Rhodes Mk.8 mit MIDI: Braucht ihr auf der Bühne überhaupt noch eine zweite Tastatur? Angecheckt!
Das beste Rhodes aller Zeiten, jetzt mit MIDI
Das Rhodes Mk.8 war schon für sich genommen eine Sensation. Jetzt gibt es MIDI dazu, und das verändert so einiges: Wer das Rhodes als zentrales Bühnenkeyboard nutzt, braucht möglicherweise keine zweite Tastatur mehr. Wir haben das Instrument ausführlich angespielt und können eines vorab sagen: Es gibt nichts daran auszusetzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Außergewöhnliche Verarbeitungsqualität
- Fantastischer eingebauter Preamp und FX-Prozessor
- Hervorragende MIDI-Implementierung inklusive polyphonem Aftertouch
- Das Spielgefühl, das nur ein echtes Rhodes liefern kann
Rhodes Mk.8 MIDI im Test: Alles zum legendären E-Piano mit MIDI, eingebautem FX-Prozessor und polyphonem Aftertouch
Wie das Rhodes Mk.8 überhaupt entstanden ist
Rhodes Music startete im Herzen von West Yorkshire, und die Skepsis in der Branche war groß. Kann das wirklich funktionieren? Kann jemand den Klang und das Feeling eines Instruments zurückbringen, dessen Name längst zum Gattungsbegriff für das E-Piano geworden ist?

Dan Goldman, leidenschaftlicher Rhodes-Spieler und erfahrener Restaurateur klassischer Instrumente, hat die Antwort geliefert. Ich habe Dan damals für meinen YouTube-Kanal interviewt, und schon in diesem Gespräch war klar: Wenn jemand das hinbekommt, dann er. Die Begeisterung und das Wissen, das er mitgebracht hat, waren außergewöhnlich.
Produziert wird in Leeds, mit so vielen lokalen Zulieferern wie möglich. Wo das nicht funktioniert hat, wurde kompromisslos das Beste gesucht, was es gibt. Die Tasten beispielsweise kommen vom selben Hersteller, der auch Steinway-Flügel bestückt.
Rhodes-Pianos sind ein bisschen wie Sportwagen: Kenner wissen genau, welche Baujahre gut waren, welche Mechanik am besten gespielt hat, welcher Ton am süßesten ist. Das Mk.8 sollte in jeder Hinsicht das beste Rhodes sein, das je gebaut wurde.
Lieferung und Aufbau: Ein Zwei-Mann-Job
Das Instrument kam per Kurier, doppelt verpackt und sehr sorgfältig gepolstert. Zum Auspacken und Aufstellen war mein Sohn eine echte Hilfe. Der mitgelieferte Ständer lässt sich schnell zusammenbauen, muss aber in der Breite auf das Piano eingestellt werden.
Genau das habe ich zunächst vergessen. Die tiefste Taste des Instruments erzeugte beim ersten Anspielen ein lautes, beängstigendes Rattern, das mich kurz den Worst Case befürchten ließ. Dann fiel mir auf, dass das Piano leicht schräg auf dem Ständer saß. Ständer korrekt eingestellt, Problem gelöst. Puh.

Erster Eindruck: Man weiß sofort, womit man es zu tun hat
Das Mk.8 sieht aus wie ein Rhodes, fühlt sich an wie ein Rhodes und klingt wie ein Rhodes. Das Testgerät kam mit allen eingebauten Effektprozessoren im klassischen Schwarz-Chrom-Finish. Es gibt natürlich auch andere Farben und Materialien, und wer auf die FX verzichten will, kann das Instrument ohne bestellen.
Was sofort auffällt: Hier wurde an nichts gespart. Die Verarbeitung ist auf einem Niveau, das man selten sieht. Jedes Detail sitzt. Man greift an irgendeinen Regler, und schon das Anfassen fühlt sich nach Qualität an. Man versteht sofort, wofür man sein Geld ausgegeben hat.
Rhodes Mk.8 spielen: Einfach großartig
Ich bin kein Virtuose auf der Klaviatur, aber gute Instrumente merkt man sofort. Das Rhodes Mk.8 reagiert auf jeden Anschlag mit einer Direktheit und Musikalität, die einen sofort in den Bann zieht. Sanftes Blubbern bei leichtem Anschlag, aggressives Bellen bei harter Spielweise: Diese Dynamik ist das, was das Rhodes schon immer so besonders gemacht hat, und das Mk.8 liefert das in Perfektion.
Preamp, EQ und Vari-Pan sind intuitiv bedienbar und klingen hervorragend. Der Effektbereich mit Kompressor, Chorus, Phaser und Delay rundet das Ganze sehr gut ab. Alle Regler laufen butterweich, die Auflösung ist hoch genug für sehr präzise Einstellungen. Das Einstellen des eigenen Sounds macht schlicht Spaß.

Das Rhodes wurde einst als günstige Alternative zum Konzertflügel entwickelt, wurde aber schnell zu einem eigenständigen Instrument mit einem Sound, den kein Flügel der Welt reproduzieren kann. Das Mk.8 ist die konsequente Weiterentwicklung dieser Idee. Die bisher beste.
MIDI: Der Geniestreich
Ich bin mit Bildern von Stevie Wonder oder Mike Lindup aufgewachsen, die mit ihrem Rhodes auf der Bühne standen, mit einem Minimoog oder Prophet-5 auf dem Deckel, der dort etwas wackelig thronte. Das ist natürlich Musikgeschichte, aber praktisch war das nie wirklich.
MIDI löst dieses Problem elegant. Andere Instrumente stehen sicher auf ihren eigenen Ständern und werden direkt über das Rhodes gespielt. Man profitiert dabei von der exquisiten Mechanik und Gewichtung des Mk.8, und der Rest des Rigs bleibt an seinem Platz.
Dazu kommt: In einer Welt, in der Mainstage und Plugins auf der Bühne genauso selbstverständlich sind wie im Studio, kann das Rhodes Mk.8 als einziger Controller das gesamte Setup steuern. Kein wackeliger Synth auf dem Deckel, kein Kabelsalat, einfach ein besseres Spielerlebnis.
Die MIDI-Verbindung läuft über USB und einen separaten 5-Pin-Ausgang, ist also bidirektional. Die mitgelieferte App überwacht Tastenpositionen mit hoher Auflösung, und ja: polyphoner Aftertouch ist dabei. Nahezu alle Frontplatten-Einstellungen von FX und Preamp lassen sich aus der App heraus steuern. Was nicht geht: externe MIDI-Trigger, die eine Note am Rhodes auslösen. Aber das ist wirklich die einzige Einschränkung.
MIDI kostet 1.500 Euro Aufpreis. Wer es nicht braucht, kann es weglassen. Wer regelmäßig mit dem Rhodes auf der Bühne steht, wird es nicht mehr missen wollen.
Fazit: Der Ferrari unter den E-Pianos
Das Rhodes Mk.8 ist das beste E-Piano, das je gebaut wurde. Punkt. Die Verarbeitung ist makellos, der Sound ist unvergleichlich, das Spielgefühl ist einzigartig. Kein Plugin, so gut es auch sein mag, gibt dieses unmittelbare physische Feedback zurück. Man spürt die Schwingungen, hört die Mechanik, und genau das gehört zur Rhodes-Erfahrung einfach dazu.
Es ist eine ernsthafte Investition, keine Frage. Aber kein Moment beim Spielen lässt daran zweifeln, dass sie sich lohnt. Wer sich das leisten kann und will: kaufen, fertig.
Ich werde mir selbst keins zulegen, weil ich kein Bühnenspieler bin. Aber ich setze mich bei jeder Gelegenheit an eines. Und für alle, die den Sound lieben, aber das Budget oder den Platz nicht aufbringen können: Rhodes hat ein fantastisches Plugin.

Pro und Kontra Rhodes Mk.8
Pro
- Das einzigartige Spielgefühl, das nur Hardware liefern kann
- Außergewöhnliche Verarbeitungsqualität
- Hervorragende MIDI-Implementierung mit polyphonem Aftertouch
- Fantastischer eingebauter FX-Prozessor
Kontra
- Schwer. Wirklich sehr schwer.
- Der Preis ist eine ernsthafte Investition
- Beim Aufbau genau auf den Ständer achten
- Habe ich erwähnt, wie schwer es ist?
Preis und Verfügbarkeit
Das Rhodes Mk.8 ist direkt bei Rhodes Music bestellbar, die Lieferzeit beträgt derzeit rund drei bis sechs Monate. Genug Zeit also, den richtigen Platz dafür zu finden und das Konto mental vorzubereiten. Preise starten ab 9.499 Euro, vorkonfigurierte Einheiten gibt es auch bei Thomann*.
Wer lieber die Software-Variante möchte: Die gibt es ebenfalls bei Thomann*.
Weitere Informationen
- Rhodes Mk.8 bei Thomann*
- Rhodes Software bei Thomann*
- Rhodes Music: Produktseite
- Alle Rhodes-News auf Gearnews
*Diesen Artikel von Rob Puricelli könnt ihr Original bei GEARNEWS.com lesen.
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