Joe Landers Profligacy: Der legendäre KORG Prophecy jetzt als kostenloses Plugin
Der Prodigy-Synth als kostenloser Emulator – aber unter (ROM-) Vorbehalt
Joe Landers, bekannt durch seine kürzlich veröffentlichten Monomachine- und Machinedrum-Emulatoren, hat mit Profligacy jetzt eine neue Low-Level-Emulation veröffentlicht. Dieses Mal für den legendären Kult-Synthesizer KORG Prophecy. Genau der Synth also, mit dem The Prodigy einst diese berüchtigte verzerrte Acid-Linie auf „Firestarter“ eingespielt haben. Als ehemaliger Besitzer dieses Synthesizers würde ich das Plugins gerne installieren, aber …
Profligacy: Was die neue KORG-Prophecy-Emulation kann und wo die Grenzen liegen
Profligacy: Warum diese Art von Emulation gerade jetzt spannend ist
Wir befinden uns gerade mitten in einer regelrechten Emulations-Ära, allerdings nicht der Sorte, die Hersteller wie Softube, Arturia oder Cherry Audio betreiben, wo der Sound eines Synthesizer durch aufwendige Messung und Annäherung nachgebaut wird. Hier geht es um Emulationen der tatsächlichen Hardware, so nah am Original, dass sie sogar die originale Firmware ausführen können.
The Usual Suspects gelten mit ihrem JE-8086 (Nachbau des Roland JP-8000) und dem kürzlich angekündigten Blue Giant (Novation SuperNova II) aktuell als Platzhirsche in diesem Bereich, dazu kommt Autodafes Vintage Emulator Studio mit rund 45 MAME-Synth-Emulationen direkt in der DAW. Schauen wir uns an, wie Landers das beim Prophecy gelöst hat.
Der Prophecy und seine ungewöhnliche Geschichte
1995 veröffentlicht, war der KORG Prophecy schon damals ein ziemlich eigenwilliges Instrument. Basierend auf der MOSS-Synthese-Engine bot er sowohl Physical Modeling als auch virtuell-analoge Synthese, beides für die Zeit ziemlich esoterisch (Rolands JP-8000 kam schließlich erst 1997). Das eigentlich Kuriose am Prophecy: Er ist monotimbral, ein digitaler Monosynth also. Physical Modeling und VA-Synthese brauchten damals so viel Rechenleistung, dass KORG die Polyphonie auf eine einzige Stimme reduzieren musste, um das Gerät überhaupt bezahlbar zu machen. Erst der spätere Z1 brachte den Usern zwölf Stimmen MOSS-Polyphonie.
Diese Einschränkung hat Artists wie The Prodigy nie davon abgehalten, das Maximum aus dem Prophecy herauszuholen. Liam Howlett setzte ihn 1997 auf dem Album The Fat of the Land prominent ein, jene berühmte verzerrte Acid-Linie in „Firestarter“ stammt genau von diesem Gerät.
Wie die Emulation technisch funktioniert
Jetzt läuft genau dieser Synth als waschechte Low-Level-Plugin-Emulation, „Low Level“ bedeutet hier, dass die Emulation den Synth auf Hardware-Ebene nachbildet statt nur sein Verhalten nachzuahmen. Konkret modelliert Profligacy den NEC V55PI, den Hitachi H8/3003 sowie drei TI-TMS57002-DSP-Chips. Landers dokumentiert seinen kompletten Entwicklungsprozess auf GitHub, wer technisch interessiert ist, findet dort erstaunlich detaillierte Einblicke.

Dazu gehörte auch das komplette Design einer eigenen Bedienoberfläche. Low-Level-Emulationen bilden normalerweise nur den exakten Hardware-Workflow nach, ohne die Bedienung für den Bildschirm zu verbessern. Landers hat es aber geschafft, sogar das charakteristische „Log“ des Steuerrads nachzubilden, ein zentraler Bestandteil des originalen Spielgefühls. Stark!
Der ROM-Vorbehalt: Das bekannte Problem bei solchen Emulatoren
Und hier kommt der Haken, den ihr von ähnlichen Projekten schon kennt: Wie bei jedem Emulator dieser Art braucht ihr für Profligacy die originalen ROMs. Besitzt ihr keinen echten Prophecy, kommt ihr da im Prinzip nicht ran. Landers formuliert es auf GitHub unmissverständlich: Die erste Regel der Emulator-Entwicklung sei, dass er euch nicht bei der Beschaffung der Firmware helfen könne, das Projekt richte sich ausschließlich an Menschen, die die originale Hardware und Firmware bereits besitzen. Habt ihr die Firmware, müsst ihr lediglich ein entsprechendes Verzeichnis in der Software verlinken, damit der Emulator darauf zugreifen kann.
Preis und Verfügbarkeit
Profligacy ist kostenlos und Open Source, verfügbar über Joe Landers‘ GitHub-Seite. Aktuell befindet sich das Projekt bei Version 1.0.0 Alpha 8, Bugs solltet ihr also einkalkulieren. Es läuft auf Apple-Silicon-Rechnern mit macOS 15.0 oder neuer als AU-, VST3– und Standalone-Version, zusätzlich gibt es eine unsignierte, experimentelle Windows-x64-Version.
Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, findet mit KORGs offizieller Prophecy-Softwareversion* eine legale Alternative, allerdings kostenpflichtig für 165,41 Euro.
Legal oder illegal: Solltet ihr euch die ROMs besorgen?
Ich habe Profligacy bewusst noch nicht selbst getestet, aus genau dem Grund, um den es jetzt geht: Die Rechtslage rund um Emulatoren wie diesen bleibt eine echte Grauzone. KORG hat, soweit erkennbar, keine klar formulierte Position zur unautorisierten Nachbildung der eigenen Firmware veröffentlicht, glücklich darüber wären sie vermutlich trotzdem nicht. Ob KORG deswegen tatsächlich gegen einzelne Endnutzer vorgehen würde, kann ich nicht seriös einschätzen, ich bin schließlich kein Anwalt. Hier bleibt es also an eurem eigenen Gewissen hängen, besonders weil KORG mit der offiziellen Software ja bereits eine legale Option anbietet.
Wo steht ihr beim Thema ROMs in Emulatoren, greift ihr zu, wenn ihr das Original selbst besitzt, oder bleibt euch das zu heikel?
Weitere Informationen
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Ein Kommentar zu “Joe Landers Profligacy: Der legendäre KORG Prophecy jetzt als kostenloses Plugin”
hier reicht es leider nicht, einen original prophecy zu besitzen… die firmware sitzt auf einem eprom. man benötigt also auch noch einen entsprechenden reader und ahnung von sowas… beides bei mir nicht vorhanden.