von claudius | Geschätzte Lesezeit: 8 Minuten | Unsere Wertung: 3,0 / 5,0
Angecheckt Two Notes Revolt Guitar

 ·  Quelle: claudius

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Der unangefochtene Platzhirsch für simulierte Boxen im Stompbox-Format sind vermutlich Two Notes. Das Torpedo C.A.B.* hat nicht ohne Grund überall Bestwertungen eingefahren. Doch ausgerechnet bei den ReVolt Guitar und ReVolt Bass verzichtet der Hersteller auf die ausgereifte und beliebte Boxenemulation via IR und setzt auf analogen Bandpass. Ob das gutgeht bzw. klingt?

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Analoge Boxen-Emulation

Als Two Notes die beiden ReVolt-Modelle angekündigt hatten, war die Gitarrenwelt gespalten. Denn ausgerechnet die beliebte IR-Technik ist hier nicht verbaut, stattdessen wird ein analoger Bandpass als Cab-Sim eingesetzt. Als Liebhaber authentischer Boxen-Emulationen ist das ein Minuspunkt – es gibt zwar vereinzelt gute, doch die meisten sind gerade so brauchbar oder schlicht miserabler Müll. Wo reiht sich Two Notes als Boxen-Emu-Spezialist ein? Und wie gut klingen die Preamps mit den drei Kanälen?

Ich durfte mir beide ein paar Tage anschauen, habe sie zum Üben, zur Probe und im Heimstudio eingesetzt. Eine Sache hat mich dann aber doch überrascht.

Two Notes ReVolt Guitar auf Jag-Stang

Quelle: claudius

Two Notes ReVolt Guitar: Aufbau und Benutzung

Die Gitarrenvariante ist richtig gut durchdacht und sollte als Vorbild für andere „Multis“ dienen: 3 Fußschalter für 3 unterschiedliche Kanäle (Clean, Crunch, Heavy), die bei einem einzelnen Fußtritt aktiviert werden. Ein zweiter Fußtritt auf den jeweiligen Kanal aktiviert einen Boost und die Röhre wird rot beleuchtet. Die Fußschalter sind angenehm weit auseinander, dass keine Fehltritte passieren.

Cab Sim und 4-Kabel-Methode (interessant für FX-Loop Nutzende, ob der Loop bei ausgeschaltetem Effekt aktiv bleibt oder nicht) sind per kleinem Kippschalter an der Front schnell zugänglich. Zudem gibt es einen MIDI-In (Adapter im Lieferumfang), einen Kopfhörerausgang und einen DI-Out – auf beide lässt sich die Cab-Sim aktivieren. Am normalen Ausgang ist sie nie aktiv.

Warum sich Kanal 2 und 3 des Two Notes Revolt Guitar einen EQ teilen müssen und Kanal 1 nur einen 2-Band-EQ hat, erschließt sich mir nur bedingt. Es ist sicherlich den nachgeahmten Amps und deren Tonestacks geschuldet, es geht dadurch aber einiges an Möglichkeiten verloren. Da man sich ohnehin nicht supergenau an die Vorlagen hält, wäre hier eigentlich auch etwas mehr drin gewesen.

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Übrigens kann das Pedal auch in Bypass geschaltet werden: Kanal 1 und 2 gleichzeitig drücken.

Verarbeitung

Ich kann es nicht anders sagen: Die Verarbeitung ist quasi perfekt. Ich konnte keine Dings oder Dongs ab Werk sehen, keine ungewollten Spalten, die Potis drehen angenehm schwer, die Fußschalter sind nicht zu leichtgängig – allerdings ohne merklichen Klick unterm Fuß. Dafür aber mit Relais-Schaltung und damit ohne Knackser auf der Tonspur. Die Kippschalter sitzen mittig. Da gibt es nichts zu bemängeln.

Klang

Das Revolt Guitar hat drei Kanäle.

  • „Fender Bassman“ Clean
  • „Marshall Plexi“ Crunch
  • „Heavy“ nach eigener Entwicklung
Two Notes ReVolt Guitar Front

Quelle: claudius

Clean bleibt mit der Jazzmaster und mit der Jag-Stang absolut clean. Mangels regelbaren Mitten ging es je nach Bandkonstellation schnell mal unter. Im Recording fällt das aber nicht auf und bei einigen Musikrichtungen vermutlich auch nicht. Mit einem Boost davor geht es ganz leicht in den „dreckigen“ Bereich, da sind dann auch duetlich mehr Mitten im Spiel.

Crunch geht klar Richtung Marshall, setzt sich sehr gut durch und geht von fast-clean bis volles Brett bei aktiviertem Boost. Für mich wäre es vermutlich der Hauptkanal. Mit Singlecoils (vor allem am Steg) ist es sehr kratzig und hell, was mich erstmals in meinem Leben dazu veranlasste, das Tone-Poti der Jazzmaster auf nur 20 % zu spielen. Aber dafür ist es ja da. Der Treble-Regler war bereits auf halb 9 am ReVolt. So passt es gut.

Heavy klingt brauchbar und geht eher in die moderne Richtung, allerdings keine Badewanne. Für mein Empfinden kratzt es etwas zu viel in der Gain-Struktur, aber das bleibt Geschmackssache. Zur Einordnung: Ich empfinde das auch bei Bogners und Soldanos Amp-Zerren so. Wer die mag, könnte hier also evtl. glücklich werden.

Das Problem für mich ist: Alle drei Kanäle klingen für sich gut und lassen sich gut einstellen, sicherlich auch dank 12AX7 im Schaltkreis. Schaltet man sie jedoch im Song um, fehlt es entweder an Durchsetzungskraft im Clean oder der gemeinsame EQ von 2 und 3 macht einen Strich durch die Rechnung. Da hätte ich mir mehr Flexibilität gewünscht.

Two Notes ReVolt Guitar ReVolt Bass 1

Quelle: claudius

Analoge Cab-Sim: yo oder no?

Schafft Two Notes die Kür mit der analogen Cab-Sim? In meinen Augen nicht. Die analoge Cab-Sim klingt maximal okay und reicht zum Üben. Für mehr sollte eine amtliche Emulation ran – empfohlener Partner vom Hersteller ist natürlich das Torpedo CAB*.

Allerdings finde ich den Preis dafür ziemlich happig. Warum ausgerechnet Two Notes auf die hauseigene IR-Technik im ReVolt verzichtet, erschließt sich mir (und vermutlich auch anderen) nicht. Zum Glück habe ich hier einen Mooer Radar* mit eigenen IRs – und Two Notes liefert ein paar kostenlose DynIRs fürs hauseigene Wall of Sound Plugin mit. Eine Rundum-Sorglos-Lösung ist das aber nicht. Für den Preis beider Pedale zusammen gibt es doch einige Angebote am Markt.

Two Notes ReVolt Bass Front

Quelle: claudius

Two Notes ReVolt Bass: Aufbau und Verarbeitung

Im ersten Augenblick sieht das ReVolt Bass wie ein schwarz gefärbtes ReVolt Guitar aus. Allerdings ist der Aufbau minimal anders. Es gibt wieder drei Kanäle an die Hand: Clean, Crunch und Heavy – natürlich mit Bass-Voicing. Allerdings gibt es keinen Boost oder sonstige Gimmicks beim zweiten Fußtritt auf den jeweiligen Kanal. Schade. Dafür gibt es beim dritten Kanal statt des Boost-Reglers einen Dry/Wet-Regler. Sehr nützlich.

Sonst ist es der Gitarrenversion ebenbürtig. Tadellose Verarbeitung ohne Abstriche. Alles fühlt sich wertig und durchdacht an. So würde ich das bei allen Effekten wünschen. Lediglich der Kopfhörerausgang ist etwas leise. Ob das an meinem Testgerät liegt, kann ich mangels zweitem ReVolt Bass nicht sagen.

Two Notes ReVolt Bass auf Precision

Quelle: claudius

Klang und Cab-Sim

Auch bei der Bass-Version ist natürlich neben der Bedienung der Klang entscheidend.

  • „Ampeg SVT 76“ Clean
  • „Marshall JMP Super Bass MK II“ Dirt
  • Drive nach eigenem Design

Mich hat als ehemaliger SVT Classic und SVT 3 Pro Spieler vor allem der Clean interessiert. Der ist mit meinem US-Preci richtig schön rund und bekommt bei viel Gain auch mehr Obertöne. Wirklich knarzig oder schmutzig wird er bei mir aber nicht. Ich hätte mir aber auch wie beim Gitarren-Äquivalent einen Mittenregler gewünscht.

Der Marhsall JMP des Dirt-Kanals ist ein hervorragender Verstärker mit eigenem Ansatz. Vor allem zerrt er richtig schön. Allerdings fehlt es dadurch auch im zweiten Kanal des ReVolt Bass auch etwas an Bass-Anteil, was zwar für mehr Definition und Durchsetzungsvermögen sorgt, allerdings für mich etwas zu wenig in einer klassichen 3-Mensch-Rockband wäre. Wer eher Richtung Lemmy auf seinen Alben oder Les Claypool gehen möchte, könnte hier glücklich werden.

Dirt erinnert mich stark an Darkglass-Sounds, crisp, knackig und dannk Dry-Wet potenziell sehr vielseitig. Allerdings hatte ich am (einzig verfügbaren) Testbass so meine liebe Sorge in Bandkostellation, in dem Kanal den richtigen Mix aus Zerre und Clean-Bass zu bekommen und mich gleichzeitig gegen die Gitarre durchzusetzen. Aber es ging. Die Stärke sehe ich hier auch vor allem beim Recording.

Die „Cab-Sim“ ist auch hier „nur“ ein analoges Bandpass-Filter, laut Hersteller einem 8×10 Ampeg Kühlschrank nachempfunden. Ich finde ihn nicht sehr gelungen. Es klingt nicht scheußlich, aber auch nicht so, als möchte ich es gern länger über Kopfhörer spielen. Da lohnt sich defintiv ein IR-Loader oder ein Plugin.

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Two Notes ReVolt Bass Guitar

Quelle: claudius

Fazit

Nun, wie gut sind denn nun die Two Notes ReVolt Guitar und ReVolt Bass?

Kurz und absolut subjektiv:

  • Verarbeitung: richtig gut
  • Konzept: grundlegend gut – allerdings mit dickem Minus, weil IR-Loader fehlt
  • Klang: okay
  • Analoge Cab Sim: gerade so ok zum Üben

Für den Preis von 389 Euro* für das Two Notes ReVolt Guitar und 399 Euro* für ReVolt Bass finde ich das insgesamt nur so lala.

Meinem Empfinden nach müsste Two Notes in einer nächsten Version bei den EQs anpacken und bitte, bitte einen IR-Loader einbauen. Schließlich kennen wir Two Notes dafür. So empfinde ich es als zu teuer, so hochwertig es sich auch anfühlt. Ohne Torpedo C.A.B. M+ oder einem IR-Loader ist es für mich nur ein teurer 3-Kanal-Preamp mit guten bis sehr guten Einzelsounds, die sich manchmal nicht so gut umschalten lassen.

Bitte nicht falsch verstehen: Beide klingen am Amp gut. Die Abstimmung der Kanäle ist nicht optimal für mich – kann aber bei dir anders aussehen. Wenn dir das Konzept aus Clean, Crunch und Modern-Zerre gefällt, dann schau sie dir einmal an. Nur erwarte keine Two Notes Boxenemluation.

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9 Antworten zu “Two Notes ReVolt Guitar und ReVolt Bass – Angecheckt”

    Sonny sagt:
    0

    Wenn man den Klang ins Verhältnis zum Preis setzt dann finde ich das Gerät zu teuer. Ich habe es zurückgesendet, Clean zu steril, Lead zu fuzzy, und nur für einen guten Crunch Kanal sind fast 400 Euro einfach zu viel…

      The Rob sagt:
      0

      @Sonny
      Die paar Demos die es gibt haben schon angedeutet das es klanglich nicht wirklich überzeugend ist und die Bewertungen haben es dann bestätigt.
      Röhren brauchen einfach genügend Spannung sonst kommen sie nicht auf Touren, das in ein Pedalformat zu zwingen bringt einfach nichts.
      Ich hoffe es gibt irgendwann ein Comeback der echten Preamps im Rackformat, außer dem Engl hat leider bis heute keiner überlebt…

        claudius sagt:
        0

        @The Rob: An einer guten IR fand ich eigentlich alle Sounds für sich alleine gut. Je nach Setup könnte es aber tatsächlich etwas fizzelig werden.

          The Rob sagt:
          0

          @claudius
          Selbst im Text steht „Klang: ok“,
          „Klang ok“ ist für 400.-Euro aber nicht ok…
          Der Klang wurde von Erstkäufern als kalt, steril, dünn, plastikartig etc. beschrieben, alles typische „klangliche“ Merkmale einer Unterversorgung der Betriebsspannung.
          IR’s sind im Grunde Frequenzgangkorrekturen, wenn ich im für Gitarren relevanten Bereich ganze Frequenbereiche „wegkorrigieren“ muss das es „ok“ klingt, zeugt das nun wirklich nicht von souveräner Wiedergabe.
          Was technisch wirklich nötig ist um „guten Klang“ zu erzeugen war spätestens Anfang der 70′ Jahre komplett ausgereizt, an diesen technischen Grundsätzen hat sich bis heute nichts geändert.

        Markus sagt:
        0

        Two notes geben 200 Volt B+ an – optimal für diese Röhrengattung.

        Wenn man sich das Kennlinienfeld der ECC83 oder 12AX7 ansieht, erkennt man aber, dass für die zu erwartende Gitterspannung einer Gitarren-Anwendung (1 V) sogar 80 Volt für einen praktisch linearen Betrieb genügen würden. Darunter gibts halt mehr Verzerrung, was ja oft gewünscht wird („Starved Plate“ auch wenn das keine wirkliche Schaltungstechnik ist).

        Aber ja: Die ReVolt Teile klingen sowohl für Gitarre als auch Bass enttäuschend.

          The Rob sagt:
          0

          @Markus
          Um nicht unnötig technisch zu werden, wenn es „echte“ 200V wären bräuchte es dafür einen (großen) Transformer, ist der im Revolt verbaut?
          Röhren brauchen eine Heizung, allein die verbraucht bzw. verbrät schon eine Menge Strom, ist die im Revolt verbaut?
          Steht „Röhre“ auf dem Gerät, hat aber keinen Kaltgerätestecker oder ein internes Netzteil – Finger weg!
          Das relativ einfache Overdrive Pedal „Greer – Royal Velvet“ hat vermutlich einen größeren und besseren Transformer verbaut obwohl es den eigentlich gar nicht bräuchte, „Hubraum“ ist eben durch nichts zu ersetzen…

            Absolut notwendig technisch sagt:
            0

            Das war tatsächlich unnötig technisch, weil falsch. Denn als technisch bewanderter Mensch wären mit Hochsetzsteller und Inverswandler Begriffe bekannt gewesen, mit denen man sich nicht als unqualifiziert geoutet hätte.

            Da hat wohl jemand in den 80ern das letzte mal in ein Elektrotechnikbuch geschaut und/oder zu viel „Fachwissen“ in Foren aufgeschnappt.

      Frank Kirmis sagt:
      0

      Ich hatte das Gerät auch zum Test um eine gute direkt ins Pult Lösung zu haben! Der Cleansound war ohne Booster nicht wirklich überzeugend, mit Booster akzeptabel! Aber man muss dann halt zweimal drauftreten zum Aktivieren! Der Crunchsound war gut, aber dadurch Manko war die gemeinsame Klangregelung! Entweder ich habe den Crunchsound oder den Leadsound super hinbekommen, nicht aber beide! Live ist das blöd, da ich dann nur zwei Kanäle nützen kann und den Clean nur mit zweimaligem drauftreten! Schade, denn im Gegensatz zu dem Bericht fand ich die Speaketsimulation nicht schlecht!

    Mitsch76 sagt:
    0

    Hi!
    Ich kann die Kommentare nicht nachvollziehen. Vielleicht ja alles Guitar-Heros hier…. ich bin von der Basisstenfront und bin sehr zufrieden mit dem Klang des Revolt Bass. Es war vom ersten Moment ein klarer Unterschied zu einem röhrenlosen Vorverstärker zu hören und auch zu fühlen, was die Impulswiedergabe/Ansprechverhalten betrifft. Alle 3 Kanäle schocken und inspirieren auf ihre Weise. Und Kanal 2 ist perfekt, wenn man mal wieder von den Guitarren niedergemacht wird… ;-) Ich kann den Revolt Bass nur wäemstens empfehlen. Ach ja und eine Frage noch: Wie soll man einen IR-Loader in ein ANALOGES Gerät einbauen? Na, irgendwer???

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