerdem wird die Programmnummer angezeigt, in die man Sounds speichert. Es gibt einige „nachgerüstete AX’e“. Die sind heute bereits in den vierstelligen Euro Bereich gewandert. Generell ist der AX-80 heute durchaus gesucht wegen seines Sounds und seiner Optik.

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Das Ändern von Sounds bedeutet hier Wahl auf einen der 32 Taster und Antippen oder / und Drehen eines Haupt-Parameter-Encoders. Die Balken werden damit auf und ab bewegt und bei wenigen Werten, wie etwa Oktavlage oder Wellenform, reichen ein paar Tastendrücke. Damit ist die Bedienung schneller, als an einem DW-8000 oder Poly-800, aber niemals gibt es mehr als eine Änderung in Echtzeit. Richtig gut ist aber die Echtzeitsteuerbarkeit eine Reihe von Parametern per MIDI-Controller, darunter Oktavlage, Tuning, Modulations-Quellenwahl bis hin zum LFO oder Hüllkurve(n) und mehr. Die Werte werden bei Modulation zwar nicht sofort per Bewegtbalken angezeigt, aber sie funktionieren. Eine Anwahl eines Parameters zeigt den „neuen“ Wert an.

Akai AX80 Display

Akai AX80 Display

AX-80 Emulation und andere AX-Synthesizer

Gibt es eine Emulation? Nein! Andere AX-Synthesizer, wie der AX-73 oder der „kleine“ AX-60 mit voller „Beknopfung“ (aber mit nur einem Oszillator), sind nicht die bessere Wahl und beide klingen „dünner“. Dafür haben einige einen 13-Pol-Anschluss für einen Sampler (S700-900 Serie). Zum VX/AX-73 gibt es zumindest eine Emulation und der VX-600 ist leider eher enttäuschend im Sound und der Breite.

Besonders wenn man weiß, dass er ähnliche Curtis-Chips als Basis hat, wie der Oberheim Xpander, dessen Sound ebenfalls noch niemand so echt emuliert hat, kann man es wirklich in Erwägung ziehen. Der Sound des AX-80 hat klar am meisten Substanz, deshalb ist er der Akai der Wahl. Außerdem sieht er irgendwie cool aus mit diesen grünen Balken, dem glänzenden Gehäuse und der damals hochmodernen Soft-Touch-Tastenbedienung.

AX-80 Sound – wieso will man sowas?

Diese Maschine ist in ihrer Art direkter als ein Roland, gleichzeitig weich genug für Flächen und der Resonanz-Sound ist fast schreiendschön und obertonreich. Deshalb klingt er knackig und ist auch heute noch interessant. Irgendwie erinnert sie wie eine abgewandelte Form bei Oberheim – jedoch ist sie total anderer Natur, denn die sind eben nicht sonderlich obertonreich seitens der Oszillatoren.

AX-80 und die „vergangene Zukunft“

Es gibt zwar leider keine Filter-FM – aber die Resonanz mit etwas Anschlagdynamik gesteuert ist einfach traumhaft, super für Bässe und Flächen gleichermaßen. Alles Andere hörst und siehst du im Video. Das Gerät hätte vielleicht mehr Erfolg gehabt – zumindest was den Klang betrifft – und war mit seiner Stimmenanzahl sicher nicht schlecht bestellt. Technisch ist er aufwendig und sein Sound ist mindestens eigenwillig.

Die Digitalen haben die Wünsche der Leute schnell geändert, D-50, DX-7 und Sampling waren schlicht begehrter. Die analoge Welle war vorbei. Sampling und FM waren schlicht spannender für viele. Akai hat es durchaus noch mit dem AX-73 und AX-600 (’86 und ’88) „probiert“, um sich dann zugunsten von Samplern weiterzuentwickeln und das Analoge fallen zu lassen. Der VX-600 hatte ein damals seltenes und tolles 3-Oktaven-Format, aber leider „sterbenslangsame“ LFOs. Er war als Blas-Controller-Synth gedacht. Aber an den 80er kommt er nicht heran.

AX-80 – wie klingt er? Eine kleine 4-Minuten-Audiodemo von mir zum AX-80 gibt es auch hier. Das Resonanzverhalten hörst du bei Index 1:30 und das recht gut. Wie findest du den Sound und die Optik?

Hier gibt es mehr zu alten Synthesizern, die absolut noch aktuell sind.

Video zum AX-80

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Bildquellen:
  • Akai AX80: Sequencer.de
  • Akai AX80 Display: Sequencer.de
Akai AX-80 Synthesizer 1984

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4 Antworten zu “Akai AX-80: Ein Designstück und Sonderling”

    joit sagt:
    0

    ich habe einen! Zwar schon lange Jahre nicht benutzt, da ich mehr und mehr in the Box produzieren und der AX80 viel Platz braucht. Für direkte Bässe ist er cool und prägnante Chords

    Movie Iga sagt:
    0

    „… Gibt es eine Emulation… Ja…“
    Zumindest als VST und angelehnt an den AX80.
    Eine mir bekannte Seite namens Gearnews berichtete damals auch darüber 🤣…
    https://www.gearnews.com/uvi-unearthed-akai-ax80-made-uvx80-vst-instrument/

    UVI UVX80 Seite:
    https://www.gearnews.com/uvi-unearthed-akai-ax80-made-uvx80-vst-instrument/

    Grüße, Peace,
    Movie ✌🏼

    Marco 🤷🏼 sagt:
    0

    Inzwischen habe ich einen deepmind 12, sonst wäre ich vielleicht neidisch auf den Akai. Aber was man nicht alles haben wollen wöllte. Die vielen Displays sind sehr Ausser gewöhnlich. Gut dass akai die floreszierende Variante gewählt hat, die sind einfach unzerstörbar und sehr zuverlässig. Aber Innenleben ist dennoch inzwischen ein Service fällig, denn die Kondensatoren müssen ausgetauscht werden, ansonsten könnt ihr euch bei Thomann schon einmal nach was neuem umschauen. So ist das mit den alten Schätzchen. Ich kenne mich aus, habe selbst einige. Aber nicht nur mein Herz hängt daran, auch der Klang ist unersetzlich. Und nein, sicher ist, deine Sampling library verspricht dir natürlich das blaue vom Himmel! Aber wer glaubt dass man mit 10 Minuten arbeit am Handy 15000€ im Monat verdienen kann und die ganze Wohnung mit 3 Teelicher beheizt, der wird auch den Werbeversprechen deiner Sampling library glauben schenken. Wer dann das Original hat wird es nicht glauben wie viel Gemeinsamkeiten die Sounds noch haben. Aber das gute ist, dass die Sampling library für sich gesehen ja doch gut klingen mag, aber eben nicht wie das original. Also wer es nicht kennt, vermisst auch nichts.

      Moogulator sagt:
      0

      Deepmind ist ein Versuch Roland nachzustellen – das hier ist aber Akai und klingt wirklich anders – Ja, wer ihn nicht kennt vermisst es nicht stimmt bei vielen Synths – aber er klingt für einige Stile sogar ziemlich brauchbar – finde ich – wird sich auch sogar durchsetzen und nageln.

      Und ja – ich habe ihn wirklich weil ich den schön finde – und weil ich verkaufen insgesamt nicht sonderlich liebe. Verstehe, wenn man anderer Ansicht ist- Aber es gibt ja ein paaR Sounds im Vide und in dem Audiofile in der Sequencer.de Synth DB die ihn einigermaßen vorstellen.

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