von  Moogulator  | |  Lesezeit: 4 Min
Variophone Elektronische Musik 1930

Variophone Elektronische Musik 1930 - Symbol-Titelbild  ·  Quelle: Moogulator

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Wusstest du, dass es schon früh eine Art „Chiptune“-Musik gab? Während in Deutschland wenig Ruhmreiches geschah, entstanden weltweit trotz der politischen Lage spannende Entwicklungen. Theremin, Variophon und Ondes Martenoteröffneten völlig neue Klangwelten. Doch wie klang die Musik damit? Sie reichte von klassischen Stücken über Comics und Unterhaltung bis hin zu ersten Fernseh-Jingles. Auch der erste „echte“ Synthesizer von RCA kam dafür Anfang der Fünfziger zum Einsatz. Die Hörgewohnheiten blieben jedoch lange traditionell. Elektronische Klänge wirkten noch bis in die Sechziger hinein ungewohnt.

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Das Variophon: Chiptunes made in 1930

Hier ein schönes Beispiel für das auch sehr mechanische Variophon(e). Es gab später auch ein gleichnamiges Gerät, „Variophon“ (ohne „e“), aus Deutschland in den Siebzigerjahren. Gemeint ist hier aber das von Evgeny Sholpo entwickelte optische Instrument. Es erinnert optisch eher an einen Film-Schneidetisch mit Rack-Laborgeräten im Schrank dahinter. Das Ur-Gerät hingegen sieht eher wie eine Dampfmaschine mit optischem Hintergrund aus.

Das neuere Variophone - Wikipedia
Quelle: Wikipedia / „douglas-self“

Das ist nicht das ANS, das optische Signale in Sounds umwandelt, sondern eine Entwicklung aus den 1930er-Jahren. Vielerorts wurde der Synthesizer von vielen Instituten nicht so schnell anerkannt, jedoch wurde beim Variophon von Georgy Rimsky-Korsakov darauf und dafür komponiert. Übrigens handelt es sich um Georgy, nicht um Nikolai Rimsky-Korsakov. Natürlich kommt kein Chip zum Einsatz, nicht einmal Röhren, wie bei Bode. Aber das Gerät wurde permanent verbessert und entwickelte sich technisch von einem mechanischen Gerät zu mehr elektrischen Elementen.

Der Klang erinnert dennoch stark an Game-Sound der Achtziger. „Ihr seid noch nicht bereit dafür, aber eure Kinder stehen darauf.“ Das sagte Marty McFly bereits in Zurück in die Zukunft. Das Gerät konnte bis zu 12 Stimmen erzeugen, ursprünglich waren es sechs.

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Die Technik basiert auf normalem 35mm-Film und funktioniert über die Tonspur, um synchron mit einem Film laufen zu können. Leider wurde das Instrument im Krieg zerstört, ebenso der Dokumentationsfilm. Es gab insgesamt drei Variophone und einen vierten Prototypen. Hier kannst du dich durch einige historische Bilder und Videos klicken…

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Bei „uns“ im Lande war der große…

Pionier Harald Bode

Bode hat faktisch die Grundprinzipien des Synthesizers in einer vergleichbaren Zeit entwickelt. Daraus entstanden Instrumente wie das MelochordNovachord oder die Multimonica, ein zweimanualiges elektronisches Instrument. Er wanderte in den Fünfzigern in die USA aus. In Deutschland blieb das Thema innovative Musik mit Elektronik lange schwierig, während man dort offener war. Er entwickelte auch zusammen mit Bob Moog. Der Bode-Frequency-Shifterund der Vocoder stammen wesentlich von ihm, auch wenn das Moog-Logo darauf zu sehen war. Das ist deutlich elektronischer umgesetzt als noch bei Evgeny Sholpo im Variophon.

Sein Audio System Synthesizer, der auch unter dem Namen Sound Processor zu finden ist, war faktisch eine Bandmaschine als „Oszillator“ und besaß bereits alles, was man heute typischerweise in einem Synthesizer erwartet, nämlich zwei FilterVCAs und eine Hüllkurve mit dem Namen „Percussion“. Optisch erinnerte das System eher an ein Eurorack-Modularsystem, eingebaut unterhalb des Bandmaschinen-TeilsHarald Bode zählt zu den wirklich großen Pionieren und Wegbereitern der elektronischen Musik.

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Wenn du noch mehr sehen willst, schau dir gern das Studio für Elektronische Musik vom WDR an. Noch spannender ist die Musik, die dort entstanden ist. Wirklich interessant wird es, wenn man sieht, wie kreativ die Menschen damals werden mussten und wie weit entfernt viele noch von elektronischen Klängen waren.

Man hörte SchlagerChansons, vielleicht Operetten, aber nichts aus dem „Computer“, der damals in großen Racks untergebracht und kaum transportabel war. Auch Peter Zinovieff, Mitgründer von EMS, beschäftigte sich bereits in den Sechzigern mit Computermusik.

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Elektronische Musik: Roland System 100

Und nun noch ein wenig Sound mit zwei Synthesizern aus der „modernen Zeit“, die nie schlecht werden, dem Oberheim Xpander und dem Roland System 100. Einfach, weil es angenehm zu hören ist…

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Dazu passend die Begegnung von Martyn Ware (Heaven 17 und Human League und natürlich „The Future“) mit dem Roland System 100. Übrigens bitte nicht verwechseln mit dem System 100m.

Martyn hat ein fantastisches Podcast-Projekt, das du unter Electronically Yours finden kannst. Dort werden viele Musiker interviewt, die rund um Synthpop und Industrial interessant waren oder sind.

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Es gibt ein „besser gesungenes“ Cover von „Being Boiled“ von Alex Ball, das nicht weniger sehenswert ist. Er verwendet ebenfalls die beiden Schlüsselinstrumente, das Roland System 100 und den Korg 700.

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