Angecheckt: Tone King Royalist Preamp – Die beste „Amp in a Box“- Lösung?
Volle Punktzahl für den Testkandidaten?
Ich habe den neuen Tone King Royalist Preamp für euch angecheckt. Es gibt vieles, was mir gefallen hat, aber auch ein wenig Kritik, denn meine Erwartungen waren groß. Ob das Pedal nun wirklich der ultimative Marshall-König ist, erfahrt ihr hier.
Angecheckt: Tone King Royalist Preamp
Erster Eindruck
Ich hatte große Erwartungen an den Royalist Preamp. 2024 hatte ich Greg Koch live gesehen und seinen sehr guten Gitarrensound bewundert. Damals spielte er einen Tone King Royalist MKIII Combo mit einem schlichten Shure SM57 davor. Der Sound hatte alles, was ein guter Sound haben sollte. Daher war ich nach den ersten Infos vor der NAMM 2026 sehr gespannt auf diesen Release. Außerdem war der Tone King Imperial Preamp ein absoluter Kassenschlager im letzten Jahr.
Der Tone King Royalist Preamp macht einen sehr soliden ersten Eindruck. Das „Unboxing“ ist eine Freude. Das Gerät ist schwer und fein in der Verarbeitung. Man hält ein schickes Stück Hardware in der Hand. Die Regler und Taster besitzen eine ordentliche Haptik.
Das Layout ist ebenfalls schön übersichtlich gestaltet. Die zwei Kanäle sind klar strukturiert, und die Bedienung geht auch ohne Bedienungsanleitung intuitiv von der Hand. Im Prinzip bedient ihr das Pedal wie ein Amp.
Auf der Rückseite befinden sich diverse Anschlüsse, um Effekte einzuschleifen oder den Royalist mit dem Effektweg eines Verstärkers zu verbinden. Das bietet eine Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten. Soweit, so gut.

Wie wurde getestet?
Getestet wurde der Tone King Royalist Preamp mit einer Fender American Professional II und einer Gibson ES-339. Als Abhöre verwendete ich eine Bose S1 Pro, sowie Neumann KH 120 A Studio Monitore. Somit hatte ich die Möglichkeit, zu hören, ob der Preamp über unterschiedliche Lautsprecher ähnlich arbeitet. Dazu möchte ich noch erwähnen, dass ich ähnliche Geräte wie den Kemper Profiler, UAFX Lion ’68 Super Lead, sowie den Strymon Iridium aus meinem Alltag kenne.
Wie klingt das Ding?
Die ersten gespielten Töne sind ja oft entscheidend wichtig, wenn es um die Frage geht, ob ein Sound eine anziehende oder abstoßende Wirkung auslöst. Ich starte immer mit allen Reglern auf 12 Uhr und arbeite mich von dort an weiter. In dieser neutralen Einstellung präsentierte sich der Sound allerdings zu höhenreich und gleichzeitig sehr bassbetont. So musste ich also erst einmal nachregeln. Treble zurück auf 9 Uhr und auch die Bässe runter. Das Ergebnis war nun besser, wenngleich ich noch immer das Gefühl hatte, dass hier ein High-Cut und Low-Cut fehlen. Dazu später mehr.
Der Sound besticht mit viel Dynamik und ausgeprägter Artikulation. Wenn man über die Saiten streicht, hört man jede kleinste Nuance. Die Gain-Struktur ist ebenfalls sehr vorbildlich und Marshall-typisch, wenngleich die Gain-Reserven nicht wirklich für High Gain reichen. Die drei Marshall Modi (1964/1967/1970) repräsentieren hörbare Unterschiede und werden den genannten Vorbildern charakteristisch gerecht. Auch vorgeschaltete Verzerrer oder Booster werden gut verdaut und überfordern den Royalist Preamp nicht.
Dieser hohe Grad an Transparenz und Klarheit lässt allerdings auch ein wenig Wärme und gnädige Kompression vermissen. Was, in Anbetracht der Tatsache, dass hier drei Vorstufenröhren werkeln, etwas irritiert. Der Grundsound wirkt, egal auf welcher Abhöre, schon ein wenig harsch und kalt. Das ist natürlich alles auch immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Ich persönlich präferiere eine weniger aggressive Grundeinstellung und eine gnädige EQ-Basis. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man den Treble- oder Bass-Regler jemals über 12 Uhr hinaus benötigt. Das empfinde ich als wenig praxisorientiert.
Über die kostenlose Tone King Editor-Software kann man noch tiefer in den Sound eingreifen. Da musste also erstmal der Computer her. Die Installation des Tone King Editors ist einfach, und der Editor ist schön übersichtlich gestaltet. Da findet sich dann auch der vermisste Low-Cut und High-Cut, um den Sound noch etwas mehr zu bändigen.
Sehr gut gefielen mir die Auswahl weiterer Cab-Simulationen, die eigentlich alle wirklich hervorragend klingen. Da ist, von 1×12 über 2×12 bis hin zu diversen 4×12 Lautsprechern, alles dabei. Zudem können bei Bedarf auch eigene Impulse Responses importiert werden.
Ebenfalls hervorragend funktioniert die Einbindung weiterer Preamps. Über den IR Bypass-Taster wird die Preamp-Sektion des Royalist umgangen und das Signal externer Preamps geht direkt in die Cab Simulation inklusive Reverb. In meinem Fall habe ich das mit einem Origin Effects Halcyon und einem Carl Martin Plexi Ranger getestet und auch ausgezeichnete Ergebnisse gehabt.

Klingt der integrierte Hall?
Der integrierte Hall im Tone King Royalist Preamp überzeugt mit dezenter Ausrichtung und klingt unaufdringlich und natürlich. Er lässt sich auch recht gut dosieren und hat keine merkwürdige Hallfahne. Ersetzt er euer liebstes Reverb-Pedal? Nein! Reverb-Enthusiasten werden ihr Reverb-Pedal des Vertrauens über den vorhandenen Effektweg einschleifen.
Fazit
Mein Fazit ist von gemischten Gefühlen geprägt. Möglicherweise trifft der Tone King Royalist Preamp nicht direkt meinen persönlichen Geschmack. Es gibt vieles, was mir an dem Pedal gefällt. Das Format, die Amp-ähnliche und einfache Bedienung, die praxisgerechten Features, eine tadellose Verarbeitung und die problemlose Einbindung der Tone King Editor Software. Diese Dinge sind alle wunderbar gelungen. Jedoch ermüdet der Sound nach einer Weile meine Ohren. Die oben beschriebenen Kritikpunkte bezüglich des Sounds und auch der recht hohe Preis trüben den Gesamteindruck.
Klanglich wird der Tone King Royalist Preamp trotz meiner Kritik viele Freunde finden. So liefert er authentische Marshall-Sounds mit starker Dynamik, bringt diese auf euer Pedalboard und kann einen Amp überflüssig machen.

Pro und Contra: Tone King Royalist Preamp
Pro:
- Vielseitige Marshall-Sounds
- Einfache Handhabung
- Praxisgerechte Features
- Einbindung externer Preamps und Effekte
- Verarbeitung
- Tone King Editor
Contra:
- Etwas kalte, klangliche Grundausrichtung
- Wirkungsgrad des EQ
- Der integrierte Hall ersetzt keinen Reverb-Spezialisten
- Preis
Der Tone King Royalist Preamp und weitere interessante Produkte des Herstellers findet ihr hier bei Thomann.de*.
*Hinweis: Dieser Artikel enthält Werbelinks, die uns bei der Finanzierung unserer Seite helfen. Keine Sorge: Der Preis für euch bleibt immer gleich! Wenn ihr etwas über diese Links kauft, erhalten wir eine kleine Provision. Danke für eure Unterstützung!