Elektron Monomachine und Machinedrum jetzt als Plugin: Kostenloser Emulator für die legendären Klassiker
Zwei Elektron-Kultgeräte kehren kostenlos als VST3-Plugins zurück
Was lange nur als Wunschtraum vieler Elektron-Fans galt, ist jetzt endlich Realität: Für die Elektron Monomachine und die Machinedrum gibt es nämlich jetzt kostenlose Emulatoren, die als Standalone und sogar als VST3-Plugin in eurer DAW laufen. Entwickelt hat sie der Berliner Joe Landers, basierend auf einem Fork des Gearmulator-Projekts von The Usual Suspects (TUS).
Monomachine und Machinedrum Emulator: Was der kostenlose Plugin-Nachbau kann
Monomachine und Machinedrum als Plugin – endlich!
Beide Geräte gehören zu den prägendsten digitalen Elektron-Maschinen überhaupt und wurden unter anderem von Autechre, Radiohead-Mastermind Thom Yorke und The Chemical Brothers eingesetzt. Dass ausgerechnet diese beiden Kultgeräte jetzt als kostenloser Plugin-Nachbau verfügbar sind, dürfte nicht nur in der Elektron-Community für einiges Aufsehen sorgen. Ich bin schon ziemlich aufgeregt diese beiden Plugins in meinem Studio auszuprobieren. Schauen wir uns jetzt an, wie die Emulatoren technisch funktionieren und was ihr dafür braucht.
Wie die Emulation technisch funktioniert
Ermöglicht wird die Emulation durch den Motorola DSP56303, einen Chip aus der DSP56300-Familie, der in beiden Original-Instrumenten jeweils zweifach verbaut war. Genau wie bei den bisherigen Gearmulator-Emulatoren benötigt ihr für die Nutzung zwingend die originalen ROM-Dateien aus euren eigenen Geräten, Links dazu werden aus rechtlichen Gründen nirgends bereitgestellt.
Neben der reinen Klangemulation hat Joe Landers auch authentische Bedienoberflächen nachgebaut, inklusive Key-Chording, Parameter-Locks, Encoder-Klicks und Sekundärfunktionen, genau wie am Original. Dazu kommen SysEx-Unterstützung sowie umfangreiche Audiointerface-Funktionalität: Ihr könnt beispielsweise Host-Audio direkt in die Input-Effekte oder die Sampling-Funktionen der virtuellen Geräte routen. Sehr stark! Die VST3-Version unterstützt außerdem Multi-Output, ihr bekommt also zusätzliche Ausgangspaare zur Verfügung gestellt.
Früher Alpha-Status: Was ihr wissen solltet
Bevor ihr jetzt sofort GitHub öffnet und herunterladen wollt: Das Projekt befindet sich noch in einem sehr frühen, experimentellen Alpha-Stadium. Mehrere User berichten bereits von einer ziemlich hohen CPU-Last, gerade auf älteren Systemen kann das durchaus zum Problem werden. Es sollen aber bereits weitere Entwickler zum Projekt dazugestoßen sein, gerade beim Thema CPU-Auslastung könnte sich also schnell noch einiges verbessern.
Was Monomachine und Machinedrum historisch ausmacht
Die Elektron Monomachine, hergestellt und verkauft zwischen 2004 und 2016, war ein Synthesizer mit zu damaligen Zeiten mächtigem Sequencer und wurde vor allem für seine ungewöhnlichen digitalen Synth-Engines bekannt: eine SID-basierte, an Speak & Spell angelehnte Voice-Engine, eine DX-artige FM+-Engine sowie virtuell-analoge SuperWave- und DigiPro-Engines. Berühmt machte die Maschine natürlich die charakteristischen Elektron-Parameter-Locks, die bis heute jede neue Hardware der Schweden einzigartig macht.
Die Machinedrum wiederum war eine Drum-Machine mit vier unabhängigen Percussion-Synth-Engines: TRX (angelehnt an Roland-TR-Klassiker), EFM (perkussive FM-Synthese), E12 (Sample-Wiedergabe) und PI (Physical Modeling). Jeder Drum-Sound ließ sich mit AM, einem 1-Band-EQ, einem Multimode-Filter, Distortion, Sample-Rate-Reducer sowie Delay- und Reverb-Effekten formen, dazu kam ein moderner Drum-Sequencer mit zwei Modi.
Preis und Verfügbarkeit
Die Monomachine- und Machinedrum-Emulatoren stehen ab sofort kostenlos auf GitHub zum Download bereit. Sie laufen als Standalone und VST3-Plugin unter macOS (nativ für Apple Silicon und Intel) sowie Windows.
Rechtliche Grauzone: Was ihr vor der Installation wissen solltet
Rechtlich ist die Situation nicht ganz unproblematisch: Elektrons EULA verbietet explizit das Reverse Engineering und das Erstellen abgeleiteter Werke der eigenen Software, dazu zählt streng genommen wohl auch diese Art von Emulation. Bislang sind die Hersteller allerdings gegen die aktuelle Welle solcher Emulatoren nicht rechtlich vorgegangen, wie lange das so bleibt, ist aber offen.
Auf der anderen Seite werden diese beiden Machines weder hergestellt, noch sind sie offiziell in Shops erhältlich. Elektron selbst werden diese Emulatoren sicher nicht schaden – im Gegenteil! Ich denke, dass es für die Historie der schwedischen Firma sogar einen Mehrwert bietet. Eigentlich sollten sie die „alten“ ROMs Interessierten kostenfrei zur Verfügung stellen. Die treue Elektron-Community hätte es verdient.